Rezepte für Tannenwipfel – Heilkraft des Waldes

Jeden Frühjahr treiben Tannen und Fichten neue Zweige. Diese enthalten viele gesunde Wirkstoffe, die du in der Küche nutzen kannst. Hier die besten Ideen!von Hedwig Storch [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Im Frühjahr treiben alle Nadelbäume wieder frisch aus und tragen leuchtend hellgrüne Tannenspitzen bzw. Fichtenspitzen. Doch die Frühlingsboten können noch mehr: Die „Maiwipfel“ enthalten zahlreiche heilsame Wirkstoffe. Deshalb sind sie eine ideale Zutat unter anderem für Tannenwipfelsirup und Tannenspitzentee gegen Husten und andere Erkältungskrankheiten.

Die jungen Triebspitzen der Nadelbäume enthalten vor allem ätherische Öle, Harze, Tannine und viel Vitamin C, was sie zu einem hervorragenden Ausgangsmaterial für selbst gemachte Naturheilmittel macht. Sie können die Vermehrung von Bakterien eindämmen und die Atemwege von Schleim reinigen. In diesem Beitrag zeige ich dir meine Lieblingsrezepte für Tannenwipfel.

Tannenwipfel ernten

Prinzipiell kannst du für diese Rezepte sowohl Tannen- als auch Fichtentriebe benutzen. Ich bevorzuge jedoch die Tanne. Um sie zu erkennen, hilft dieser kleine Spruch: Die Fichte sticht, die Tanne nicht.

Verwechslungen sind jedoch nicht dramatisch. Der einzige richtig giftige Nadelbaum ist die Eibe, mit der man Tanne und Fichte nicht verwechseln sollte.

Zur Ernte der Tannenwipfel besteht meist ein kurzes Zeitfenster von circa drei bis vier Wochen im Mai. Die beste Ernte erfolgt im eigenen Garten, denn dort gibt es keine offenen Fragen zum Eigentum und zur Behandlung mit chemischen Mitteln. In Parks und im Wald solltest du dich vor dem Ernten bei der Parkverwaltung oder dem Förster erkundigen, ob du etwas ernten darfst und ob die Bäume behandelt werden.

Beachte bitte auch, nie alles zu ernten, sondern immer nur wenig von jedem Baum zu pflücken, um ihm nicht seine Kraft und Schönheit zu nehmen. Ernte am besten nur solche Triebspitzen, die nach innen wachsen und sich später ohnehin gegenseitig behindern würden.

Rezepte für Tannenwipfel

Tannenspitzenhonig

Honig aus Tannenspitzen stellst du folgendermaßen her:

  1. Tannenspitzen mit klarem Wasser waschen.
  2. In eine Schüssel gegeben, mit kalten Wasser bedecken und mit einem Teller beschweren.
  3. Die Schüssel 10-12 Stunden an einem kühlen Ort aufbewahren.
  4. Den Inhalt in einen Topf geben und circa 30 Minuten köcheln lassen.
  5. Diesen Sud nochmals für sechs Stunden bedeckt stehen lassen.
  6. Den Sud abseihen, abwiegen und mit der gleichen Menge Zucker und etwas Zitrone unter Rühren einkochen, bis eine sirupartige Konsistenz entstanden ist.

Das Einkochen kann je nach Menge etwas länger dauern. Lasse einen Teil des Wassers verdampfen. Wenn dicke Blasen entstehen und die Masse zähflüssig geworden ist wie Honig, ist sie fertig. Fülle den fertigen Tannenspitzenhonig in saubere Gläser – wir verwenden gern Einmachgläser. Aufgrund des hohen Zuckeranteils ist der Honig viele Monate bis Jahre haltbar.

Tannenspitzentee

Fische oder getrocknete Tannenwipfel kannst du zu einem aromatischen und heilsamen Tee aufgießen. Nimm für eine große Tasse einfach einen oder zwei Wipfel und übergieße sie mit kochendem Wasser. Die Ziehzeit beträgt ungefähr zehn Minuten.

Auch viele weitere gesunde und leckere Teesorten kosten keinen Cent.

Hustensirup aus Tannenwipfeln

Einmal im Jahr stelle ich einen natürlichen Hustensirup aus Tannenspitzen her. Für die Zubereitung werden benötigt:

  • 300 g Tannenwipfel
  • 600 g Bio-Rohrzucker (aus dem Bio-Laden oder online kaufen, noch besser ist Rohrrohrzucker)
  • ein großes Einmachglas
  • ein Leinentuch oder ein Sieb

So wird der Sirup zubereitet:

  1. Im Glas abwechselnd die Tannenwipfel und den Zucker schichten. Die Wipfelschichten sollten hierbei knapp doppelt so hoch sein wie die Zuckerschichten.
  2. Die letzte Schicht sollte aus Zucker bestehen und kann ruhig etwas dicker sein als die anderen Schichten.
  3. Das Glas verschließen und auf einer Fensterbank mit viel Sonnenlicht ungefähr zwei Wochen stehen lassen.
  4. Wenn die Wipfel braun sind und der Sirup sich abgesetzt hat, kannst du ihn durch ein Tuch oder Sieb filtern und abfüllen.
  5. Den fertigen Sirup lagerst du am besten kühl und dunkel, damit er sich bis in den Winter hinein hält. Dazu sind Einmachgläser oder Bügelverschlussflaschen bestens geeignet.

Weitere Rezepte für selbst gemachte Mittel gegen Erkältungen findest du hier:

Tannenspitzengelee

Ein gesundes Gelee aus Tannenspitzen ist ebenfalls sehr leicht herzustellen. Für ungefähr 400 Gramm Gelee benötigst du:

  • 300 g Tannenspitzen
  • 400 ml Wasser
  • Gelierzucker nach Packungsangabe für Gelee (Alternative: entsprechende Menge an Agar Agar)
  • etwas Zitronensaft

So bereitest du das Gelee zu:

  1. Tannenspitzen waschen und mit Wasser bedeckt für circa 15 Minuten kochen.
  2. Die Mischung abkühlen lassen und über Nacht ziehen lassen.
  3. Den Sud filtern, sodass du etwa 300 Milliliter Flüssigkeit erhältst. Wenn nötig, mit etwas Wasser auffüllen.
  4. Gelierzucker und Zitronensaft hinzugeben und aufkochen (Gelierprobe machen).
  5. Das Gelee kannst du nun in heiß ausgespülte Gläser füllen und diese fest verschließen. Eine persönliche Note erhält das selbst gemachte Tannenwipfelgelee mit einer frischen Tannespitze in jedem Glas.

In diesem Beitrag erfährst du, wie du Gelee aus Hagebutten herstellst.

Jeden Frühjahr treiben Tannen und Fichten neue Zweige. Diese enthalten viele gesunde Wirkstoffe, die du in der Küche nutzen kannst. Hier die besten Ideen!

Weitere interessante Anwendungen für Tannenspitzen

Mit den heilsamen Tannenwipfeln lassen sich viele nützliche Dinge herstellen. Dies waren nur meine Lieblingsrezepte, und es gibt noch viel mehr zu probieren. Hier eine kleine Liste mit weiteren Ideen:

Weitere interessante Gedankenanstöße und Rezepte von Michaela findest du auch auf wertdernatur.de.

Noch viel mehr Ideen für Naturheilmittel und Ernährung mit Wildpflanzen und Kräutern erhältst du zum Beispiel auf einer Wildkrautwanderung. Alternativ empfiehlt sich auch ein Buch für Rezepte und zur Deutung von Wildpflanzen:

Vielleicht auch interessant:

Bestimmt wirst auch du in den kommenden Wochen verstärkt nach Tannen Ausschau halten. Ich wünsche dir frohes Ausprobieren und Genießen. Bitte berichte von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!

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15 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Monika Melke

    Seit Jahren sammle ich im Wald, von jedem Baum nur ein paar Tannenspitzen und mach Tee und 1x sogar Likör davon. Nur der hat mir nicht geschmeckt, aber ich wurde ihn trotzdem los.
    Ich esse das auch frisch und das schmeckt mir. Vorige Woche aß ich die ersten Triebe von den Kiefern. Lecker und gesund.
    Nach dem Bericht werde ich mal Honig versuchen.
    Noch was, ich nehme nur die dicken Spitzen und danach bedanke ich mich beim Baum und Mutter Erde.

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  2. Tralala

    Jeder Ast, an dem der Trieb abgeschnitten wird, wächst nicht mehr weiter. Durch das Ernten der Triebe, wurden einige Bäume in den Wäldern fast ausgerottet. Daher war das Ernten von Koniferen-Trieben lange verboten und ist es in einigen Regionen noch. Da sollte man sich zuerst erkundigen.
    Wer die Natur liebt, erntet an jedem Baum nur ein paar Triebe der untersten Zweige und niemals zuviele von einem Baum.

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    • Maximilian Knap

      Damit hast du natürlich recht, drum gibt es ja auch einen entsprechenden Hinweis im Beitrag. Jeder sollte verantwortungsbewusst mit der Natur umgehen und sie mit Respekt behandeln. Liebe Grüße!

    • Karin Wagner

      Das stimmt laut meiner eigenen gärtnerischen Erfahrung (und auch meinem Gärtnerwissen) nicht so ganz … ich schneide an meinem Fichtenbaum jährlich Zweige z.B. für die Allerheiligenkränze, und an diesen Stellen sind die Bäume sogar buschiger als anderswo. Das Ernten einiger frischer Triebe macht einem Baum überhaupt nichts aus. Man sägt ja keine ganzen Äste am Stamm ab … ins Kahle zurückschneiden vertragen viele Nadelbäume nicht, aber solange man im frischen, grünen, „lebendigen“ Bereich bleibt, wird der Baum höchstens dichter.

  3. visualconversion

    Hallo!
    Klasse Beitrag!
    Ich habe die Variante mit der Schichtung
    gewählt. Jedoch fällt bei mir alles zusammen und das Glas ist nur noch
    halb voll. Schadet dies dem Prozess und der Lagerung? Muss ich es in ein
    kleineres Gefäß umfüllen? Das ganze steht nur einige Tage.
    Vielen Dank!

    Antworten
    • Maximilian Knap

      Dass die Wipfel sich auslaugen und mit der Zeit absetzen, ist ganz normal. Das liegt daran, dass der Zucker alle Stoffe aus den Wipfeln zieht und diese nur noch quasi als leere Hülle übrig bleiben. Der „Honig“ mit den wertvollen Substanzen kann dann abgesiebt und verwendet werden.

    • visualconversion

      Das heißt ich kann das Glas so halb leer bis zum Gebrauch lagern?
      Danke Dir herzlichst!

    • Maximilian Knap

      Durch ein Sieb gießen und dann den Sirup lagern. Er hat einen hohen Zuckeranteil und ist deshalb sehr lange haltbar.

    • visualconversion

      Oh eines der zwei Gläser hat eine Schimmelschicht ganz oben auf bekommen… Wie kann denn das trotz des vielen Zuckers sein? Muss nun alles weg?!? Danke!!!

      Ich habe auch ein Glas mit Honig anstatt mit Zucker gemacht und wollte die Wipfel einfach mit drin lassen. Diese sind jedoch immer oben. Ist es vielleicht besser diese nun abzuseihen?

      Vielen Dank!

    • Maximilian Knap

      Das klingt so, als wären die Gläser nicht sterilisiert worden oder die Masse war nicht heiß genug beim Einfüllen. Wir verwenden zum Säubern der Gläser immer eine heiße Soda-Lösung (etwas Soda hinein und mit kochendem Wasser aufgießen), danach sind sie keimfrei genug. Hast du denn die Wipfel mit drin gehabt oder wirklich nur den Honig? Wenn der Zuckeranteil hoch genug ist, werden die meisten Keime recht lange unterdrückt, aber schimmeln kann es trotzdem, wenn man nicht sehr penibel vogeht :-/ das ist beim Einkochen immer die Gefahr.

      Die Wipfel würde ich nicht drin lassen. Und wenn sie auch noch oben heraus schauen, ist das ein bevorzugter Ort für die Entstehung von Schimmel.

    • visualconversion

      Alles klar… Ich habe die Gläser vorher sterilisiert, aber nur mitkochendem Wasser. Ja die Wipfel sind noch drin, sie sollen ja 6-8 Wochen ziehen…. Und ja die schauen oben etwas hinaus, da sie sich oben absetzen, sind aber trotzdem im Sirup gewesen. Anschienend hat es nicht gereicht. Ich werde es nun absieben.
      Ich hatte einen Wipfelwodka angesetzt. Den siebe ich dann wohl auch besser ab?
      Danke Dir herzlich!!

    • Maximilian Knap

      Nach so langer Zeit sind die meisten Stoffe im Alkohol gelöst, Sieben kann auf alle Fälle nicht schaden.

    • Michaela

      Hallo, leider passiert das doch ab und zu. Ich weiß, es ist sehr schade, aber ich würde das Glas wegtun. Schimmelmyzel geht sehr tief. Es ist wirklich wichtig, sehr sauber zu arbeiten und die Gläser randvoll zu machen. Die Wipfel würde ich auch abseihen, denn sie dürfen nicht oben rausschauen. Nächstes Jahr gibts einen neuen Versuch, gell? VG Michaela

    • visualconversion

      Ja ;-( und JA ;-)!! Danke Dir!

  4. Cl Lu

    Ein so toller Beitrag. Ich werde die Weißtanne nun doch mehr schätzen. Danke! :-)

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