Frische Vitamine von der Fensterbank – Sprossen selbst ziehen

Frische Vitamine von der Fensterbank - Sprossen selbst ziehen

Sprossen und Keimlinge sind die wahrscheinlich gesündesten und frischesten Lebensmittel, die es gibt. Jeder kann sie leicht auf der Fensterbank ziehen und auf diese Weise selbst mitten im Winter frische Vitamine und andere Vitalstoffe erhalten. Und weil diese selbst gezogenen Nährstoffpakete ohne Transport und jegliche industrielle Verarbeitung auskommen, sind sie zudem auch noch viel ökologischer als alles aus dem Laden.

Das sind viele gute Gründe, warum Sprossen und Keimlinge fester Bestandteil unseres Speiseplans sind. Wie du diese wertvolle Kost mit einfachsten Mitteln selbst ziehen kannst und was dabei zu beachten ist, erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Was sind Sprossen und Keimlinge?

Die Begriffe können anfangs verwirren: Sprossen, Keimling oder Grünkraut? Als Keim wird der Trieb bezeichnet, der bereits im Samenkorn angelegt ist und durch Keimung aus diesem heraus wächst. Daraus entsteht der Keimling, eine meist fadenartige Triebspitze, die manchmal mit feinen, flaumartigen Wurzeln überzogen ist. Weil der junge Keimling noch kein Chlorophyll bildet, ist er nicht grün.

Mit weiterem Wachstum entsteht je nach Pflanzenart ein kleiner Stängel mit Blättchen. Diesen Teil bezeichnet man als Sprosse, häufig werden aber die Begriffe Keimling und Sprosse gleichbedeutend für die gesamte Jungpflanze genutzt. In diesem Stadium sind die meisten Keimlinge schon verzehrfertig und können vollständig gegessen werden.

Manche Pflanzen, z.B. Kresse, kann man mit den richtigen Gefäßen auch noch weiter wachsen lassen, so dass daraus ein dichter Teppich kleiner, grüner Pflänzchen entsteht. Meist geschieht dies in einem Pflanzsubstrat, auf Küchenpapier oder einfach in einem Blumentopf. Die grünen Teile der Pflanzen werden dann als Grünkraut bezeichnet, Samen und Wurzeln werden in der Regel nicht mehr mit verzehrt.

Warum sind Sprossen so gesund?

Samenkörner sind kleine Wunder der Natur. In ihnen ist bereits alles vorhanden, was für das spätere Wachstum einer gesunden Pflanze benötigt wird, unter anderem zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiße und Stärke. Während des Aufkeimens bilden sich zahlreiche komplexere Nährstoffe und Enzyme, die den Keimling noch viel wertvoller machen als die bloßen Samen. Nur wenige Kulturgemüse können mit einer solchen Vielfalt lebenswichtiger Vitalstoffe mithalten.

Aber auch die Art der Herstellung macht Sprossen so gesund. Anders als andere Pflanzen und selbst Bio-Gemüse entstehen sie direkt aus dem Samenkorn und kommen ohne irgendwelche Verarbeitungsschritte oder Transportwege auf den Teller. Dafür sind weder Spritzmittel, noch Konservierungsstoffe oder sonstige Zusätze notwendig.

Sprossen lassen sich sehr einfach auf der Fensterbank züchten, auch im Winter. Immer in Saison, wirklich regional und sehr gesund bereichern sie unseren Speiseplan.

Sprossen selbst zu ziehen ist leicht

Eigentlich ist es verwunderlich, dass Sprossen hierzulande nur selten genutzt werden. Sie sind fester Bestandteil der asiatischen Küche und Naturheilkunde und werden durch den Trend zu gesünderer Ernährung auch in Europa immer beliebter.

Zur Sprossenzucht braucht es nicht viel, lediglich ein Anzuchtgerät, Bio-Samen sowie etwas Geduld sind erforderlich. Im einfachsten Fall reicht zur Anzucht bereits ein sauberes Schraubglas mit luftdurchlässiger Abdeckung aus. Wer seinen Speiseplan regelmäßig damit bereichern möchte, für den lohnt sich unter Umständen die Anschaffung eines oder mehrerer Keimgläser oder eines Etagen-Anzuchtgeräts. Der Vorteil dieser Lösungen besteht in der einfachen Handhabung sowie in der Möglichkeit, verschiedene Saaten parallel keimen zu lassen.

Sprossen lassen sich sehr einfach auf der Fensterbank züchten, auch im Winter. Immer in Saison, wirklich regional und sehr gesund bereichern sie unseren Speiseplan.

Wir verwenden die einfache Schraubglas-Methode und haben uns die passenden Deckel mit Löchern ganz einfach selbst hergestellt, indem wir die Deckel mit einem spitzen Dorn durchlöchert haben – einfacher und effektiver geht es kaum. Die Aufzucht vom Korn bis zum verzehrfertigen Keimling erfolgt in wenigen Schritten.

1. Vorbereitung der Gläser

Weil die zarten, jungen Pflänzchen anfällig für Schimmel sind, ist sauberes Arbeiten besonders wichtig. Wasche die verwendeten Gläser und Werzeuge vor der Benutzung besonders gründlich. Benutzte Gläser von vorherigen Keimvorgängen sollten mit Essigwasser gespült werden, um etwaige Schimmelsporen unschädlich zu machen.

2. Samenkörner spülen

Nicht nur die Gläser, auch das verwendete Saatgut sollte möglichst sauber sein. Dafür werden die Körner vor Verwendung ausgiebig mit klarem Wasser gespült. Du kannst dafür ein Sieb verwenden, oder wie ich die Körner ins Keimglas füllen und anschließend drei- bis viermal mit Wasser auffüllen und wieder abgießen.

Manche Sprossen-Gärtner verwenden dafür nur stilles Mineralwasser oder anderes, gefiltertes Wasser. Das ist auch sicher eine gute Idee, wenn du unsicher bist wegen der Qualität und Keimbelastung deines Leitungswassers. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leitungswasser ebenfalls gut funktioniert. Dazu lasse ich das Wasser zunächst für etwa 20-30 Sekunden laufen, damit abgestandenes Wasser aus Hahn und Rohrleitung abfließen kann.

3. Samenkörner einweichen

Nachdem die Körner gereinigt wurden, müssen sie für mehrere Stunden in Wasser einweichen. Die erforderliche Einweichdauer hängt von der verwendeten Saat ab und variiert zwischen 4 und 12 Stunden (siehe Tabelle unten). Während dieser Zeit saugen sich die Körner mit Wasser voll, der Keimungsmechanismus wird aktiviert.

4. Sprossenwachstum

Nach Ablauf der Einweichzeit werden die Körner zum ersten Mal gespült. Gieße dazu das Einweichwasser ab, fülle mit frischem Wasser auf und gieße es wieder ab. Hierbei zeigt sich der Vorteil fertiger Keimgläser mit Sieb-Aufsatz, das Spülen geht damit besonders schnell und einfach, ohne dass das Glas geöffnet werden muss.

Die jetzt beginnende Keimdauer beträgt je nach Sorte zwischen 1 und 8 Tagen (siehe Tabelle unten). Während dieser Zeit sollten deine Keimgläser an einem möglichst hellen Platz ohne direkte Sonne stehen. Zur Vermeidung von Staunässe sollten sie mit der Öffnung schräg nach unten aufgestellt werden, zum Beispiel in einem leeren Blumenkasten oder mit speziellen Glas-Ständern. Ich habe auch schon erfolgreich Sprossen in Gläsern gezogen, wenn diese ganz normal aufrecht standen, die Gefahr von Schimmelbildung ist dabei aber größer.

Zwei- bis dreimal täglich müssen die keimenden Samen nun gespült werden wie zu Beginn der Keimdauer. Das regelmäßige Spülen mit frischem Wasser und anschließende Abtropfen im Keimglas ist unerlässlich, damit starke Keimlinge entstehen und kein Schimmel entsteht.

Nach ein bis zwei Tagen entstehen watteartige, mit weißem Flaum bedecke Faserwurzeln, die nicht mit Schimmel verwechselt werden sollten. Aus ihnen bilden sich später richtige Wurzeln heraus.
Sprossen lassen sich sehr einfach auf der Fensterbank züchten, auch im Winter. Immer in Saison, wirklich regional und sehr gesund bereichern sie unseren Speiseplan.

5. Ernte

Nach Ablauf der empfohlenen Keimdauer ist die die Ernte denkbar einfach. Die fertigen Sprossen werden ein letztes Mal gespült und können nun frisch und knackig verwendet werden, um viele Speisen zu bereichern!

Wenn du nicht sicher bist, kannst du auch vorher schon ein paar Sprossen aus dem Glas fischen und probieren. Bei zu langer Keimung können je nach Sorte sehr bittere oder andere, unerwünschte Pflanzeninhaltsstoffe entstehen. Wenn du hingegen zu kurz keimen lässt, wird der Ertrag nicht so groß sein wie bei optimaler Dauer.

Serviervorschläge

Die fertigen Sprossen kannst du auf vielfältige Weise in frischen oder gekochen Speisen verarbeiten. Nur zu langes Erhitzen solltest du vermeiden, weil dadurch einige der wertvollen Vitalstoffe wieder zunichte gemacht werden.

Die Keimlinge von Mungbohnen (gibt es fertig auch als Sojasprossen zu kaufen) enthalten im rohen Zustand Toxine. Damit sie genießbar werden, solltest du sie vor dem Verzehr kurz in kochendem Wasser blanchieren.

Wie die Ursprungspflanzen besitzen auch Sprossen einen ganz individuellen Geschmack. Getreidearten liefern eher milde bis süße Sprossen, Radieschen und Rettich werden scharf, Linsen pikant, Bohnen und Sonnenblumenkerne nussig.

Streue sie zum Beispiel frisch direkt aufs Brot mit Butter, Quark oder Frischkäse.

Salate kannst du mit den Sprossen ebenfalls bereichern.

Streue sie über Pasta und Suppen, oder verwende sie als kleine, frische Beilage zu allen herzhaften Gerichten.

Eine spezielle Variante stellt Rejuvelac dar, auch Brottrunk genannt. Dabei handelt es sich um probiotisches, für den Darm äußerst gesundes Getränk, das durch Fermentierung der vorgekeimten Samenkörner in Wasser gewonnen wird. Wie du Rejuvelac herstellen und für viele vegane Gerichte weiter nutzen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Keimtabelle

Von fast alle essbaren Pflanzen lassen sich die Samen zur Sprossen-Keimung verwenden. Nicht geeignet sind jedoch Nachtschattengewächse, wie z.B. Tomaten. Verwende nur Samenkörner in Bio-Qualität, deren Keimfähigkeit bestätigt ist. Viele Hersteller bieten spezielle Samen oder auch Samen-Mischungen an, vielleicht sogar im Bioladen in deiner Nähe.

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Wir haben ebenfalls sehr gute Erfahrungen mit Bio-Getreide (vor allem Bioland Roggen) gemacht, das wir eigentlich zum Mahlen fürs Brotbacken gekauft hatten. Für Anfänger besonders gut geeignet sind Mungbohnen, weil sie sehr gut und sehr kräftig keimen und hervorragende Erträge liefern.

Die empfohlene Einweich- und Keimdauer für verschiedene Saaten kannst du der folgenden Tabelle entnehmen.

Samen von… Einweich­dauer (Stunden) Keim­dauer (Tage) Bemerkung
Alfalfa (Luzerne) 4 7-8
Amaranth 8 3-5
Bocks­hornklee 6 3-5
Brokkoli 12 3-5
Buch­weizen 6 2-3
Dinkel 12 3-4
Erbsen 12 3-4
Kicher­erbse 12 3-4
Kresse 6-8 auch als Grünkraut
Kürbis 12 3-4
Linsen 12 3-4
Mung­bohnen 12 4-5 Keimlinge blanchie­ren
Quinoa 6 6-7
Radie­schen 12 4-5 auch als Grünkraut
Roggen 12 3-4
Rotklee 8 6-7
Schwarze Bohnen 12 3-4
Soja­bohnen 12 3-4
Sonnen­blumen 6 2-3
Vollkorn­reis 12 3-4
Weizen 12 2-4

Fazit

Vor allem im Winter stellen Sprossen und Keimlinge eine fantastische Bereicherung für unseren Speiseplan dar, weil sie in dieser licht- und vitaminarmen Zeit frische Vitalstoffe liefern können. Es spricht aber auch nichts dagegen, diesen kleinen Indoor-Garten im Glas das ganze Jahr über zu betreiben. Ein Plätzchen für ein Sprossen-Keimglas findet sich selbst auf der kleinsten Fensterbank.

Ziehst du ebenfalls erfolgreich Sprossen, welches sind deine liebsten Sorten? Teile deine Anregungen und Ergänzungen mit anderen Lesern in den Kommentaren!

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11 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Simon Wehbrink

    Wieso muss man Die Linsen und Bohnen denn nicht blanchieren ?
    Hülsenfrüchte sind roh doch giftig oder nicht ?

    Antworten
    • smarticular.net

      Die fraglichen Giftstoffe sollen die Samen davor schützen gefressen zu werden. Während des Keimens werden sie abgebaut, stattdessen entstehen zahlreiche komplexe, wertvolle Nährstoffe. Deshalb ist es im Allgemeinen nicht erforderlich, Sprossen bzw. Keimlinge zu blanchieren. Liebe Grüße!

  2. Margarete Wangen

    Ich nehme die Verpackungssäckchen vom Knoblauch ,schneide sie zurecht und mach einen Gummi drum. Kann man öfters benutzen. Das sind kleine Löcher,dodaß beim spülen nichts rausfällt.

    Antworten
  3. Elke Fischer

    Danke für die Liste, so weiß ich schon mal wie lange sie wässern müssen. Kresse ist leicht, die ist mir gut gelungen. Da möchte ich mal was anderes ausprobieren.

    Antworten
  4. Eva Bongartz

    Wusstet Ihr, dass man auch die Samen des Labkrauts im Herbst sammeln kann, um sie zuhause am Fensterbrett zu Keimsprossen anzusetzen? Hier findet ihr eine allgemeine Beschreibung zum Labkraut, echten Labkraut, als Heilpflanze: http://heilkraeuter.de/lexikon/labkraut.htm
    Es wächst schnell und leicht, wird daher oft als Unkraut angesehen und völlig verkannt. Ist auch als grüne Pflanze im Salat prima, sollte aber schnell gegessen / verarbeitet werden, da sie nach dem Pflücken nicht lange frisch bleibt. Ich beginne jetzt im „Spätwinter“ / Vorfrühling bereits, frisches Labkraut für die Küche zu pflücken, es wächst bereits bei noch recht „frischen Temperaturen“ und ist für mich ein wilkommener Vitalstoffschatz. Inzwischen wurde sie sogar von französischen Chefköchen wiederentdeckt, z.B. von Jean-Paul Lonchampt. Versucht es doch mal, Ihr werdet sehen, dass es gar nicht so schwierig ist, es zu finden und zu erkennen, vor allem das Klettenlabkraut verrät sich leicht, da es seinem Namen schon ein wenig Ehre macht :-)

    Antworten
    • Fish in a blue glas

      Welches Labkraut verwendest du, um Sprossenbzu machen?

  5. Maria Widerstand

    Hi, ich habe im letzten Winter auch begonnen Sprossen selbst zu ziehen, ist wirklich eine ganz tolle Angelegenheit und bringt vor allem im Winter etwas Frische in den Speiseplan.

    https://widerstandistzweckmaessig.files.wordpress.com/2015/03/sprossen11.jpg

    So sieht es auf meiner Fensterbank aus :-)

    Je nach Samen muss man unterschiedliche Keimhilfen verwenden. Wenn man das berücksichtigt, ist es wirklich keine Hexerei selbst Keimlinge und Sprossen zu ziehen.

    lg
    Maria

    PS: Falls jemand Lust hat meinen Beitrag zu lesen
    https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2015/03/21/selbst-gemacht-statt-selbst-gekauft-keimlinge-und-sprossen/

    Antworten
  6. Das wollte ich auch schon längst mal in nem Schraubglas ausprobieren :-) Hast du mal ein Foto vom Deckel mit den Löchern? Wieviele braucht man da? Oder reicht evtl. auch den Deckel ohne Löcher 2 x am Tag öffnen?

    Antworten
    • Maximilian Knap

      Unsere Deckel sind noch nicht so hübsch, eher praktisch durchlöchert. Für einen weiteren Beitrag mach ich noch einen schönen Deckel mit der Bohrmaschine ;-) Aber wir haben auch schon einige Gläser ganz ohne Löcher im Deckel angesetzt, die Deckel waren dabei jeweils einfach nur locker aufgelegt. In keinem Fall hatten wir bisher Probleme mit Schimmel, alles tipp topp. Nur zweimal am Tag spülen (Glas mit Wasser füllen, durch ein Sieb ausgießen und heraus gepurzelte Körner wieder zurück schütten), Deckel wieder drauf und das war es.
      Die gekauften Deckel sind ziemlich löchrig eher wie ein Sieb, deshalb haben wir die manuell zerlöcherten Deckel auch mit vielen Löchern gespickt. Fotos folgen!

    • Na dann setz ich heute mal was ohne durchlöcherten Deckel an. Lass mal kichern mit Kichererbsen ;-)

    • Hallo, man braucht diese teuren Gläser nicht: einfach ein Joghurtglas nehmen und immer zum Spülen ein passgenaues Sieb auf die Öffnung halten. Das mache ich seit Jahren so.

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