Welcher Alkohol wofür? – Der richtige Alkohol für Hausmittel und Kosmetik

Mit dem richtigen Alkohol für jeden Zweck kannst du viele Kosmetik- und Reinigungsprodukte selbst herstellen. Inklusive Umrechner für die Alkoholkonzentration!

Alkohol oder Ethanol ist nicht nur ein Genussmittel, sondern auch für viele Anwendungsbereiche im Haushalt geeignet. Seine konservierende Wirkung, aber auch seine Eigenschaften als Desinfektions- und Lösemittel machen ihn zu einer vielseitigen Zutat für selbst gemachte Kosmetik-, Pflege- und Reinigungsprodukte. Doch welcher Alkohol eignet sich für welche Anwendung zum Putzen, in Kosmetik oder in heilsamen Tinkturen?

Je nach Alkoholgehalt und je nachdem, ob es sich um vergällten oder unvergällten Alkohol handelt, kann er für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Unvergällter Trinkalkohol und Weingeist lassen sich zum Beispiel bestens für die Herstellung und Konservierung von Kosmetik verwenden. Dagegen wird vergällter Alkohol eher für die Herstellung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln genutzt.

Welcher Alkohol sich für welche Zwecke am besten eignet, erfährst du in diesem Beitrag.

Was ist vergällter oder unvergällter Alkohol?

Von vergälltem oder denaturiertem Alkohol spricht man, wenn dem Alkohol Stoffe beigemischt wurden, die den Geruch und Geschmack derart verändern, dass er ungenießbar (und zum Teil auch ungesund) wird. Durch die Vergällung wird die Besteuerung durch die Alkoholsteuer – früher Branntweinsteuer – vermieden. Vergällter Alkohol ist deshalb preiswerter als unvergällter.

Hochprozentiger Trinkalkohol

Spirituosen wie Wodka, Rum, Korn oder Doppelkorn sind vielleicht ohnehin in der Hausbar vorhanden. Nicht nur deshalb sind sie prädestiniert für die Verwendung in selbstgemachten Kosmetikartikeln. Trinkalkohol besitzt grundsätzlich Lebensmittelqualität, ist nicht vergällt und hat meist einen Alkoholanteil von 38 bis 40 Prozent.

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Dieser Alkoholanteil reicht zur sanften Desinfektion der Haut, zum Beispiel in einem Rasierwasser oder in selbst gemachten, wiederverwendbare, Feuchttüchern. Auch ein aluminiumfreies Deo kannst du mithilfe von Wodka, Korn & Co. herstellen. Ein Textil-Deo aus Alkohol, Wasser und Natron macht gekauften Textilerfrischer (“Febreze”) überflüssig.

Hochprozentiger Trinkalkohol dient als Lösungsmittel bzw. Trägersubstanz für ätherische Öle. Deshalb kannst du daraus mit wenigen weiteren Zutaten deinen eigenen Raumduft selber machen. Ebenfalls als Lösungsmittel eingesetzt, entfernt Alkohol hartnäckige Aufkleber und Etiketten von Glasoberflächen.

Wie du mit Trinkalkohol unter anderem Mücken vertreiben, aber auch einen heilsamen Likör herstellen kannst, liest du in unserem Beitrag über die Verwertung von Alkoholresten.

Ansatzalkohol (“Prima Sprit”)

Ansatzalkohol, auch Prima Sprit genannt, ist ebenfalls in der Spirituosenabteilung erhältlich und ist dafür gedacht, um Obst- und anderen Likör anzusetzen. Er ist nicht vergällt, und sein Alkoholgehalt liegt in der Regel um die 70 Prozent. Der hohe Alkoholgehalt ist wichtig, weil Obst viel Flüssigkeit enthält; ein geringerer Prozentsatz an Alkohol würde den Ansatz verderben lassen.

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Aber auch für selbst gemachte Pflegeprodukte, Reiniger & Co. kannst du solchen Ansatzalkohol verwenden, zum Beispiel für selbst gemachte Aroma-Roll-Ons.

Prima Sprit eignet sich auch zur Herstellung von Tinkturen, vor allem dann, wenn ein höherer Alkoholgehalt erforderlich ist, um heilsame Pflanzenstoffe zu lösen, zum Beispiel in einer Nelken-Tinktur gegen Blähungen und einer gefäßstärkenden Kastanientinktur. Durch den Alkohol werden die Inhaltsstoffe aus den Pflanzen gelöst und konserviert, sodass die Tinktur sehr lange haltbar ist.

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Ansatzalkohol ist darüber hinaus bestens dazu geeignet, Gerätschaften für die Kosmetikherstellung zu desinfizieren. Schraubgläser werden mit Alkohol ausgeschwenkt und andere Utensilien mit einem alkolholgetränkten Tuch abgewischt. Reste des Alkohols verfliegen innerhalb von Minuten.

Ansatzalkohol hat durch seinen geringeren Alkoholanteil gegenüber fast reinem Alkohol (wie zum Beispiel Weingeist) den Vorteil, dass er besser in die Zellmembran von Keimen eindringen und sie unschädlich machen kann.

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Weingeist

Weingeist besteht fast ausschließlich aus reinem Ethanol und wird aus der alkoholischen Gärung landwirtschaftlicher Rohstoffe wie Obst, Getreide oder Kartoffeln gewonnen. Er hat 95 bis 98 Prozent Alkoholgehalt und ist unvergällt. Mit seinem hohen Alkoholgehalt bietet Weingeist viele Möglichkeiten, in selbst gemachten Desinfektionsmitteln verarbeitet zu werden. Hochprozentiger Weingeist ist vor allem dann hilfreich, wenn im fertigen Produkt ein gewisser Alkoholgehalt benötigt wird, ohne zu viel Flüssigkeit zuzusetzen, etwa bei der Konservierung von Cremes und Salben.

Weil nur selten ein so hoher Alkoholgehalt erforderlich ist, wird Weingeist deshalb in der Regel nur in kleinen Mengen zugegeben oder entsprechend verdünnt. In vielen Rezepten sind deshalb Weingeist, Ansatzalkohol und normaler Trinkalkohol gegeneinander austauschbar, sofern man die korrekte Umrechnung des Alkoholgehalts beachtet (mehr dazu weiter unten).

Ein hautfreundlicher Handreiniger für unterwegs basiert auf Weingeist, Wasser und ätherischen Ölen mit antimikrobiellen Eigenschaften. Ein ebenso unkompliziert zuzubereitendes Handreinigungsgel mit Aloe Vera basiert auch auf Weingeist und pflegt zusätzlich durch die Zugabe von Aloe-vera-Gel.

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Auch Anti-Mücken-Spray für sensible Haut,  Schlaf-gut-Spray mit beruhigenden ätherischen Ölen sowie duftendes, regenerierendes Rosen-Gesichtswasser kannst du mit Weingeist zubereiten.

Kosmetischer Alkohol und kosmetisches Basiswasser

Unter kosmetischem Alkohol und kosmetischem Basiswasser versteht man Produkte mit einem Alkoholgehalt von über 95 Prozent, die zwar denaturiert bzw. vergällt sind, sich aber wegen der verwendeten Vergällungsmittel trotzdem für die Verwendung in Kosmetika und Pflegeprodukten eignen.

Kosmetisches Basiswasser wird gerne mit Panthenol oder D-Panthenol als hautpflegender Komponente sowie einem Parfümstoff versetzt, der aber meistens kaum zu riechen ist. Kosmetischer Alkohol und kosmetisches Basiswasser sind preiswerter als Weingeist, der den gleichen Alkoholgehalt hat, aber nicht vergällt ist. Ihre Anschaffung ist besonders dann sinnvoll, wenn man Kosmetikartikel in größeren Mengen herstellen will.

Bioethanol

Bioethanol ist vergällt und hat einen Alkoholanteil von 95 bis fast 100 Prozent; es wird aus biologischen Abfallstoffen gewonnen. Diese Alkoholart ist eigentlich für die Nutzung als Biokraftstoff bestimmt, ist im Baumarkt aber auch in kleineren Mengen als Brennstoff für Indoor-Kamine erhältlich.

Bioethanol ist einer besser verträgliche, umweltfreundliche Alternative zu Brennspiritus und eignet sich hervorragend als Zusatz zu Reinigungsmitteln, die nicht für die Haut bestimmt sind. Einen preiswerten Klarspüler für die Spülmaschine erhältst du beispielsweise, wenn du Bioethanol mit Zitronensäure und Wasser mischst.

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Auch ein Fensterreiniger aus Bioethanol, Wasser und Apfelessig tut problemlos, günstig und umweltfreundlich seine Dienste. Viel Geld sparen kannst du auch, wenn du das Frostschutzmittel für die Scheibenwaschanlage aus Bioethanol, Wasser und einigen Tropfen neutraler Flüssigseife selbst herstellst.

Brennspiritus

Klassischer Brennspiritus ist oft mit schädlichen Substanzen wie MEK (Methylethylketon) oder Benzin vergällt und deshalb ungesund für Mensch und Umwelt. Eine weniger schädliche Alternative ist Bioethanol, die Anwendungsbereiche sind die gleichen.

Isopropanol bzw. Isopropylalkohol

Isopropanol, auch Isopropylalkohol oder 2-Propanol genannt, ist eine günstige, vergällte Alkoholvariante mit einer Konzentration von 70 bis 99 %. Isopropanol wird häufig industriell genutzt, zum Beispiel als Scheibenenteiser oder als Lösungsmittel für Fette, Harze, Lacke, Tinte und mehr. Es wird im Krankenhaus als Desinfektionsmittel eingesetzt und hilft effektiv gegen Schimmelbefall in schlecht gelüfteten Räumen.

Da Isopropanol Schleimhäute, Haut, Augen und Atemwege schnell reizt, ist er für die Herstellung von Kosmetik nicht geeignet. Als Zusatz für Reinigungsmittel ist Isopropanol in der Apotheke oder online erhältlich.

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Hautverträglichkeit von Alkohol in Kosmetik

Gegen die Verwendung von Alkohol in selbstgemachter Kosmetik wird oft vorgebracht, dass er die Haut austrocknen kann. In der Regel tritt diese Wirkung aber erst eine Konzentration von 20 Prozent und mehr ein. Da unsere Empfehlungen für die Alkoholkonzentration sich je nach Anwendungsfall im Bereich von 10 bis 15 Prozent bewegen, ist eine übermäßige Austrocknung der Haut nicht zu befürchten.

Konservierung mit Alkohol

Alkohol wirkt der Vermehrung von Mikroorganismen wie Schimmel, Hefepilzen und Bakterien entgegen. Für die Konservierung selbst gemachter Kosmetik ist eine zehnprozentige Konzentration von Alkohol zu empfehlen, für die Herstellung eines Pflanzenauszugs (Tinktur) je nach Pflanze mindestens 15 Prozent. Je nachdem, ob du Weingeist, Wodka oder anderen Schnaps verwendest, muss die Menge an Alkohol entsprechend angepasst werden.

So berechnest du die richtige Alkoholkonzentration

Um dir die mühsame Umrechnerei von einer Alkoholkonzentration in eine andere zu ersparen, kannst du diesen Umrechner nutzen.

Kurze Erläuterung zum Umrechner:

Gewünschte Gesamtmenge: Die Menge an Rasierwasser, Frostschutzmittel oder Gesichtswasser, die du insgesamt herstellen möchtest.

Alkoholgehalt vorhanden: Damit ist der Alkoholgehalt des Wodkas, Prima Sprits oder Weingeistes gemeint, der zur Verfügung steht.

Alkoholgehalt benötigt: Diese Konzentration soll der Alkohol in deinem fertigen Mittel haben.

Benötigter Alkoholanteil: So viel vom vorhandenen Alkohol muss der Mischung zugegeben werden.

Benötigter Wasseranteil: So viel Wasser muss zugegeben werden.

Gesamtmenge: Resultierende Gesamtmenge.

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Hast du noch weitere Tipps, wie sich Alkohol für Selbstgemachtes verwenden lässt? Dann freuen wir uns auf deinen Kommentar!

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5 Kommentare Kommentar verfassen

  1. „Bioethanol ist einer besser verträgliche, umweltfreundliche Alternative zu Brennspiritus“

    Das wage ich aber stark zu bezweifeln. Wie Sie selbst schreiben ist das Zeug ebenfalls vergällt. Wieso also sollte es verträglicher sein?
    Ist es mit einem anderen Stoff vergällt? Vielleicht manchmal, aber nicht grundsätzlich: Ich habe mehrere Bioethanol-Produkte gefunden, die wie normaler Spiritus mit Methylethylketon („MEK“) vergällt sind.
    Und da Bioethanol ohnehin zur Verwendung als Brennstoff vorgesehen ist, gibt es auch nicht den geringsten Grund warum man einen besser verträglichen (und vermutlich teureren) Stoff zum Vergällen verwenden sollte.

    Wenn Spiritus als unverträglich betrachtet werden muss, dann gilt das gleiche für Bioethanol.

    Antworten
    • Hallo Stefan,
      ich möchte Deinen Betrag gerne fortführen. Den Hefen, die für die Vergärung der zuckerhaltigen oder stärkehaltigen Grundstoffe verantwortlich sind, ist es egal ob das destillierte Endprodukt nun sich „bio“ nennt oder nicht. Ob ich von einer Umweltverträgklichkeit sprechen kann, wenn statt eines Nahrungsmittels extra Zuckerrüben dafür angebaut werden wage ich zu bezweifeln.
      Die Begriffe Weingeist, Spiritus, Bioethanol und Alkohol (Ethanol) sind synonym = farblose, leicht entzündliche, würzig riechende, brennend schmeckende Flüssigkeit, die vorwiegend durch alkoholische Gärung zuckerhaltiger Lösungen erzeugt wird. Der Alkohol, 95 bis 98 %iger Ethanol, wird erst dann zu Brenn“Spiritus“ wenn MEK zugegeben wird und hat mit „Bio“ nichts mehr zu tun. Für mich ist dies nur Augenwischerei für Gute Menschen.

    • smarticular.net

      Bioethanol ist durchaus besser umwelt- und gesundheitsverträglich als konventioneller Spiritus, denn bei letzterem kommt klassischerweise Benzin als Vergällungsmittel zum Einsatz. Benzin gilt unmittelbar als krebserzeugender Stoff und ist außerdem in hohem Maß gesundheitsschädlich, gewässer- und umweltgefährdend. Auch die Verbrennungsabgase sind – ungefiltert – in hohem Maß mit Schadstoffen belastet, die die Gesundheit unmittelbar gefährden.
      Dagegen sind die Bio-Ethanol verwendeten Vergällungsmittel wie etwa Methylethylketon „vergleichsweise harmlos“, wenngleich man sie auch nicht verharmlosen sollte. Sie sind unter anderem deshalb für Bio-Ethanol zugelassen, weil dieser auch als Brennstoff für Indoor-Kamine u.ä. verwendet wird. Da sich hierbei die Abgase unmittelbar mit der Raumluft mischen, wie etwa auch bei Haushaltskerzen, muss sichergestellt sein, dass keine gesundheitsschädliche Luft-Abgas-Mischung entsteht. Somit ist Bio-Ethanol zwar keineswegs perfekt, aber dennoch eine wesentlich bessere und im Vergleich für uns durchaus sinnvolle Alternative, vor allem dann, wenn sich mit den damit hergestellten Wasch- und Putzmitteln wesentlich schädlichere konventionelle Wasch- Putz- und andere Mittel ersetzen lassen.
      Wer ganz sicher gehen möchte, kann natürlich auch zu einer der anderen im Beitrag beschriebenen Alkoholsorten greifen, zum Beispiel zu hochprozentigen Spirituosen, die den Alkohol in Lebensmittelqualität enthalten.
      Liebe Grüße

  2. Der Kalkulator ist falsch. Alkohol hat eine Dichte von 0,789 g/l und nicht 1,00 g/l. Somit sind alle Berechnungen unrichtig. Schlecht recherchiert!!

    Antworten
    • smarticular.net

      Lieber Harald,
      stimmt nicht – bitte beachten: Es handelt sich um das Volumenmaß (Milliliter), und nicht etwa um die Gewichtsangabe in Gramm. Wären die Mengen in Gramm angegeben, hättest du natürlich Recht. Aber trotzdem vielen Dank für die Anregung, diese Funktion ergänzen wir gern!
      Liebe Grüße

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