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Heilsame Kastanien-Tinktur herstellen und richtig anwenden
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Die Rosskastanie ist ein wirksames Heilmittel gegen Rheuma, Krampfadern, Hämorrhoiden und viel mehr. So stellst du die heilende Kastanien-Tinktur her!

Rosskastanien sind “nur” Wildschweinfutter? Weit gefehlt, sie haben einiges zu bieten und können vielseitig genutzt werden. Die braunen Samen sind wirklich zum Verlieben und auf vielerlei Weise verwendbar.

Bei all den tollen Tipps und der kurzen Zeit, die uns bleibt, um einen Kastanienvorrat anzulegen, wäre es schade, wenn sie wegen Schimmel verkommen. Während der Erntezeit ist oft noch nicht klar, was später aus den Kastanien werden soll. Als getrocknetes Kastanienpulver kannst du die Wirkstoffe, vor allem Saponine, Gerbstoffe und Aescin, für viele Produkte lange und unkompliziert konservieren und lagern.

Eine ganz besondere Möglichkeit zur Anwendung der heilsamen Kastanien sind selbst gemachte Tinkturen. Die wertvollen, gefäßstärkenden, zusammenziehenden, durchblutungsfördernden und antibakteriellen Wirkstoffe werden im Alkohol gebunden und können später vielseitig verwendet werden.

Warum du Tinkturen mit Kastanien ansetzen solltest, wie du das bewerkstelligst und wie sie angewendet werden, erfährst du in diesem Beitrag.

Anwendungsgebiete für Kastanientinkturen

Besondere Bedeutung hat der Wirkstoff Aescin, der die Fließgeschwindigkeit des Blutes erhöht und Gefaßwände verengt und stärkt. Dadurch sammelt sich weniger Wasser im Gewebe an. Wegen dieser besonderen medizinischen Wirkung kommt Aescin auch in Venengels zum Einsatz.

Tinkturen aus Rosskastanien oder auch aus Kastanienblüten können abhängig von ihrer Herstellung und Verabreichungsform innerlich oder äußerlich bei vielen Beschwerden helfen:

  • Husten
  • Krampfadern und geschwollene Füße
  • Ekzeme und andere Hautprobleme wie Akne und Entzündungen
  • Wunden, offene Beine und Geschwüre
  • Venenerkrankungen und – entzündungen
  • Gelenkschmerzen und Rheuma
  • Hexenschuß und Ischias
  • Arteriosklerose
  • Hämorrhoiden

Drei Rezepte für Kastanientinkturen

Um im Bedarfsfall für eine äußerliche oder innerliche, heilende Anwendung optimal vorbereitet zu sein oder schnell eine lindernde Creme herstellen zu können, benötigst du abhängig vom Anwendungsgebiet folgende Zutaten:

  • Frische Rosskastanien oder selbst gemachtes Rosskastanienpulver (Menge ist abhängig vom Gefäß-Volumen)
  • zirka 40%-igen Doppelkorn oder Wodka
  • optional eine Hand voll frische Wachholderbeeren, um die Eigenschaften der Kastanien noch zu steigern

oder:

  • 1 Handvoll Rosskastanienblüten
  • 250 ml Doppelkorn oder Weingeist

Die Rosskastanie ist ein wirksames Heilmittel gegen Rheuma, Krampfadern, Hämorrhoiden und viel mehr. So stellst du die heilende Kastanien-Tinktur her!

Folgende Gegenstände können dabei von Nutzen sein:

  • Schneidebrett und Messer
  • Hammer oder ein leistungsstarker Mixer
  • Glas mit dicht schließendem Deckel
  • Kaffeefilter
  • alternativ Geschirrtuch und Sieb
  • Dicht verschließbares, dunkles Glas oder eine dunkle Flasche zur Aufbewahrung der fertigen Tinktur

1. Einfache Rosskastanientinktur

Diese Tinktur wirkt stark zusammenziehend und wird am häufigsten verwendet. Sie kann bei Bedarf zu vielseitig nutzbaren Salben weiterverarbeitet werden. Für eine möglichst helle Creme benötigst du eine Tinktur, die ohne Schalen angesetzt wurde. Ansonsten kannst du die Schalen auch mit verarbeiten.

So wird die Tinktur hergestellt:

  1. Rosskastanien waschen, vierteln und gegebenenfalls die Schalen entfernen.
  2. Die Kastanienviertel in Scheiben schneiden und in kleine Stücke zerteilen. Du kannst sie auch mit dem Hammer zerquetschen oder mit einem leistungsstarken Mixer zu Pulver zerkleinern.
  3. Die benötigte Menge hängt von der Glasgröße ab. Das Glas bis zur Hälfte mit Kastanienstücken oder -pulver füllen, nach Wunsch die Wacholderbeeren dazu geben und mit Alkohol so lange übergießen, bis die Kastanienteile gut bedeckt sind.
  4. Glas fest verschließen, schütteln und für drei Wochen an einen warmen Ort stellen.
  5. Gelegentlich schütteln, um ein intensiveres Ergebnis zu erhalten.
  6. Den angereicherten Alkohol nach Ablauf der Wartezeit durch einen Kaffeefilter abtropfen lassen. Dazu den Filter über ein hohes Glas stülpen, oder einen Filteraufsatz für Tassen verwenden. Alternativ durch ein Tuch filtern, das du in ein Sieb legst.
  7. Die fertige Tinktur in ein dicht verschließbares, dunkles Glas abfüllen. Wenn du nur helle Gläser hast, kannst du sie mit verwaisten Socken abdunkeln.

Die Rosskastanie ist ein wirksames Heilmittel gegen Rheuma, Krampfadern, Hämorrhoiden und viel mehr. So stellst du die heilende Kastanien-Tinktur her!

2. Tinktur aus den Schalen

Eine Tinktur zur Behandlung von Hämorrhoiden wird nur aus Rosskastanienschalen angesetzt.

Verwende zwei Esslöffel kleingeschnittene Kastanienschalen und 200 ml Alkohol. Die weitere Vorgehensweise ist identisch wie zuvor.

3. Blütentinktur

Mit der schwächeren Blütentinktur behandelst du Magenkrämpfe, Husten und Arteriosklerose, stärkst Venen oder kannst Rheuma mildern.

Angesetzt wird dieser Auszug mit 250 ml Doppelkorn oder Weingeist und einer Handvoll Rosskastanienblüten. Das weitere Prozedere ist wie in der ersten Version beschrieben auszuführen. Die Blüten haben im Mai Hochsaison und bieten eine zeitversetzte Möglichkeit, die Inhaltsstoffe der Kastanie zu nutzen.

Anwendung und Dosierung der Tinkturen

Kühl und dunkel gelagert sind die Tinkturen bis zu einem Jahr haltbar. Abhängig von den unterschiedlichen Anwendungsgebieten oder den Verabreichungsformen ergeben sich folgende Dosierungen.

Innerliche Anwendung

Bei Krampfadern werden 10 Tropfen der einfachen Rosskastanientinktur dreimal täglich über 14 Tage eingenommen. Bei Durchblutungsstörungen und anderen Beschwerden ist eine zwei- bis dreimal tägliche Gabe von 10 bis maximal 50 Tropfen angeraten.

Die Schalentinktur wird bei Hämorrhoiden 20 Tage lang mit je 10 Tropfen entweder mit Wasser oder Kräutertee verdünnt eingenommen.

Bei Rheuma kann die Blütentinktur dreimal täglich mit 15-20 Tropfen lindernd wirken und gegen Magenkrämpfe hilft sie mit 10 Tropfen auf ein Stück Würfelzucker. Ansonsten gilt auch hier eine Einnahme zwei bis dreimal täglich mit 10 bis maximal 50 Tropfen.

Bitte beachte, dass diese Informationen nicht den Besuch eines Arztes ersetzen können. Bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden ziehe bitte deinen Arzt oder Apotheker zu Rate!

Äußerliche Anwendung

Die einfache Tinktur hilft äußerlich gegen Krampfadern, Venenprobleme, Schmerzen der Gelenke, Hexenschuss, Ischias, Arteriosklerose, Ekzeme, Hautausschläge und -entzündungen. Die betroffene Region wird dazu mehrmals täglich mit der unverdünnten Tinktur eingerieben.

Für die Behandlung von Wunden eignen sich Kompressen oder Waschungen, sowie das Betupfen zur Desinfektion. Dazu wird die Tinktur mit zwei Teilen Wasser verdünnt.

Bei rheumatischen Beschwerden ein paar Tropfen der Blütentinktur unverdünnt auf den betroffenen Regionen verreiben oder auftupfen.

Hinweise und Wissenswertes

  • Die Farbe der fertigen Tinktur fällt mit Schalen dunkel aus, ohne hingegen gelblich.
  • Alkohol trocknet die Haut schnell aus. Bei sehr trockener Haut und äußerlicher Anwendung der Tinktur ist diese sparsam zu verwenden, beziehungsweise bei längerer Nutzung mit ein paar Tropfen Mandelöl zu mischen.
  • Kastanien enthaltenen einen hohen Anteil an Saponinen. Saponine sind in vielen Heilkräutern wie Gänseblümchen und Nahrungsmitteln wie Rote Beete, Spargel, Zuckerrüben, Sojabohnen, Erbsen, Spinat, Tomaten und Knoblauch enthalten. Ihr Anteil ist aber sehr viel geringer als in Kastanien, Waschnüssen oder Efeu. Benutzte Gegenstände, besonders Schneidebretter, solltest du deshalb immer gründlich putzen und abspülen.
  • Bei offenen und frischen Wunden haben die Gerbstoffe zwar wunderbare verschließende und antibakterielle Heilkräfte, doch können Saponine sofort ins Blut übergehen. Die Dosis sollte daher auf ein Minimum reduziert werden, um eine übermäßige Aufnahme auszuschließen, die im schlimmsten Fall zu Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen führen kann. Dies gilt auch bei übermäßiger innerlicher Einnahme.
  • Cumarin und Aescin haben blutgerinnungshemmende Wirkung. Bei paralleler Einnahme von Medikamenten wie Marcumar oder Aspirin ist die Tinktur zu meiden.
  • Schwangere oder Stillende sollten die Tinktur nicht ohne ärztliche Zustimmung anwenden. Auch sind allergische Reaktionen nicht auszuschließen.

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Hast du schon Tinkturen angewendet und wie waren deine Erfahrungen? Teile deine Informationen in den Kommentaren, damit sie auch anderen Lesern hilfreich sind.

Mehr Anwendungen für Rosskastanien findest du hier.

Kastanien begegnen uns im Herbst auf vielen Wegen. Lasse sie aber nicht einfach liegen! Nimm sie mit und nutze sie für deine Gesundheit und im Haushalt!