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Natürliche Unkrautbekämpfung ohne Roundup – 6 Alternativen zum Selbermachen
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Roundup und andere Heribizide sind sehr umstritten. Wir fragen uns, wie hat die Menschheit sich bisher nur ohne sie ernährt? Hier 6 natürliche Alternativen!

Um das Unkrautvernichtungsmittel Roundup von Monsanto gibt es viele Kontroversen. Kritisiert wird das Breitbandherbizid vor allem wegen seiner toxischen Wirkung auf einige Tierarten, sowie wegen der fortschreitenden Resistenzbildung bei mehreren Pflanzenarten. Erst im März 2015 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) den Roundup-Wirkstoff Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für Menschen eingestuft.

Hierzulande wird Roundup nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt. Selbst für Privatanwender wird auch in einigen Unkrautvernichtungsmitteln von der “Scotts Celaflor GmbH” als exklusivem Monsanto-Partner angeboten. Jedoch ist sein Einsatz gerade im heimischen Bereich fragwürdig, wo Kinder und Haustiere spielen und angebaute Lebensmittel direkt auf dem Teller landen.

Dabei gibt es genügend natürliche Alternativen und der Einsatz von chemischen Unkrautkillern im heimischen Garten ist nicht notwendig. Die natürlichsten und schonendsten Wege, um mit Unkraut fertig zu werden, stellen wir in diesem Beitrag vor.

1. Einfach und effektiv: Mechanische Unkrautentfernung

Die ältesten, wenn auch etwas zeitaufwändigeren Methoden sind das mechanische Hacken oder Jäten. Dadurch werden die Wurzeln der noch jungen Unkräuter zerstört und zugleich der Boden für die Nutzpflanzen aufgelockert. Abgehackte Unkrautpflanzen können einfach an Ort und Stelle verbleiben, und werden von Mikroorganismen in wertvollen Humus verwandelt.

Roundup und andere Heribizide sind sehr umstritten. Wir fragen uns, wie hat die Menschheit sich bisher nur ohne sie ernährt? Hier 6 natürliche Alternativen!

2. Abflammen für Einfahrten und Gehwege

Auf Gehwegen und in Einfahrten dürfen grundsätzlich keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Solche Flächen können ebenfalls mechanisch mit speziellen Kratzern oder Schabern vom Unkraut befreit werden. Noch einfacher ist das Abflammen mit eigens dafür konsturierten Geräten. Die Pflanzen werden thermisch beseitigt und wachsen nicht so schnell wieder nach.

3. Natürlicher Dünger “gegen Unkraut”

Besonders clever ist die folgende Methode. Mit ihr kannst du gleich zwei Arbeitsschritte auf einmal erledigen: Du hemmst oder beseitigst im besten Fall das Unkraut und düngst zugleich deine Nutzpflanzen.

Das funktioniert mit den meisten Flüssigdüngern, wie z.B. selbst gemachter Brennnesseljauche oder flüssigem Bokashi-Ferment. Diese hausgemachten Flüssigdünger werden normalerweise in verdünnter Form zur Düngung eingesetzt. Um mit ihnen gleichzeitig unerwünschte Pflanzen zu unterdrücken und diese in Humus zu verwandeln, gehst du so vor:

  1. Brennnesseljauche oder Bokashi-Ferment durch ein Tuch oder Sieb gießen und unverdünnt in eine Sprühflasche füllen.
  2. Bei trockenem Wetter und Sonnenschein die Lösung direkt auf Blätter und Stängel der “unerwünschten” Pflanzen sprühen. Achte darauf, deine Nutz- und Zierpflanzen nicht mit zu besprühen. Dazu kannst du sie mit einem Brett, einem darüber gestülpten Eimer o.ä. separieren oder abschirmen.
  3. Durch den hohen Mineralstoffgehalt im Flüssigdünger findet eine osmotische Reaktion statt, die Blätter des Unkrauts “verbrennen” und die Plfanzen gehen ein. Sie werden an Ort und Stelle von Mikroorganismen direkt in Humus verwandelt, der gesprühte Dünger kommt dem Boden zusätzlich zugute.
  4. Nicht zu viel auf eine Stelle sprühen bzw. den Boden nicht mit der unverdünnten Lösung wässern, sonst bewirkt die hohe Konzentration das Gegenteil und schadet deinen Nutz- und Zierpflanzen.

Am besten funktioniert diese Methode bei sehr dünnblättrigen Pflanzen, die wenig Wasser speichern. Je nach Situation ist ggf. eine wiederholte Anwendung sowie etwas Probieren beim Finden der optimalen Konzentration notwendig.

Aber auch mit Asche als Dünger kannst du Unkräuter eliminieren. Bestäube im Herbst öfters unliebsame Wurzelunkräuter mit Holzasche und sie werden im Frühjahr nicht erneut austreiben.

Man findet auch Anleitungen zur Herstellung von Unkrautvernichter aus Salz und Essig, die als Lösung auf die gleiche Weise auf Pflanzen gesprüht werden und genauso wirken. Davon solltest du jedoch absehen, da zu viel Salz und Essig dem natürlichen Gleichgewicht im Boden schaden.

Außerdem ist das Ausbringen von Salz und Essig im Garten genau genommen nach den Vorschriften des Pflanzenschutzgesetzes illegal. Dagegen kann dir niemand verbieten, deine Pflanzen mit Brennnesseljauche oder Bokashi-Ferment zu düngen, und dabei versehentlich das Unkraut zu erwischen.

4. Kochwasser gegen Unkraut einsetzen

Zum Schluss noch ein ökologischer Tipp gegen besonders hartnäckige Wurzel-Unkräuter! Wenn du das nächste Mal Kartoffeln, Nudeln oder Ähnliches kochst, dann schütte das Kochwasser nicht einfach weg. Gieße das noch heiße Kochwasser auf die vorbereiteten Flächen, dadurch werden Samen und Wurzeln im Boden abgetötet und der Weg für eine neue Aussaat geebnet.

Weitere Kartoffel-Tricks findest du hier.

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5. Bodenbedeckung

Auch unerwünschte Pflanzen benötigen zum Wachstum vor allem Licht. Um ihnen dieses zu entziehen, gibt es mehrere Methoden, jede mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen. Die natürlichste Herangehensweise ist das Anpflanzen von schnellwachsenden Bodendeckern wie Zwergmispeln oder Efeu. Auch Senf wächst schnell und vermindert dadurch das Wachstum neuer Unkräuter, er wurzelt außerdem breit und intensiv, was den Boden auflockert und mit Sauerstoff versorgt.

Mit Mulch lassen sich größere Flächen natürlich abdunkeln, dies ist besonders in Blumenbeeten und um Sträucher und Hecken herum sinnvoll.

Von Unkraut befallene Beete, die für den Anbau von Gemüse genutzt werden sollen, können ein bis drei Jahre abgedunkelt werden. Dafür eignen sich organische Materialien wie Zeitungen und Pappe nur bedingt. Besser geeignet sind dauerhafte Materialien, wie zum Beispiel Teichfolie.

Wenn auf die Ernte nicht verzichtet werden kann, ist die Verwendung von speziellen Unkrautvliesen eine Alternative. Sie bedecken die Erde großflächig und unterbinden somit das Austreiben von unerwünschten Pflanzen. Spezielle Aussparungen erlauben das Wachsen und Gedeihen von gesätem Kulturgemüse.

Solche radikalen Maßnahmen mit Folie sind jedoch nur in Extremfällen wirklich sinnvoll, oft ist es schon ausreichend, den Boden mit Mulch und anderem Pflanzenmaterial zu bedecken und durchdringende Unkräuter einfach auszureißen

6. Unkraut nicht vernichten, sondern ernten!

Viele vermeintliche Unkräuter sind eigentlich nützliche Wildkräuter, die du möglicherweise ernten kannst, anstatt sie zu bekämpfen. Vielleicht besuchst du einmal eine Kräuter-Wanderung, um die Vorzüge wild wachsender Kräuter zu entdecken und deinen Speiseplan damit zu bereichern. Hier ein paar Beispiele:

Mehr zu vermeintlichen Unkräutern, die man ernten, essen und clever nutzen kannst, erfährst du hier.

Über die meisten "Unkräuter" solltet man sich nicht ärgern, oft sind sie viel gesünder als angebautes Gemüse. Finde heraus, wie du sie nutzen kannst!
von John Morgan [CC-BY-2.0]
Ein Hinweis zum Schluss: Nach den Vorschriften des Pflanzenschutzgesetzes ist eine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (dazu zählen seltsamerweise auch Unkrautvernichtungsmittel) nur auf Flächen zulässig, die landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden. Eine Anwendung auf Gehweg-Fugen und Ähnlichem ist deshalb nicht zulässig. Wenn du nicht sicher bist, ob, wo und wie genau du ein Pflanzenschutzmittel anwenden darfst, erkundige dich bitte bei der in deiner Region zuständigen Behörde.

Weitere Ideen für einen ökologischen Garten findest du in unseren Buchtipps:

Der Biogarten: Das Original
Ideenbuch Insektenhotels: 30 Nisthilfen einfach selbst gebaut
für Tolino:

Wenn du auf Chemie im Garten verzichten möchtest, dann sieh dir unsere weiteren Beiträge zu diesem Thema an:

Warum kein Roundup von Monsanto?

Roundup enthält den Wirkstoff Glyphosat, der unspezifisch gegen viele Pflanzenarten wirkt und deren Wachstum. Neben Roundup vertreibt Monsanto gentechnisch verändertes Saatgut für Pflanzen, die gegen Glyphosat resistent sind. Bei einer gemeinsamen Verwendung von Roundup und diesem Saatgut auf einem Feld entsteht dort quasi die perfekte Monokultur. Allen anderen Pflanzenarten und in der Folge auch Tieren wird der Lebensraum genommen, die Biodiversität leidet enorm.

Mehr zu den Vor- und Nachteilen beim Einsatz von Roundup, den gesundheitlichen Risiken und den Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt kannst du hier nachlesen.

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Viel Spaß beim Ausprobieren und Nachmachen! Welche Tipps hast du zur natürlichen Aufzucht und Pflege deines Gartens?