Wildkräuter erfolgreich sammeln – auf diese Dinge solltest du achten
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Viele Wildkräuter sind lecker und gesund. Bevor du dich auf in die Natur zum sammeln machst, solltest du aber ein paar Grundregeln wissen und beachten!

Auf smarticular.net sind mittlerweile einige Berichte zu gesunden und schmackhaften Wildkräutern zu finden. Viele Menschen haben jedoch wenig Erfahrungen beim Sammeln von Wildkräutern und es gibt viele Ängste diesbezüglich.

Deshalb habe ich in diesem Beitrag Informationen dazu zusammengestellt, auf was du achten solltest, um Wildkräuter und andere Wildpflanzen am besten genießen zu können. Hier findest du viele wertvolle Tipps zum Thema Giftigkeit, Fuchsbandwurm und was du beim Sammeln beachten solltest.

Das Wichtigste zuerst

Die oberste Regel beim Ernten und Verarbeiten von Wildpflanzen lautet: Ernte nur die Pflanzen, die du wirklich kennst! Zum sicheren Bestimmen der Pflanzen benötigst du ein Bestimmungsbuch oder besser noch einen Menschen, der sich auskennt. Eine geführte Wildkräuterwanderung ist dafür bestens geeignet.

Bei der Bestimmung helfen zum Beispiel auch Wildpflanzen-Webseiten, Bücher und Telefon-Apps:

Essbare Wildpflanzen: 200 Arten bestimmen und verwenden
für Tolino:
als App:

Einen Erntekalender für Wildpflanzen findest du hier.

Du möchtest dich vielseitig ernähren? Dafür musst du nicht in den Supermarkt! Erfahre hier, wie du in der Natur viele gesunde und leckere Pflanzen findest.
von Sonny Abesamis (CC-BY-2.0)

Kräuter bestimmen – so gibt es mehr Sicherheit

Wenn ich mir bei der Bestimmung einer Pflanze unsicher bin, lese ich in all meinen Kräuterbüchern über das vermutete Kraut. Jede Beschreibung und jedes Bild ist etwas anders und gibt somit mehr Klarheit.

Weiterhin ist es auch sinnvoll, Bilder und Beschreibungen im Internet anzuschauen. Danach kann man normalerweise mit Sicherheit sagen, ob es sich um das vermutete Kraut handelt oder nicht. Wenn du dir immer noch unsicher bist, dann beobachte, wie sich die Pflanze im Laufe der Jahreszeiten entwickelt.

Wenn du eine Pflanze erst daheim bestimmen möchtest, empfiehlt es sich, einen Briefumschlag mit Sichtfenster dabei zu haben. Darin kannst du ein Blatt und gegebenenfalls eine Blüte verstauen. Dann kannst du zu Hause in Ruhe Informationen nachschlagen und Notizen auf dem Umschlag machen. Sie helfen dir das nächste mal, wenn dir diese Pflanze in der Natur begegnet.

Wichtig ist auch zu beachten, ob es Verwechslungsmöglichkeiten mit stark giftigen Kräutern gibt.

Bei einem blühenden Kraut, das gänzlich unbekannt ist, hilft zu einer ersten Bestimmung der Kosmosführer “Was blüht denn da?”. Die Kräuter sind darin nicht unbedingt sehr ausführlich beschrieben, aber für eine erste Idee kann es sehr hilfreich sein, unterwegs in diesem kompakten Taschenbuch nachzuschlagen.

Was blüht denn da? (Kosmos-Naturführer)
für Tolino:

Beginne einfach mit den Kräutern, die du sicher benennen kannst. Häufig sind das der Löwenzahn, die Brennnessel, der Giersch oder das Gänseblümchen. Mit diesen Pflanzen kannst du deinen Speiseplan bereits vielfältig bereichern. Auch mit bekannten Bäumen wie dem Ahorn, der Linde oder der Birke lassen sich einige Gerichte zaubern oder verfeinern.

Füge dann nach und nach neue Kräuter zu deiner Sammelliste hinzu. Das Kennenlernen braucht Zeit. Es müssen nicht immer zig verschiedene Pflanzen sein, auch einzelne Wildkräuter wirken sich schon sehr positiv auf die Ernährung aus und bieten viele Verwendungsmöglichkeiten.

Verwechslungsmöglichkeiten – giftige Kräuter

Die meisten Kräuter unserer Wiesen und Wälder sind essbar oder nur leicht giftig. Es gibt aber auch Ausnahmen und hier gilt es, besonders vorsichtig zu sein.

Das folgende Bestimmungsbuch legt ein besonderes Augenmerk auf essbare Wildpflanzen und typische Verwechslungsmöglichkeiten mit giftigen Pflanzen:

Essbare Wildplfanzen und ihre giftigen Doppelgänger

Im Folgenden stelle ich einige stark giftige Kräuter vor, mit denen Verwechslungen vorkommen können:

  • Besonders schwierig ist die Bestimmung einiger Doldenblütler, wie wilde Möhre, Wiesenkerbel, kleine Bibernelle, Wald- Engelwurz und andere. Es gibt stark giftige Pflanzen, die den essbaren Doldenblütlern teilweise sehr ähnlich sehen, das sind der gefleckte Schierling, Giftge Wasserschierling und die Hundspetersilie. Auch der Giersch ist ein Doldenblütler, aber die Battform ist anders und man erkennt ihn gut am typischen Gierschgeruch.
  • Der Bärlauch kann mit den Blättern der giftigen Herbstzeitlose, die im Frühjahr auf den Wiesen stehen, mit Maiglöckchen und mit dem gefleckten Aronstab verwechselt werden. Diese Pflanzen riechen aber nicht nach Lauch oder Bärlauch und haben auch noch weitere, eindeutige Unterscheidungsmerkmale, die z.B. in dem oben genannten Buch “Essbare Wildpflanzen” beschrieben werden.
  • Eine weitere, sehr giftge Pflanze ist der Gelbe Eisenhut, er kann leicht mit den Blättern des Wiesenstorchenschnabels verwechselt werden.
  • Der Beinwell kann mit dem roten Fingerhut verwechselt werden, dennoch gibt es auch hier eindeutige Unterscheidungsmerkmale, mit denen man sich leicht vertraut machen kann.
  • Ackerschachtelhalm sieht nicht selten dem giftigen Sumpf-Schachtelhalm zum Verwechseln ähnlich.
  • Bei jungen Fichten besteht Verwechslungsgefahr mit der stark giftigen Europäischen Eibe.

Auf Wikipedia gibt es eine Liste mit Giftpflanzen und deren Beschreibung sowie Einstufung der Giftigkeit.

Wer stets aufmerksam ist und die einfachen Grundregeln beachtet, hat aber im Grunde wenig zu befürchten. Ich selbst ernte seit vielen Jahren Wildkräuter und auch meine Kinder lieben es. Unter den vielen Bekannten, die Wildkräuter ernten und essen, habe ich noch nie von einer Vergiftung gehört.

Wenn du allerdings den Verdacht einer Vergiftung hast, kontaktiere den Giftnotruf unter 030-19240 oder 0228-19240! Beide Zentralen sind rund um die Uhr erreichbar und man erhält dort kostenfrei Informationen.

Die Angst vor dem Fuchsbandwurm

Die Angst vor dem Fuchsbandwurm ist weit verbreitet. Dieser Krankheitserreger ist auch nicht zu verharmlosen, denn er kann viel Schaden anrichten.

Deshalb ist es wichtig, mögliche Risikoquellen zu kennen und auch richtig einzuordnen. Die Frage lautet: Wie groß ist die Gefahr? Ich sammle und verzehre seit vielen Jahren Wildkräuter und habe auch einige Bekannte, die dies schon länger tun. Wir haben noch nie von einem Fall des Fuchsbandwurms in unserem erweiterten Kreis gehört. Es ist festzustellen, dass in ganz Deutschland mit nur ungefähr 20-30 Infektionen pro Jahr beim Menschen gerechnet wird.

Dem größten Risiko sind Menschen in der Landwirtschaft ausgesetzt sowie Halter von Hunden und Katzen, die freien Auslauf haben und die nicht regelmäßig entwurmt werden.

Wenn du in einer Region sammelst, in der der Fuchsbandwurm verbreitet ist , empfiehlt die medizinische Fakultät der Universität Würzburg folgende Maßnahmen, um den Erreger sicher unschädlich zu machen:

  • Einfrieren bei -80 °C für wenige Tage (im normalen Haushalt nicht möglich)
  • Erhitzen über 60 °C für wenige Minuten
  • Erwärmen auf 45 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 85 % für ein paar Stunden
  • Trocknen bei 25 °C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 25 % für wenige Tage.

Tipps zum Sammeln von Kräutern

Zum Schutz der Natur sowie für eine lang anhaltende Freude an Wildkräutern solltest du einige Dinge beherzigen. Die folgende Auflistung gibt Tipps und Ratschläge, mit denen das Sammeln und Verarbeiten zum Vergnügen wird.

  • Nur die Pflanzen bzw. Pflanzenteile ernten, die auch wirklich genutzt werden.
  • Ein guter Sammler ist unsichtbar! Nur etwa ein Drittel des Vorkommens in einem Bereich sammeln, so kannst du sicher sein, das immer wieder genug Kräuter für die nächste Ernte nachwachsen können. Dies ist insbesondere bei Blüten wichtig, wie zum Beispiel den Holunderblüten. Schließlich möchten du und andere Naturliebhaber früher oder später auch noch Beeren sammeln.
  • Nicht in der Nähe stark befahrener Straßen ernten.
  • Keine Kräuter am Rand von konventionell bewirtschafteten Feldern sammeln, diese könnten mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt sein.
  • In Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Pflanzen verboten, außerdem stehen manche Kräuter unter Naturschutz und dürfen prinzipiell nicht gesammelt werden.
  • Kräuter können nicht nur in der freien Natur gesammelt werden, dafür eignen sich auch sehr gut Gärten und Spielplätze, in denen kaum Hunde verkehren.
  • Für den Verzehr immer nur gesunde und saubere Pflanzen pflücken.
  • Normalerweise nur die oberen Triebspitzen und die jungen Blätter sammeln, da diese noch zart sind und auch weniger Bitterstoffe enthalten.
  • Am besten am Vormittag oder um die Mittagszeit ernten. Wenn die Kräuter konserviert werden sollen, ist es hilfreich, sie an einem trockenen, sonnigen Tag nach dem Abtrocknen des Taus zu sammeln.
  • Wurzeln am frühen Morgen oder am Abend ernten und auch nur vor oder nach der Vegetationsperiode der jeweiligen Pflanze.
  • Die Kräuter am besten in einem offenen Korb oder Sieb sammeln. Es können aber auch saubere, recycelte Tüten von Lebensmitteln genutzt werden. Bei Plastiktüten ist zu beachten, dass Kräuter bei warmer Witterung darin schnell schwitzen können, was die Frische beeinträchtigen kann. Ich habe immer eine Papiertüte in der Tasche, damit ich auch ungeplant zugreifen kann, wenn ich an einen schönen Sammelplatz komme oder ein bestimmtes Kraut entdecke.
  • Die Kräuter direkt frisch weiterverarbeiten, in einer Dose oder einem Schraubglas im Kühlschrank maximal einen Tag lang aufheben oder gezielt für späteren Bedarf trocknen, einlegen oder einfrieren.
  • Wilde Beeren am besten direkt an Ort und Stelle verzehren oder sofort weiterverarbeiten, da sie leicht matschig werden.
  • Ich wasche die Kräuter vor dem Verzehr normalerweise nicht, da auf den Wildkräutern Mikroorganismen leben, die wichtig für den Menschen sind. Auf diese Weise können sich Veganer auch mit dem lebenswichtigen Vitamin B12 versorgen, ohne es künstlich zuzuführen. Dies ist aber eine persönliche Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Siehe hierzu auch meine Anmerkungen zum Fuchsbandwurm weiter oben.

Zum Schluss möchte ich dir noch einen meiner Lieblingsautoren empfehlen – Wolf-Dieter Storl:

Heilkräuter und Zauberpflanzen: zwischen Haustür und Gartentor
für Tolino:

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Sammeln dieser wunderbaren Wildkräuter. Wenn du noch andere Tipps und Anregungen zum richtigen Sammeln von Wildpflanzen hast, würde ich mich über einen Kommentar von dir freuen.

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  • Cl Lu

    Danke für deinen Beitrag. Insbesondere den Passus zur Verwechslung mit giftigen Pflanzen. Witzig, dass du grad den Ackerschachtelhalm erwähnst, denn der kommt in einem entstehenden Beitrag mit Warnhinweis auf den Sumpfschachtelhalm vor :-)

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