Das Ideenportal für ein einfaches und nachhaltiges Leben

5 Tipps zur ganzheitlichen Verwertung von Rhabarber
4.8 5 280
270
10

Rharbarber ist lecker! Was machst du aber mit den Blättern und den Wurzeln? Die sind viel zu schade für den Müll! Ich verrate dir, was du damit anstellst!

In Supermärkten sowie in vielen Gärten hat der Rhabarber im Mai und Juni Hochsaison. Der Rhabarber zählt aufgrund seiner Inhaltsstoffe wie Glycoside, Gerbstoffe, Gallotanninne, Pektine, Lindleyin und Flavonoide zu den Heilpflanzen. Als Nahrungsmittel werden nur die Stängel zu leckeren, süßsauren Speisen verarbeitet. Doch war da nicht noch was? Stimmt, die Pflanze hat auch riesige Blätter, für die es sogar sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten gibt.

Die Rhabarber-Blätter geraten in Vergessenheit, denn sie werden leider wegen ihrer Ungenießbarkeit achtlos weggeworfen oder gar nicht erst in Supermärkten verkauft. Auf Wochenmärkten und in Bioläden wirst du eher fündig. Ansonsten bitte nachfragen, der ein oder andere Stand hat doch welche, oder sie sind beim nächsten Markttag kostenlos dabei.

In diesem Beitrag verrate ich dir, wie du den Rhabarber ganzheitlich mit Blättern und Wurzeln verwertest.

1. Rhabarber-Stängel für Speisen und Getränke

Durch seine angenehm fruchtige Säure ist der Rhabarber ein gern gesehener Begleiter und in einigen Rezepten gerade deswegen nicht mehr wegzudenken.

Wenn du dich an heißen Sommertagen nach Abkühlung sehnst, bietet dir eine kalte Schorle mit Rhabarbersaft oder -sirup  eine echte Erfrischung. An sehr warmen und schwülen Nachmittagen sorgt ein süßsaurer, lockerer Rhabarber-Kuchen für viel mehr Erfrischung als ein trockener, süßer Marmorkuchen oder schwerer Käsekuchen.

Aber auch Rhabarber-Kompott mit Naturjoghurt kann am Morgen erfrischend sein. Ebenso eine Rhabarber-Blutorangen-Konfitüre, bei der der Saft und die geriebene Orangenschale mit dem Gelierzucker und den klein geschnittenen Rhabarberstängeln 30 Minuten zieht, bevor er für vier Minuten aufgekocht und abgefüllt wird.

Rharbarber ist lecker! Was machst du aber mit den Blättern und den Wurzeln? Die sind viel zu schade für den Müll! Ich verrate dir, was du damit anstellst!

Manch einer findet auch Gefallen an Rhabarberlikör. Dazu werden 6 dicke Stangen Rhabarber in kleine zwei cm dicke Scheiben geschnitten und mit einem Kilo Kandiszucker, zwei aufgeschnittenen Vanillestangen und zwei Packungen Vanillezucker in große Einmachgläser mit 1-2 Liter Fassungsvermögen gegeben. Die Mischung mit Doppelkorn übergießen und verschlossen für 2-6 Wochen ziehen lassen. Dann durch ein Tuch absieben und in dunkle Flaschen abfüllen.

Und zuletzt noch das Rezept für eine spritzige kalte Rhabarber-Erdbeer-Bowle: 200 g Erdbeeren werden geviertelt und in ein großes Gefäß gegeben. Dazu kommen 200 ml Rhabarbersirup, zirka 300 ml Sekt und ein Zweig Minze. Das Ganze für mindestens eine Stunde kühl stellen und zum Servieren mit weiteren 300 ml kaltem Sekt aufgießen. Selbstverständlich sind alkoholfreier Sekt oder Mineralwasser auch eine leckere Alternative.

2. Rhabarberblätter als Pflanzendünger

Die Blätter sind zwar ungenießbar, dafür aber umso wertvoller in Rezepten für Dünger und Spritzmittel!

Bei sichtbaren Vergilben oder Schlappwerden von Blättern und Stängel kann Kaliummangel die Ursache sein. Dieser führt oft dazu, dass Pflanzen von Krankheiten heimgesucht werden. Im Frühjahr oder Herbst ist eine Kaliumdüngung sinnvoll, um Pflanzen widerstandsfähiger zu machen oder beim Blattaustrieb zu unterstützen.

Genau hierfür sind Rhabarberblätter sehr gut geeignet, denn sie enthalten sehr viel Kalium. Dazu setzt du einfach eine Brühe oder einen Suds an und verwendest ihn als Flüssigdünger. Wie diese herzustellen sind, erfährst du in den nächsten beiden Tipps.

3. Brühe aus Rhabarberblättern gegen Blattläuse

Rhabarberblätter eignen sich aufgrund der enthaltenen Oxalsäure bestens als natürliches Spritzmittel gegen schwarze Blattläuse. Besonders grünschalige Rhabarbersorten sind wegen des höheren Säurewerts sehr geeignet.

Für die Brühe als Anti-Läusemittel benötigst du:

  • 1 kg frische Rhabarberblätter
  • 1 Liter Wasser
  • Topf mit Deckel
  • Sieb
  • Geschirrtuch oder Mullwindel
  • Spritzflasche

Und so stellst du die Brühe her:

  1. Rupfe die Blätter in Stücke oder schneide sie grob in Streifen.
  2. Gib sie in einen Behälter mit Wasser, rühre gut um und lasse sie zugedeckt 24 Stunden ziehen.
  3. Anschließend muss der Inhalt für 30 Minuten bei geringer Temperatur köcheln, bevor du ihn durch Sieb und Tuch abgießt. Die durchgeweichten Pflanzenreste gut ausdrücken.
  4. Du kannst die Brühe unverdünnt in eine Spritzflasche füllen und einmal täglich direkt auf die Läuse verteilen.
  5. Wiederhole die Spritzung an den nächsten zwei Tagen.

Dein Blattlausproblem wird sich schnell verziehen.

Wenn du gerade keine Rhaberbarblätter zur Hand hast, aber trotzdem von Läuse heimgesucht wirst, findest du hier noch einige weitere natürliche Mittel gegen Blattläuse, Schildläuse, Schmierläuse, Wollläuse und Blutläuse.

4. Auszug aus Rhabarberblättern gegen Kraut- und Braunfäule

Eine der unangenehmsten Pilzerkrankungen bei Pflanzen ist die Kraut- und Braunfäule. Sie befällt erst die Blätter und nach deren Abfallen auch Stängel und Früchte. Die Pflanze wird im weiteren Verlauf so weit geschädigt, dass sie eingeht.

Rharbarber ist lecker! Was machst du aber mit den Blättern und den Wurzeln? Die sind viel zu schade für den Müll! Ich verrate dir, was du damit anstellst!

Zum Glück gibt es dagegen natürliche Methoden. Mit einem Spritzmittel aus Rhabarberblättern kannst du den Ausbruch oder den Verlust der Pflanze verhindern. Für das Spritzmittel gegen Fäule benötigst du:

  • 1 kg frische Rhabarberblätter (oder 50 g getrocknete Blätter)
  • 1 Liter Wasser
  • Gefäß mit Deckel
  • Sieb
  • Geschirrtuch oder Mullwindel
  • Sprühflasche

Und so stellst du den Auszug her:

  1. Schneide die Blätter in Streifen und übergieße sie mit kochendem Wasser.
  2. Rühre kräftig um, damit alle Blätter vom heißen Wasser etwas abbekommen.
  3. Lasse diesen Ansatz 24 Stunden ziehen und gieße ihn über Sieb und Tuch ab.
  4. Abgefüllt in einer Spritzflasche ist das Mittel unverdünnt bei starkem Befall einsatzfähig.

Vorbeugend kannst du den Auszug auch im Verhältnis 1:5 verdünnen und einmal wöchentlich spritzen.

Wichtig: Entferne und vernichte sofort alle Blätter und Früchte, die Symptome von der Kraut- und Braunfäulnis zeigen, da der Pilz auch im Boden überwintern kann und im nächsten Jahr wieder auftritt. Sie gehören weder auf den Kompost, noch in die Biotonne oder den Bokashi-Eimer, sondern in die Restmülltonne. Besser ist allerdings, wenn du sie sofort verbrennst.

Hier findest du weitere biologische Mittel gegen Mehltau, Braunfäule, Rost und Sternrußtau.

5. Rhabarberwurzeln als Heilmittel

Vermehrt wird der Rhabarber durch Wurzelteilung. Deswegen wird der Kleingärtner selten auf die Idee kommen, die Wurzel auch anderwertig zu nutzen. Dennoch gibt es ein paar Interessante Anwendungsfälle für die Wurzel und vielleicht zweigst du das nächste mal ein paar Wurzeln für eine Tinktur oder einen Tee ab.

Rhabarberwurzel-Tinktur

Aus den frischen Wurzeln kannst du eine haltbare Tinktur herstellen, die bei Zahnfleischentzündungen und entzündeter Mundschleimhaut hilft. Wie du eine Tinktur selbermachen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

Rhabarberwurzel-Tee

Gegen Verstopfung hilft ein Tee aus Rhabarberwurzel-Pulver, das du aus grob geriebenen Wurzeln herstellst und trocknest. Der Tee wird wie folgt zubereitet. Übergieße einen Teelöffel des Wurzelpulvers mit 1/4 Liter heißem Wasser. Lasse den Aufguss 10 Minuten ziehen und siebe die Pflanzenreste anschließend über ein Teesieb ab. Trinke diesen Tee einmal am Tag, bevorzugt abends.

Eine Liste von gesundheitlichen Beschwerden und der passenden Teesorte findest du hier.

Hinweise und Tipps

Lagere deine Spritzmittel im Kühlschrank, da sie sonst leicht zu gären beginnen. Setze aus diesem Grund nicht unnötig viel davon an.

Wichtig: Ein Verzehr von Rhabarber ist für Schwangere, stillende Frauen, für Rheuma-, Gichtkranke sowie für Gallen- oder Nierenstein-Betroffene nicht angeraten.

Viel Erfolg mit deinen Rhabarberplänen!

Vielleicht interessieren dich auch folgende Themen:

Hast du vielleicht schon einmal Rhabarber vermehrt oder die Blätter anderweitig verwendet? Über deine Erfahrungen und Kommentare freuen wir uns und auch andere Leser.

  • Ich habe vor kurzem auch über Rhabarber einen Beitrag verfasst. Man kann vor allem auch aus den Rhabarberschalen einen wunderbaren Sirup machen, sodass kein Abfall mehr anfällt.

    https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2015/05/28/selbst-gemacht-statt-selbst-gekauft-rhabarbersirup/

    lg
    Maria

    • Maximilian Knap

      Auch eine tolle Idee, vielen Dank für den Tipp!

    • Cl Lu

      Maria klär mich mal auf was Rhabarberschalen sind?

    • Cl Lu

      Ich schäle den Rhabarber nie. Ist das nicht ein wenig zeitaufwendig, wie beim Spargel schälen? Für Sirup sicher eine gute Idee. Werde ich mir merken :-) Danke Maria

      • Also für Kuchen etc. schäle ich den Rhabarber schon, er wird dann deutlich feiner, weil die Schalen doch gröber sind. Auch der Stielansatz ist hart und muss weggeworfen werden. Normalerweise halt, ich verwende das für Rhabarbersirup. Das Schälen ist gar nicht aufwändig, man zieht die Schalen einfach nur ab, ganz easy! lg, Maria

        • Cl Lu

          Danke Maria, wieder was gelernt. Ich hab die Schale immer drangelassen da ich diesen matschweichen Rhabarber nicht so mag. Bin mehr für bissfeste Varianten :-) Bezogen auf den Sirup finde ich diese Lösung aber genial.

  • Rubino

    Wunderbare Idee mit den Blättern, kann vielleicht auch die gefürchtete Tomatenbraunfäule verhindern. Ich hab gerade ein Rhabarberchutney fabriziert, süßsauerscharf zu Käse und Gegrilltem.

    • Cl Lu

      Wie das Wort schon sagt: Braunfäule… das gilt natürlich auch für Tomaten.

    • Astrid

      Rubino, wie war Dein Rhabarberchutney? Und wenn es lecker war, kannst Du hier das Rezept veröffentlichen? Lieben Dank im Voraus.

  • Jana

    Rhabarber als “Geschenkverpackung” :-)

    • Maximilian Knap

      Sehr originell – und aus den Stängeln kann man gleich Rhabarberkuchen backen :-) Danke für den schönen Tipp!

  • Sonnenwirbele

    Ich muss unbedingt über zwei weitere geniale Einsatzmöglichkeiten von Rhabarberblättern erzählen, die empirisch (!) gesichert sind:
    Vor ein paar Jahren habe ich in großer Sommerhitze (die Regentonnen waren schon leer!) meine Rosen mit diesen Blättern gemulcht, z.T. doppelt, allerdings Löcher hineingepiekst, falls es doch regnet, damit das Wasser einsickern konnte. Was passierte: durch den großen Tag-Nacht-Temperaturunterschied bildete sich über Nacht Kondenswasser auf den Blattunterseiten, und das hat meine Rosen erstmal vor dem Verdursten gerettet. Außerdem wurde die Verdunstung von Feuchtigkeit aus dem Boden gestoppt. Und hinterher habe ich bemerkt, dass die Rosen deutlich gesünder waren und keinen Befall aufwiesen: die Inhaltsstoffe des Rhabarbers haben also gleichzeitig gedüngt und außerdem hat die Oxalsäure bestimmte rosenfeindliche Bodeninsekten und Pilze ausgebremst.

    Und dieses Jahr wucherten durch den vielen Regen am Fuße von Himbeerhecken Giersch, Hahnenfuß und Gräser ohne Ende. Da nebendran meine Rhabarberstauden stehen, habe ich die Füße der Himbeeren flächig mit Rh.blättern abgedeckt. Zu meinem großen Erstaunen entdeckte ich Anfang Juli (=letzte Woche, die Rhabarbersaison lief Ende Juni aus) dass ÜBERHAUPT KEIN UNKRAUT dort mehr wuchs, wo die Rhabarberblätter lagen und jetzt vertrocknet noch liegen. Wahrscheinlich hat sich der pH-Wert im Boden dermaßen ungünstig für Giersch und Gräser entwickelt, dass die kapituliert haben. Den Beeren hingegen geht es prachtvoll!

    Dieses Prinzip will ich jetzt mit den restlichen Rhabarberblättern auf anderen Beeten anwenden, denn es erspart mir viel Arbeit und macht einfach Spaß. Ich werde also dem Unkraut zuleibe rücken (in den auf Vollmond folgenden 14 Tagen mit abnehmendem Mond wächst es nur sehr kraftlos nach) und gleich mit Rhabarberblättern bedecken. Immer nach dem Motto: Jugend forscht!
    Mal sehen, vielleicht bekomme ich für meine Entdeckung noch einen Preis oder ein Lob!?
    Jetzt suche ich noch eine Methode, zwischen Steinen in meiner Sitzecke die unerwünschten Kräuter wegzubekommen. Rhabarbersud?

    • Maximilian Knap

      Gut dass wir noch so viele Stängel und Blätter im Garten haben, dann können wir deine wunderbaren Tipps nämlich gleich selbst ausprobieren!! Auf jeden Fall schon mal vielen Dank für die Ideen und deine Experimentierfreude, in guter smarticular-Tradition ;-) Bin gespannt, ob es bei uns genauso gut funktioniert. Danke und liebe Grüße!

      • Sonnenwirbele

        Bestimmt funktioniert es – Homöopathie und Naturgesetze sind doch objektiv wirksam (in der Pflanzen- und Tierwelt, wo niemand das WARUM hinterfragt, auf jeden Fall).
        Da du noch Rhabarber hast, hier noch ein Trick: du kannst auch Rhabarberabschnitte als ‘Dübel’ rund um die Rosen senkrecht in die Erde stecken und zum Düngen Blätter von Beinwell, Brennnessel (die Samen sammelt man besser vorher ;)) und Zinnkraut auf dem Boden verteilen. Die Wirkstoffe sickern mit dem nächsten Regen langsam in den Boden – das ist auf jeden Fall geruchsfreier, als wenn man diese Blätter jeweils als Tinktur in Gießkannen in die Sonne stellt.
        So kann man prima im Garten Win-Win-Situationen herstellen – wie in der Permakultur!

        • Gerhard

          Homöopathie ist objektiv unwirksam und niemals wissenschaftlich irgendwo ist deren Wirksamkeit belegt. Homöopathie ist schlimmste Scharlatanerie und stupide Esoterik.

  • Andrea Thoemmes

    Hallo in die Runde,
    den Rhabarberblattsud als Spritzmittel gegen Braunfäule habe ich letztes Jahr schon erfolgreich bei meinen Tomaten eingesetzt. Nun habe ich schon Sud vorbereitet und im Kühlschrank stehen. Alllerdings interessiert mich auch die Sache mit den getrockneten Blättern. Sind das dann tasächlich nur 50g auf einen Liter Wasser? Und hat das schon jemand getestet?
    Lieben Gruß, Andrea

Die besten Tipps kostenlos per E-Mail Mach es wie 25.000 andere Leser und erhalte die besten Tipps und Tricks per Mail!
Wir senden niemals Spam und geben deine Daten niemals weiter. Du kannst dich jederzeit abmelden.