Warum du auf Palmöl lieber verzichten solltest

Über 50% der Produkte im Supermarkt enthalten heutzutage Palmöl. Dieses preiswerte Fett hat bestechende Vorzüge aber auch ein paar entscheidende Nachteile!Bilder von Luke Jones und Lian Pin Koh (beide CC-BY-2.0)

Oft merken wir es gar nicht, und doch steckt es in so vielen Produkten: Palmöl, das Öl der Palmfrucht, ist aus dem durchschnittlichen Warenkorb beim Wocheneinkauf kaum noch wegzudenken. Über die Hälfte aller Produkte im Supermarkt enthalten dieses bei der Nahrungsmittel- und der Kosmetik-Industrie äußerst beliebte Pflanzenfett. Grund dafür ist die Tatsache, dass es sich sehr gut industriell verarbeiten lässt, vielen Nahrungsmitteln eine feste bis cremige Konsistenz gibt und vor allem vergleichsweise preiswert hergestellt werden kann.

Dieser Beitrag beschreibt, weshalb du palmölhaltge Produkte besser meiden solltest und wie du sie erkennst. Einfache, nachhaltige und preiswerte Alternativen zu Palmöl findest du in diesem Beitrag.

Problematisches Pflanzenöl

Das berüchtigte Öl wird aus einer bestimmten Palmenart, der Ölpalme, gewonnen. Über 85 Prozent der Weltproduktion kommen aus Indonesien und Malaysien. Tatsächlich ist die Frucht der Palme sehr ergiebig und kein anderes Pflanzenöl kann auf vergleichbarer Anbaufläche in der Menge gewonnen werden wie Palmöl. Mit dem höchsten Ölertrag pro Hektar Anbaufläche scheint dieses pflanzliche Fett auf den ersten Blick genau die richtige Antwort auf Bevölkerungswachstum und gesteigerte Nachfrage zu sein. Manch einer sucht in ihr sogar die Antwort auf fossile Brennstoffe.

Problematisch ist dabei vor allem, dass Palmöl nur in tropischen Breiten gewonnen werden kann und in riesigen Monokultur-Plantagen in Konkurrenz zum Regenwald steht. Besonders in Indonesien werden jedes Jahr riesige Flächen Regenwald gerodet, Bio-Diversität zerstört und unser Klima dauerhaft geschädigt.

Dabei wird Lebensraum nicht nur für Orang-Utans zerstört, sondern auch Millionen anderer Arten sind bedroht. Native Stämme und kleinere Bauern werden verdrängt und durch Monokulturen ersetzt. Anstatt den Boden zu regenerieren, wird er ausgelaugt und der Bedarf an Düngern und Pestiziden steigt, um den Ertrag hoch zu halten. Dass dies auf Dauer nicht gutgehen kann, liegt eigentlich auf der Hand.

Neben den Umwelt-Aspekten gibt es aber auch gesundheitliche Gründe, warum du den Konsum von Palmöl einschränken solltest. Es ist in den meisten Produkten nur in raffinierter Form enthalten, reich an Glycidyl- und 3-MCPD-Fettsäureestern. Bei der Verdaung spalten sie als wahrscheinlich krebserregend eingestufte Substanzen ab. In Tieren wurden Nierenschäden und das Entstehen von Tumoren beobachtet. Der Anteil dieser Ester ist in Palmöl mehr als dreieinhalbmal so hoch wie in Olivenöl, viereinhalbmal so hoch wie in Sonnenblumen- und Sojaöl und sogar elfmal so hoch wie in Rapsöl. (quelle bfr)

Aber woran erkennt man eigentlich, wo überall Palmöl enthalten ist?

Palmöl-Produkte erkennen

In über der Hälfte aller gängigen Supermarktprodukte ist inzwischen Palmöl enthalten. Bei Lebensmitteln besteht seit einigen Jahren eine Deklarierungpflicht und so ist es oft nur eine Frage des aufmerksamen Studierens von Etiketten. Die offensichtlichen Spitzenreiter mit hohem Palmöl-Gehalt sind Brotaufstriche wie süße Schokocreme, vegane Schmalzalternativen und Magarine. Aber auch zahlreiche andere Produkte, von denen man dies zunächst gar nicht erwartet hätte, enthalten das Fett aus den Tropen.

Zum Beispiel wird in vielen Reinigern und Kosmetikprodukten das sehr preiswerte Palmöl verwendet. Leider ist die Identifikation der Rohstoffe in solchen Produkten sehr viel schwieriger, da es ständig neue Derivate gibt. Wer vermutet schon Palmöl hinter Begriffen wie Stereate SE oder Cetearyl Alkohol? Grundsätzlich solltest du stutzig werden bei sehr preiswert erscheinenden Reinigern, Seifen und Kosmetika. Wirklich Klarheit verschafft aber meist nur der Gegen-Check mit einer Smartphone-App wie zum Beispiel Codecheck oder Zero Palmöl.

Nachdem du nun einige Produkte mit hohem Palmöl-Gehalt identifiziert hast, stellt sich die Frage: Welche Alternativen gibt es? In diesem Beitrag findest du eine Liste von einfachen, preiswerten und gesunden Alternativen zu typischen Palmöl-Produkten.

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4 Kommentare Kommentar verfassen

  1. MarMor

    Hallo,
    ein schöner Beitrag. Leider betrachtet er aber nur eine Seite der Medaille. Denn kein Palmöl ist auch keine Lösung. Würden wir gänzlich auf Palmöl verzichten wäre die Fläche die für den Anbau und die Produktion von anderen pflanzlichen Ölen benötigt wird sehr viel größer. Deswegen ist Palmöl ja so „groß“ geworden. Man kann auf vergleichsweise geringer Anbaufläche viel davon produzieren.
    Es liegt also wirklich an Politik und Unternehmen sich für einen umweltverträglichen Anbau von Palmöl einzusetzen. Als Verbraucher keine Palmölprodukte zu kaufen kann zu schnell die falschen Signale senden. Gut wäre natürlich, wenn man nur Produkte mit nachhaltig angebautem Palmöl kauft, aber da muss man natürlich ersteinmal hinterkommen.

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  2. Sandy

    Danke für den Beitrag. Schade dass wir Verbraucher in der Pflicht stehen. Die Politik sollte da ein Riegel vorschieben. Die Industrie sollte Verbote bekommen, palmöl zu verarbeiten. Mein Verzicht wird nicht dafür sorgen, dass palmöl reduziert verarbeitet wird. Die Industrie wird fleißig weitermachen. Ich kann nur mir zuliebe verzichten, wegen der gesundheitlichen Aspekte….

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    • Maximilian Knap

      Darin steckt Wahrheit, trotzdem sehe ich das ein bisschen anders :-) Warum sollte ich auf die Politik warten, damit sich etwas ändert? Jeder Einzelne kann doch für sich selbst entscheiden, sich informieren und bewusster konsumieren. Wissen ist Macht, und unser Einkaufszettel ist unser Stimmzettel, bildhaft gesprochen… Wir merken jeden Tag, dass sich immer mehr Menschen der Probleme bewusst werden und dass sie etwas ändern wollen. Eine einzelne Schneeflocke bewirkt noch nichts, aber als Teil einer Lawine kann sie viel bewegen. Und nicht selten hat die Politik den Groschen auch erst fallen gehört, weil viele Verbraucher vorgemacht haben, wie es richtig geht. Mit gutem Beispiel vorangehen, andere werden folgen :-)

    • Krista

      Ja, ich bin genau Deiner Meinung.

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