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Drüsiges Springkraut genießen statt bekämpfen
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Häufig als Unkraut verschrien, ist das Himalaya-Springkraut in Wahrheit eine nützliche Pflanze, nicht nur für Bienen. So bereichert es deinen Speiseplan!

Das Drüsige Springkraut, auch Indisches oder Himalaya-Springkraut, wird gerade im Sommer durch die Medien immer bekannter. Zumeist wird es als extrem invasiver Neophyt, also als „Pflanzlicher Eindringling“ verschrien, der heimische Arten verdrängen und daher am besten ausgerottet werden soll.

Anstatt diese schöne und nützliche Pflanze ständig nur zu verteufeln, schlage ich vor, sich näher mit ihr zu beschäftigen und sie eher durch sinnvolle Nutzung einzudämmen, statt sie aufwändig vertreiben zu wollen. Integrieren statt isolieren, nutzen statt bekämpfen. Denn wer diese Pflanze ohne Vorurteile etwas genauer betrachtet, wird schnell das Potenzial zur vielfältigen Nutzung erkennen.

Das Indische Springkraut in Mitteleuropa

Tatsächlich gibt es laut neuesten Erhebungen kaum Anlass zu übertriebener Sorge. Zwar breitet sich die Pflanze sehr stark aus, sie vergeht aber ebenso schnell wieder. Wassermangel kann es nicht überdauern und es ist auch nicht frostbeständig. Das Drüsige Springkraut kann die Eigenschaften des Bodens nicht ändern, bildet keine Rhizome aus, sondern vermehrt sich ausschließlich über Samen.

Das Springkraut verhält sich wie jede andere Pflanze auch – es besetzt Nischen. An dieser Stelle muss man verstehen, dass Verdrängung nicht mit Vernichtung gleichzusetzen ist. Pflanzen wandern, lassen anderen Platz und suchen sich ein für sie neues, geeigneteres Habitat.

Die einjährige Pflanze stammt ursprünglich aus dem Himalaya und wurde 1839 von Kashmir aus als Gartenzierpflanze nach England importiert. Von dort verbreitete sie sich schnell über ganz Europa.

Zu ihrer Verbreitung trugen auch Imker bei, welche die Pflanze als Bienen-Futterpflanze ausgesät haben. Tatsächlich ist das Springkraut bei Imkern heute beliebter denn je, da durch intensive Landwirtschaft mit Insektizid-, Pestizid- und Düngeraustrag, aber auch durch den Klimawandel, immer mehr Futterpflanzen für Bienen verschwinden.

Auch bei anderen Insekten wie Wespen und Hummeln oder den Larven des mittleren Weinschwärmers ist der reichlich produzierte, sehr zuckerhaltige Nektar begehrt und durch die sehr lange Blütezeit bis in den Herbst hinein finden auch sie immer noch genug Nahrung.

Verwendung in der Küche

Drüsiges Springkraut ist essbar! Die Blüten schmecken wegen des enthaltenen Nektars und Pollens süßlich und lassen sich in kleinen Mengen von Juli bis Oktober roh verzehren, z. B. als Dekoration auf Salaten.

Auch die jungen Blätter und Blattspitzen kannst du verwenden, aber immer nur in kleinen Mengen! In größeren Mengen wirken sie nämlich leicht giftig, das Drüsige Springkraut wird in der Medizin auch als Abführ-, harntreibendes und Brechmittel verwendet.

Das leckerste am Springkraut sind jedoch die Samen! Im September, manchmal schon im August bis in den Oktober hinein, kann man die Samen ernten und einfach roh essen. Sie haben ein schönes Nussaroma und eignen sich für alle Gerichte, bei denen man Nüsse verwendet, z.B. in Pestos, Bratlingen, über den Salat gestreut oder in Aufläufen. Die Samen können auch ohne Öl kurz in einer Pfanne angeröstet werden und bekommen so ein kräftigeres, herbes Aroma.

Häufig als Unkraut verschrien, ist das Himalaya-Springkraut in Wahrheit eine nützliche Pflanze, nicht nur für Bienen. So bereichert es deinen Speiseplan!

Überall, wo du bisher Nüsse verwendet hast, kannst du auch Springkrautsamen einsetzen – der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Verwendet werden können sowohl die jungen, gelblich-weißen Samen, als auch die ausgereiften schwarzen. Am einfachsten kannst du sie sammeln, indem du eine Tüte über die reifen Samenkapseln schiebst und leicht auf sie drückst. Die Samen springen dann heraus, wie der Name der Pflanze schon sagt. Von den Samenkapseln wirst du immer Blättchen im Sammelbeutel haben, sie lassen sich aber später gut mit einem Küchensieb heraussieben. In einem Schraubdeckelglas kannst du getrocknete Samen gut bis zur nächsten Saison aufbewahren.

Rezepte für Himalaya-Springkraut

Springkraut-Gelee (Grundrezept)

  • Zutaten:
  • 4-5 Handvoll Springkraut-Blüten
  • ein Liter Wasser
  • eine Bio-Orange
  • eine Bio-Zitrone oder Limette
  • ca. 450 Gramm Zucker
  • Geliermittel

So wird das Gelee zubereitet:

  1. Zitrone und Orange waschen und in Scheiben schneiden.
  2. Zusammen mit den Blüten und dem Wasser in einen Topf geben und kurz aber kräftig aufkochen.
  3. Über Nacht abgedeckt stehen und ziehen lassen.
  4. Das Ganze in einem feinen Küchensieb durchpassieren und mit Zucker und Geliermittel nach Packungsanleitung so lange aufkochen, bis die Masse geliert.
  5. Kochend heiß in sterile Gläser abfüllen und sofort fest verschließen.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, den Geschmack des Gelees zu variieren. Du kannst zum Beispiel auch Holunderbeeren darunter mischen oder das Gelee mit Minze, Sternanis und Nelken verfeinern.

Springkraut-Würzöl

Die Samen des Springkrauts sind auch sehr gut geeignet, um Öl zu aromatisieren. Für dieses Öl benötigst du folgende Zutaten:

  • 200 ml Oliven- oder Nussöl
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 1 EL Springkrautsamen

Zubereitung:

  1. Knoblauchzehen schälen, zerdrücken und grob hacken.
  2. Öl erhitzen, Springkrautsamen hinzugeben und leicht bräunen lassen.
  3. Knoblauch zugeben und ohne Temperatur das Öl durchziehen lassen, wodurch es sanft aromatisiert wird.

Fertig ist dein Öl mit Springkraut. Ich liebe es besonders als schmackhafte Beigabe auf Nudeln.

Springkraut-Salatdressing

Für ein schmackhaftes Salatdressing mit Springkraut-Samen verwende ich folgende Zutaten:

  • 1 TL Blauschimmelkäse
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 gestrichenen EL geröstete Springkrautsamen
  • 1 Schuss weißen Balsamico-Essig
  • ½ TL Tomatenmark
  • 1 kleine Prise Chili
  • Buttermilch, je nach gewünschter Konsistenz des Dressings

Die Zutaten werden einfach in einem Gefäß mit einem Rührbesen vermengt und nach Lust und Laune mit Kräutern verfeinert.

Weitere Verwendungsideen

Mit den leckeren Springkrautsamen lassen sich noch viele andere Speisen bereichern. Hier nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten.

  • in Plätzchen, Muffins und nussigen Kuchen
  • in mediterranen Gerichten als Ersatz für teure Pinienkerne
  • in Nuss-Trockenobst-Mischungen

Das Drüsige Springkraut wartet nur darauf, weiter entdeckt zu werden! Es ist in größeren Mengen so gut wie überall auffindbar und Sammeln lohnt sich! Positiver Nebeneffekt für Gärtner: Je mehr man die Samen nutzt, umso mehr wird es in seiner Verbreitung auch eingedämmt.

Hast du schon einmal das Drüsige Springkraut genutzt? Was sind deine Tipps und Rezeptideen?

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  • Brigitte Sensenschmidt

    Die Stängel des Vorjahres kann man im Frühjahr sehr gut zum Basteln verwenden. Das “Holz” ist leicht und sehr stabil. Farblich ähnelt es Rebenholz.

    • Maximilian Knap

      Danke für diese schöne Idee, die wir ausprobieren werden!

    • Ilves

      Bist du sicher, daß du das Drüsige Springkraut meinst und nicht den japanischen Staudenköterich?
      Nach dem ersten Frost bleibt vom Springkraut nur noch “Matsch” übrig, die Stängel vom Staudenknöterich hingegen bleiben stehen.

      • Brigitte Sensenschmidt

        Eventuell habe ich mich getäuscht. Ähneln sich die Blüten denn sehr?

        • Ilves

          Absolut nicht, das sind zwei völlig unterschiedliche Pflanzen :-)

          • Brigitte Sensenschmidt

            Nun habe ich mich kundig gemacht. Ich meinte schon das drüsige Springkraut. Die Stängel werden mitnichten matschig im Winter. Im zeitigen Frühjahr kann man die stabilen und recht spröden Stängel “ernten”.

          • ILves

            Sorry Brigitte, das Drüsige Springkraut ist nicht Frost- / Winterhart und Einjährig. Da es keine Rhizome ausbildet, findet auch keine “Verholzung” der Stängel statt.
            Da bleibt nichts -verwertbares- übrig.
            Bei uns fällt das Kraut zum Teil jetzt schon um. Wenn du magst warte ich noch einen Monat und schicke dir Fotos :-)

            https://de.wikipedia.org/wiki/Einj%C3%A4hrige_Pflanze

  • Martin Schweikart

    Sind die Samen auch giftig?

    • Harald

      Frag Google

    • Maximilian Knap

      Sie sind bekömmlich und sogar sehr lecker! Weil die Kapseln so schön aufspringen, lassen sie sich sogar recht einfach ernten. Einfach mal kosten!

  • Volker

    »Zumeist wird es als extrem invasiver Neophyt, also als „Pflanzlicher Eindringling“ verschrien, der heimische Arten verdrängen […] soll.«
    Und genau so ist es auch. Dass man es nutzen kann, ändert da rein gar nix dran. Wer das verharmlost oder abstreitet (und möglicherweise noch Leute auf die Idee bringt, das Zeug selbst anzubauen), hat nicht begriffen, welchen Schaden diese Pflanzen anrichten. Und sollte zu der Thematik dann einfach mal den Rand halten – der Natur zuliebe.

    Wobei es immerhin ein Anfang ist, die Samen abzusammeln und zu nutzen, bevor sich das Dreckszeug noch weiter verbreitet.

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