Tannenlikör selber machen – auch aus Weihnachtsbaumnadeln
Jedes Jahr landen Millionen ausgedienter Weihnachtsbäume auf der Straße. Wenn du dich für einen nachhaltigen, unbehandelten Baum entschieden hast, gibt es eine viel bessere Möglichkeit der Resteverwertung, denn du kannst deinen Christbaum essen und trinken, statt ihn zu entsorgen! Eine besonders leckere Variante ist es, die aromatischen Nadeln zu einem harzig-würzigen Tannenlikör zu verarbeiten. Er fängt den Duft des Waldes ein und ergibt ein originelles Geschenk aus der Küche.
Bevor du zur Gartenschere greifst, gibt es allerdings eine zwingende Grundvoraussetzung: Verwende ausschließlich Nadeln ungespritzter Bio-Bäume oder aus dem eigenen Garten, deren Herkunft du sicher bestimmen kannst. Konventionelle Weihnachtsbäume sind in der Regel stark mit Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln belastet, die sich im Alkohol lösen würden.
Rezept für Tannenlikör
Schwierigkeit: Einfach25
Portionen15
Minuten60
kcalTannen (wie die beliebte Nordmanntanne) eignen sich hervorragend für das Rezept, aber auch Fichten und Kiefern sind essbar und schmackhaft. Achte darauf, grüne und noch saftige Nadeln zu verwenden. Bereits braune, rieselnde Nadeln haben ihre ätherischen Öle verloren und verleihen dem Tannenlikör einen muffigen Geschmack.
Am besten schmeckt der Likör deshalb mit den hellgrünen Triebspitzen, die im Frühjahr wachsen. Aber auch aus den Nadeln eines naturbelassenen Weihnachtsbaums lässt sich noch ein Likör mit köstlichen Waldaromen zubereiten.
Wichtig: Gehe ganz sicher, dass du keine Nadeln der giftigen Eibe verwendest.
Zutaten
2 Handvoll frische, saubere Tannennadeln
500 ml neutraler Alkohol (z. B. Wodka, Korn oder Doppelkorn mit 38–40 % Vol.)
100–150 g Kandiszucker oder Rohrohrzucker für eine leichte Karamellnote
Optional für winterliche Aromen 1 Zimtstange, 2 Sternanis, etwas ungespritzte Orangen- oder Zitronenschale
Zubereitung
- Nadeln von den Ästen zupfen, in einem Sieb gründlich waschen und trocken tupfen. Mit einem scharfen Messer grob zerkleinern oder in einem Mörser leicht anquetschen. Das bricht die Zellstruktur auf, sodass die ätherischen Öle besser in den Likör übergehen können.
- Die zerkleinerten Tannennadeln zusammen mit dem Zucker und den optionalen Gewürzen in ein großes, zuvor sterilisiertes Einmachglas geben.
- Das Glas mit dem Alkohol auffüllen. Dabei ist es wichtig, dass alle pflanzlichen Bestandteile vollständig mit Flüssigkeit bedeckt sind, damit nichts schimmelt. Das Glas anschließend luftdicht verschließen.
- Den Ansatz an einen dunklen, kühlen Ort stellen. Ein Keller oder eine fensterlose Vorratskammer sind ideal. Den Tannenlikör dort für 4 bis 6 Wochen ruhen lassen. Das Glas alle paar Tage sanft schütteln, damit sich der Zucker besser auflöst und sich die Aromen verteilen.
- Den fertigen Tannenlikör nach der Ziehzeit durch ein feines Sieb, ein Passiertuch oder einen Kaffeefilter gießen und in ausgekochte Flaschen abfüllen.
Der Tannenlikör ist direkt nach dem Abfiltern trinkbar. Wenn du dich in Geduld übst und ihn noch ein bis zwei Monate in der Flasche nachreifen lässt, wird sein Geschmack jedoch noch runder und harmonischer. Er eignet sich hervorragend als Digestif nach einem deftigen Winteressen oder als aromatische Zugabe in heißem Tee oder Punsch.
In unserem Buch findest du viele weitere Ideen und praktische Rezepte mit Zutaten aus der Natur:
Haltbarkeit und Lagerung
Dank des hohen Alkoholgehalts (bei Verwendung von 38–40 % Vol.) und der Zugabe von Zucker bringt der Tannenlikör eine natürliche Konservierung mit. Abgefüllt in sterile Flaschen und dunkel gelagert, ist er problemlos ein bis zwei Jahre haltbar. Oft ist er sogar noch deutlich länger genießbar.
Tipp: Wenn du den Tannenlikör verschenken möchtest, nutze einen Hemdsärmel als originelle und gleichzeitig nachhaltige Geschenkverpackung. Wie das geht, erfährst du in einem eigenen Beitrag mit jeder Menge Ideen, wie du alte Hemden upcyceln kannst.

Tannenlikör als Hausmittel
Die Aromen von Tannen- und Fichtennadeln schmecken nicht nur gut, sie haben in der Naturheilkunde auch eine lange Tradition. Denn sie sind reich an ätherischen Ölen, Harzen und Vitamin C, denen eine schleimlösende, beruhigende und leicht antibakterielle Wirkung nachgesagt wird. Da der Alkohol diese wertvollen Inhaltsstoffe aus den Nadeln löst, wirkt der Likör im Prinzip wie eine milde, gesüßte Kräutertinktur.
Bei einem leichten Kratzen im Hals ein bis zwei Teelöffel einnehmen oder einen kleinen Schuss in den heißen Tee geben, um an kalten Tagen von innen zu wärmen.
Wichtig: Da es sich aufgrund des Alkohols und Zuckers weiterhin um ein Genussmittel handelt, den Likör stets nur in kleinen Mengen verwenden. Für Kinder, Schwangere und andere Personen, die auf Alkohol verzichten müssen oder möchten, kannst du alternativ einen alkoholfreien Hustensaft ansetzen.
Unser Bilderbuch hilft dir dabei, direkt mit dem Selbermachen loszulegen:
Hast du schon einmal Tannenlikör angesetzt? Berichte von deinen Erfahrungen in einem Kommentar!
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