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Ist Kokosöl die bessere Alternative zu Palmöl?
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Immer mehr Hersteller wollen auf Palmöl verzichten und verwenden stattdessen Kokosöl in ihren Produkten. Aber ist Kokosöl tatsächlich die bessere Alternative? Hier werden ökologische und gesundheitliche Faktoren überprüft.

Immer mehr Hersteller wollen das in Verruf geratene Palmöl durch Kokosöl ersetzen, das in der medialen Wahrnehmung überwiegend als gesünder und ökologisch unbedenklicher gilt. Aber ist Kokosöl, das genauso aus tropischen Regionen stammt und aus überwiegend gesättigten Fettsäuren besteht, tatsächlich besser?

Wir haben die wichtigsten ökologischen und gesundheitlichen Faktoren beider Öle untersucht und miteinander verglichen.

Hinweis: Natürlich könnte man vermuten, dass es sinnvoll wäre, einfach sämtliches Palmöl (und Kokosöl) durch regionale Öle wie Rapsöl oder Sonnenblumenöl zu ersetzen. Warum das aber auch nicht die optimale Lösung ist, sondern im Gegenteil viele der bestehenden Umweltprobleme des Palmölverbrauchs sogar noch verschlimmern oder zumindest verlagern würde, hat der WWF bereits zusammengefasst. Mehr dazu kannst du hier nachlesen.

Anbaubedingungen für Kokosöl und Palmöl im Vergleich

Pro Hektar Anbaufläche können rund 3,3 Tonnen Palmöl produziert werden, aber nur 0,7 Tonnen Kokosöl. Eine Ölpalme ist demnach viel ertragreicher als eine Kokospalme. Im Umkehrschluss wird für die gleiche Menge Kokosöl im Anbau deutlich mehr Wasser benötigt, was an anderen Stellen in den typischen Anbaugebieten Philippinen, Indonesien und Indien fehlt. Auch die Ölpalme wächst in diesen Regionen. Die wichtigsten Anbauländer sind Indonesien, Malaysia und Thailand. Dadurch stehen beide Pflanzenöle, was Herkunft und Transport betrifft, ähnlich schlecht da.

Mit einem kompletten Ersatz der bisherigen Palmölnachfrage durch Kokosöl wäre plötzlich mehr als viermal so viel Fläche notwendig, Pestizide und Kunstdünger kämen in einem ähnlich hohen Ausmaß zum Einsatz, und durch den hohen Wasserverbrauch wären die Trink- und Nutzwasserversorgung der regionalen Bevölkerung genauso gefährdet. Im Vergleich: regionale Öle wie Rapsöl oder Sonnenblumenöl benötigen zwar ebenso viel Fläche wie Kokosöl mit circa 0,7 Tonnen Ölertrag pro Hektar, wachsen aber zumindest in wasserreichen Gebieten, wo sie gut in die Fruchtfolge eingegliedert werden können und und die Artenvielfalt nicht in dem Maß gefährden wie in tropischen Anbauländern.

Als problematisch bekannt geworden beim Ölpalmenanbau ist vor allem die Massenproduktion in umweltschädlichen Monokulturen. Bisher bieten Kokospalmplantagen häufig umweltverträglichere Anbaubedingungen, da mehr kleinbäuerliche Strukturen vorhanden sind. Diese würden durch eine gesteigerte Nachfrage aber sehr wahrscheinlich auch zur umweltschädlichen Massenproduktion anwachsen. Und dann hätten die Ölpalmen den Kokospalmen sogar etwas voraus: Sie haben schon viel länger mit einem schlechten Image zu kämpfen, weswegen selbst im Nicht-Bio-Bereich Zertifizierungen und Kontrollen recht verbreitet sind. Auch wenn diese alles andere als unproblematisch sind, so bergen sie doch weniger ökologische und ethische Probleme, als es ein massenhafter Kokosanbau nach konventionellen Richtlinien ohne Zertifizierung mit sich bringen würde.

Immer mehr Hersteller wollen auf Palmöl verzichten und verwenden stattdessen Kokosöl in ihren Produkten. Aber ist Kokosöl tatsächlich die bessere Alternative? Hier werden ökologische und gesundheitliche Faktoren überprüft.

Wenn es unbedingt eines der beiden Fette sein muss, und wenn regionale Alternativen gar nicht in Frage kommen, ist die bessere Alternative immer noch der Griff zum hochwertigen Bio-Produkt aus kontrolliertem Anbau ohne Monokultur. Zusammen mit Ananas, Bananen oder Pfeffer gedeiht die Kokosnuss auf Bio-Plantagen in nachhaltigen Mischkulturen. Noch bewusster kannst du konsumieren, wenn du dich bei jeder einzelnen Zutat für das ökologisch vertretbarste Produkt entscheidest, anstatt zu Fertigprodukten zu greifen.

Verbrauch von Kokosöl und Palmöl

Neben der bekannteren Verwendung von Kokosöl und Palmöl im Lebensmittelbereich finden beide Öle auch in vielen anderen Sparten Verwendung. In Deutschland beispielsweise macht Palmöl in Lebensmitteln nur etwa ein Drittel des Gesamtverbrauchs aus. Etwa acht Prozent fließen in Futtermittel, 17 Prozent in die industrielle Verarbeitung von Reinigungs-, Pflege- und Gesundheitsprodukten. Der größte Teil mit knapp 42 Prozent wird dagegen für die Gewinnung von Strom, Wärme und Biokraftstoffen verwendet.

Gerade bei Lebensmitteln wie Schokolade und anderen Süßwaren sowie bei vielen industriell hergestellten Wasch- und Reinigungsmitteln ist Kokosöl das einzige Öl, das Palmöl ersetzen kann. Es ist hinsichtlich Fettsäurezusammensetzung und Konsistenz dem Palmöl sehr ähnlich, wodurch auf eine gesundheitsschädliche Härtung, die bei anderen Pflanzenölen notwendig wäre, verzichtet werden kann (siehe dazu weiter unten den Absatz zu Transfetten). Bei Energie- und Kraftstofferzeugung können technisch gesehen auch andere Öle wie Raps- oder Sonnenblumenöl zum Einsatz kommen. Zum Teil werden auch schon pflanzliche Altfette verwendet – eine wesentlich bessere Alternative als Kokosöl.

Wichtig: Ein bloßer Ersatz von Palmöl reicht nicht aus. Vor allem beim Biokraftstoff zeigt sich, dass eine generelle Einsparung der Ressourcen notwendig ist, zum Beispiel durch die Nutzung anderer Verkehrsmittel.

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Gesundheitlicher Nutzen von Palmöl vs. Kokosöl

Fett ist nicht gleich Fett. Und deswegen lohnt sich eine genauere Betrachtung der in Kokosöl und Palmöl enthaltenen Fettsäuren, um über den gesundheitlichen Nutzen oder die Risiken der beiden Pflanzenöle urteilen zu können. Zum Beispiel enthalten sie hauptsächlich gesättigte Fettsäuren, die lange Zeit als ungesund angesehen wurden – im Gegensatz zu einfach und mehrfach ungesättigten Fetten, wie sie beispielsweise in Rapsöl, Olivenöl oder Leinöl enthalten sind. Inzwischen weiß man, dass viel eher die Menge der Fette, die man zu sich nimmt, entscheidend ist und auch innerhalb der Gruppe der ungesättigten Fettsäuren differenziert werden muss.

So enthält Kokosöl beispielsweise die mittelkettige gesättigte Fettsäure Laurinsäure, die als besonders gesundheitsförderlich gilt und sich sogar positiv auf die Cholesterinwerte auswirken kann. Sie ist unter anderem auch für die antibakterielle Wirkung des Kokosöls verantwortlich. Palmöl, das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalmenfrucht gewonnen wird, enthält zwar keine Laurinsäure, Palmkernöl allerdings schon, in ebenso beträchtlichen Mengen wie Kokosöl. Palmkernöl wird aus den Kernen der Ölfrucht gewonnen.

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Transfette ungesünder als Palmöl

Die wirklich gesundheitsschädigenden Fettsäuren sind die Transfette, die bei der industriellen Härtung von Pflanzenölen entstehen. Sie sind vor allem in stark verarbeiteten und erhitzten Lebensmitteln enthalten. Aus gesundheitlichen Gründen stellt sich deshalb vielmehr die Frage nach der Qualität des Öls oder wie stark verarbeitet ein fetthaltiges Produkt ist – egal ob es nun Kokosöl oder Palmöl enthält.

Auch in Bezug auf den Vitamingehalt ist die Qualität des Öls wichtiger als die Sorte. Raffiniertes Palmöl beispielsweise, wie es zu großen Teilen in konventionellen Lebensmitteln verarbeitet wird, hat einen kaum nennenswerten Nährwertgehalt. Unraffiniertes Palmöl dagegen enthält eine Menge der Vitamine A und E sowie des Provitamins Beta-Carotin. Ein natives kaltgepresstes Bio-Kokosöl kann mit reichlich Vitamin E aufwarten. Beide Öle können deshalb in unraffinierter Form sehr gesundheitsförderlich sein.

Aktuell wird aber leider fast das gesamte Palmöl auf dem Weltmarkt raffiniert, desodoriert und gebleicht.

Fazit: Weder bei den ökologischen noch bei den gesundheitlichen Betrachtungen schneidet Kokosöl tatsächlich besser ab als Palmöl. Die Umwelt wäre durch einen kompletten Ersatz sogar stärker belastet. Die sinnvollste Lösung ist deshalb kein blinder Ersatz aller Palmölprodukte, sondern eher ein reflektierter und schonender Umgang mit den Ressourcen:

  • Stark verarbeitete und fetthaltige Produkte lieber meiden.
  • Beim Einkauf immer auf qualitativ hochwertige Öle achten sowie generell nicht mehr Fett konsumieren, als für eine ausgewogene Ernährung notwendig ist.
  • Lieber Fahrradfahren als Auto.
  • Lieber selbst gemachte Schokoaufstriche und herzhafte Brotaufstriche als palmölreiche Supermarktprodukte.
  • Lieber heimisches Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte verzehren als Fertigprodukte und tierische Nahrungsmittel, in deren Produktion ebenso riesige Mengen Palmöl für Futtermittel verwendet werden.
  • Und ganz wichtig: Lieber selber machen statt Fertigprodukte kaufenDenn dann weißt du auch, was in Reinigern, Pflegeprodukten und vielen Alternativen zur Fertigprodukten in der Küche drin ist, und kannst ganz bewusst auf Palmöl und Kokosöl verzichten.

Auch wir als Einzelpersonen haben viele Möglichkeiten, etwas zu bewirken! Mehr Anregungen, wie du Palmöl vermeiden kannst, statt es nur zu ersetzen, findest du hier.

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