Weniger Mineralölverbrauch im Alltag – so einfach geht’s

In vielen Alltagsprodukten ist Mineralöl allgegenwärtig. Mit diesen Tipps verbrauchst du weniger Erdöl, sparst Geld und lebst gesünder!

Wusstest du, dass 90 Prozent aller chemischen Erzeugnisse vom Waschmittel, über Haarshampoo bis hin zur Plastikdose chemische Verbindungen enthalten, die aus Rohöl oder Erdgas gewonnen werden? Das schwarze Gold ist in unserem Leben allgegenwärtig, auch wenn uns das die meiste Zeit gar nicht bewusst ist. Den überwiegenden Teil verbrauchen wir in Form von Kraftstoff für PKWs und andere Transportfahrzeuge. Der Rest, immerhin noch ein knappes Drittel, wird zur Energie- und Wärmegewinnung sowie zur Herstellung zahlreicher Alltagsprodukte verwendet.

Der Klimawandel und die absehbare Endlichkeit der weltweiten Erdölreserven sind nur zwei Gründe dafür, den eigenen Erdölverbrauch zu senken und sich mit erdölfreien Alternativen zu beschäftigen.

In diesem Beitrag habe ich zahlreiche Tipps für ganz unterschiedliche Lebensbereiche zusammengestellt, die zeigen, wie einfach es ist, im Alltag auf Mineralöl zu verzichten. Das schont deinen Geldbeutel und trägt außerdem zu einem gesunden Lebensstil bei.

Spielzeug

Kinder spielen gerne mit Stock und Stein, aber auf Dauer muss natürlich auch das eine oder andere Spielzeug her. Im Laufe eines Kinderlebens kommt da so einiges zusammen. Viele im Handel erhältliche Spielwaren bestehen aus Kunststoff und werden somit unter Einsatz von Erdöl hergestellt. Wenn du Plastikspielzeug kaufst, solltest du deshalb auf Langlebigkeit der Produkte achten. Und sie an die nächste Generation weitergeben, wenn deine Kinder aus dem Spiele-Alter heraus sind.

Gebrauchtes LEGO kaufen und verkaufen ist extrem nachhaltig und spart außerdem Geld und Platz. Entdecke die besten Tipps und Anlaufstellen.

Meine Kinder spielen heute beispielsweise mit den über 30 Jahre alten Lego-Steinen ihres Papas. Hier ist das Erdöl also zumindest gut investiert, denn wahrscheinlich können auch noch ihre Kinder die bunten Klötze aufeinander stecken.

Vielen anderen Spielzeugen aus Kunststoff ziehe ich hingegen Holzspielzeug oder Produkte aus Pappe und Metall vor. Besonders ressourcenschonend ist natürlich der Kauf von gebrauchten Spielwaren – egal aus welchem Material. Der Second-Hand-Markt ist riesig und die Kinder haben mit Spielsachen aus zweiter Hand den gleichen Spaß für viel weniger Geld.

Ernährung

Auch in unserem Essen steckt jede Menge Erdöl, und das nicht nur im übertragenen Sinn! Konventionelle Dünger und Pflanzenschutzmittel werden zum einen unter hohem Energieaufwand produziert. Flug-Ananas und Winter-Erdbeeren legen dazu noch einen weiten Weg zurück, bis sie auf unseren Tellern landen. Doch nicht nur die Produktion und der Transport unserer Nahrungsmittel verbrauchen wertvolle Ressourcen, auch in den Produkten selbst können sich Rückstände von Erdöl wiederfinden. Diese fand Ökotest beispielsweise kürzlich in einer ganzen Reihe handelsüblicher Grillwürstchen.

Wer beim Essen weniger Energie verbrauchen und auf mineralölhaltige Zutaten verzichten möchte, sollte sich auf unverarbeitete, saisonale und regionale Lebensmittel aus biologischem Anbau konzentrieren. Dazu gehören neben Obst und Gemüse auch Öle, Linsen und Getreideprodukte. Also zum Beispiel lieber mal einen Bulgur-Salat anstelle von exotischem Quinoa zubereiten und neben wertvollen, aber leider so gar nicht regionalem Kokosöl das gute alte Sonnenblumenöl nicht vergessen.

Übrigens: Dank zahlreicher Initiativen ist der Bezug von Lebensmitteln aus der Region selbst in der Großstadt leicht wie nie.

Äpfel aus Neuseeland, Tomaten aus Spanien? Mit diesem Saisonkalender nicht nötig. Hier erfährst du, wann es regionales, saisonales Obst und Gemüse gibt.

Kleidung

Viele Kleidungsstücke bestehen heutzutage aus Kunststoffen oder aus Mischgeweben. Diese werden ebenfalls unter Einsatz von Erdöl produziert. Eine umweltfreundliche Alternative findest du in Produkten aus Naturfasern wie beispielsweise Hanf, Wolle oder auch Bio-Baumwolle. Beim Neukauf solltest du Bio-Kleidung bevorzugen, denn chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger, wie sie beim konventionellen Anbau eingesetzt werden, enthalten auch Erdölbestandteile.

Noch effizienter sparst du auf vielerlei Weise Ressourcen, wenn du zu Second-Hand-Mode greifst. Vielleicht wirst du auch auf einer der vielen Tauschbörsen im Internet oder auf einer Kleidertauschparty fündig.

Eine Kleidertauschparty trägt dazu bei, dass Kleidungsstücke möglichst lange im Kreislauf bleiben. Das schont die Umwelt und macht Spaß!

Mobilität

Fast zwei Drittel des Erdöls wird in Form von Kraftstoff verbraucht. Deshalb wirken schon kleine Verhaltensänderungen besonders effektiv. Öfter mal das Auto stehen lassen und stattdessen zu Fuß gehen oder das Fahrrad zu nehmen, schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel und hält dich zudem ganz nebenbei fit und gesund. Für schlechtes Wetter oder längere Strecken bietet der öffentliche Nahverkehr vielerorts eine sinnvolle Alternative.

Wenn du auf dein Auto nicht verzichten möchtest oder kannst, denke doch einmal über eine Fahrgemeinschaft nach, damit zum Beispiel nicht alle Kollegen jeden Morgen mit dem eigenen Auto zur Arbeit fahren. Der richtige Reifendruck und eine nicht zu hohe Geschwindigkeit (schon ab etwa 100 bis 120 Kilometern pro Stunde steigt der Benzinverbrauch aufgrund des Luftwiderstands bei jedem Fahrzeug überproportional an) helfen ebenfalls Benzin zu sparen.

Ich habe mir mit meiner Familie angewöhnt, öfter mal mit dem Zug statt mit dem Auto zu den Großeltern zu fahren. Die Kinder haben mehr Bewegungsfreiheit, wir reisen entspannter und genießen die gemeinsame Reisezeit viel intensiver.

Müllvermeidung

Jegliche Art von Müllvermeidung trägt zur Schonung von Ressourcen und damit einhergehend auch zu einem geringeren Verbrauch von Erdöl bei. Deshalb sind Mehrwegprodukte grundsätzlich die bessere Wahl.

Im Alltag lässt sich zudem Plastik einsparen, wenn du für deine Einkäufe Mehrwegbeutel und Taschen anstelle von Tüten verwendest. Jede Menge Verpackungsmüll vermeidest du durch den Kauf von verpackungsfreien Produkten. Wochenmärkte und Gemüsekisten machen das Einsparen von Verpackungsmüll auch ohne verpackungsfreien Laden möglich.

Wenn es nicht ohne Verpackung geht, bevorzuge Mehrweg- gegenüber Einweg-Verpackungen sowie Pappe und Glas gegenüber Plastik und Verbundstoffen.

Überall begegnen uns Einwegprodukte und -verpackungen und die Mülltonnen quellen über. Dabei gibt es oft einfache und sinnvolle Alternativen. 

Die Erstellung eines Essens- und Einkaufsplans macht es dir leichter, Lebensmittel vollständig zu verbrauchen, auch das vermeidet Abfall.

Haushalt

Das Heizen macht nach dem Auto- und Güterverkehr den zweiten großen Posten beim Erdölverbrauch aus. Entsprechend viel lässt sich hier einsparen. Bereits eine Reduzierung der Raumtemperatur um nur ein Grad führt zu einem geringeren Ölverbrauch von mehreren Prozent pro Jahr. Regelmäßiges, kurzes Stoßlüften für fünf bis zehn Minuten bei vollständig geöffnetem Fenster sorgt effizient für frische Luft. Längeres Lüften lässt die Räume dagegen stark auskühlen, der Erdölverbrauch steigt.

Auch im Bad kannst du Energie und Kosten sparen, indem du bevorzugst zu duschen statt Vollbäder zu nehmen.

Beim Wäschewaschen sollte die Maschine stets voll beladen sein. Hohe Temperaturen und Schnellwaschgänge sind nur in wenigen Ausnahmefällen sinnvoll.

Körperpflege

Wusstest du, dass herkömmliche Kosmetikprodukte sehr häufig Erdöl enthalten? Mineralölhaltige Stoffe stehen in der Kritik, da sich bestimmte Fraktionen bei der oralen Aufnahme (etwa über Lippenbalsam) im Körper anreichern können. In der Hautpflege, wie bei klassischen Babyölen, gelten hochgereinigte Mineralöle laut Einschätzung von Behörden zwar als gesundheitlich unbedenklich1, sie legen sich jedoch wie ein Film auf die Haut und sind nicht biologisch abbaubar. Um Erdöl zu vermeiden, entscheide dich deshalb am besten für Naturkosmetik oder stelle auf deine Bedürfnisse abgestimmte Kosmetik ganz einfach selbst her.

Fast alle Kosmetikprodukte kannst du in der Küche herstellen oder mit diesen Tricks ganz darauf verzichten. Naturkosmetik selber machen - eine Einführung!

Reinigung

Die meisten im Handel erhältlichen Putz- und Waschmittel beinhalten ebenfalls Erdöl und darüber hinaus zahlreiche weitere chemische Stoffe, die die Umwelt belasten. Erdölfrei und preiswert kannst du einen umweltfreundlichen Universalreiniger herstellen. Auch ökologisches Waschmittel ist im Handumdrehen selbst gemacht – beachte hierbei jedoch, dass du bei hartem Wasser zusätzlich einen Enthärter benötigst, um die Maschine zu schonen, und bei hartnäckigen Flecken eventuell mit etwas Gallseife vorbehandeln musst.

Viele weitere Haushaltsprodukte lassen sich ebenfalls aus nur wenigen Zutaten selber machen.

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Welche Tricks wendest du an, um im Alltag Energie und Ressourcen zu sparen? Wir freuen uns auf deine Erfahrungen und weitere Ideen in einem Kommentar!

Diese Beiträge könnten dich ebenfalls interessieren:

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Hochraffinierte Mineralöle in Kosmetika: Gesundheitliche Risiken sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten (2018) ↩︎

Über mich

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Nachhaltigkeit, Minimalismus und Selbstversorgung. Als diplomierte Pädagogin hole ich Menschen gern dort ab, wo sie stehen, und liebe es, andere Menschen mit Rezepten und DIY-Alternativen zu Fertigprodukten zu inspirieren. In meinem Kleingarten erfreue ich mich nicht nur an selbst angebautem Obst und Gemüse, sondern trage auch mit Insektenhotels, Wildpflanzen und Laubhaufen (hoffentlich) zu mehr Biodiversität und Artenschutz im Kleinen bei.

3 Kommentare
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  1. Katharina

    Liebe Anja
    trau Dich! Ich selber wasche schon seit vielen Jahren mit selbstgemachtem Waschmittel und hatte nie Probleme!😉

    Antworten
  2. Das mit dem Essigreiniger setze ich im Bad schon länger um, aber an das eigene Waschmittel habe ich mich bisher noch nicht herangetraut.

    Wisst ihr, ob das auch bei richtig schmutziger Kinderkleidung zuverlässig sauber wäscht oder braucht man da spezielle Zusätze?

    Viele Grüße

    Antworten
    • smarticular.net
      smarticular.net

      Liebe Anja,
      grundsätzlich kann man es immer mit dem Waschmittel probieren – je höher die Waschtemperatur ist, desto mehr Waschwirkung wird ohnehin vom heißen Wasser und von der mechanischen Bewegung übernommen. Falls die Ergebnisse einmal noch nicht ausreichen, kann man ja jederzeit zwischendurch konventionell waschen.
      Liebe Grüße

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