100 Prozent Fruchtaufstrich – Pflaumenmus & Co. selber machen

Viele Früchte sind reich an Zucker, warum also noch mehr Industriezucker in süße Brotaufstriche geben? So bereitest du 100-prozentigen Fruchtaufstrich zu!

Wenn schon Süßes, dann gesund! Also ganz nach dem Motto: Biologische Nahrungsmittel, möglichst unbehandelt, ohne unnötige Zusätze zubereitet und ohne Reue genießen. Doch leider enthält ein leckeres Marmeladenbrot über 60 Prozent Zucker und wird deshalb zu Recht als eher ungesund eingestuft, wenn man es täglich isst.

Dabei gibt es beim Selbermachen von süßen Aufstrichen viele Möglichkeiten, gänzlich auf Gelierzucker, Zuckeralternativen und andere Hilfsmittel zu verzichten. Besinnt man sich auf die alten Herstellungsmethoden von Konfitüren, wird man zum Beispiel beim Früchtemus wie Pflaumenmus fündig. Als altbewährte Herstellungsart für lange haltbare Fruchtaufstriche ist sie leider in Vergessenheit geraten. Denn das Einkochen benötigt mehr Zeit als die übliche Gelierung von Früchten. Eigentlich ist diese Methode aber gar nicht so aufwändig. Das Mus, kann die meiste Zeit mit geringem Kontrollaufwand vor sich hin köcheln, bis es fertig ist. Das fertige Mus aus Pflaumen und anderen Früchten enthält definitiv nichts anderes als die reine Frucht und deren natürlichen Fruchtzucker.

In diesem Beitrag erfährst du, wie Früchtemus ohne unerwünschte Zutaten gemacht wird, welche Früchte und Beeren dafür geeignet sind und wie du mit natürlichen, gesunden Zutaten den weniger geeigneten Sorten mit dieser Methode doch noch zum Erfolg verhilfst.

Geeignete und weniger geeignete Früchte und Beeren

Optimal für die Herstellung von gesundem Fruchtmus fürs Frühstücksbrot sind Früchte und Beeren mit hohem Pektin- und Säureanteil, wie zum Beispiel Zitrusfrüchte, Äpfel (vor allem die sauren), Quitten, Blaubeeren, Johannisbeeren, Preiselbeeren, Stachelbeeren und Zwetschgen. Immer noch gut geeignet sind Aprikosen, Pflaumen, Mirabellen, Pfirsiche, Nektarinen, Birnen, Brombeeren und Himbeeren. Ungünstig sind dagegen Erdbeeren und Kirschen, denn sie enthalten zu wenig Pektin und gelieren ohne Zusätze schlecht. Mit etwas Zitronensäure und Apfelpektinpulver gelingt aber auch ihre Gelierung ohne zusätzliches Süßungsmittel.

Viele Früchte sind reich an Zucker, warum also noch mehr Industriezucker in süße Brotaufstriche geben? So bereitest du 100-prozentigen Fruchtaufstrich zu!

Herstellung von Pflaumenmus und Co.

Die Herstellung ist schneller erklärt als die Durchführung, aber das gesunde und pure Frucht-Ergebnis ist es allemal wert.

Für zirka 400 g Fruchtvergnügen benötigst du:

  • 1,5 kg Beeren oder entkernte Früchte
  • Kochlöffel
  • großer Topf

Zusätzlich bei süßen Früchten und bei solchen mit geringem Pektin-Gehalt:

  • optional Saft einer Zitrone bei süßen Zutaten
  • optional etwas Pektinpulver (1-2 TL abhängig von der eingedickten Fruchtmasse)

Und so gehst du vor:

  1. Früchte oder Beeren waschen, zerkleinern und in einen Topf geben, zugedeckt bei geringer Wärmezufuhr für zirka 30 Minuten weichkochen und gelegentlich umrühren.
  2. Deckel entfernen und die flüssige und stückige Masse weiter einkochen. Dabei sollte die Flüssigkeit niemals blubbern.
  3. Das Umrühren und Herunterregeln der Temperatur wird bei zunehmender Eindickung immer wichtiger. Dieser Prozess kann abhängig von der einzukochenden Menge, der Fruchtsorte und der eingestellten Temperatur kürzer oder länger dauern.
  4. Bei ungeeigneteren Früchten kannst du nach etwa vier Stunden des langsamen Eindickens bei geringer Hitze die optionalen Zutaten hinzugeben. Bei sehr süßen Früchten reicht oft schon die Säure der Zitrone aus. Bei pektinarmen Sorten kann ein Teelöffel Apfelpektin ausreichen.
  5. Fertig ist das Fruchtmus dann, wenn es fest und streichfähig wird. Pflaumenmus wird beispielsweise nach sieben bis acht Stunden dunkelrot und hat eine zähe, pudding- oder breiähnliche Konsistenz.
  6. Noch heiß in saubere Gläser abfüllen und sofort verschließen.

Viele Früchte sind reich an Zucker, warum also noch mehr Industriezucker in süße Brotaufstriche geben? So bereitest du 100-prozentigen Fruchtaufstrich zu!

Fertig ist dein reines und pures Fruchtvergnügen für das erste Genießerbrot!

Hinweise und Tipps:

  • Eineinhalb Kilo Pflaumen erreichen nach zirka fünf Stunden eine Konsistenz von saurer Pflaumenkonfitüre, in diesem Zustand ist der Aufstrich auch so schon für Fans eher saurer Früchte geeignet.
  • Echtes Pflaumenmus wird jedoch durch die langsame und stete Erwärmung süßer, dicker als fertige, warme Puddingmasse und die Schalen zerfallen zu feinem Mus.
  • Die Gesamtmenge nimmt ab, die Zuckermenge pro Gramm zu, dadurch wird das Früchtemus haltbarer.
  • Oben genannte Mengen benötigen bei mir etwa siebeneinhalb Stunden zum Eindicken. Es finden sich aber auch Anleitungen, bei denen von acht bis zehn Stunden die Rede ist. Dort wird womöglich mit noch geringerer Temperatur gearbeitet. Begonnen habe ich bei einer Einstellung von 7 bei maximal 12 Temperaturstufen. Danach habe ich in etwa jede Stunde um eine Stufe herunter geschaltet, bis ich bei 2 angekommen bin. Diese Stufe habe ich dann bis zum Schluss beibehalten.
  • Bis zu 4 Stunden reicht das zweimalige Umrühren je Stunde aus, wenn die Temperatur gering bleibt und die Masse nicht zu blubbern anfängt. Danach ist mehr Vorsicht geboten und eine Kontrolle nach 15 Minuten sinnvoll. Ab 5 Stunden sollte man am Herd bleiben und die Aufgabe des Umrührens alle 10 Minuten und das Regulieren der Temperatur ernst nehmen.
  • Bei dieser Eindickungsmethode verliert der Brotaufstrich ebenso wie bei Marmelade einen Teil seiner Vitamine, jedoch nicht alle. Falls du lieber alle Vitamine erhalten willst, gibt es einige Methoden, wie du gesunde Marmelade kalt herstellen kannst.

Dieser leckere, süßsaure und pure Fruchtgenuss ist im Sommer zum Frühstück eine wahre Gaumenfreude und ist die Mühen wert. Das A und O ist eine gute Vorbereitung. Ich lege die Zubereitung von Früchtemus gern so, dass ich während der etwas arbeitsintensiveren Phase zum Ende des Eindickens sowieso in der Küche bin, zum Beispiel wenn ich Kuchen backe oder das Abendessen vorbereite.

Tipp: Wenn dich Pflaumen auch herzhaft zubereitet interessieren, probiere doch mal unsere Rezepte für Pflaumen-Chutney und Pflaumenketchup.

Wenn du schon mal Früchtemus hergestellt hast, freuen wir uns über deine Erfahrungen in der Kommentarfunktion, aber auch über Fragen und Anregungen zum Thema.

Viele Früchte sind reich an Zucker, warum also noch mehr Industriezucker in süße Brotaufstriche geben? So bereitest du 100-prozentigen Fruchtaufstrich zu!

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11 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Das Gerücht das man Gläser auf den Kopf stellen soll, hält sich immer noch hartnäckig. Bitte nicht machen! Ihr holt euch ggf. die Weichmacher des Deckels in euer Produkt und im schlimmsten Fall habt ihr kein Vakuum, sondern das Fruchtmus verklebt nur alles. Ein Vakuum zieht ganz wunderbar durch die heisse Abfüllung und nicht durch das umdrehen. Gutes Gelingen!

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    • Liebe Sandra, vielen Dank für den wichtigen Hinweis. Der Beitrag ist schon etwas älter, in neueren empfehlen wir diese Methode nicht mehr. Ich habe es jetzt auch hier rausgenommen. Herzliche Grüße Sylvia

  2. Gisela Bußkamp

    Ha,ha,ha wenn man die Früchte so lange kocht verdampft die Flüssigkeit und der Zuckergehalt steigt. Dass Endergebniss hat genau soviel Zucker wie normale Marmelade. Von dem Verlust sämtlicher Vitamine wollen wir hier mal absehen. Wesentlich besser ist es 1 zu 3 Gelierzucker zu nehmen.

    Antworten
  3. Zwetschgenmus werde ich demnächst mit meinem Solarofen im Garten bei Sonnenschein ausprobieren! Ganz ohne Strom. Auch ohne Umrühren. Nichts brennt an, sogar die Milch nicht. Den Ofen gibts im Internet zum Selbstbau.

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  4. Monika Melke

    Hallo, das war ja mal ein besonderer Bericht. Ich koche seit Jahren Gelee oder Marmelade, aber immer mit Einkochhilfen aus dem Reformhaus. Gestern war ich Aroniabeeren sammeln. Dieses Jahr ist alles voll. Habe A.beeren, Brombeeren und die ersten Holunderbeeren in einen Entsafter mir viel Gewürzen und wenig Zucker über Nacht stehen lassen. Die Ausbeute war gut und morgen werde ich Gelee kochen.
    Ich finde die A. sind schon süß genug, da braucht man wenig Zucker. Ich habe auch Likör damit angesetzt.
    Hat jemand Erfahrungen mit. A. ? Sie haben so komischen Geschmack. Und kann man aus ihnen auch so ein Mus kochen? Auf dem Herd im Kochtopf?
    Danke für die Antwort.
    Monika

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  5. Im Urlaub waren Preiselbeeren dran. so der Hammer weil die sehr schnell wegen der enthaltenen Säure und wenig Flüssigkeit zu Mus werden. Also schneller noch als Heidelbeeren, die zu ihrer Säure leider viel Flüssigkeit beisteuern. Da hat das Einkochen im Vergleich noch ewig gedauert. Und wurde dann wegen Urlaubssituation dann doch schnell zur heiß eingekochten Marmelade. (Weiteres Foto folgt da auf anderer Kamera und noch keine Zeit zum Fotoshochladen bestand.)

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  6. Der Beitrag kam gerade zur rechten Zeit, hatte einen Berg Mirabellen und wollte nicht schon wieder süße Marmelade… Ich habe die Früchte einfach in meinen slow cooker gepackt und 9 Stunden auf low ohne Deckel geköchelt. Hat prima funktioniert! Ab und zu rumgerührt und das wars schon. Bisschen sauer, das Ganzen, aber lecker.

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    • Maximilian Knap

      Toll, dass es so gut geklappt hat! Wenn die Früchte an sich nicht genug Süße besitzen, muss man ggf. mit einem Süßungsmittel nachhelfen, denn das Mus soll ja vor allem schmecken ;-) Hier hängt auch schon alles voller Mirabellen und Wildpflaumen, wir freuen uns aufs Mus-Kochen!!

    • Prima wenn man so einen Kocher hat :-) die süße kannst du ja am ende noch hinzugeben. Wie beim Essenkochen am ende abschmecken. Da ist jede Frucht anders.

  7. Anne Thorand

    Ich habe im letzten Jahr Sonnenmarmelade gekocht. Das ist Erdbeermarmelade, die ich im Solarofen hergestellt habe. Komplett OHNE zusätzlichen Zucker. Ich muss also widersprechen, wenn ihr sagt, Erdbeeren gehen nicht gut. Bei mir hat es super funktioniert auch ohne Zusätze. Die Marmelade war richtig schön fest und habe mir im Winter oft geschmeckt! Kann ich echt nur empfehlen! Mehr Infos zum Solarofen findet ihr auf meinem Blog http://www.yie-ha.blogspot.de

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    • Hallo Anne
      Mit Solarofen ne super Idee. Wie lange hat die gebraucht? Und was herrschen da für Temperaturen?

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