Maiwipfelsirup: Feine Süße und Hustenmedizin aus Tannenspitzen
Im Mai zeigen sich an den Spitzen von Fichten und Tannen die hellgrünen, weichen Austriebe – die sogenannten Maiwipfel. Sie sind nicht nur ein Symbol für den Frühling, sondern auch die Basis für eine köstliche, vegane Honigalternative: den Maiwipfelsirup (auch unter den Namen Fichtenspitzensirup oder Tannenspitzenhonig bekannt).
Dieser “Honig” ist genau genommen ein eingekochter Sirup, der geschmacklich durch sein fein-herbes, waldiges Aroma besticht. Er lässt sich sogar einfacher herstellen als der beliebte Löwenzahnhonig und dient seit Generationen als bewährtes Hausmittel gegen Husten und Halsschmerzen.
Rezept für Maiwipfelsirup (Tannenspitzenhonig)
Schwierigkeit: Einfach1
Portionen30
MinutenUm einen Vorrat Maiwipfelsirup für die Speise- oder Hausapotheke anzulegen, benötigst du nur drei Grundzutaten. Die Menge von Wasser und Zucker richtet sich nach dem Volumen der Maiwipfel bzw. nach der Menge des im ersten Schritt hergestellten Maiwipfelwassers. Die Herstellung erfordert etwas Geduld, da die Wipfel Zeit zum Ziehen brauchen, um ihr volles Aroma und ihre Wirkstoffe abzugeben.
Zutaten
3-4 gehäufte Hände voll frische Fichten- oder Tannenwipfel
Wasser
Haushaltszucker oder Rohrohrzucker
Saft einer halben Bio-Zitrone pro Liter Flüssigkeit
Zubereitung
- Wipfel kurz mit kaltem Wasser abspülen, um Staub oder kleine Waldbewohner zu entfernen. Schadhafte Stellen aussortieren. Die Triebspitzen in eine Schüssel oder einen Topf geben, mit mit kaltem Wasser bedecken und beschweren (z. B. mit einem umgedrehten Teller), damit alle Pflanzenteile unter Wasser bleiben. Die Mischung für 10 bis 12 Stunden an einem kühlen Ort ziehen lassen.
- Die gesamte Mischung (Wipfel samt Einweichwasser) in einen Topf geben und den Sud zum Kochen bringen. Für etwa 30 Minuten bei mittlerer Hitze sanft köcheln lassen. Den Herd ausschalten und den Sud erneut für mindestens sechs Stunden (am besten über Nacht) abgedeckt ruhen lassen.
- Den Wipfelsud durch ein feines Sieb oder ein Mulltuch in einen Messbecher abgießen. Die Wipfel gründlich ausdrücken. Die aufgefangene Flüssigkeit abwiegen.
- Die Flüssigkeit zurück in den Topf geben und die gleiche Menge Zucker sowie den Zitronensaft hinzugeben.
- Die Mischung unter Rühren bei niedriger bis mittlerer Hitze offen einkochen. Das Einkochen kann je nach Wassermenge ein bis zwei Stunden dauern. Sobald die Masse zähflüssiger wird und sich große, goldene Blasen bilden, ist der Sirup fast fertig.
- Führe eine Gelierprobe durch: Gib einen Klecks auf einen kalten Teller. Wenn er nach dem Abkühlen die Konsistenz von flüssigem Honig hat, ist er perfekt.
- Den fertigen Maiwipfelsirup noch heiß in keimfreie Schraubgläser abfüllen und verschließen.
Tipp
- Wirf die Schale der ausgepressten Zitrone nicht weg. Hier findest du Verwendungsmöglichkeiten für Zitronenschalen.
Haltbarkeit und Lagerung
Dank des hohen Zuckergehalts ist der selbstgemachte Tannenspitzenhonig sehr lange haltbar. Ungeöffnet und an einem dunklen, kühlen Ort gelagert, bleibt er oft über mehrere Jahre hinweg genießbar. Es empfiehlt sich, die Gläser im Keller oder in einer kühlen Speisekammer aufzubewahren.
Sobald ein Glas angebrochen ist, sollte es vorzugsweise im Kühlschrank stehen. Achte darauf, stets einen sauberen Löffel zur Entnahme zu verwenden, um Verunreinigungen zu vermeiden. Sollte der Sirup nach einiger Zeit auskristallisieren, ist das kein Qualitätsmangel. Du kannst ihn im warmen Wasserbad bei niedrigen Temperaturen einfach wieder verflüssigen.
Wichtige Sammel-Regeln
Damit die Bäume keinen Schaden nehmen und du sicher genießt, beachte bitte die folgenden Sammelregeln:
- Sammle nur, was du sicher bestimmen kannst! Fichten- und Tannenwipfel sind essbar, andere, optisch ähnliche Pflanzen sind giftig, wie zum Beispiel die hochgiftige Eibe.
- Pflücke pro Baum nur wenige Spitzen und niemals den Haupttrieb an der Spitze eines jungen Baumes, da dieser sonst im Wachstum gehemmt wird.
- Idealerweise sammelst du im eigenen Garten oder fragst den Waldbesitzer um Erlaubnis. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln untersagt.
Verwendung von Maiwipfelsirup
In der Küche ist der Waldsirup ein vielseitiger Begleiter. Er schmeckt hervorragend als klassischer Brotaufstrich auf frischem Brot oder Brötchen und verleiht dem Frühstück eine waldige Note. Auch zum Süßen von Speisen eignet er sich wunderbar: Ob im Müsli, in Salatdressings für eine feinherbe Nuance oder einfach in einer Tasse Tee – das Aroma ist unverwechselbar und erinnert an einen Spaziergang im Nadelwald.
Neben dem kulinarischen Genuss ist der Tannenwipfelhonig ein geschätztes Hausmittel in der Naturheilkunde. Er wird traditionell als Hustensaft eingesetzt, da die enthaltenen ätherischen Öle und Harze wohltuend auf die Atemwege wirken und beim Schleimlösen helfen können. Ein Teelöffel pur oder eingerührt in lauwarmes Wasser kann bei Erkältungen spürbare Linderung verschaffen.
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Hast du schon einmal Maiwipfelsirup selber gemacht? Dann berichte uns von deinen Erfahrungen in einem Kommentar!
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