Koriander – geschmacklich umstritten, gesundheitlich wertvoll

Koriander ist ein echtes Multitalent. So nutzt du die Pflanze in Küche und Hausapotheke - vom aromatischen Grün, über die Samen bis zum Öl.

Koriander spaltet die Gemüter wie kaum ein anderes Gewürz. Während die einen sein unverwechselbares, frisches Aroma lieben, fühlen sich die anderen beim ersten Bissen an ein Stück Seife erinnert. Doch Koriander ist weitaus mehr als nur eine polarisierende Beilage.

Die aus dem asiatischen Raum stammende Pflanze lässt sich vom Blattgrün über die Samen und Wurzeln restlos verwerten. Ob als Heilmittel für die Verdauung, als hautpflegendes Öl oder als Geschmacksfeuerwerk in der Küche – Koriander hat einen festen Platz in unserem Alltag verdient.

Hier erfährst du, was das Kraut so besonders macht und wie du Blätter, Körner und die Öle optimal nutzt.

So unterschiedlich wirkt und schmeckt Koriander

Botanisch gesehen gehören Korianderblätter (oft auch Cilantro genannt) und Korianderkörner zur selben Pflanze (Coriandrum sativum). In der Anwendung könnten ihre Bestandteile jedoch kaum unterschiedlicher sein:

Korianderkraut: Koriandergrün schmeckt zitrusartig, scharf und erfrischend. Es ist ein fester Bestandteil der asiatischen, südamerikanischen und orientalischen Küche. 

Tipp: Wirf die Stängel nicht weg! Sie enthalten sogar noch mehr Aroma als die Blätter und lassen sich wunderbar fein gehackt in Suppen oder Currypasten mitkochen.

Koriandersamen: Koriandersamen haben mit dem frischen Kraut geschmacklich nichts gemein. Sie schmecken warm, leicht süßlich, nussig und erinnern ein wenig an Orangenschalen. Die Körner sind ein klassisches Brotgewürz, ein Muss in Lebkuchengewürzmischungen und die Basis vieler Currys.

Gepresstes und ätherisches Korianderöl: Aus den Samen werden zwei verschiedene Öle gewonnen. Das gepresste Korianderöl (ein fettes Pflanzenöl) entsteht durch die Kaltpressung der Samen und ist ein mild-würziges Öl für die Küche oder die sanfte Hautpflege. Das ätherische Korianderöl hingegen wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Es ist ein hochkonzentrierter Pflanzenstoff für die äußere Anwendung. Wichtig: Ätherisches Korianderöl sollte niemals unverdünnt verwendet werden.

Nährstoffe von Korianderblättern, Samen und Öl

Sowohl in den Blättern als auch in den Samen des Korianders stecken wertvolle Pflanzenstoffe. Während er in der Küche primär für sein charakteristisches Aroma geschätzt wird, blickt das Kraut auch auf eine lange Tradition als unterstützende Pflanze in der Naturheilkunde zurück.

Inhaltsstoffe der frischen Blätter

  • Vitamine: Frischer Koriander ist eine gute Quelle für Vitamin A (als Beta-Carotin), das die Sehkraft und die Funktion der Schleimhäute unterstützt, sowie für Vitamin C, welches einen Beitrag zu einem normalen Immunsystem leistet. Besonders nennenswert ist der Gehalt an Vitamin K, das eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung und dem Erhalt der Knochengesundheit spielt.
    Hinweis: Personen, die gerinnungshemmende Medikamente (wie Cumarin-Derivate) einnehmen, sollten die Zufuhr von Vitamin-K-reichen Lebensmitteln mit ihrem Arzt abstimmen.
  • Mineralstoffe: Das Grün liefert auch essenzielle Mineralien wie Kalium, Eisen und Magnesium. Kalium ist wichtig für die Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks. Das im Koriander enthaltene Vitamin C kann zudem die Bioverfügbarkeit des pflanzlichen Eisens im Körper verbessern, was den Sauerstofftransport im Blut unterstützt.
  • Antioxidantien & Polyphenole: Koriandergrün enthält verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole). Diese wirken als Antioxidantien und können dazu beitragen, Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.1 Im Rahmen einer ausgewogenen, pflanzenbetonten Ernährung unterstützen diese Stoffe allgemeine Entzündungsprozesse im Körper und können so einen Beitrag zur langfristigen Gesundheitsprävention leisten.
Koriander ist ein echtes Multitalent. So nutzt du die Pflanze in Küche und Hausapotheke - vom aromatischen Grün, über die Samen bis zum Öl.

Tipp: Auf kostbarenatur.net findest du ein ausführliches Pflanzenprofil für Koriander mit Rezepten und Erkennungstipp.

Das steckt in den Körnern (und im Öl)

In den unscheinbaren Samen verbirgt sich ein komplexes Wirkstoffprofil, das den Koriander von einem einfachen Küchenkraut zu einer geschätzten Pflanze in der Naturheilkunde macht:

  • Ätherische Öle: Die getrockneten Samen enthalten bis zu 1,5 % ätherische Öle. Den Hauptanteil (ca. 60–70 %) macht dabei das wertvolle Linalool aus, ergänzt durch Geraniol.
  • Wirkweise: Diese flüchtigen Verbindungen sind maßgeblich für die wohltuenden Eigenschaften verantwortlich. Linalool wird in der Phytotherapie für seine beruhigenden und krampflösenden Effekte auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts geschätzt. Aufgrund dieser Inhaltsstoffe wird Koriander in der Naturheilkunde traditionell zur Unterstützung bei Verdauungsbeschwerden verwendet.
  • Schutzfunktion: Geraniol weist in Laboruntersuchungen (in vitro) deutliche antibakterielle und fungizide (pilzhemmende) Eigenschaften auf.2 In der Hausapotheke wird dieser Effekt vor allem zur Pflege des Mundraums und bei leichten Hautunreinheiten genutzt.
Koriander ist ein echtes Multitalent. So nutzt du die Pflanze in Küche und Hausapotheke - vom aromatischen Grün, über die Samen bis zum Öl.

Verwendungsmöglichkeiten für Küche und Hausapotheke

Egal ob als aromatisches Highlight in exotischen Gerichten oder als bewährtes Mittel in der natürlichen Hausapotheke – Koriander ist ein echtes Multitalent. Die verschiedenen Pflanzenteile lassen sich wunderbar einfach in den Alltag integrieren. Hier sind einige der besten Ideen, wie du Blätter, Körner und Korianderöl praktisch nutzen kannst:

Koriander in der Küche

Ob als erfrischender Akzent oder wärmendes Gewürz – in der Küche zeigt Koriander seine ganze aromatische Bandbreite. Hier sind die besten Tipps, wie du Blätter und Samen kulinarisch voll ausschöpfst.

  • Rohes Topping: Gib das frische Koriandergrün immer erst ganz am Schluss über dein Gericht (z.B. Currys, Tacos, Salate). Wenn du es mitkochst, verliert es sein Aroma.
  • Koriander-Pesto: Falls du viel frischen Koriander übrig hast, mixe ihn mit etwas Olivenöl, Knoblauch, Nüssen (z.B. Cashews oder Walnüsse) und Salz zu einem würzigen Pesto.
  • Aroma-Boost: Röste Koriandersamen vor der Verwendung ohne Fett kurz in einer Pfanne an, bis sie duften. Zerstoße sie danach im Mörser. So entfalten die ätherischen Öle ihr volles Potenzial für deine Gerichte. Diese gerösteten Samen passen hervorragend zu selbstgemachten Currys, deftigen Eintöpfen, eingelegtem Gemüse oder als wärmendes Gewürz in herzhaften Brot- und süßen Lebkuchenteigen.
Koriander ist ein echtes Multitalent. So nutzt du die Pflanze in Küche und Hausapotheke - vom aromatischen Grün, über die Samen bis zum Öl.

Koriandersamen für die Hausapotheke

Dank der starken Wirkstoffe in den Samen ist Koriander ein hervorragendes Mittel bei typischen Alltagsbeschwerden.

  • Koriandertee: Zerstoße einen Teelöffel Koriandersamen leicht im Mörser, übergieße sie mit einer Tasse kochendem Wasser und lass den Tee 10 Minuten abgedeckt ziehen. Er wirkt beruhigend bei Verdauungsbeschwerden (oft auch in Kombination mit Fenchel und Kümmel), wird in der Volksheilkunde traditionell auch bei leichter innerer Unruhe getrunken.3
  • Mundspülung: Ein starker Aufguss aus Koriandersamen kann, abgekühlt, als natürliche Mundspülung bei leichten Entzündungen im Mundraum genutzt werden, da er antibakteriell wirkt.

Konzentrierte Kraft: Korianderöl richtig nutzen

Wenn von Korianderöl die Rede ist, muss klar zwischen dem milden, kaltgepressten Koriander-Pflanzenöl (einem fetten Basisöl aus den Samen) und dem hochkonzentrierten ätherischen Korianderöl (wirkt stark krampflösend und darf nur verdünnt angewendet werden) unterschieden werden.

  • Als krampflösendes Bauch-Massageöl: Vermische 2–3 Tropfen naturreines ätherisches Korianderöl mit einem Esslöffel Trägeröl (z.B. Mandel- oder Jojobaöl). Bei Blähungen oder Menstruationsbeschwerden kannst du dir damit sanft den Bauch massieren. Wichtig: Ätherische Öle sollten während der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kleinkindern nur nach fachlicher Rücksprache angewendet werden. Mache vorab einen Hautverträglichkeitstest in der Armbeuge.
  • Für die Hautpflege: Das kaltgepresste Koriander-Pflanzenöl kannst du wunderbar pur als mildes, pflegendes Gesichts- oder Körperöl nutzen. Alternativ ist auch stark verdünntes ätherisches Korianderöl wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften ein bewährtes Mittel bei unreiner Haut oder leichten lokalen Hautirritationen. Hinweis: Teste die Mischung vorab in der Armbeuge. Achte auf die Verwendung von hochwertigem Koriandersamenöl, da oxidierte Öle Hautirritationen auslösen können.

Für die Dosierung ätherischen Koriandersöls kannst du dich an der folgenden Tabelle orientieren. Beginne mit einer geringen Konzentration, um zu schauen, ob die die Anwendung gut verträgst.

AnwendungEmpfohlene KonzentrationMischverhältnis
(auf 10 ml Trägeröl)
Gesichtspflege0,5 – 1 %ca. 1 bis 2 Tropfen
Ganzkörper-Massage1 – 2 %ca. 2 bis 4 Tropfen
Lokale Einreibung (z. B. Bauchmassage)bis zu 3 %ca. 2 bis 6 Tropfen

Korianderöl selber machen

Ein Auszugsöl (Mazerat) aus Koriandersamen kannst du recht einfach selber herstellen. Es ist die einfachste Methode, um die Wirkstoffe der Samen für die Küche oder Körperpflege zu nutzen. Um das Risiko von Keimbildung (Botulismus) zu vermeiden, bereite es wie folgt zu:

  1. Vorbereitung: Zerstoße 2 EL Koriandersamen im Mörser. Röste sie kurz in einer fettfreien Pfanne an, bis sie duften. Dies intensiviert das Aroma. Achte darauf, dass die Samen staubtrocken sind, um das Wachstum von Bakterien im Öl zu verhindern.
  2. Ansetzen: Fülle die noch warmen Samen in ein sterilisiertes Schraubglas und übergieße sie mit 200 ml hochwertigem Bio-Öl (z.B. Oliven- oder Sonnenblumenöl). Alle Samen müssen vollständig mit Öl bedeckt sein.
  3. Abfüllen: Lass das Öl an einem dunklen, kühlen Ort (nicht in der prallen Sonne) für maximal eine Woche ziehen. Schüttle es alle zwei Tage sanft auf. Oder nutze die ‘Heißauszug-Methode’ im Wasserbad bei 60°C, um das Risiko zu minimieren. Seihe das Öl durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter in eine dunkle Flasche ab.

Bewahre das fertige Öl im Kühlschrank auf und verbrauche es innerhalb von 4 bis 6 Wochen. Entsorge das Öl sofort, falls es trüb wird oder säuerlich riecht. Wichtig: Bei der Herstellung von Würzölen besteht immer ein Restrisiko für die Entstehung von Botulismus-Erregern. Informiere dich am besten vorab in unserem Ratgeberbeitrag Botulismus.

Tipp: Koriander lässt sich auch wunderbar selbst auf dem Balkon oder der Fensterbank ziehen. So hast du immer frisches Grün zur Hand und kannst am Ende der Saison deine eigenen Koriandersamen ernten!

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Wie genießt du Koriander am liebsten? Wir freuen uns auf deine Ergänzungen in einem Kommentar!

Schau auch bei diesen Themen vorbei:

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  1. Scandar S, Zadra C, Marcotullio MC. Coriander (Coriandrum sativum) Polyphenols and Their Nutraceutical Value against Obesity and Metabolic Syndrome. Molecules. 2023 May 19;28(10):4187. doi: 10.3390/molecules28104187. PMID: 37241925; PMCID: PMC10220854. ↩︎
  2. Vasconcelos PGS, Lee KM, Abuna GF, Costa EMMB, Murata RM. Monoterpene antifungal activities: evaluating geraniol, citronellal, and linalool on Candida biofilm, host inflammatory responses, and structure-activity relationships. Front Pharmacol. 2024 Jul 19;15:1394053. doi: 10.3389/fphar.2024.1394053. PMID: 39101130; PMCID: PMC11294919. ↩︎
  3. Hosseini M, Boskabady MH, Khazdair MR. Neuroprotective effects of Coriandrum sativum and its constituent, linalool: A review. Avicenna J Phytomed. 2021 Sep-Oct;11(5):436-450. doi: 10.22038/AJP.2021.55681.2786. PMID: 34745916; PMCID: PMC8554282. ↩︎

Über mich

Linda ist eine Allrounderin, die gerne Neues ausprobiert - ganz egal, ob am Ende etwas Essbares, ein Putzmittel oder Naturkosmetik herauskommt. Fast schon nebenbei versorgt sie smarticular immer wieder mit frischen Ideen zum Selbermachen.

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