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Naturseifen selbst herstellen – der Ablauf
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Natur-Seifen selbst herstellen Schritt für Schritt Anleitung

Das Herstellen der eigenen Seife ist spannend und sowohl eine eigene kleine Wissenschaft als auch eine Kunstform. Es ist jedoch auch etwas anspruchsvoller als das Herstellen manch anderer Haushalts– und Pflegeprodukte. Deswegen haben wir hierzu eine Beitragsserie verfasst:

  1. Naturseifen selbst herstellen – eine Einführung
  2. Naturseifen herstellen – der Ablauf
  3. Selbstgemachte Naturseife – dein erstes Rezept
  4. Naturseife selber machen – weiterführende Informationen
  5. Seife mit Kaffeesatz – Anti-Cellulite und Peeling
  6. Weihnachtsseife mit Zimt und Anis
  7. Shampoo-Seife: immer parat und perfekt für Reisen
  8. Kernseife selber machen – Alleskönner im Haushalt

Der Herstellungsprozess besteht im Wesentlichen aus den folgenden Schritten, die wir nacheinander ausführlich erklären:

  1. Arbeitsflächen reinigen und Sicherheitsvorkehrungen treffen
  2. Fette/Öle in einem Topf verflüssigen
  3. Lauge herstellen und abkühlen lassen
  4. Fette/Öle in die Lauge geben
  5. Mit einem Mixstab 2-3 Minuten mixen, es entsteht “Seifenleim”
  6. Optionale Zutaten in den Seifenleim mischen (siehe unten: Verfeinerung der Naturseife)
  7. Seifenleim in vorbereitete Behälter füllen
  8. Behälter gut isolieren und 24 Stunden ruhen lassen, die Mischung verseift vollständig
  9. Seife in Stücke schneiden und 3-4 Wochen reifen lassen

Sicherheitsregeln

Das Wichtigste zuerst: Die Herstellung von hausgemachten Naturseifen ist kein Kinderspiel! Der Vorgang erfordert Genauigkeit, Ordnung und Ruhe. Du solltest dir dafür ausreichend Zeit nehmen und alle Ablenkungen wie Kinder, Haustiere, Fernseher usw. vermeiden.

Oberste Regel bei der Seifenherstellung ist Sicherheit. Es wird mit einer stark ätzenden Lauge gearbeitet, die bei falscher Handhabung Hautverätzungen und insbesondere Augeschäden verursachen kann. Besorge dir deshalb unbedingt die folgenden Gegenstände zum Schutz deiner Gesundheit:

  • Schutzbrille für die Augen, für jeden der mitarbeitet (z.B. diese hier)
  • Gummihandschuhe (z.B. diese hier)


Generell solltest du diese Sicherheitsregeln beachten:

  • Arbeitsflächen und Gegenstände vor und nach dem Sieden gründlich reinigen. Das Natriumhydroxid (auch Ätznatron genannt) reagiert stark und kann unter hoher Luftfeuchtigkeit reagieren.
  • Auf Fliessen, Stein oder Metalloberflächen arbeiten, am besten im Freien oder in gut durchlüfteten Räumen.
  • Lange Haare zusammenbinden, Schutzbrille, Handschuhe, lange Kleidung und Schuhe tragen.
  • Sämtliche Ablenkungen wie Telefon, Kinder und Haustiere aus der Arbeitsumgebung verbannen.
  • Hautkontakt mit der Lauge, dem Seifenleim und der abgefüllten Seife unbedingt vermeiden. Bei Kontakt möglichst schnell unter fließendem, lauwarmen Wasser abspülen und einen Arzt konsultieren.
  • Die Dämpfe, die bei der chemischen Reaktion entstehen nicht einatmen. Es empfiehlt sich, das Natriumhydroxid im Freien zum Wasser zu geben. Alternativ solltest du die Fenster öffnen und für etwas Durchzug sorgen.

Fette/Öle verflüssigen

Die festen Fette werden zunächst sanft in einem Topf geschmolzen. Anschließend kommen die flüssigen Öle hinzu, um die Mischung wieder so weit wie möglich abzukühlen. Zum Vermischen mit der Lauge sollten die Fette nicht viel wärmer sein als Zimmertemperatur.

Lauge herstellen

Nicht vergessen: Spätestens jetzt müssen Schutzbrille und Gummi-Handschuhe angezogen sein.

Zur Herstellung der Lauge benötigst du einen möglichst großen Topf aus Edelstahl. Aluminium oder andere Materialien sind nicht geeignet, da sie von der Lauge angegriffen werden. Der Topf sollte so hoch wie möglich sein, um Spritzer zu vermeiden.

Für die Verseifung verwenden wir als Lauge eine Natriumhydroxid-Lösung. Natriumhydroxid (NaOH, auch Ätznatron genannt) ist ein weißes Pulver, das in Wasser gelöst eine stark alkalische Lauge ergibt. Diese Lauge ist ätzend (ähnlich einer Säure) und kann die Augen und Schleimhäute schwer schädigen. Auf der Haut führt sie zu Verätzungen, ähnlich einer Verbrennung. Aus diesem Grund ist die oben genannte Schutzausrüstung unbedingt anzuwenden.

Natriumhydroxid reagiert zusammen mit Kohlendioxid zu Natriumhydrogencarbonat (Natron), deshalb wird es in luftdichten Behältern aufbewahrt. In Wasser gegeben, löst es sich in einer exothermen Reaktion auf, das Wasser erwärmt sich dabei stark. Deshalb muss das verwendete Wasser möglichst kalt sein.

Der Arbeitsort muss gut belüftet sein, da in der ersten Minute intensiv stechende Gase entstehen. Also entweder im Freien arbeiten, oder aber alle Fenster weit öffnen und einen Ventilator bereit stellen.

Damit die Seife später lange haltbar ist, muss das Wasser möglichst keimfrei sein, deshalb verwenden wir destilliertes Wasser. Einige Rezepte sehen auch die Verwendung von Milch vor. Mit Milch erwärmt sich die Lauge noch schneller, deshalb sollte Milch am besten vorher in Würfel gefroren werden.

Das benötigte Natriumhydroxid (NaOH) kannst du zum Beispiel direkt online bestellen. Destilliertes Wasser erhältst du in jeder Drogerie.

So gehst du vor, um die Natriumhydroxid-Lauge herzustellen:

  1. Schutzbrille und Gummihandschuhe anziehen
  2. Kaltes Wasser in die Spüle einlassen und einen großen Topf in das Wasserbad stellen (zur Kühlung)
  3. Benötigte Menge Flüssigkeit auf das Gramm genau abwiegen und in den Topf gießen
  4. Natriumhydroxid auf das Gramm genau abwiegen
  5. Natriumhydroxid in das Wasser geben (Achtung: erst das Wasser, dann das NaOH, nicht anders herum!!!) und mit einem Schneebesen gut verrühren (Vorsicht: Starke Geruchsentwicklung!)
  6. Die Lösung abkühlen lassen

Natriumhydroxidlauge zur Seifenherstellen zubereiten

Damit wäre der heikelste Teil der Arbeit abgeschlossen. Arbeite ruhig und konzentriert und vermeide vor allem Spritzer.

Seifenleim herstellen

Als nächstes werden die geschmolzenen Fette langsam und ohne zu spritzen vollständig in die Lauge gegossen, und die Mischung ausgiebig mit einem Mixstab gerührt. Nach etwa 2-3 Minuten wird die Mischung deutlich dicker und Pudding-artig, es entsteht der so genannte Seifenleim.

Seifenleim herstellen mit dem Rührstab

Jetzt heißt es schnell sein – der Seifenleim wird recht schnell zäh und lässt sich dann nur schwer weiter verarbeiten.

Optionale Zutaten hinzugeben

Jetzt werden alle benötigten Pflegezutaten laut Rezept zugegeben, wie Honig, Kaffeesatz, Kräuter, ätherische Öle und Farbstoffe. Den Seifenleim mit den Zutaten nochmals ausgiebig durchschlagen.

Insbesondere ätherische Öle sorgen dafür, dass sich der Seifenleim schnell verfestigt und nur noch schwer gießbar ist. Daher solltest du gerade am Anfang sparsam mit den Düften umgehen.

Seife abfüllen und verseifen lassen

Der fertige Seifenleim wird in vorbereitete Behälter gefüllt. Ideal geeignet sind Backformen aus Silikon, oder auch Tupper-Dosen in der gewünschten Form. Je kleiner die Form, desto länger dauert der Verseifungsprozess. Der Seifenleim entwickelt in den nächsten Stunden weiter Hitze und muss nun in den Behältern für 24 Stunden gut isoliert werden, damit der Verseifungsprozess bei Wärme stattfinden kann. Stelle die Behälter dazu am besten in einen großen Karton, den du mit Handtüchern, Decken, Kissen u.ä. ausgekleidet hast. Durch die eigene Wärmeentwicklung erhitzt sich der Seifenleim auf etwa 60 Grad und verseift dabei vollständig.

Seifenleim in Förmchen und größere Behälter abfüllen

Seife schneiden und reifen lassen

Am nächsten Tag kannst du die Seife aus der Form nehmen und in die gewünschten Stücke schneiden. Zum Waschen ist die Seife jetzt noch nicht geeignet – sie muss zunächst für mindestens 3-4 Wochen reifen. Am besten reifen Seifen an einem luftigen, dunklen und kühlen Ort. Das restliche enthaltene Wasser verdunstet aus der Seife, dabei sinkt der Ph-Wert weiter ab und wird hautverträglich.

Tipp zum Lösen der Seife aus starren Formen: Stelle den Behälter für einige Stunden ins Gefrierfach. Anschließend kannst du den Behälter einfach auf dem Kopf stellen, die Seife wird nach einigen Minuten wie von allein heraus gleiten.

Wichtig ist nach dem Sieden eine Gründliche Reinigung deiner Utensilien und allen Arbeitsflächen, um eine Gefährdung deiner Familie und Haustiere zu vermeiden.

Naturseife aus Olivenöl und Kokosöl herstellen

Du solltest auf jeden Fall die Reifezeit der Naturseife abwarten, denn nur so erreicht sie den gewünschten, hautverträglichen Ph-Wert. Dafür wirst du mit einem ganz besonderen Pflegeprodukt belohnt, welches sich auch ideal als ein ganz persönliches, selbst gemachtes Geschenk für die Liebsten eignet.

Um den Ph-Wert zu testen, empfiehlt sich das Verwenden von Ph-Wert Teststreifen. Mit ihnen kannst du den Reifegrad deiner Seife regelmäßig testen.

Wenn du es gar nicht erwarten kannst, empfehlen wir diese original Aleppo-Seife:

Bist du bereit zur Seifenherstellung? Ein Beispiel für dein erstes Rezept findest du hier.

Mehr zum Thema Seifenherstellung und grüner Kosmetik zum Selbermachen findest du in unseren Buchtipps:

Hast du noch weitere Tipps, wie die Seifenherstellung optimal gelingt? Teile sie in den Kommentaren!