Plastikfrei basteln: Galalith ganz einfach aus Milch selber machen

So verwandelst du Milch in Galalith, eine nachhaltige Plastik-Alternative für Knöpfe, Schmuck und Co. - günstig und biologisch abbaubar!

Plastik aus Erdöl belastet unsere Umwelt massiv. Doch es gibt eine fast vergessene Alternative direkt aus deiner Küche: Galalith. Mit diesem einfachen Rezept verwandelst du sogar abgelaufene Milch in einen robusten Werkstoff für Knöpfe, Schmuck und Deko.

Der vergessene „Milchstein“

Der Name „Galalith“ setzt sich aus den griechischen Wörtern gala (Milch) und lithos (Stein) zusammen. Der Werkstoff wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt und erlebte seine Blütezeit in den 1920er und 30er Jahren. Damals wurde Galalith in großem Stil für die Herstellung von Knöpfen, Kämmen, Radiogehäusen und sogar Modeschmuck verwendet – unter anderem von Coco Chanel. Es war der erste biobasierte Kunststoff der Welt, wurde aber nach dem Zweiten Weltkrieg durch billigere, erdölbasierte Kunststoffe fast vollständig verdrängt. Heute erlebt der „Milchstein“ in der DIY- und Nachhaltigkeitsszene ein verdientes Comeback. Die Herstellung ist aber auch einfach ein schönes Bastelprojekt für etwas ältere Kinder.

Anleitung: Galalith selber machen

Du benötigst keine speziellen Chemikalien oder teure Ausrüstung, um Galalith in deiner Küche selbst zu machen. Alles, was du benötigst, hast du wahrscheinlich schon zu Hause:

  • 500 ml Kuhmilch (je fetter, desto geschmeidiger wird die Masse)
  • 4 EL Haushaltsessig oder verdünnte Essigessenz
  • Topf, Rührlöffel, Schüssel, feines Sieb und sauberes Küchentuch
  • Optional Lebensmittelfarbe oder Gewürze (wie Kurkuma oder Paprika) zum Färben
So verwandelst du Milch in Galalith, eine nachhaltige Plastik-Alternative für Knöpfe, Schmuck und Co. - günstig und biologisch abbaubar!

Benötigte Zeit: 5 Tage und 4 Stunden

Die eigentliche Herstellung des Galalith dauert nicht lange und erfordert auch nur wenige Arbeitsschritte. Allerdings brauchst du etwas Geduld, bis die Masse fertig zur Verarbeitung und dann noch einmal, bis sie komplett durchgetrocknet ist.

  1. Milch erhitzen

    Milch im Topf erhitzen, bis sie dampft, aber noch nicht kocht. Sobald erste Bläschen am Rand aufsteigen, den Topf sofort vom Herd nehmen.

  2. Milcheiweiß trennen

    Den Essig löffelweise unterrühren. Die Milch gerinnt dabei sofort. Die weißen Flocken (Casein) trennen sich sichtbar von der gelblichen Flüssigkeit (Molke).So verwandelst du Milch in Galalith, eine nachhaltige Plastik-Alternative für Knöpfe, Schmuck und Co. - günstig und biologisch abbaubar!

  3. Abseihen und spülen

    Ein feines Sieb mit einem Tuch auslegen und die Mischung hineingießen. Die Molke vollständig abtropfen lassen und die weiße Masse kurz mit kaltem Wasser abspülen.
    Tipp: Statt sie wegzuschütten, kannst du auch die Molke noch weiterverwenden.So verwandelst du Milch in Galalith, eine nachhaltige Plastik-Alternative für Knöpfe, Schmuck und Co. - günstig und biologisch abbaubar!

  4. Kneten und färben

    Das Casein im Tuch fest ausdrücken, um möglichst viel Feuchtigkeit zu entfernen. Die Masse anschließend mit den Händen geschmeidig kneten und nach Wunsch portionsweise aufteilen und Lebensmittelfarben einarbeiten.
    Tipp: Du kannst die Masse wahlweise vor der Verarbeitung färben oder nach dem Trocknen bemalen.

  5. Formen und antrocknen

    Das Material nun für etwa zwei bis drei Stunden ruhen und antrocknen lassen, damit es für die weitere Bearbeitung stabil genug ist.

  6. Details nachbearbeiten

    Sobald das Material grifffest ist, die gewünschten Objekte formen.
    So verwandelst du Milch in Galalith, eine nachhaltige Plastik-Alternative für Knöpfe, Schmuck und Co. - günstig und biologisch abbaubar!

  7. Vollständig aushärten

    Die fertigen Werkstücke auf Backpapier oder einer Backpapier-Alternative platzieren. Je nach Dicke zwei bis fünf Tage an der Luft trocknen lassen, bis sie steinhart und bereit für den Einsatz sind.

Tipp für Eilige: Du kannst den Trocknungsprozess beschleunigen, indem du die geformten Stücke bei maximal 50–60 °C für ein bis zwei Stunden in den Backofen legst (bei leicht geöffneter Tür). Aber Vorsicht: Bei zu viel Hitze wird das Material spröde und rissig. Die Lufttrocknung liefert meist die schöneren Ergebnisse.

Dein selbst gemachtes Galalith ist robust, aber nur begrenzt wasserfest. Es eignet sich daher perfekt für Deko oder Kleidungsstücke, die nur abgestaubt oder vorsichtig von Hand gewaschen werden. Viel Spaß beim Experimentieren mit diesem faszinierenden, „vergessenen“ Material!

Warum Galalith so genial ist

Galalith ist ein Paradebeispiel für nachhaltiges Materialdesign. Es basiert auf Casein, dem Haupteiweiß der Milch, und ist damit ein nachwachsender Rohstoff. Im Gegensatz zu herkömmlichem Plastik, das Jahrhunderte benötigt, um sich zu zersetzen (und dabei zu Mikroplastik zerfällt), ist Galalith vollständig biologisch abbaubar. Es ist kompostierbar und hinterlässt keine schädlichen Rückstände in der Umwelt. Für die Herstellung zu Hause eignet sich übrigens auch abgelaufene oder sauer gewordene Milch hervorragend, die man sonst wegschütten würde – ein doppelter Gewinn für die Umwelt!

Vegane Alternative zu Galalith

Du ernährst dich vegan und möchtest keine Kuhmilch verarbeiten? Kein Problem! Eine hervorragende pflanzliche Alternative zu Galalith ist Natronteig, auch bekannt als „Kaltporzellan“. Dieser Werkstoff wird nach dem Trocknen ebenso hart, besticht aber durch eine schneeweiße, fast gläserne Oberfläche. Eine detaillierte Anleitung für diesen vielseitigen Natron-Salzteig findest du natürlich auch bei uns.

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Hast du schon einmal Galalith selbst gemacht? Wir freuen uns auf deine Erfahrungen oder Bilder deiner Ergebnisse in einem Kommentar!

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Über mich

Björn liebt es, sein Wissen über die Natur und das Gärtnern mit anderen zu teilen. Er kann sich aber auch für Kulinarisches und nachhaltiges Putzen begeistern. Lebensmotto: Probieren geht über Studieren!

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