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Blumen- und Gemüsesamen selbst vermehren statt kaufen
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Statt jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen, kannst du von vielen Blumen- und Gemüsesorten die Samen ganz einfach ernten, lagern und im Frühjahr wieder aussäen. Mit diesen Tipps gelingt’s!

Die meisten im Handel erhältlichen Blumen- und Gemüsesamen sind Hybridzüchtungen, die sich nicht für die Saatgutgewinnung eignen, weshalb viele Gärtnerinnen und Gärtner jedes Jahr neue Samentütchen kaufen (müssen). Das kostet zwar nicht viel, ist aber überflüssig, wenn man stattdessen samenfeste Sorten aussät. Ihre Samen lassen sich am Ende der Saison ernten, fürs neue Gartenjahr aufbewahren und über eine der vielen Samentauschbörsen mit anderen Gärtnern tauschen. Das spart nicht nur Geld und macht unabhängig von der Saatgutindustrie – die Kultivierung alter Sorten, die zumeist sogar noch viel aromatischere und buntere Früchte hervorbringen, leistet auch noch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Wie du ganz einfach dein eigenes Saatgut gewinnen kannst und was bei der Aufbewahrung zu beachten ist, damit die Samen möglichst lange keimfähig bleiben, erfährst du in diesem Beitrag.

Samen von Blumen, Salat, Kräutern und Gemüsepflanzen gewinnen

Egal ob du lieber deinen Balkon bepflanzt oder den Garten, das Sammeln und Einlagern der Samen erfolgt gleich. Besonders einfach funktioniert es bei Salat, Blumen und Kräutern. Lass einfach ein oder zwei Salatköpfe stehen, bis der Salat schießt, also in die Blüte geht. Auch Kräuter fangen früher oder später an, Blüten zu bilden.

  1. Lass die Blüten stehen, bis sie verblüht sind und beginnen auszutrocknen. Erst dann sind die Samen vollständig ausgebildet.
  2. Schneide die Blüten ab und hänge sie nach Bedarf noch einmal zum Trocknen auf, bis sie richtig durchgetrocknet sind.
  3. Entferne Stängel und Blätter und gib die Samen zur Aufbewahrung in ein luftdichtes Gefäß.

Statt jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen, kannst du von vielen Blumen- und Gemüsesorten die Samen ganz einfach ernten, lagern und im Frühjahr wieder aussäen. Mit diesen Tipps gelingt’s!

Tipp: Um die Aussaat im neuen Jahr zu erleichtern, kannst du mit den geernteten Samen Saatscheiben (wie diese) oder Saatbänder herstellen.

Mit selbst gemachten Saatbändern gelingt die gleichmäßige Aussaat im Handumdrehen und du sparst dir die Vereinzelung der Setzlinge. Auch für Kinder geeignet!

Bei Gemüsepflanzen wie Tomaten, Gurke, Zucchini, Paprika und Kürbis ist die Samengewinnung etwas aufwändiger, denn die Samen sitzen im Fruchtfleisch, das zunächst entfernt werden muss.

  1. Früchte an der Pflanze hängen lassen, bis sie voll ausgereift sind – erst dann haben sich auch die Samen vollständig entwickelt.
  2. Nach der Ernte die Samen aus der Frucht lösen und zusammen mit den Resten des Fruchtfleischs in eine Schale mit Wasser geben.
  3. Bei Gurken und Zucchini lassen sich schon nach wenigen Minuten Einweichzeit die Samen leicht absammeln. Tomatensamen kannst du in ein Sieb geben, abbrausen und dabei mit der Hand von der gallertartigen Masse lösen.
  4. Wenn das Fruchtfleisch entfernt ist, die Gemüsesamen mehrere Wochen an der Luft trocknen – zu diesem Zweck einfach auf einem Stück saugfähigem Papier oder einem Tuch ausbreiten.

Hinweis: Bei Zucchinis kann das Risiko der Entwicklung giftiger Bitterstoffe durch Einkreuzungen von Zierkürbissen oder die Bildung pflanzeneigener Schutzstoffe nicht komplett ausgeschlossen werden. Wenn die Früchte bitter schmecken, sollten sie unbedingt entsorgt werden!

Wie du durch Selbstbefruchtung die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Einkreuzung reduzieren und die ausgereiften Samen der Zucchini ernten kannst, wird in diesem Video anschaulich erklärt:

Sonderfall: Samengewinnung bei zweijährigen Pflanzen

Während einjährige Pflanzen bereits im ersten Jahr Samen hervorbringen, bilden zweijährige Pflanzen im ersten Jahr nur Wurzeln (auch in Form von Rüben und Knollen) und Blätter aus. Blüten und Samen entwickeln sich erst im zweiten Jahr und können auch erst dann gesammelt und für die Wiederaussaat verwendet werden.

Zweijährige Freilandblumen wie Bartnelke, Nachtkerze, Marienglockenblume, Goldlack, Stockrose, Stiefmütterchen und Fingerhut lassen sich problemlos im Garten überwintern. Wenn sie dann im zweiten Jahr blühen und Samen ausbilden, kannst du wie oben beschrieben ihre Samen ernten und neu aussäen oder sie sich einfach selbst aussäen lassen.

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Zweijährige Gemüsepflanzen wie zum Beispiel Rote Bete, Karotten, Zwiebeln, Pastinaken, Mangold und viele Kohlsorten gehen erst im zweiten Jahr in die Blüte und bilden dann Samen aus. Da die Samengewinnung deshalb recht unsicher und aufwändig ist, lohnt sie sich meistens nicht. Wenn du es trotzdem versuchen möchtest, kannst du Knollen und Rüben an einem frostsicheren Ort in Sand oder Erde eingegraben überwintern und im neuen Gartenjahr wieder ins Beet setzen.

Selbst gewonnene Samen richtig aufbewahren

Abhängig von der Sorte und der richtigen Aufbewahrung bleiben deine selbst geernteten Samen über mehrere Jahre hinweg keimfähig. Wenn du die folgenden Tipps beachtest, lässt sich das Saatgut lange einlagern, ohne dass es Schaden nimmt:

  • Samen erst ernten, wenn die Früchte vollständig ausgereift sind. Am besten so lange wie möglich an der Pflanze hängen lassen – bis Blüten und Früchte fast von selbst abfallen.
  • Samen vollständig durchtrocknen lassen, bevor du sie zur Lagerung abfüllst – sonst droht Schimmelbildung.
  • Aufbewahrt wird das Saatgut am besten dunkel, kühl und vor Feuchtigkeit geschützt. Dazu eignet sich zum Beispiel ein leeres Schraubglas, ein Bügelglas oder eine dicht schließende Dose. Wenn du viele Samen einer Sorte hast, gib sie direkt ins Glas. Bei mehreren Sorten kannst du gleiche Samen in kleine Papiertütchen füllen und gemeinsam in einem großen Glas oder einer Dose lagern.
  • Durch Hinzugabe eines Silicabeutels (sind beim Kauf von Taschen , Schuhen oder technischen Geräten häufig mit dabei) lassen sich die Samen zusätzlich vor Feuchtigkeit schützen.

Hast du noch mehr Tipps für die Samengewinnung und -aufbewahrung? Verrate sie uns in einem Kommentar!

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