Aufruf zur Samenspende!

Als Kleinbauer zur Artenvielfalt beitragen ist einfacher als gedacht. Durch Samentauschbörsen kannst du alte und seltene Sorten züchten und weitergeben.public domain [CC0--1.0], via pixabay

Nein nein, hier geht es nicht um Vaterschaft – sondern um Saatgut! Mit der Vielfalt beim Saatgut ist heute auch die Biodiversität in Gefahr, die Grundlage des (Über-)Lebens auf unserer Erde. Aber was kann jeder Einzelne tun, um dem entgegen zu wirken? Und woher kommt dieses Saatgut eigentlich?

Laut dem Statistik-Portal statista.com stammten in 2012 rund 84 Prozent des weltweit verkauften Saatguts von nur fünf großen Herstellern. Fast zwei Drittel entfielen auf nur zwei große Anbieter: DuPont und Monsanto. Allesamt sind diese Konzerne sehr aktiv in der Gentechnik.

Das Problem: Durch ihren Einfluss in Wirtschaft, Politik und Medien dominieren sie inzwischen nicht nur den Saatgutmarkt. Sie bestimmen damit auch die Richtung für weite Teile der Lebensmittelindustrie, die Verfügbarkeit, Zusammensetzung und Preise unserer Lebensmittel. Die Einflussnahme auf Regulierung und Gesetzgebung hat weitreichende Folgen:

  • Immer mehr Lebensmittel aus allen Bereichen sind inzwischen Gentechnik-belastet.
  • Eine Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel findet nicht statt, da eine entsprechende Gesetzgebung durch Lobbyarbeit effektiv verhindert wird.
  • Durch Einflussnahme auf die Marktregulierung werden gezielt unüberwindbare Hürden geschaffen, um alternativen Anbietern den Marktzugang fast unmöglich zu machen. Ein Beispiel hierfür ist die Einführung so genannter Sortenkataloge in Frankreich: Nur die in den nationalen Katalogen eingetragenen, zugelassenen Saatgutsorten dürfen vermarktet werden, anderes Saatgut ist illegal und darf nicht in den Handel. Das Zertifizierungsverfahren ist kompliziert und teuer.
  • Nicht nur unzählige Alte Sorten drohen zu verschwinden, die gesamte Biodiversität steht auf dem Spiel.

Als Kleinbauer zur Artenvielfalt beitragen ist einfacher als gedacht. Durch Samentauschbörsen kannst du alte und seltene Sorten züchten und weitergeben.
von Nicholas A. Tonelli [CC-BY-2.0]
Daneben hat die Machtkonzentration auf einige wenige Hersteller auch gravierende Folgen für Landwirtschaft und Umwelt:

  • Durch immer mehr “High-Tech” Sorten auf den Feldern entsteht eine flächendeckende Monokultur. Die Artenvielfalt in Tier- und Pflanzenwelt geht weiter zurück, denn sie steht den kurzfristigen Profit-Interessen entgegen.
  • High-Tech Sorten (insbesondere so genannte “Hybriden”) sind meist weniger fortpflanzungsfähig als ihre natürlichen Vorfahren. Die Folge: Landwirte können kaum mehr ihr eigenes Saatgut aus der Ernte gewinnen. Es ist für sie kostengünstiger, neues Saatgut von den Konzernen zu kaufen. Eine totale Abhängigkeit nimmt ihren Anfang.
  • Die hochgezüchteten und teilweise genveränderten Sorten benötigen spezielle Dünger und spezielle Pflanzenschutzmittel, die ohne diese Sorten gar nicht notwendig gewesen wären. Es wundert nicht, dass fast alle Saatgut-Konzerne gleichzeitig Chemie-Konzerne sind, natürlich haben sie diese Produkte gleich mit im Programm.
  • Die an die Landwirtschaft angeschlossene Viehwirtschaft ist in der Folge genauso betroffen, gentechnisch veränderte und in Monokultur gewonnene Futtermittel sind mittlerweile weit verbreitet.

Wie kann ich mich dem entziehen?

Es ist kaum möglich, sich diesem insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten entstandenen System zu entziehen. Fehlende Produktkennzeichnung macht dem Verbraucher eine Entscheidung für nachhaltige Produkte sehr schwer.

Als Kleinbauer zur Artenvielfalt beitragen ist einfacher als gedacht. Durch Samentauschbörsen kannst du alte und seltene Sorten züchten und weitergeben.
von IBVderBLE [GFDL or CC-BY-SA-3.0], from Wikimedia Commons
Umso wichtiger ist es deshalb, die vorhandenen konventionellen Sorten und vor allem die zahllosen alten Sorten zu retten! Gerade diese früher weit verbreiteten, aus den Supermärkten jedoch so gut wie verschwundenen Arten bunter Tomaten, Möhren, Kohlköpfe, Bohnen und mehr sind besonders gesund und erhaltenswert. Gegenüber den allerorts erhältlichen, hochgezüchteten und unnatürlich großen Standardfrüchten haben die alten Sorten einiges zu bieten:

  • Sie sind reich an einer Vielzahl natürlicher Vitalstoffe, von denen die meisten bei den modernen Zuchtsorten verloren gegangen sind
  • Für sie waren oftmals gar keine Pesitzide notwendig, warum auch – bevor der Mensch mit der Landwirtschaft begann, gab es überhaupt keine Pflanzenschutzmittel und sie waren auch nicht notwendig. Erst mit den modernen Zucht-Sorten begannen die Probleme, die heute mit Pestiziden, Fungiziden usw. bekämpft werden.
  • Der Geschmack dieser natürlichen Früchte ist unvergleichlich und um ein Vielfaches reicher als der von Gewächshaustomaten, sofern man bei denen überhaupt von Geschmack sprechen kann.

Jeder Balkongärtner, Kleingärtner und jeder Bauer kann mitmachen, indem er oder sie selbst alte Sorten anbaut. Die Gewinnung und Weitergabe eigener Samen spielen dabei eine wichtige Rolle, um das Aussterben dieser Sorten zu verhindern.

Zahlreiche Projekte widmen sich derzeit dem Erhalt der vielfältigen Saatgutsorten. Damit sie wirklich erhalten bleiben, dürfen Samen jedoch nicht nur in Kühlhäusern schlummern. Sie müssen ihre Vielfalt durch Saat, Aufzucht und Ernte erhalten und verbreiten. Warum nicht mal mit einem Projekt in deiner Nähe in Kontakt treten?

Selbst beitragen – Samen spenden und anbauen!

Wenn du für die nächste Pflanzsaison Samen kaufst, sieh etwas genauer hin und hinterfrage, woher es kommt. Eine interessante Quelle für nachhaltiges Bio-Saatgut ist das Internet. Immer mehr Webseiten beschäftigen sich mit dem Thema. Saatgut-Tauschbörsen zur kostenlosen Weitergabe wachsen und gedeihen. Geh doch einfach mal auf die Suche!

Eine gute Übersicht zum Thema sowie viele nützliche Informationen zu Bezugsquellen von nachhaltigem Saatgut gibt die Seite saatgutkampagne.org.

Wenn du über keinen eigenen Garten verfügst, dann sieh dir unsere Tipps zum Gemüseanbau in der Wohnung und auf dem Balkon an!

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Hast du weitere Anregungen, oder Empfehlungen für nachhaltige Aussaat? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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13 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Im März gab es immer bei manufactum.de alte Kartoffelsorten mit einer „Anleitung“ („wir sagen Ihnen jetzt nicht, dass man sie zwischen den Augen teilen kann und dann mehrere Pflanzen aus einer Kartoffel ziehen kann, weil wir das nicht dürfen“) zum Setzen derselben. ich weiß nicht, ob das noch so ist. Aber es lohnt sich sicher, im kommenden Frühjahr danach zu suchen.

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  2. saatgut_tauschen_de

    Es gibt noch viele weitere Tauschbörsen!
    Z.B. http://www.saatgut-tauschen.de ! Diese wird zudem ehrenamtlich betrieben!

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    • Maximilian Knap

      Haben wir gleich eingetragen. Alles Gute und liebe Grüße!

  3. Sternchen0903

    Wie gewinnt man denn die Samen? Wie werden sie behandelt, aufbewahrt?

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    • Maximilian Knap

      Die Gewinnung ist je nach Sorte sehr unterschiedlich, aber wenn du eine bestimmte Sorte hast, wirst du im Netz auf jeden Fall fündig. Aufbewahren wie üblich kühl und trocken, und vor allem sortenrein und gut beschriftet, nur so werden nicht nur Samen, sondern auch die Infos zur Sorte nutzbar weiter gegeben.

  4. Mark Leder

    Vielen Dank für's Teilen Erika!

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  5. Erika van Gorkom

    von Demeter – mit Anschriften aus D und A:
    http://www.gartenrundbrief.de/biogarten_saatgut.php?show=21

    Ausserdem gibt es auf FB eine Bio-Saatgut Tauschbörse

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  6. Jürgen Rösemeier

    Wichtige Tipps und Infos, Maximilian! Wer übrigens solche schönen alten Sorten kauft wie etwa bei Dreschflegel, zahlt nichteinmal mehr, als bei dem Saatgut aus dem Baumarkt…

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  7. Tolles Video das Problematik zur hybride Vermehrung erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=_MgetCOivqs

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  8. Hier noch weitere Artikel zu dem Thema wie zum Beispiel die Lila Karotte oder die Ochsenherztomate, die man mittlerweile auch wieder in Supermärkten findet. Bunte Karotten gibt es immer auf Märkten und in Bioläden: http://www.tegut.com/produkte/artikel/der-hit-unter-den-bio-moehren-purple-haze.html + http://de.wikipedia.org/wiki/Ochsenherztomate

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  9. Toller Beitrag. Vor einiger Zeit gab es eine WDR Sendung Kinder man der alten Sorten auf der Spur war. Sehenswert! Ich hoffe ich finde den Link in der Mediathek noch bzw. er ist noch aktiv.

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  10. Hier ein Beitrag mit vielen Adressen per Link die alte Samen vertreiben: http://www.der-apfelgarten.de/wo-bekommt-man-gentechnikfreies-saatgut-ohne-monsanto/

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