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No-Poo – Haare waschen nur mit Wasser – natürliche Pflege braucht keine Chemie
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Haare Waschen ohne Shampoo, Seife, Natron oder Roggenmehl? Ja es geht! Wie das Haarewaschen ohne Hilfsmittel funktioniert und worauf du achten solltest!

Hätte man mir vor mehr als 14 Monaten gesagt, ich würde meine dünnen, pflegebedürftigen Haare heute nur noch mit Wasser waschen, ich hätte denjenigen für verrückt erklärt. Um Fett, Hautschuppen, Staub und Umweltschadstoffe vom Kopf zu entfernen, benötigt man schließlich ein gutes Reinigungsmittel mit Tensiden. Zusätzlich bedarf es auch noch pflegender Zusätze für gesundes Haar und eine gut durchblutete Kopfhaut. Obwohl sich die heutigen Shampoos mit diesen Werbeaussagen ständig überbieten, ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall – Wasser allein ist genau genommen völlig ausreichend!

Ohne Shampoo, geht das?

Haare und Kopfhaut werden üblicherweise mit aggressiven Waschsubstanzen gereinigt und, anstatt gepflegt zu werden, durch günstige Ersatzstoffe wie Silikon oder Polyquaternium versiegelt. Die verdeckten Missstände führen zu Austrocknung und damit gesteigerter Talgproduktion. In Folge dessen kommt es schneller zu einem fettigen Aussehen und häufige Haarwäschen werden notwendig, die wiederum die Nachfrage nach chemischen Reinigungs- und Pflegeprodukten immer wieder ankurbeln. Nachhaltige Haarwäsche und -pflege sieht anders aus. Wer sich stattdessen etwas Zeit nimmt und das Haar vollständig von chemischen Zusätzen entwöhnt, tut seiner Gesundheit etwas Gutes und schont außerdem Umwelt und Geldbeutel.

Der Trend zum Waschen ohne Shampoo (= NoPoo) ist daher nicht verwunderlich. Bei der NoPoo-Methode kommen üblicherweise natürliche Hilfsmittel zur Reinigung wie Stärke, Laugen oder Saponine in Form von Kastanien, Roggenmehl, Lavaerde, natürliche Haarseifen oder Natron zum Einsatz. Aber auch Methoden ohne Zusätze wie das alleinige Auskämmen des Talgs (= only sebum) oder das Waschen mit Wasser allein (= only water) zählen dazu.

Wie du es schaffst, deine Haare tatsächlich mit nur Wasser angenehm sauber zu bekommen, und was dabei zu berücksichtigen ist, erfährst du in diesem Beitrag.

Einstieg in die natürliche Haarreinigung

Damit natürliche Haarwäsche und besonders die körpereigene Pflege auch am Haar ankommt, sollten die Haare frei von umhüllenden Substanzen wie Silikon sein. Für diesen Umstieg, der in aller Regel etwas Zeit zur Entwöhnung benötigt, bieten sich zwei Möglichkeiten an. Zum Einen die längere Reinigung und Pflege mit silikonfreien Shampoos, Pflege- und Stylingprodukten und zum Anderen eine mehrfache Tiefenreinigung mit einer Natronmischung sowie dazugehörige saure Haarspülungen.

Haarwäsche mit Wasser ohne weitere Zusätze

Besonders praktisch, natürlich und haarschonend ist das Waschen ausschließlich mit Wasser, denn alles, was du dafür benötigst, ist Wasser aus dem Wasserhahn und ein Handtuch. Das vorherige Anrühren oder Sudkochen aus Zutaten entfällt. Durch das Ausspülen wäscht sich der Fettfilm vom Ansatz über die Haarlängen aus. Dabei kann der Talg den ausgetrockneten Haaren die benötigte Pflege sofort bieten und überschüssige Mengen fließen ab.

Und so gehst du beim Haarewaschen mit der Wasser-Methode vor:

  1. Eine schonende, lauwarme Wassertemperatur und wenn möglich einen harten Wasserstrahl an der Brause einstellen.
  2. Generell hat sich eine Haltung mit dem Kopf nach unten bewährt. Du kannst aber auch während des Waschens abwechseln.
  3. Die Haare abbrausen und dabei einzelne Haarbüschel immer wieder hochheben, um untere Schichten mit ausreichend Wasser durchzuspülen. Bei langen Haaren ist dies gerade im Nacken notwendig, wo viele Haare zusammen kommen, aber auch die Seiten oberhalb der Ohren benötigen mehrere Durchgänge. Gleichzeitiges Einmassieren des Wassers solltest du aufgrund der durchblutungsfördernden Wirkung vermeiden, dies würde nur die Talgproduktion unnötig ankurbeln und zu fettigen Haaren führen.
  4. Durch das wiederkehrende Durchspülen saugen sich die Haare immer mehr mit Wasser voll und verändern sich im Gefühl. Sie werden schwerer und geben einen weißlich und manchmal auch gräulichen, feinen, öligen „Schaum“ ab. Diesen kannst du am leicht verschlossenen Ablauf beobachten.
  5. Wenn kein neues Ölgemisch hinzukommt oder die Haarlängen sich wachsartiger anfühlen, ist das Haar auch schon gereinigt.
  6. Mit einem kalten bis eiskalten letzten Abbrausen zieht sich die Kopfhaut zusammen und die Haarschuppen glätten sich, wodurch das spätere Kämmen erleichtert wird.
  7. Die Haare ausdrücken und im Handtuch trockentupfen, aber nicht zu stark rubbeln, denn es kann leichter zu Haarbruch und unnötigem Haarekämmen führen. Wenn Lufttrocknen nicht möglich ist, von den Haarspitzen langsam zum Ansatz föhnen, um möglichst wenig Wärme auf der Kopfhaut zu produzieren. Wärme schadet nur unnötig den Haaren und kurbelt die Talgproduktion an.

Die Haare trocknen nach dem Föhnen noch weiter nach und sollten nun einen optisch sauberen Eindruck hinterlassen. In den ersten zwei bis drei Wochen der Water-only-Methode kann sich das Haar, bis sich die Talgproduktion eingespielt hat, noch ungewohnt anfühlen, doch das Durchhalten lohnt sich. Mit der Zeit verändert sich der Talg und lässt sich mit Wasser allein immer leichter auswaschen. Eine regelmäßige Wäsche ist zu Beginn sinnvoll und unterstützt die Talgregulierung.

Behebung von wachsartigen Ansätzen

Vereinzelt können durch übermäßige Talg-Ansammlungen haarwachsartige Ansätze auf der Kopfhaut auftreten, die ein schweres Haargefühl aufkommen lassen. Solch ein Zustand tritt häufiger bei hartem Wasser auf. Folgende Möglichkeiten kannst du zur Milderung angehen:

1. Erneute Wäsche mit Wasser

Bei stark fettigem Haar hilft die Wiederholung der Wäsche. Die Talgmenge wird dadurch nochmals verringert.

2. Pflegende Wäsche

Zum erneuten Waschen hat sich auch eine milde, pflegende und zugleich reinigende Mischung aus zwei bis vier Teelöffeln Honig mit zwei Teelöffeln lauwarmem Wasser bewährt. Sie spendet zusätzlich noch Glanz und Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeitszufuhr unterstützt die natürliche Senkung der Talgausschüttung, ohne einen beschwerenden Ölfilm zu hinterlassen.

No-Poo - Haare waschen nur mit Wasser - natürliche Pflege braucht keine Chemie

Weitere milde und pflegende Wäschen bieten der Avokadokernsud, entfettende Haarspülungen oder auch ein stark verdünntes Roggenmehl-Shampoo, das aus drei leicht gehäuften Esslöffeln Roggenmehl (Typ 1150) und 300 ml lauwarmem Wasser zubereitet wird.

Welche natürlichen Feuchtigkeitsspender du außerdem noch nutzen kannst, verraten dir die Tipps in diesem Beitrag zu feuchtigkeitsspendenden Kuren und Spülungen.

3. Saure Spülung

Gerade bei mittelhartem bis hartem Wasser kann in der Anfangsphase der zähe Talg mit dem Kalk verkleben und nur erschwert ausgespült werden. Eine Spülung mit drei bis fünf Esslöffeln Wein- oder Apfelessig auf einen Liter Wasser macht das Wasser und die Haare weicher und erleichtert den Abtransport. Dabei ist der Apfelessig die mildere Variante und unter Umständen bei hartem Wasser nicht ausreichend. Eine mildere Spülung kannst du auch mit einem Teelöffel Essig auf 500 ml Wasser nach jeder Wäsche vorbeugend anwenden.

4. Waschen mit destilliertem Wasser

Wenn Kalk die Ursache ist, könnte das Waschen mit kalkfreiem, destilliertem Wasser hilfreich sein.

5. Ausbürsten

Eine weitere Möglichkeit bietet das Auskämmen mit einer Naturbürste wie zum Beispiel einer Wildschweinborsten-Bürste oder Sisal-Bürste. Durch das Kämmen verteilt sich der Talg vom Ansatz zu den Haarlängen und lässt sich bei der nächsten Wäsche leichter entfernen. Allerdings kann die Massage der Kopfhaut die Talgdrüsen zu erneuter Talgproduktion minimal anregen. Bei hartem Wasser ist dies sogar die schonendste Methode um „Kalkseife“ aus Kalk und Talg auf lange Zeit zu verhindern.

Falls das Bürsten nicht zum gewünschten Erfolg führt, kann das Befeuchten der Bürste helfen. Einen Versuch ist es allemal wert.

6. Apfelkur

Als erfolgreiche Maßnahme hat sich eine Haarkur aus zuckerfreiem, fein püriertem Apfelmus beziehungsweise aus einem fein pürierten, geriebenen Apfel erwiesen. Die Apfelmasse wird auf der Kopfhaut und den betroffenen Stellen verteilt und nach 30 Minuten gründlich ausgespült.

Haare Waschen ohne Shampoo, Seife, Natron oder Roggenmehl? Ja es geht! Wie das Haarewaschen ohne Hilfsmittel funktioniert und worauf du achten solltest!

Mein Fazit

Mein persönliches Fazit nach zwei Monaten: Mit der Haarwäsche ohne Reinigungszusätze werden Haare und Kopfhaut sauber und du kannst dank der selbstregulierenden, körpereigenen Pflege des Talgs auf teure Haarpflegeprodukte vollkommen verzichten.

Viele weitere Ideen und Rezepte für Alternativen zu gängigen Pflegeprodukten findest du auch in unserem Buch:

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Hast du deine Haare schon mit der Water-only-Methode gewaschen und wie waren deine Ergebnisse? Oder kennst du vielleicht noch weitere Tipps für die erfolgreiche Haarwäsche ausschließlich mit Wasser? Über deine ergänzenden Kommentare freuen wir uns und beantworten auch gern Fragen zum Thema.