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Zufriedener dank Minimalismus – warum Weniger glücklicher macht
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Kaufen macht glücklich? Viele Menschen definieren sich inzwischen über Kaufkraft und Besitztümer und sind trotzdem nicht glücklich. Kann weniger mehr sein?

Wie viele von den Dingen, die sich bei uns zu Hause häufen, brauchen wir wirklich? Früher hatten wir auch weniger, viel weniger, als Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene in der ersten eigenen Wohnung – und waren trotzdem glücklich! Was hat sich also verändert, dass wir jetzt so viel mehr Dinge brauchen als früher, die uns ja trotzdem nicht zufriedener machen?

Irgendwie ist der Minimalismus für jeden von uns verlockend. Ursprünglich, unkompliziert und gut für die Umwelt. Viele versuchen, Minimalismus ganz bewusst als Lebensstil zu verstehen, doch leider geht dies nur allzu oft nach hinten los. Wir wollen mehr Sport treiben und kaufen uns dafür ein Fitness-Armband nebst zugehöriger Smartphone-App. Wir wollen raus in die Natur, dafür besorgen wir uns allerlei Outdoor-Kleidung und High-Tech Ausrüstungsgegenstände. Wir wollen mehr lesen und kaufen uns einen E-Book-Reader inklusive Monats-Abo für die neuesten Bestseller. Wir wollen gesunder essen und schaffen uns einen Smoothie-Mixer für 500 Euro an. Noch ein Gerät, das in der Küche steht!

Und so häufen wir Geräte, Kleidung, Möbel an, aber auch Mitgliedschaften, Abos, Smartphone-Apps. Wir haben Fahrräder und Autos, weil man ja beides manchmal braucht, dazu den Nahverkehr vor der Tür. Doch wozu das Ganze? Macht es uns zufriedener?

Der Unterschied zwischen Besitzen und Erleben

Stell dir vor, du hättest in jedem Zimmer einen 60-Zoll-Fernseher mit unbegrenztem Filmprogramm auf Abruf. Wäre das nicht traumhaft? Du könntest jeden Tag Filme spielen lassen – doch nach kurzer Zeit hätte es seinen Reiz verloren.

Im Gegensatz dazu könntest du dich aber auch einmal alle zwei Wochen mit deinen besten Freunden zum Kinobesuch verabreden und mit ihnen einen wunderbaren, nicht alltäglichen Abend erleben. Dafür brauchst du keinen Fernseher, keinen Kabelanschluss und keine Surround-Sound-Anlage.

Aus unerfindlichen Gründen definieren sich viele Menschen immer mehr über Statussymbole. Man will zeigen, was man hat, darauf kommt es an. Doch macht dieser scheinbare Triumph – mein Fernseher ist größer als deiner, mein Auto schneller, mein Handy neuer – uns wirklich glücklicher? Mich jedenfalls nicht. Die Frage sollte nicht lauten: Wie kann ich anderen imponieren, sondern: Wie kann ich mir selbst imponieren?

Viel wertvoller und lohnender für die eigene Zufriedenheit sind stattdessen Erlebnisse, gemeinsame oder auch einsame Momente großer Freude, Aufregung, Entspannung oder auch Trauer. Der majestätische Blick vom Gipfel eines Berges ist mir viel lieber, als jeder noch so große Fernseher.

Verzichten weil man kann, nicht weil man muss

Im Unterschied zum Mangel in einer persönlichen Notlage ist Minimalismus durch einen Verzicht auf Dinge gekennzeichnet, die man sich eigentlich ohne Probleme leisten könnte. Diesen Verzicht muss man aber vor allem auch wollen, sonst macht er wenig Sinn. Wenn wir vor jeder Konsumentscheidung einmal gründlich darüber nachdenken, was die Alternativen wären und wo sich ein heute heiß ersehnter Gegenstand wohl in 6 oder 12 Monaten wiederfinden wird, dann kommen wir auch zu sinnvollen Kaufentscheidungen und hin und wieder auch zu bewusstem Verzicht.

Dieses erhabene Gefühl muss man auch erst einmal erleben, um es begreifen zu können: Ich habe alles (das Wenige), was ich brauche. Am einfachsten möglich ist das auf einer Reise mit Rucksack. Hast du schon mal versucht, für einen vierwöchigen Urlaub zu packen? Vier Wochen, 28 Tage, macht 28 Paar Socken, 28 Unterhosen, und so weiter… oder nicht? Ich nehme mittlerweile auf allen Reisen, egal wie lang, maximal drei Unterhosen mit – ich kann ja doch nur eine gleichzeitig tragen!

Dieses Prinzip lässt sich auch zu Hause anwenden und auf andere Lebensbereiche anwenden. Wer nur zwei oder drei Hosen besitzt, muss bei der Kleiderauswahl nicht lange überlegen und ist trotzdem immer gut angezogen. Wenn ich nur einen Topf habe, ist natürlich klar, in welchem ich koche. Jeder einzelne Gegenstand ist austauschbar – und viele davon womöglich überflüssig. Wer braucht schon eine Mitgliedschaft im Sportverein, den er oder sie nur einmal im halben Jahr aufsucht?

Mit der Zeit entsteht eine ganz neue Freiheit, die wir als Kind schon kannten, aber längst vergessen haben. Um die Dinge, die wir nicht haben, brauchen wir uns auch nicht zu kümmern. Sie können nicht kaputtgehen, verursachen keine Kosten, brauchen keine Pflege.

Dinge mehrfach verwenden

Ein Trick des Minimalismus besteht darin, vorhandene Dinge mehrfach zu verwenden. Sie werden dadurch gleich doppelt nützlich und machen andere Dinge überflüssig. Ein Trinkglas ist eine perfekte Blumenvase oder auch eine Gießkanne. Wusstest du, dass Privatautos zu über 90 % der Zeit ungenutzt herumstehen und deshalb vor allem in städtischen Bereichen oft teurer sind als Carsharing-Angebote?

Überhaupt ist das Teilen und gemeinsame Nutzen von Gebrauchsgegenständen eine gute Möglichkeit, um unnötige Anschaffungen zu vermeiden, Ressourcen zu schonen und trotzdem nicht alltägliche Gegenstände verwenden zu können.

Regelmäßig ausmisten

Minimalismus ist kein absoluter Zustand, sondern ein fortwährender Prozess. Wer einmal damit begonnen hat, wird schnell verstehen, wie befreiend es ist, sich von Staubfängern zu verabschieden, alte Zöpfe ein für allemal abzuschneiden und so mehr geistigen Freiraum zu erzeugen.

Ein guter Anfang könnte so aussehen: Gehe einmal durch die Wohnung und greife dir 5-10 Gegenstände, die du länger als ein Jahr nicht angesehen oder sogar verwendet hast. Sicher gibt es in deiner Nähe hin und wieder einen Flohmarkt, wo du sie noch in ein paar Euro verwandeln und ihnen auf diese Weise ein nützliches Zweitleben schenken kannst.

Dieses Vorgehen kannst du dir auch zur Gewohnheit machen und einen Karton aufstellen, in den alle Dinge wandern, die dir mit der Zeit überflüssig geworden sind. Der Anfang ist wie immer schwer, aber nach und nach entwickelst du ein sicheres Gespür dafür, was weg kann – und es entwickelt sich immer weiter.

Wenn es dir schwer fällt, dich von Dingen zu trennen, solltest du einmal diesen Trick zum Aussortieren von Kleidungsstücken probieren.

Herausfinden, was glücklich macht

Reduktion, Einfachheit und Konsumverzicht sind ein guter Anfang, aber sie sind nicht das, worauf es beim Minimalismus ankommt. Das Entscheidende ist herauszufinden, was dich glücklich macht!

All die Handy-Spiele, TV-Serien, Technik-Gadgets und Klamotten beanspruchen viel Zeit und Aufmerksamkeit. Dank Reduktion und Verzicht ist diese Zeit frei geworden und du erlangst die geistige Freiheit herauszufinden, was für deine Zukunft und deine persönliche Zufriedenheit wirklich wichtig ist.

Wie glücklich bist du mit deinen Lebensumständen? Macht dein Beruf dir wirklich Spaß, oder wolltest du nicht schon immer noch einmal studieren? War es nicht schon ein Kindheitstraum, einmal für mehrere Monate die Weiten der Welt zu erkunden? Solche Überlegungen sind für die meisten undenkbar. Sie werden aber plötzlich möglich, wenn man durch Reduktion und bewussten Verzicht ganz nebenbei die Kosten um 20, 30 oder sogar 50 Prozent reduziert hat.

Der Schlüssel dazu liegt nicht beim Boss, nicht bei der Familie oder dem Partner, sondern nur bei einem selbst.

Hast du bereits dein Leben in der einen oder anderen Weise minimalistischer, einfacher und damit lebenswerter gemacht? Was waren die größten Erfolge oder Herausforderungen? Teile deine Erfahrungen und Anmerkungen mit anderen Lesern in den Kommentaren!

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