Gemüse ökologisch vorziehen: Diese Sorten kannst du säen statt kaufen

Selbst angebautes Gemüse ist nicht nur lecker, sondern du weißt auch genau, was drin steckt! So gelingt die Anzucht zu Hause mit einfachen Mitteln.

Wenn es um knackiges Gemüse geht, ist unbehandeltes Biogemüse die beste Wahl. Im Bioladen oder Supermarkt ist es nur leider häufig entweder verhältnismäßig teuer, in Plastik verpackt oder hat einen langen Transportweg hinter sich. Jedoch kannst du eine Vielzahl an Gemüsesorten einfach auf dem Balkon oder im Garten selbst anbauen. So kannst du dich – zumindest teilweise – ökologisch selbst versorgen. Beim selbst gezogenen Gemüse weißt du, was wirklich drin steckt, und selbst gezogen schmeckt die Tomate gleich noch viel besser als aus dem spanischen Gewächshaus!

Einige Gemüsesorten und Kräuter wachsen jedoch recht langsam und/oder sind besonders kälteempfindlich. Aufgrund der kurzen Hochsaison hierzulande sind solche Arten für eine Direkt-Aussat im Freiland daher weniger geeignet. Sie können stattdessen ab Februar/März geschützt vor Wind und Wetter an einem warmen Ort vorgezogen werden.

Bei Tomaten, Kohlrabi und Co. funktioniert das hervorragend auf der Fensterbank. Dafür brauchst du weder teures Equipment, noch ökologisch fragwürdige Anzuchttöpfe aus Torf. Verwende einfach kleine Anzuchttöpfchen, selbst gemacht mit einfachen Mitteln aus „Müll“ – hier erfährst du wie es geht.

Dieses Gemüse kannst du auf der Fensterbank vorziehen

Um die Pflanzsaison hierzulande zu verlängern und den Früchten später genügend Zeit zu lassen, damit sie wirklich groß und reif werden, kannst du viele Gemüsearten zu Hause vorziehen. Dazu zählen insbesondere:

  • Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika, Gurke, Kürbis, Zucchini, Auberginen
  • manches Blattgemüse, zum Beispiel Kopfsalat und Mangold
  • Kohlgemüse wie Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl, Wirsing
  • viele Kräuter wie etwa Thymian, Basilikum, Petersilie

Selbst angebautes Gemüse ist nicht nur lecker, sondern du weißt auch genau, was drin steckt! So gelingt die Anzucht zu Hause mit einfachen Mitteln.

Als Faustregel gilt: März und April sind gute Monate für die Aussaat. Die Pflanzung ins Freiland erfolgt dann im Mai und Juni. Je nach Sorte kann der optimale Zeitpunkt jedoch variieren. Richte dich am besten nach den Angaben auf der Saatgut-Packung. Außerdem sollte bei der Pflanzung ins Freie eine milde Außentemperatur vorherrschen. Auf keinen Fall die Pflanzen bei Frost ins Freiland setzen! Dabei auch den Nachtfrost beachten – eine alte Bauernregel empfiehlt, die Eisheiligen abzuwarten.

Auf der anderen Seite gibt es Gemüse, das sich am besten entwickelt, wenn es direkt ins Freiland ausgesät wird. Dazu zählt jedes Wurzelgemüse wie Möhren, Radieschen und Rote Bete. Aber auch Zwiebeln sowie einige Pflücksalate und Spinat müssen nicht vorgezogen werden.

Anzucht in DIY-Anzuchttöpfchen – So geht’s!

Es gibt diverse Produkte für die Gemüseanzucht zu Hause. Von Anzuchttöpfchen aus Zellulose über Plastik-Pflanzschalen und Anzuchtplatten bis hin zu Mini-Gewächshäusern ist alles dabei. Auch Torf wird in Form von Quelltöpfen oder Anzuchterde oft angeboten. Die Verwendung dieses Rohstoffes ist jedoch ökologisch äußerst bedenklich, denn dafür werden Moore zerstört, die einen wichtigen Beitrag für unser Klima und die Artenvielfalt leisten.

Praktischerweise brauchst du das alles gar nicht unbedingt, denn es geht auch einfacher und preiswerter! Aus Klopapierrollen, altem Zeitungspapier und Gartenerde kannst du im Nu günstige und umweltfreundliche Anzuchttöpfchen selbst basteln. Die Papprollen sind biologisch abbaubar und können später im Ganzen umgetopft bzw. ins Freiland gepflanzt werden, ohne dass die Wurzeln der jungen Pflanzen verletzt werden. Als umweltfreundliche Anzuchterde eignet sich Gartenerde oder Erde eines Maulwurfshügels gemischt mit Komposterde.

Tipp: Hier findest du weitere praktische Anregungen zur Herstellung guter Pflanzenerde ohne Torf.

Mit diesen vier Methoden stellst du deine eigene Erde für Blumenkästen und zur Anzucht her und kannst dir die Schlepperei der Säcke vom Gartencenter sparen.

Für die Gemüseanzucht benötigst du folgende Materialien:

  • Erde (Gartenerde, Maulwurfserde, Komposterde)
  • leere Klopapierrollen und Zeitungspapier
  • ökologisches Saatgut
  • entweder ein Zimmergewächshaus oder einen Teller als Unterlage für die Töpfchen und eine durchsichtige Plastikschale mit kleinen Löchern, sie dient als Deckel und sorgt für ein gutes Mikroklima
  • kleine Gießkanne oder Sprühflasche mit Wasser

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Die Anzuchttöpfchen hast du in wenigen Minuten hergestellt:

  1. Klopapierrollen einmal in der Mitte durchschneiden, sodass zwei gleich große Töpfchen pro Rolle entstehen.
  2. Die Rollen mit einem Stück Zeitungspapier so einwickeln, dass eine Seite geschlossen ist und die Erde nicht durchfallen kann.

Alternativ kannst du auf das Zeitungspapier verzichten und die Klopapierrollen einschneiden und falten. Wie das geht, zeigt dieses Video:

Tipp: Hier findest du weitere ökologische Alternativen zu Anzuchttöpfen.

Nun kannst du mit der Aussaat beginnen:

  1. Erde mischen und gegebenenfalls sieben, damit sie feiner wird.
  2. In die Anzuchtschalen geben und etwas andrücken.
  3. Jeweils in die Mitte mit dem Finger eine kleine Kuhle für die Samen drücken. Die optimale Saattiefe ist abhängig von der Sorte und in der Regel auf den Samentütchen angegeben. Nicht zu tief – bei Tomaten reichen beispielsweise bereits zwei Millimeter.
  4. Pro Anzuchttopf einen Samen in die Kuhle geben, mit etwas Erde bedecken und leicht andrücken. Es gibt auch Lichtkeimer, die nicht von Erde bedeckt sein dürfen. Dazu gehören zum Beispiel Thymian und Basilikum.
  5. Markierung nicht vergessen: wenn du verschiedene Sorten aussäst, weißt du sonst später nicht mehr, wo welches Gemüse wächst.
  6. Die Erde gut mit Wasser befeuchten.
  7. Nun noch mit dem Deckel abdecken und ab damit auf die Fensterbank!
  8. Regelmäßig mit Wasser besprühen oder vorsichtig gießen – die Erde sollte stets feucht, aber nicht nass sein.

Je nach Sorte kannst du nach fünf bis zehn Tagen die ersten Keimlinge begrüßen. Wenn die Pflanzen größer werden und schon die ersten Laubblätter gebildet haben, solltest du sie – wenn du sie noch nicht direkt ins Freiland pflanzen kannst – in größere Behältnisse umtopfen. Entferne dafür einfach das Zeitungspapier und pflanze die Pflänzchen samt Klopapierrolle ein.

Wirf leere Toilettenpapier-Rollen nicht weg - damit lässt sich noch so Einiges anstellen. Wir zeigen dir unsere besten Ideen!

Pflegetipps für eine gelungene Anzucht

Damit deine Pflänzchen bestmöglich gedeihen, empfiehlt es sich, etwas Zeit in die Pflege zu investieren und für optimale Bedingungen zu sorgen. Mit diesen Tipps gelingt die Anzucht am besten:

  • Verwende eher nährstoffarme Erde. Die Pflänzchen müssen sich dann mehr anstrengen, um an Nährstoffe zu gelangen, und bilden so kräftigere Wurzeln aus. Zu diesem Zweck kannst du zum Beispiel etwas Sand unter die Erde mischen.
  • Genügend Licht, Wasser und Wärme sind das A und O – eine nach Süden gerichtete Fensterbank ist ein optimaler Standort.
  • Wenn die Keimung auf sich warten lässt, ist es vielleicht nicht warm genug. Wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten, Paprika oder Chili benötigen Keimtemperaturen über 20 °C.
  • Sobald die ersten Pflänzchen kommen, achte beim Bewässern darauf, dass die kleinen Keimlinge nicht beschädigt werden. Gib das Wasser nie auf die Blätter, sondern immer direkt auf die Erde.
  • Gieße mit zimmerwarmem Wasser und halte die Erde stets feucht, aber nicht nass.
  • Zu viel Nässe begünstigt Schimmelbildung. Achte darauf, dass das Wasser sich nicht sammelt und stelle die Anzuchttöpfchen nicht zu eng aneinander.
  • Manchmal wachsen die Jungpflanzen zu schnell hoch und bilden sehr lange Stängel – man spricht von Vergeilung. Der Grund ist Lichtmangel und/oder eine zu hohe Temperatur. Je dunkler der Standplatz ist, desto kühler sollte es sein.
  • Gewöhne die Pflanzen langsam an das Freiland: sobald sie groß genug sind, können sie bei milden Temperaturen hin und wieder auf den Balkon.

Weitere wertvolle Tipps zur Jungpflanzenanzucht erhältst du in diesem Video

Hast du noch weitere Tipps für eine Gemüse-Anzucht auf der Fensterbank? Wir freuen uns über deine Anregungen in den Kommentaren!

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3 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Wer nicht genug Klopapierrollen gesammelt hat, kann auch leere Eierschalen nehmen.
    Oder im Gartencenter mal schauen, ob es ausgediente Plastiktöpfchen zum Mitnehmen gibt. Gerade die Träger für mehrere Töpfe liegen da oft stapelweise, weil das Geschäft sie nur entsorgen würde. Darauf achten, dass auch die Träger mit Ablauflöchern versehen sein müssen.

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  2. Hatte letztes Jahr viel Erfolg mit Physalis.. aber jetzt schon anfangen……….

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