Naturseifen selbst herstellen – eine Einführung

Natur-Seifen selbst herstellen eine Einführung

Selbst gemachte Naturseifen sind außergewöhnliche Pflegeprodukte. Sie sind frei von zweifelhaften industriellen Zutaten, vielseitig verwendbar, sehr dekorativ und ideale Geschenke für jeden Anlass!

Schon im alten Griechenland und Ägypten waren Seifen aus Tierfetten und Holz- oder Pflanzenasche bekannt. Im arabischen Raum werden seit dem 7. Jahrhundert Pflanzenfette und Laugen zum Seifen-Sieden verwendet. In einem gesonderten Beitrag erfährst du mehr über die grundsätzlichen Unterschiede zwischen verschiedenen Seifensorten.

Besonders berühmt ist die Aleppo-Seife, aus der gleichnamigen Stadt in Syrien. Es handelt sich um eine reine Oliven- und Lorbeeröl-Seife, die mit Pflanzenasche gewonnen und zu quadratischen Blöcken verarbeitet wird. Das Geheimnis der Aleppo-Seife liegt im besonders langen Reifeprozess von mehreren Monaten. Dadurch wird sie äußerst mild, pflegend und erhält während des Trocknens ihre typische, etwas schräge Form.

Das Herstellen der eigenen Seife ist spannend und sowohl eine eigene kleine Wissenschaft als auch eine Kunstform. Es ist jedoch auch etwas anspruchsvoller als das Herstellen manch anderer Haushalts- und Pflegeprodukte. Deswegen haben wir hierzu eine Beitragsserie verfasst:

  1. Naturseifen selbst herstellen – eine Einführung
  2. Naturseifen herstellen – der Ablauf
  3. Selbstgemachte Naturseife – dein erstes Rezept
  4. Naturseife selber machen – weiterführende Informationen
  5. Seife mit Kaffeesatz – Peeling gegen Orangenhaut
  6. Weihnachtsseife mit Zimt und Anis
  7. Haarseife als perfekter Shampoo-Ersatz
  8. Kernseife selber machen – Alleskönner im Haushalt

Wie aus Ölen Seife entsteht

Die folgenden Abschnitte behandeln die chemischen Grundlagen der Seifenherstellung. Es ist kein Problem, wenn die Begriffe beim ersten Lesen unverständlich und kompliziert klingen. Lies in Ruhe die anderen Beiträge zur Praxis sowie zu den Rezepten, und komme anchließend noch einmal hierher zurück. Die Erläuterungen werden dann mehr Sinn ergeben.

Ausgangsstoff für die Seifenherstellung sind hochwertige Öle und Fette. Die benötigten Mengen kannst du aus dem jeweiligen Rezept ablesen. Wir verwenden für unsere Seifen ausschließlich Pflanzenfette, jedoch funktioniert es genauso auch mit tierischen Fetten wie z.B. Schweineschmalz.

Fette sind eine Mischung verschiedener Fettsäuren wie Linolsäure, Ölsäure, Stearinsäure und Palmitinsäure. Der Anteil verschiedener Fettsäuren bestimmt die Eigenschaften des Fettes und damit auch der daraus hergestellten Seife.

Chemisch gesehen sind Seifen die Salze dieser Fettsäuren. Mit Hilfe einer Lauge auf Natrium- oder Kaliumbasis werden diese Salze aus den Fettsäuren gebildet, es entsteht eine Mischung aus Seife und Glycerin. Dieser Vorgang heißt auch “Verseifung” oder “Seifen-Sieden”. Der Name Sieden rührt von der klassischen Heißverseifung her, bei der der Seifenleim bei hoher Temperatur im Topf gekocht wird. Wir bevorzugen jedoch das kalte Verfahren, welches länger dauert, dafür aber besonders milde und hochwertige Seifen produziert.

Natur-Seifen selbst herstellen eine Einführung

In der industriellen Fertigung werden Seife und Glycerin chemisch voneinander getrennt, das Ergebnis ist reine Kernseife. Diese ist stark alkalisch und in reiner Form für die Hautpflege wenig geeignet.

Bei Naturseifen hingegen wird das Glycerin in der Seife belassen. Glycerin bindet viel Wasser und macht Naturseifen zu einem hochwertigen Pflegeprodukt. Zudem wird häufig der Fettanteil in der Seife während der Verseifung oder nachträglich erhöht, so dass in der fertigen Naturseife immer noch ein gewisser Fettanteil enthalten ist. Die Seife wird gezielt “überfettet”, und kann somit später beim Waschen der Haut wertvolle Fette zurück geben, sie wird “rückfettend”.

Hier geht es zur Schritt-für-Schritt-Anleitung: Naturseifen selbst herstellen – der Ablauf

Natur-Seifen selbst herstellen Schritt für Schritt Anleitung

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27 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Hallo, ich habe jetzt schon ein paar mal Seife selbst hergestellt. Anfangs war ich mit dem ätherischen Ölen sehr sparsam, da in vielen Beiträgen dazu geraten wird erstmal weniger zu nehmen, weil die Verseifung sonst schneller abläuft und die Seife nur noch schlecht in eine Form gegossen werden kann. Allerdings hat meine Seife nach der Reifezeit nicht mehr geduftet. Habe dann sehr viel ätherisches Öl genommen und anfangs hat unsere ganze Kammer und Flur danach gerochen. Nach der Reifezeit hat die Seife wieder gar nicht mehr geduftet.
    Ist es sinnvoller die Seife nach der Reifephase erneut einzuschmelzen und dann erst Düfte hinzu hinzuzufügen oder gibt es einen Trick?

    Antworten
  2. ich habe meine erste Seife nach dem empfohlenen Grundrezept hergestellt. Danke für die vielen Infos und die gute Beschreibung.

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  3. Esther Gottschall

    Eine tolle und sehr informative Seite ist auch diese hier http://naturseife.com/naturseife_-_site_map.htm
    Da findet man z.B. eine Verseifungstabelle und einen Seifenrechner http://naturseife.com/Seifenrechner/default.htm . Denn nicht jedes Öl/Fett verseift gleicht. Es sind immer unterschiedliche Mengen an NaOH oder KOH nötig. Auch der grad der Rückfettung wird berücksichtigt. Wenn man also sein eigenes Rezept erstellen will ist diese Seite perfekt.

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  4. Daniel Wagner

    Auf https://seifen-tutorials.de gibt es eine umfangreiche Schritt-für-Schritt-Videoanleitung für alle die gerne das Thema „Seifen selber machen“ mal ausprobieren möchten.

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  5. Jenny van Neck

    Mein Mann wünscht sich eine Seife, die sehr fettlösend ist. Zum Händewaschen nach Bastelei am Auto. Also Seife, die auch mit Motorenöl fertig wird. Hat da jemand einen Tipp oder gar ein Rezept?

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    • Handelsübliche Kernseife :-)
      und am Besten gleich eine Handcreme dazu kaufen, weil die Kernseife keine fettende Wirkung hat

    • Jenny van Neck

      Wenn man einmal angefangen hat, Seife selbst zu sieden, ist ein Stück Kernseife kaufen viel zu langweilig. ;-)
      Aber hier gibt es ja auch ein Rezept für Kernseife. Werde wohl so etwas in der Art für ihn machen. Also niedrige Überfettung. Mit „Schrubbel“ wie der Seifensieder sagt.

  6. Marcel Dale

    Nach einigen Versuchen ist etwas relativ Ansehnliches bei raus gekommen. Hoffe ich doch zumindest :).

    Dieser Artikel ist eine gute Grundlage. Einige tiefere Informationen habe ich auf http://www.seifemachen.de erhalten.

    Ich freue mich schon auf die nächsten Versuche und werden gerne berichten, was dabei raus gekommen ist.

    https://uploads.disquscdn.com/images/77c8f6303f6b2c3766f61492b4bc5c69e2f00730201d30f75cca45827c108297.jpg

    Antworten
    • Hallo Marcel, die sieht wirklich sehr schön aus! Wie hast du denn diesen Schwarz-weiß Effekt und das schöne Muster am Rand hinbekommen? Ganz liebe Grüße!

    • Marcel Dale

      Hallo Marla. Das schwarz-Weiß Muster ist ganz einfach. Ich habe eine Silikon Kastenform mit Weiß gefärbter etwa zur Hälfte gefüllt und mit 99-prozentigem Alkohol besprüht. Nachdem die Oberfläche leicht angetrocknet ist, wird diese erneut mit Alkohol eingesprüht und die restliche Form kann mit der schwarz gefärbten Seife aufgefüllt werden. Der Alkohol ist notwendig, damit die beiden Flächen aneinander haften.
      Für das Muster am Rand (oder besser gesagt oben drauf) habe ich eine Pipette mit Gold gefärbter Seife gefüllt und nach erneutem Einsprühen aufgetragen. Das Muster ist letztendlich mit Schaschlik spießen entstanden.

    • Danke Marcel, ist wirklich schön geworden. Vielen Dank für deine Erklärung. Ganz liebe Grüße!

  7. Auch ich habe heute versuchsweise meine ersten Seifen hergestellt, und bin sehr gespannt wie es aussieht wenn sie morgen aus der Form kommen…
    Beim machen sind 2 Fragen aufgetaucht:
    Ist der Seifenleim immer noch ätzend, oder wird die Lauge „ungefährlich“ sobald das Öl dazu kommt?
    Und wie macht ihr das mit dem ph-Wert messen, eine Seife leicht anfeuchten und den Streifen auf die Seife halten?
    Danke auch für all die Infos auf dieser Webseite. Ich hätte am liebsten ein paar Monate Urlaub um alles mögliche auszuprobieren…

    Antworten
    • Hallo Dani, Beim Verseifen wird der allergrößte Teil des Natriumhydroxids mit Öl verseift und ist deshalb nicht mehr stark ätzend. Die Seife hat aber noch einen sehr hohen (basischen) pH-Wert, weshalb sie unmittelbar nach der Herstellung noch nicht für die Haut geeignet ist. In den folgenden Wochen sinkt der pH-Wert langsam. Es kann auch passieren, dass noch winzige NaOH-Kristalle im Leim zurückbleiben, die die Haut reizen können. Auch diese werden mit der Zeit weniger und verbinden sich mit dem Rest. Manche Leser empfehlen, die NaOH-Lauge nochmal durch ein feines Sieb zu filtern, bevor man damit die Öle verseift. Den pH-Wert kannst du wie von dir beschrieben messen – Seife anfeuchten, ein bisschen rubbeln und dann mit einem Teststreifen messen. Liebe grüße!

  8. Hallo, ich suche Rezepte für 1 Öl Seifen, nur pflanzliche Öle. Kann mir jemand helfen? Vielen Dank

    Antworten
  9. Mechthild Krüger

    Ich möchte an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Autor und seinen Artikel geben. Bisher bin ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, Seife selber zu machen, aber dank der „Seifen-Artikel“ mit ihren anschaulichen Bildern und den guten Erklärungen hat es mich in den Fingern gejuckt, es einfach mal selbst auszuprobieren. Und siehe da: Es hat wunderbar geklappt! Die dritte Produktion wurde soeben eingelagert und die Ergebnisse der ersten Gehversuche wurden bereits hoch gelobt! Vielen Dank!

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    • smarticular.net

      Vielen Dank für diese schöne Rückmeldung! Seifensieden macht süchtig :D

  10. Marlies Schneider

    Meine ersten Seifen sehen so ausgeformt und zugeschnitten recht passabel aus. Ich freue mich sehr. https://uploads.disquscdn.com/images/3bc9581cf8b21a62462d90e27670d4be454406e8e75c47a194deae0f026aabfd.jpg

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    • smarticular.net

      Sind doch sehr ansehnlich geworden! Und die unregelmäßige Form und Färbung macht diese selbst gemachte Alternative doch erst so richtig charmant – jedes Stück ein Unikat. Liebe Grüße!

  11. Marlies Schneider

    Es hat jetzt wirklich eine Weile gedauert, bis ich mich an das selber Sieden gewagt habe. Aber nun ist sie ausgelöst. Natürlich hatte ich für meine Öle kein passendes Rezept und musste wieder selber eins basteln. Jetzt muss sie erst mal ein paar Wochen reifen. Die Optik ist nun nicht der Hit, da die Blüten alle am Rand sind. Aber der Duft ist wirklich fein. Vermutlich werde ich die Tage gleich die nächste Seife machen. https://uploads.disquscdn.com/images/94bebfa80ed8200ab631945fa454700ad87d7db8c21ce4057d0b62d0ac029755.jpg

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    • Maximilian Knap

      Die Stücke sehen fantastisch aus, viel besser als alles, was man im normalen Laden bekommt. Da bekommt man gleich Lust, sie zu benutzen :-)

    • Marlies Schneider

      Danke Maximilian! Es juckt mich schon sie zu benutzen, aber sie muss einfach noch reifen. Dafür mache ich lieber gleich noch eine. Es macht richtig spaß!

    • Maximilian Knap

      Sag ich ja – macht süchtig ;-) hier geht’s auch bald wieder los

  12. Bettina Bachleitner

    Hallo, kann ich jede Seife im Backofen machen. Lg

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  13. Galadrielh Lothlorien

    Die Aleppo-Seife ist KEINE reine Olivenöl – Seife – bitte erst richtig informieren bevor man so was schreibt und andre glaubens dann auch noch….hier ganz dem Motto getreu: Papier ist geduldig, das Internet ist geduldiger

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    • Maximilian Knap

      Vielen Dank für den Hinweis, Korrektur ist erfolgt!

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