Fichtenspitzensirup ohne Kochen – natürliche Hilfe bei Husten
Wenn im Mai die Fichten und Tannen ihre hellgrünen, weichen Maiwipfel austreiben, ist die ideale Zeit, um Fichtenspitzensirup anzusetzen. Dieses bewährte Hausmittel gegen Husten und Erkältungen lässt sich ganz einfach ohne Kochen herstellen. Durch den Kaltauszug bleiben die wertvollen ätherischen Öle und das Vitamin C der jungen Triebe im Fichtenspitzensirup weitaus besser erhalten als bei herkömmlichen Kochverfahren.
In dieser Anleitung erfährst du, wie du diesen natürlichen Wald-Sirup im schonenden Verfahren selbst herstellst.
Fichtenspitzensirup ohne Kochen
Schwierigkeit: Einfach1
Portionen30
Minuten672
Stunden30
MinutenZutaten
2-3 Handvoll junge Fichtenspitzen
Brauner Zucker (alternativ weißer Zucker oder Honig)
Zubereitung
- Fichtenspitzen ausschütteln, schadhafte Teile entfernen. Möglichst nicht waschen, um die Wirkstoffe zu erhalten.
- Beginnend mit Zucker jeweils abwechselnd eine Schicht (1-2 cm) Fichtspitzen und Zucker in ein keimfreies Glas schichten. Mit einer Zuckerschicht abschließen.
- Das Glas verschließen und an einen warmen und dunklen Ort stellen. Der Zucker entzieht den Nadeln nach und nach die Feuchtigkeit. Es bildet sich langsam ein dunkler, aromatischer Fichtenspitzensirup. Dafür das Glas für ca. 4 bis 6 Wochen ruhen lassen. Das Glas gelegentlich vorsichtig schwenken, um den Lösungsprozess des Zuckers zu unterstützen.
- Sobald der Zucker gelöst ist und die Nadeln schrumpelig sind, ist dein Fichtenspitzensirup fertig. Den fertigen Sirup durch ein feines Sieb oder Tuch abgießen, die Nadeln kräftig ausdrücken und den fertigen Fichtenspitzensirup in dunkle Flaschen abfüllen. Kühl gelagert, hält sich der Fichtenspitzensirup etwa ein Jahr.
Anwendung des Fichtenspitzensirups
Bei Reizhusten oder festsitzendem Schleim empfiehlt es sich, dreimal täglich einen Teelöffel des Sirups langsam im Mund zergehen zu lassen. So können die Inhaltsstoffe direkt auf die Schleimhäute wirken und einen schützenden Film bilden. Du kannst ihn auch in lauwarmen Tee rühren – achte jedoch darauf, dass das Getränk nicht heißer als 40 Grad ist, um die hitzeempfindlichen Wirkstoffe und das Vitamin C zu schonen.
Hinweis: Personen mit Asthma bronchiale oder Keuchhusten sollten vor der Anwendung Rücksprache mit einem Arzt halten, da ätherische Öle die Atemwege reizen können.
Wenn du die Waldaromen bevorzugt in der Küche nutzen möchtest, kannst du alternativ einen Maiwipfelsirup aus Fichten- oder Tannenspitzen in einer sehr viel kürzeren Zeit herstellen. Dabei wird der Sud erhitzt, wodurch zwar ein Teil der Wirkstoffe verloren gehen, der Geschmack aber erhalten bleibt. Das harzig-süße Aroma veredelt Naturjoghurt, Quarkspeisen und sommerliche Obstsalate. Für eine erfrischende Wald-Limonade mische einfach einen Schuss Sirup mit Sprudelwasser. Sogar in herzhaften Salatdressings setzt er – ähnlich wie Waldhonig – eine spannende, waldige Note.
Wirkung des Fichtenspitzensirups
Fichtenspitzensirup wird traditionell bei Husten und Erkältungsbeschwerden verwendet. Junge Triebe der Fichte (Picea abies) enthalten Vitamin C sowie weitere bioaktive Pflanzenstoffe wie ätherische Öle und Terpene. Eine Studie zu Sprösslingen und Nadeln der gemeinen Fichte (Picea abies) fand besonders in jungen Trieben einen hohen Vitamin-C-Gehalt.1
Fichtenextrakte und -öle zeigen in Laborstudien antimikrobielle Effekte.2 Dem Fichtennadelöl werden in phytotherapeutischen Monographien sekretolytische, sekretomotorische und expektorierende Eigenschaften zugeschrieben. Für den Fichtenspitzensirup selbst ist die klinische Evidenz beim Menschen jedoch begrenzt, und die Nutzung stützt sich vor allem auf traditionelle Anwendung und experimentelle Hinweise.
Tipps zum Sammeln und Bestimmen
Bevor du mit der Zubereitung beginnst, solltest du beim Sammeln der “Maiwipferl” auf folgende Punkte achten:
- Der richtige Zeitpunkt: Pflücke für deinen Fichtenspitzensirup nur die hellgrünen, weichen Triebe, die frisch im Mai austreiben.
- Nachhaltigkeit: Sammle nie alle Spitzen von einem einzigen Baum, um sein Wachstum nicht zu stoppen. Achte zudem auf die Erlaubnis des Waldbesitzers oder Försters.
- Achtung Verwechslungsgefahr: Ernte niemals die hochgiftige Eibe! Ein guter Merksatz hilft bei der Unterscheidung von Fichte und Tanne: “Die Fichte sticht, die Tanne nicht.” Eibennadeln wiederum sind weich, besitzen aber keine weißen Streifen auf der Unterseite (im Gegensatz zur Tanne) und sind deutlich dunkler.
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- Jyske T, Järvenpää E, Kunnas S, Sarjala T, Raitanen JE, Mäki M, Pastell H, Korpinen R, Kaseva J, Tupasela T. Sprouts and Needles of Norway Spruce (Picea abies (L.) Karst.) as Nordic Specialty-Consumer Acceptance, Stability of Nutrients, and Bioactivities during Storage. Molecules. 2020 Sep 12;25(18):4187. doi: 10.3390/molecules25184187. PMID: 32932686; PMCID: PMC7570650. ↩︎
- Haman N, Morozova K, Tonon G, Scampicchio M, Ferrentino G. Antimicrobial Effect of Picea abies Extracts on E. coli Growth. Molecules. 2019 Nov 9;24(22):4053. doi: 10.3390/molecules24224053. PMID: 31717511; PMCID: PMC6891403. ↩︎

