Saatgut vermehren und teilen – eine Alternative zum Kauf bei Saatgutmultis

Bist du das Klagen über Monokulturen, Genfood und Co. Leid? Möchtest du selber etwas verändern? Beginne zum Beispiel mit dem Aufstellen einer Saatgutbox!

Durch die allgemeinen Trends in unserer Gesellschaft bei Konsum und Ernährung bleiben nicht nur immer mehr Tierarten auf der Strecke, auch die Pflanzenwelt ist stark bedroht. Dies trifft insbesondere auf Nutzpflanzen in der Nahrungskette zu. So sind in den letzten 100 Jahren durch Monokulturen und die Verwendung von Hybridpflanzen (übrigens auch im Bio-Landbau gängige Praxis aufgrund der größeren Erträge) der Löwenanteil alter Nutzpflanzen verschwunden.

Zum Glück gibt es zu dieser Entwicklung auch Gegenbewegungen. Etliche Privatpersonen, gemeinnützige Vereine und kleine, unabhängige Saatgutfirmen bemühen sich, altes Saatgut zu bewahren und weiter zu geben. Dazu gehören Bingenheimer Saatgut, Dreschflegel, Rühlemanns, lila-tomate, Grüner Tiger und Vern.

Alte Sorten sind trotz des geringeren Ertrages dem Supermarkt-Einheitsgemüse geschmacklich fast immer überlegen. Sie sind standortangepasster und damit robuster. Zudem leistet der Erhalt alter Sorten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der lebenswichtigen Biodiversität!

Wie kannst du alte Sorten retten?

Ein möglicher Weg zur Rettung alter Sorten ist das “Samenspenden” unter Freunden oder auf virtuellen Tauschbörsen.

Lokal ist auch das Aufstellen und Verwenden von Saatguttauschboxen eine schöne Lösung. Dabei handelt es sich um eine Box, die in einem öffentlich zugänglichen Raum aufgestellt wird, zum Beispiel in Rathäusern oder Bibliotheken. Jeder kann Saatgut einlegen oder mitnehmen. Das Ganze ist kostenlos und soll der Erhaltung von sortenreinem Saatgut dienen.

Im Frühjahr 2013 wurden in Deutschland die ersten Boxen aufgestellt. Die Idee stammt u.a. von der Künstlergruppe „Eating in public” aus Hawaii, die sozial-kreative Aktionen im öffentlichen Raum durchführen. In Deutschland wurde die Idee von dem Düsseldorfer Michael Bonke aufgegriffen und publik gemacht.

Auf der Seite freiessaatgut.de erfährst du, wo es schon Saatguttauschboxen gibt. Falls in deiner Region noch keine vorhanden ist, kannst du eine basteln, aufstellen und hier eintragen.

Was du für eine Saatgutbox benötigst

Natürlich brauchst du eine Box. Meine Kiste besteht aus einer alten Weinkiste aus Holz, der Deckel ist am hinteren Teil angeschraubt. Andere Kisten sind einfach aus einem Karton hergestellt

Anleitungen zum Bau spezieller Kisten gibt es hier.

Du benötigst außerdem einen Ort, der öffentlich zugänglich und wettergeschützt ist. Meine Saatguttauschbox steht z.B. in unserer Stadtbücherei. Andere Boxen stehen in Yogazentren, Begegnungszentren, Repairshops, Community-Gärten oder interessierten Geschäften.

Für einen gelungenen Start ist auch etwas Saatgut von Vorteil. Ich hatte im ersten Jahr überschüssiges, gekauftes, sortenreines Bio-Saatgut in die Box gelegt. Mittlerweile ziehe ich mein Saatgut aber selbst. Das ist einfacher als man denkt. In der Regel genügt es, einfach nichts zu tun. Ein paar Pflanzen nicht abernten, nicht im Winter heraus ziehen, sondern einfach stehen lassen. Irgendwann fängt die Pflanze an zu blühen (bei manchen Gemüsesorten erst im 2. Jahr), bildet Samen und – fertig ist das neue Saatgut.

Das Saatgut wird entweder portionsweise verpackt in die Box gelegt oder in einer offenen Tüte, aus der sich jeder nach eigenem Bedarf bedienen kann.

Um es den Tauschenden einfacher zu machen, kannst du auch leere Tüten in der Box deponieren. Ich hinterlasse immer ein paar gebrauchte Briefumschläge. Auf jedem Umschlag sollten Erntejahr und Sorte vermerkt werden.

Mit diesem Trick kannst du mit den Menschen in deiner Umgebung alte Sorten schützen und leckeres Obst und Gemüse genießen.

So wie wir unser Kulturerbe schützen, sollten wir auch das Erbe unserer biologischen Vielfalt schützen. Ich wohne in einer Stadt mit vielen historischen Gebäuden. Niemand käme (bisher) auf die Idee, den 1000 Jahre alten Dom abzureißen, um dort ein neues Shoppingcenter zu bauen. Denselben Respekt sollten wir auch der uns umgebenden Biodiversität entgegenbringen.

Tipps und Tricks zum erfolgreichen Gärtnern mit Samen findest du in diesem Buch:


Tipps für einen ausgewogenen und Gesunden Garten findest du hier:

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10 Kommentare Kommentar verfassen

  1. vera

    Bitte beachtet, daß sich viele Pflanzensorten verkreuzen und die nächste Generation völlig andere Pflanzen ergeben kann, auch ungenießbare. Kreuzblütler zum Beispiel können nur unter völliger Abschirmung vor den Bestäuberinsekten (also unter Vliesabdeckungen oder hermetisch abgeschlossenen Folientunnels mit extra eingesetzten Insekten) sortenrein gezogen werden, da sie sich besonders gerne verkreuzen. Oder Kürbisse, Zucchinis,… ich empfehle das wundervolle Handbuch der Andrea Heistinger von der Arche Noah: http://www.andrea-heistinger.at/handbuch-samengaertnerei

    Antworten
    • Maximilian Knap

      Vielen Dank für den Tipp, das sollte man unbedingt beachten!

  2. TalaNegu

    Transition Town Initiativen habe auch oft Saatguttauschbörsen bzw. Boxen. Bei uns im Westerwald gibt es im frühen Frühjahr eine Saatgut- und im Mai dann nochmal eine Pflanzentauschbörse.

    Antworten
  3. Maria Widerstand

    Bei uns in der Nähe gibt es eine „Samenbank“ da kann man Saatgut tauschen. Ich finde das ist eine wirklich gute Sache!

    Meine Schwiegermutter macht das im Kleinen, sie und ihre Nachbarn nehmen selber Samen ab und tauschen diese dann aus bzw. teilen.

    lg
    Maria

    Antworten
    • Maximilian Knap

      Ist das eine Art Geschäft? Wäre interessant, mehr darüber zu erfahren!

    • Maria Widerstand

      Hallo Maximilian!

      http://gmota.at/

      Das ist ein gemeinschaftliche geführtes Cafe mit open space und Kostnixladen sowie vielen Teilprojekten wie eben die Samenbank.

      lg
      Maria

    • Christine

      Hallo Maria, d.h. im Prinzip auch einfach eine Kiste in der man Saatgut einlegen und rausnehmen kann?

    • Maria Widerstand

      Vereinfacht ausgedrück ja, es ist aber alles wirklich super gut geordnet und beschriftet. Ziemlich coole Sache finde ich.

      lg
      Maria

    • Christine

      stimmt, wo ist das denn?

    • Maria Widerstand

      In Graz, Österreich.

      http://gmota.at/

      lg
      Maria

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