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Mein Tag mit Plastik: Zwischen Bequemlichkeit und Veränderung
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Plastik zu vermeiden ist gar nicht leicht. Kunststoff begegnet uns von früh bis spät. Oft birgt er Risiken für Gesundheit und Natur. Wie also reduzieren?

Plastik ist überall! Im Haushalt, am Arbeitsplatz, bei Freizeitaktivitäten. Manchmal ganz offensichtlich als Toastbrotverpackung, manchmal unbemerkt als kleinste Mikrokunststoffe in Kosmetikprodukten.

Viele Menschen praktizieren gerade den plastikfreien Juli. Ganz so weit bin ich noch nicht. Für mich sind die ersten Schritte, ein größeres Bewusstsein für meinen Plastikkonsum und meine Müllproduktion zu entwickeln und gute Alternativen für mich zu testen und in den Alltag einzubauen.

Das Thema Plastik beschäftigt mich schon länger. Ich habe viel dazu recherchiert und so verschiedene Lösungsansätze kennengelernt. Um für mich selbst konkret etwas zu verändern, habe ich einen Tag lang nachverfolgt, wann, wo und wie mir Plastikgegenstände mit kurzer Nutzdauer begegnen und wie ich sie durch plastikfreie Alternativen ersetzen kann.

Warum überhaupt Plastik vermeiden?

Plastik ist der umgangssprachliche Begriff für Kunststoffe, welche seit Anfang des 20. Jahrhunderts industriell hergestellt werden. Sie bestehen aus Makromolekülen, den sogenannten Polymeren. Je nach Einsatzgebiet heißen sie Polyethylen (PE: z.B. Eimer, Schüsseln), Polyethylenterephthalat (PET: z.B. Getränkeflaschen) oder Polypropylen (PP: z.B. Gartenmöbel, Toilettendeckel).

Oft ist Kunststoff ein nützlicher Begleiter, er ist strapazierfähig und richtig eingesetzt auch langlebig. Ein modernes Fahrrad ist beispielsweise heute ohne Kunststoff kaum denkbar, ebenso die meisten Geräte im Haushalt, Büro und anderswo im Alltag.

Die in Plastikprodukten verwendeten Kunststoffe haben aber drei wesentliche Probleme:

  1. Sie verrotten sehr langsam. Gelangt Plastikmüll in die Natur, wird er durch Wind und Wetter zwar verkleinert, löst sich aber noch lange nicht ganz auf. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass eine Kunststoffflasche und eine Wegwerfwindel bis zu 450 Jahre benötigen, um sich vollständig aufzulösen. Kleinstteile werden von Fischen und Vögeln mit der Nahrung aufgenommen und geraten so in unsere Nahrungskette.
  2. Viele Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Weichmacher, können negative gesundheitliche Nebenwirkungen haben. In Getränkeflaschen und anderen Lebensmittelverpackungen erhöhen einige von ihnen das Krebsrisiko oder sind im Körper hormonell wirksam.
  3. Häufig ist der Herstellungsprozess intransparent und eine Weiternutzung durch Recycling erschwert.

Sogar bei so genannten Bio-Plastiktüten weiß der Verbraucher nur, dass sie zu mindestens 85 Prozen aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, oft aber nicht, woraus die restlichen 15 Prozent bestehen. Sie sind nicht immer garantiert recycelbar, geschweige denn kompostierbar. Mehr Informtionen zur Bioplastik-Thematik findest du hier.

Wenn du dich näher mit dieser Thematik beschäftigen möchtest, bietet dir dieser Film einen Einstieg:

Hier findest du weitergehende Informationen zu den Gesundheitsrisiken von Plastik sowie Tipps zur Vermeidung.

Für mich ist diese Problematik Grund genug, meinen eigenen Plastikkonsum zu überdenken. Hier folgt mein Tagesbericht.

Mein Tag mit Plastik

6.30 Uhr: Aufstehen und Bad

Die erste Begegnung mit Plastik habe ich gleich nach dem Aufwachen: Ich nehme einen großen Schluck Wasser aus der Flasche, die neben meinem Bett steht – eine Plastikflasche. Ein Glas mit Wasser oder eine Glasflasche tut es ab morgen genauso!

Um wirklich wach zu werden, gehe ich duschen. Dort stehen mein Duschgel und Shampoo bereit – natürlich allesamt in Plastikflaschen. Auch der Rasierer ist aus Kunststoff.

Alternativen sind: feste Seifen für Haut und Haar. Wenn es ein Duschgel sein muss, kann ich das vielleicht auch selbst herstellen und dann in einem Glas aufbewahren? Auch diese plastikfreie Alternative für den Rasierer muss ich unbedingt testen.

Fertig geduscht gehe ich über zum Cremen und Schminken. Hier treffe ich wieder zahlreiche Plastiktiegel, -tuben und -stifte an. Manchmal ist es offensichtlich: Creme kann ich in Zukunft in Glastiegeln kaufen oder vielleicht selbst anrühren und in einem Glas aufbewahren.

Aber wie ist es mit Make-Up? Auf meinen Abdeckstift verzichten möchte ich nicht. Da kommt mir die Idee, dass ich Make-Up einfach selbst machen könnte. Hast du damit schon Erfahrungen gemacht? Wie gehst du dabei vor?

Jetzt ist die Kleiderwahl dran. Wie viel Kunststoff ist eigentlich in meiner Kleidung? Die Knöpfe an meiner Bluse sind garantiert aus Plastik. Ein Blick auf die eingenähten Schilder in Hose und Oberteil zeigt mir: Baumwolle und Synthetik! Also Kunststoff.

Hierfür einen Ersatz zu finden ist wirklich kompliziert. Ich muss wahrscheinlich Kompromisse eingehen. Beim nächsten Klamottenkauf achte ich nicht nur auf Aussehen und Preis, sondern denke mehr über die Stoffzusammensetzung nach. Bei vielen Kleidungsstücken sind Naturfasern sicher eine Alternative. Auf Blusen kann ich schlecht verzichten, wenn ich sie im Job tragen muss. Hast du einen konkreten Vorschlag für das “Knopfproblem”?

7.00 Uhr: Frühstück

Während ich mein Frühstück aus Kaffee und Müsli zubereite, fällt mir auf, dass manche Sachen ersetzbar sind: Müsli ist auch in verpackungsfreien Läden erhältlich. Milch, Joghurt und Saft bekomme ich auch in Glasflaschen.

Ich stecke noch eine Plastikwasserflasche ein. Die wiegt nicht viel. In diesem Fall kann ich aber auch umdenken und in eine gute Edelstahlflasche investieren. Die ist genauso leicht und im Gegensatz zu einer Flasche aus Glas unzerbrechlich.

Schnell putze ich nach dem Frühstück noch meine Zähne. Mit einer elektrischen Zahnbürste. Die ersetze ich leicht mit einer Holzzahnbürste. Gibt es die auch elektrisch? :-)

Käufliche Zahnpasta ist inzwischen überwiegend frei von Mikroplastikanteilen. Gibt es aber überhaupt Marken, die ohne Plastikverpackung auskommen? Oder sollte ich meine Zahncreme in Zukunft auch selbst herstellen?

8.00 Uhr: Weg zur Arbeit

Auf meinem Weg ins Büro bemerke ich allerhand Kunststoff. In der U-Bahn laufe ich auf Kunststoffboden, setze mich dann auf Kunststoff und drücke vorm Aussteigen den Türoffner aus Kunststoff. Ist ja alles kein Thema – irgendwie bin ich auch froh, nicht auf harten Holzbänken zu sitzen. Aber Polster würden es auch tun, oder?

Während der Fahrt lese ich meine geliebte Zeitung. So richtig aus Papier und mit Druckerschwärze. Ist das besser, als mit dem Smartphone die News zu checken? Oder schlechter, weil die Zeitung nach einmaligem Lesen in den Müll wandert?

9.00 Uhr: Am Arbeitsplatz

Ich arbeite fast den ganzen Tag am Laptop. Rechner und Ladekabel sind natürlich zu einem hohen Anteil aus Kunststoff. Bei meiner Recherche erfahre ich, dass es Holztastaturen und -mäuse gibt. Was meinst du? Ist das wirklich sinnvoll oder nicht?

Ich notiere mir ein paar Dinge. Mit einem Kuli. Ist natürlich nicht unbedingt nötig, ein Bleistift würde es auch tun.

11.00 Uhr: Kaffeepause

Um 11.00 mache ich meine gewohnte Kaffeepause. Aus Zeitmangel bestelle ich mir einen Cappuccino zum Mitnehmen. Und kaum das ich mich versehe, hat mir der aufmerksame Barista den Becher transportfähig mit Plastikdeckel bereitgestellt. Dabei wollte ich doch den Deckel weglassen.

In Zukunft ist es wahrscheinlich sinnvoller, dass ich einen eigenen Becher mitbringe und mir den Kaffee gleich dort hinein füllen lasse.

13.00 Uhr: Mittagspause

Für mittags nehme ich mir meistens von zu Hause Essen mit: entweder belegte Sandwiches oder gekochte Speisen vom Vortag. Die esse ich direkt aus der Tupperbox. Für den Transport gibt es aber auch plastikfreie Alternativen, die mich erst einmal stutzig machen:

Manchmal habe ich morgens keine Zeit, mir Essen einzupacken. Dann gehe ich mittags in eine Kantine. Dort ist das Tablett aus Kunststoff. Und die wiederverwendbaren Trinkbecher. Gläser gibt es aber genauso und zur Not hält eine Tasse her.

Wenn ich es ganz eilig habe, kaufe ich einen Salat an einem Imbisstand. Der Salat ist dann in Plastik verpackt, ich bekomme Plastikbesteck dazu und für den Transport wird er freundlicherweise gleich in eine Plastiktüte verpackt. Was nett gemeint ist, treibt meine Plastik-Vermeidungs-Bilanz ziemlich schnell in die Höhe! Besteck und Tüte kann ich mit etwas Vorausplanung vermeiden. Aber wie bringe ich den Imbissstand dazu, Plastikalternativen zu verwenden? Gibt es für solche Situationen überhaupt etwas Passendes?

Ein kleines Dessert muss bei mir schon sein. Ich habe mir zwei kleine Schokoriegel eingesteckt, natürlich in Plastik verpackt. Stattdessen komme ich auf die Idee, dass ich Müsliriegel ja auch mal selbst machen könnte. Außerdem halte ich demnächst besonders Ausschau nach verpackungsarmen Alternativen.

19.00 Uhr: Feierabend – Einkaufen gehen

Inzwischen schwirrt mein Kopf vor lauter Plastik. Wenn ich aufmerksam bin, nehme ich viel mehr Plastik wahr, als ich zuvor angenommen hatte. Alle “Kunstoff-Begegnungen” kann ich gar nicht aufzählen, so viele sind es.

Nach der Arbeit gehe ich noch Lebensmittel einkaufen. Vorsorglich habe ich mir schon morgens eine Stofftasche eingepackt.

Im Supermarkt gehe ich zielstrebig zu Obst und Gemüse. Hier packe ich alles bedenkenlos in den Korb – ich werde es ja zu Hause waschen. Die losen Pilze im Korb sind etwas anstrengend, muss ich doch ständig aufpassen, dass sie nicht kaputt gehen.

Ich wundere mich mal wieder über die in Plastik verpackten Bio-Zucchinis und nehme lieber eine “nicht-Bio-Zucchini” ohne Verpackung. Das ist eindeutig ein Gewissenskonflikt.

Milch, Joghurt, Saft, Honig, Senf und pürierte Tomaten kaufe ich sowieso in Glasflaschen.

Es bleiben aber Fragen. Ist es z.B. besser, Käse an der Frischetheke anstatt abgepackt zu kaufen? Viele Dinge wie Küchenrollen gibt es nicht ohne Kunststoffverpackung zu kaufen.

In einigen Städten gibt es inzwischen verpackungsfreie Läden. Ob dort auch Küchenpapier ohne Verpackung erhältlich ist?

20.00 Uhr: Zu Hause – Kochen

Zu Hause angelangt habe ich Zeit für mein Hobby: Kochen.
Die Pilze sind leider etwas zerdrückt. Zu spät fallen mir die Alternativen ein:

Die Pasta kommt auch aus der Plastikverpackung, schade eigentlich. Beim nächsten Mal kann ich die Nudeln selbst machen.

Was mich stört: Die Gewürze bekomme ich meistens in Plastikverpackungen und die in Alu-Bechern sind oft viel teurer. Muss ich das hinnehmen, oder geht es besser?

Nach dem Kochen und Essen kommt das Geschirr in die Spülmaschine. Normalerweise benutze ich Geschirrspültabs. Diese sind in Folie verpackt. Warum nutze ich eigentlich nicht wieder Pulver, so wie früher? Vielleicht lässt sich Geschirrspülmittel sogar selbst herstellen…

23.00 Uhr: Schlafenszeit

Den Tag über auf meinen Plastikkonsum zu achten war anstrengend, aber lehrreich. Schließlich ist Kunststoff fester Bestandteil meines Leben und bisweilen auch sehr praktisch. Häufig greife ich zu Kunststoff, weil er handlich ist und mein Leben bequemer macht.

Dennoch überwiegt für mich das “Aber”. Umweltverschmutzung und Gesundheitsgefahren sind mir ernster als ein bisschen Bequemlichkeit. In dem Sinne stelle ich mir noch schnell ein Glas Wasser auf den Nachttisch, bevor ich das Licht aus mache.

Mein Fazit

Viele Plastikprodukte kann ich nicht einfach aus meinem Alltag verbannen – angefangen beim Handy und Computer bis zum Kühlschrank.

Es sind eher die kleinen Dinge und kurzlebigen Kunststoffverpackungen, die ich mit ein bisschen Recherche, Umgewöhnung und Kreativität in Zukunft durch plastikfreie Alternativen ersetze. Natürlich macht es auch keinen Sinn, jetzt Hals über Kopf alle Plastikgegenstände wegzuwerfen. Besser ist es, sie aufzubrauchen und beim nächsten Einkauf auf bessere Optionen zu achten.

Häufig läuft es darauf hinaus, Produkte selbst herzustellen. Das wird eine Herausforderung, aber vielleicht schaffe ich es ja, jede Woche ein Haushalts– oder Pflegeprodukt  durch eine selbstgemachte Alternative zu ersetzen und so viel Plastikmüll zu sparen. Sogar mein Make-Up möchte ich in Zukunft selbst herstellen. Ich bin keine Chemikerin, aber mit ein bisschen Herumprobieren sollte das doch möglich sein.

Wenn das Selbermachen noch nicht ganz funktioniert, ist es wohl sinnvoll, beim Kauf auf Großpackungen und Nachfüllpacks zu achten. Die sind zudem oft preiswerter als die Normalgrößen.

Wenn dich das Thema interessiert, findest du hier das Buch zum Film Plastic Planet:

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Welche Tipps hast du, um deinen Plastikverbrauch im Alltag zu reduzieren? Was fällt dir besonders schwer? Teile deine Ideen und Anmerkungen in den Kommentaren unter dem Beitrag!