Das Ideenportal für ein einfaches und nachhaltiges Leben

9 gesunde “Unkräuter” – nicht bekämpfen, sondern aufessen!
4.9 5 224
220
4

Über die meisten "Unkräuter" solltet man sich nicht ärgern, oft sind sie viel gesünder als angebautes Gemüse. Finde heraus, wie du sie nutzen kannst!

Als Unkraut bezeichnet der Gärtner all jene Pflanzen, die in seinem Garten unerwünscht sind. Pflanzen, die seine Vorstellung von Schönheit und Ordnung stören. Unkraut wächst wie und wo es will, es durchsetzt den makellosen Rasen oder nimmt den Radieschen und Erdbeeren Nährstoffe sowie Sonnenlicht weg.

Dabei sind die meisten dieser unliebsamen Kräuter wahre Schätze für die gesunde Küche! Viele der verfluchten Pflanzen sind besonders widerstandsfähig, sie verfügen über wertvolle Eigenschaften und Inhaltsstoffe. So manches “Unkraut” liefert weit mehr Vitamine, Mineralien und andere Vitalstoffe als sorgfältig gezüchtetes Kulturgemüse.

Der Philosoph Ralph Waldo Emerson sagte einmal:

Unkraut ist eine Pflanze, deren Tugenden noch nicht entdeckt wurden.

In diesem Beitrag stellen wir dir einige der unbeliebtesten “Unkräuter” vor und erklären, wie du sie sinnvoll nutzen kannst.

Was bedeutet eigentlich Unkraut?

Der Begriff “Unkraut” ist sehr subjektiv belastet. Gärtner sind geneigt, all jene Pflanzen als Unkraut zu bezeichnen, die das persönliche Empfinden von Ordnung und Ästhetik stören und bekämpft werden müssen. Sei es durch Jäten oder gar mittels Herbiziden. Der Begriff beschreibt nicht nur Kräuter, denn es gibt auch verholzende Pflanzen, die unerwünscht und als Unholz bezeichnet werden könnten.

Unerwünschte Pflanzen zeichnen sich durch starkes Vermehren oder eine schnellere Entwicklung als Kulturpflanzen aus. Sie wachsen oft schneller und höher und verdrängen so gewünschte Gemüsearten, Blumen oder Rasen. Meist handelt es sich um Samenunkräuter, die sich in kurzen Generationen mehrmals im Jahr vermehren.

Immer mehr Menschen entdecken aber die Tugenden dieser Pflanzen und so wird der Begriff “Unkraut” nicht nur immer mehr durch “Wildkräuter” oder “Beikraut” ersetzt. Nein, wir erkennen sie vermehrt als Heilkräutern, Nutzpflanzen und Zeigerpflanzen an.

Viele Pflanzen können verzehrt werden und sind eine wertvolle Bereicherung in der Küche und für unsere Gesundheit. Hinzu kommen noch einige andere Vorteile von wild wachsenden Pflanzen.

Vorteile von Unkraut

Neben den kulinarischen Vorteilen bieten Wildkräuter auch folgende Vorteile:

  • Wild wachsende Pflanzen steigern die Bodenqualität, indem sie ihn bedecken und vor Erosion und Austrocknung schützen.
  • Sie gehören ebenfalls zu unserem Ökosystem, welches sich über Millionen von Jahren entwickelt hat. Die größte Stärke eines jeden Systems ist Diversität, denn sie erleichtert die Bewältigung von außerordentlichen Belastungen wie Klimaunregelmäßigkeiten und übermäßigem Schädlingsbefall.
  • Wildpflanzen unterstützen oft der Vermehrung von Nützlingen wie der Schlupfwespe oder Raupenfliege, die wiederum Schädlinge bekämpfen und so auch den landwirtschaftlichen Ertrag steigern. Blühende Wildpflanzen sind eine unschätzbare Bereicherung für Bienen, besonders in landwirtschaftlich geprägten Gebieten.
  • Aus einigen Pflanzen, wie zum Beispiel der Brennnessel, lassen sich hochwertige biologische Dünger und Pflanzenschutzmittel herstellen

Die folgenden “Unkräuter” (und viele weitere) solltest du deshalb nicht bekämpfen, sondern in deinen Speiseplan integrieren!

Beachte: Auch unter den Wildkräutern gibt es giftige Vertreter. Vor Verwendung in der Küche solltest du dir deshalb sicher sein, welche Pflanzen du vor dir hast und ein paar wichtige Regeln zum Ernten und Nutzen von Wildpflanzen einhalten. Mehr Informationen zum Erkennen von Wildkräutern findest du am Ende dieses Beitrags.

1. Giersch

Kaum eine Pflanze wird von so vielen Gärtnern verteufelt wie der Giersch. Er ist extrem wuchstark und vermehrt sich unterirdisch durch Ausläufer, kann aber auch durch Samen in junge Gärten eingeschleppt werden.

Nicht nur Kaninchen und Hamster wissen seinen Nährwert zu schätzen. Auch immer mehr Menschen kommen auf den Geschmack. Verwende die jungen, hellgrünen Blätter, die im März ihr starkes Wachstum beginnen und fast das ganze Jahr lang sprießen, vereinzelt sogar im Winter zu finden sind.

Die Blätter des Giersch liefern neben vielen Mineralien doppelt so viel Vitamin C wie Brokkoli und Rosenkohl, genauso viel Vitamin A und doppelt so viel Eiweiß wie Grünkohl.

Bereite die jungen Blätter wie Spinat zu, iss sie im Salat oder bereite dir eine leckere Gierschsuppe oder Gierschlimonade daraus zu.

Für den einen ist der Giersch ein lästiges Unkraut, für den anderen eine willkommene Quelle für Vitamine und Mineralstoffe. Die besten Rezepte für Giersch!

2. Vogelmiere

Die Gewöhnliche Vogelmiere wächst fast das ganze Jahr über und breitet sich schnell über unbepflanzte Erde aus. Sie liebt stickstoffhaltigen Boden und gilt als Zeigerpflanze. Wo sie wächst, fühlen sich auch Pflanzen mit starkem Blattwuchs wohl, zum Beispiel Kohl, Rhabarber und Gurken.

Der Name rührt wohl daher, dass viele Vögel sprichwörtlich auf die Vogelmiere fliegen. Sie liefert kostenloses Futter für Hühner und andere Nutztiere. Dabei wird oft übersehen, wie wertvoll Vogelmiere auch in der Küche ist.

Sie beinhaltet mehr als doppelt so viel Eisen wie Spinat, liefert mehr Vitamin C als Brokkoli oder Rosenkohl und ist außerdem reich an Kalium und Calcium. Sie schmeckt dabei sehr mild und eignet sich besonders gut als Vitalstofflieferant für Kinder.

Du kannst sie als Salatgrundlage verwenden, wie Spinat kochen oder in Kräuterquark oder Butter mischen.

3. Gundermann

Der Gundermann (auch Gundelrebe) breitet sich schnell und flächendeckend in Beeten, im Rasen und unter Sträuchern und Hecken aus. Er wurzelt nicht sehr tief und ist dadurch leicht zu entfernen. Aber auch dieses Kraut ist eigentlich viel zu wertvoll, als das wir es nicht nutzen sollten.

Die jungen Blätter haben einen leicht herben, bitteren Geschmack und können wie Petersilie verwendet werden.

Unsere Vorfahren wussten den Gundermann als starkes Heilmittel zu schätzen. Er ist besonders interessant bei der Behandlung langwieriger Krankheiten und eitriger Beschwerden, bei Harnwegserkrankungen und Schnupfen.

4. Brennnessel

Fast jedes Kind macht unangenehme Bekanntschaft mit den Haaren der Brennnessel. Die Schmerzen prägen sich frühzeitig in unsere Erinnerung ein und wir meiden diese Pflanze fortan. Auch im Garten ist sie nicht gern gesehen, zeigt uns aber besonders nährstoffreichen und stickstoffhaltigen Boden an.

Richtig angepackt ist sie jedoch das wohl wertvollste Unkraut. Der Bio-Gärtner kann mit Brennnesseln einen unglaublich wirksamen biologischen Dünger herstellen, ein einfaches Mittel gegen Pflanzenläuse zubereiten, Setzlinge mit Wärme und Nährstoffen versorgen und Gemüsebeete mit feinem Mulch düngen.

In der Küche dient die große Brennnessel als äußerst reichhaltige grüne Eiweiß-Quelle. Die Proteine kommen besonders konzentriert in den Samen vor, die wir deshalb für unser hausgemachtes, natürliches Eiweiß-Pulver nutzen.

Klar, Brennnesseln kennt jeder. Aber wusstest du, dass du sie als Proteinlieferanten in deinen Speiseplan integrieren kannst? Erfahre hier mehr darüber!

An Mineralien besticht die Brennnessel durch ihren enormen Kalzium-Gehalt, der dreimal so hoch ist wie beim Grünkohl und fünfmal so hoch wie beim Spinat. Sie ist außerdem reich an Magnesium, Eisen und ist vollgepackt mit Vitamin C und Provitamin A. Hier findest du viele schmackhafte und gesunde Brennnessel-Rezepte.

Aus der Brennnessel lassen sich außerdem einige Hausmittel gegen Leiden wie Rheuma und Gicht herstellen. Auch in der Körperpflege kann sie dir gute Dienste leisten. Wir nutzen sie zum Beispiel in diesem Duschgel-Rezept. Ein Haarwasser mit den Blättern stärkt das Haar und hilft ganz natürlich gegen Schuppen.

5. Quecke

Die Quecke (auch Kriechquecke oder Gemeine Quecke) ist der Alptraum vieler Gartenliebhaber. Sie vermehrt sich rasant und fast heimtückisch, indem sie ihre Rhizome unterirdisch in alle Richtungen ausbreitet, die an jedem Knoten neu wurzeln können. Wenn sie einmal in einem Beet Fuß gefasst hat, ist sie nur schwer restlos zu entfernen.

Sie ist jedoch keineswegs nutzlos, sondern reich an Schleimstoffen, Kieselsäure, Saponinen, Kalium, Eisen, Vitamin A und B. In Nordeuropa wurde sie in Kriesenzeiten als Futterpflanze genutzt. In Osteuropa findet sie gezielt als Nahrungsmittel Verwendung und angebaut.

Sebastian Kneipp empfahl bei Leberentzündungen täglich zwei Esslöffel gepressten Queckensaft.

Die Rhizome wirken harntreibend, entzündungshemmend und erfrischend. Sie können bei Fieber, Ödemen, Rheuma und Entzündungen von Nieren, Magen und Leber helfen. Für den heilsamen Tee werden einige Gramm der Rhizome mit kaltem Wasser übergossen und dann erhitzt.

Beachte, dass eine Anwendung nicht von Dauer sein sollte und nicht für Menschen mit Herzproblemen oder Niereninsuffizienz geeignet ist. Schwangere und stillende Mütter sollten vor Anwendung ihren Arzt konsultieren.

6. Löwenzahn

Der Löwenzahn mit seinen gelben Blüten und den Pusteblumen ist besonders bei Kindern beliebt. Wer einen satten grünen Rasen bevorzugt, sieht diese kraftvolle und tief wurzelnde Pflanze aber mit anderen Augen und möchte sie am liebsten gänzlich loswerden.

Die Blätter und Blüten des Löwenzahns sind jedoch so nützlich, dass es sich lohnt, ein paar Exemplare im Garten zu haben. Er besitzt so viel Vitamin C, Eiweiß und Kalium, wie die gesündesten Kulturgemüse. Probiere doch mal einige unserer Löwenzahn-Rezepte.

Ein Tee aus Löwenzahnblättern macht munter, hilft beim Abnehmen und ist ein idealer Fastenbegleiter.

Mit den gelben Blüten des Löwenzahns lässt sich außerdem ein schmackhafter und gesunder Sirup herstellen.

Aus Löwenzahn Speisen zaubern: vom Honig bis zum Salat ist viel möglich. Hier erfährst du, wie du Sirup herstellst und als Salatdressing verwendest!

Aus den Wurzeln kannst du einen aromatischen Kaffee-Ersatz herstellen.

Aus allen Pflanzenteilen lässt sich Presssaft gewinnen, der bei Leber-, Nieren-, Gallen- und Darmbeschwerden Linderung verschafft.

7. Sauerampfer

Die roten Blütenstände des Sauerampfers sind wunderschön in der wilden Natur, können aber den Gärtner zur Weißglut bringen. Sauerampfer wurzelt sehr tief und ist nur schwer zu entfernen. Dabei gilt er vielerorts als Delikatesse und ist eine wichtige Zutat in der Frankfurter Sauce.

Er liefert etwa genauso viel Eiweiß und Vitamin C wie Rosenkohl und kann als schmackhaftes Würzkraut vielen Speisen einen besonderen Geschmack geben. Die jungen Blätter kannst du als Salat verwenden oder zusammen mit Blütenknospen und frischen Trieben garen und als Gemüsebeilage servieren.

Mehr Informationen zum Sauerampfer findest du hier.

8. Franzosenkraut

Das auch als Knopfkraut bekannte Franzosenkraut stammt ursprünglich aus Mexiko und ist wohl vor ungefähr 200 Jahren aus dem botanischen Garten in Paris ausgebüchst. Seitdem breitet es sich in Europa aus und ist vor allem in Beeten mit niedrig wachsendem Gemüse problematisch. Es wächst oft schneller und entzieht anderen Pflanzen Nährstoffe und Sonnenlicht.

Das Kraut verfügt über dreimal so viel Eisen wie Spinat und ist außerdem reich an Magnesium und Calcium. Auch als Vitamin-Lieferant ist es nicht zu verachten und kann leicht in den täglichen Speiseplan integriert werden. Es eignet sich als Salatgrundlage, Spinat, in Suppen, als Pesto oder auch als Würzkraut.

9. Weißer Gänsefuß

Der weiße Gänsefuß (auch Ackermelde, Melde oder falsche Melde) ist eines der weit verbreitetsten Wildkräuter und in vielen Gärten, Äckern und an Wegesrändern zu finden. Er ist nicht besonders anspruchsvoll und vermehrt sich rasant durch seine sehr hohe Anzahl von Samen.

Während er bei uns verpönt ist, wird der Gänsefuß im Himalaya als Gemüse und Pseudogetreide angebaut und auch als Futterpflanze genutzt.

Die jungen Blätter des Gänsefuß sind reich an Vitamin C und Eiweiß. Sie liefern sehr viel Kalzium, Kalium und Zink. Sie sollten aber nur in geringen Mengen, am besten gekocht verzehrt werden, da sie auch über einen hohen Gehalt an Oxalsäure und Saponinen verfügen. Es empfiehlt sich, nicht mehr als 400 g gekochte Gänsefußblätter am Tag zu sich zu nehmen.

Über die meisten "Unkräuter" solltet man sich nicht ärgern, oft sind sie viel gesünder als angebautes Gemüse. Finde heraus, wie du sie nutzen kannst!
von John Morgan [CC-BY-2.0]

Fazit

Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Aber auch nicht alles, was als schlecht oder störend empfunden wird, ist nutzlos. Bei allen Lebewesen lohnt sich genaues Betrachten und Studieren. Oft wirst du überrascht sein, wie wertoll und oder sogar nützlich sie sein können.

Es gibt noch viele andere Pflanzen, die vom Gärtner verflucht und bekämpft werden. Über 60 von ihnen stellt Brunhilde Bross-Burkhardt in unserem Buchtipp vor. Damit kannst du lernen, wie du sie sinnvoll verwendest und ihnen notfalls auch Einhalt gebietest:

Lob des Unkrauts: Wilde Pflanzen in Garten und Stadt - nützlich und schön

Unsere liebsten Wildpflanzen, Rezepte und Tipps findest du auch in unserem Buch:

Geh raus! Deine Stadt ist essbar - 36 gesunde Pflanzen vor deiner Haustür und über 100 Rezepte, die Geld sparen und glücklich machen - ISBN 978-3-946658-06-1
36 gesunde Pflanzen vor deiner Haustür und über 100 Rezepte, die Geld sparen und glücklich machen
als eBook: kindle - tolino - kobo - iTunes

Welche “Unkräuter” kennst du noch, die man sinnvoll nutzen kann?

Vielleicht interessieren dich auch diese Beiträge:

Quellen: kostbarenatur.net, Wildgemüse von Prof. Dr. Wolfgang Franke, Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten e.V.

  • Hey, schöner Artikel!
    Sauberampfer und Brennnessel gehören zu den meist genutzten Wildpflanzen in meiner Küche. Ich finde man kann sie wirklich gut verwenden, über die Brennnessel habe ich auch mal ausführlich recherchiert und geschrieben. Sie ist auch aus sich des “Survival” interessant, da sie ein guter Lieferant pflanzlichen Proteins ist.

    Interessant fand ich auch das Franzosenkraut. Das habe ich bisher noch nicht genutzt… es wächst bei mir in der Gegend auch irgendwie nicht :(

    Liebe Grüße, Aaron von lightinthewild.de

  • Claudia

    Ich hätte da mal eine Frage zur Ernte:
    Wie erntet ihr Brennesseln, ohne euch dabei die Finger zu verbrennen? Normale Gartenhandschuhe nehmen mir soviel Fingerspitzengfühl, dass ich nicht gezielt nach einzelnen Blättern greifen, sondern nur ganze Pflanzen ausreißen kann. Das will ich ja nicht

Die besten Tipps kostenlos per E-Mail Mach es wie 25.000 andere Leser und erhalte die besten Tipps und Tricks per Mail!
Wir senden niemals Spam und geben deine Daten niemals weiter. Du kannst dich jederzeit abmelden.