5 wiederentdeckte Anwendungen für Waldmeister – nicht nur Brause!

Waldmeister kennen wir in Brause und der Götterspeise. Meist ist das aber synthetischer Geschmack. Dabei kannst du die Pflanze leicht und natürlich nutzen!

Bekannt ist der Waldmeister, das wohlriechende Labkraut, als Aromazugabe in Speisen und Getränken wie zum Beispiel Berliner Weiße, Maibowle, Brausepulver und auch Wackelpudding.

Einziges Problem: Aufgrund eines wohl übereilten Waldmeister-Verbots in den 60er Jahren beinhalten all diese Lebensmittel heute ausschließlich künstliches Waldmeister-Aroma sowie den signifikanten, künstlichen, grünen Farbstoff. Sie haben deshalb nichts mehr mit dem echten Waldmeister gemeinsam.

Dabei könnten die natürlichen Aromen mit echtem Waldmeister so gesund sein: Krampflösend, entzündungshemmend und beruhigend wären typische Adjektive, die ihn dank Cumarin, Asperulosid, Gerbstoffen und Bitterstoffen als Heilkraut auszeichnen. Wirkung und Duft lassen sich durch Trocknung noch intensivieren. Auch die Bevorratung nach der Ernte, die standortbedingt in den Zeitraum von April bis Juni fällt, wird so erleichtert.

Der frische Waldmeister aus Garten oder Natur ist ein wahres Geschenk. Folgende Verwendungsmöglichkeiten bieten sich an.

1. Duftsäckchen gegen Motten und Insekten

Mit seinem intensiven, für uns angenehmen Geruch, fungiert der Waldmeister hervorragend als Insektenabwehrmittel. Die getrockneten Pflanzenteile werden in ein Baumwollsäckchen oder alternativ in eine verwaiste Socke gegeben. Am Fenster oder Bett vertreibt er Mücken und im Kleiderschrank platziert hält er sogar Motten fern. Die Abwehrkräfte bleiben etwa ein Jahr lang erhalten, dann sollte der Inhalt erneuert werden. Als Nebeneffekt lässt er deine Wäsche angenehm riechen.

Weil der getrocknete Waldmeister schnell zerfällt, kannst du noch weitere insektenabwehrende Pflanzen hinzugeben oder die Stängel festnähen. Der Lavendel dient als Motten- und Mückenabwehr. Die Blätter der Duftpelargonie, Salbei oder Zitronenmelisse helfen gegen stechende Insekten. Weitere Pflanzen und Tipps gegen Mücken findest du in diesem Beitrag.

Für ein optimales Duftergebnis beachte die Trocknungstipps weiter unten.

2. Beruhigendes Aromakissen als Einschlafhilfe

Früher wurden frisch entbundenen Müttern und Kindern Waldmeisterkissen wegen der beruhigenden und schlafffördernden Wirkung ins Bett gelegt. Das Kissen kannst du wie beim Duftsäckchen befüllen und bei Gefallen um folgende getrocknete Pflanzen ergänzen: Lavendel, Salbei, Minze, Rosenblütenblätter und Zitronenkraut. Sie dienen zusätzlich als schlafunterstützendes Füllmaterial.

Mehr Tipps für besseren Schlaf findest du hier.

3. Heilkräuter-Tee

Der Tee aus bereits blühendem Waldmeister kann vielseitig eingesetzt werden. Er hilft bei:

  • Schlaflosigkeit und Unruhe
  • Schmerzen wie Migräne, Kopfschmerzen und Menstruationsbeschwerden (z.B. als heißer Aufguss)
  • Blasenentzündung
  • Fieber und geschwollenen Lymphdrüsen
  • Arthritis, Gicht und Gelbsucht
  • Entgiftung und Blutreinigung
  • Magen-, Nieren-, Leber- und Gallenbeschwerden
  • Geschwollenen Füßen und Ödemen
  • Hautproblemen (erfordert regelmäßige Einnahme)

Tee aus Waldmeister lässt sich heiß oder kalt zubereiten.

Kalte Tee-Zubereitung:

Auf 150-250 ml kaltes Wasser kommen 2 Teelöffel getrocknete Waldmeisterblätter und -stiele. Setze die Pflanzenteile für mehrere Stunden im Wasser an und siebe sie ab.

Heiße Tee-Zubereitung:

Auf 250 ml heißes Wasser kommt 1 gehäufter Teelöffel getrocknete Waldmeisterblätter und -stiele. Übergieße die Pflanzenteile mit heißem Wasser. Lasse die Kräuter 5 Minuten zugedeckt ziehen und siebe sie ab.

Trinke eine bis maximal drei Tassen über den Tag verteilt. Als Schlaftee sollte er abends zu sich genommen werden.

3. Äußerliche Anwendungsmöglichkeiten

Mit frisch gepressten Waldmeisterblättern kannst du Wickel bei Verbrennungen, Schürf- und eitrige Wunden, Ausschlägen und Geschwüren anlegen. Falls keine frischen Pflanzen vorhanden sind, tauche den Stoff, wie zum Beispiel ein Waschlappen oder Taschentuch, in Waldmeistertee. Der Waldmeister wirkt ebenso als Badezusatz oder Tinktur.

Wie du aus Waldmeister eine Tinktur herstellen kannst, erfährst du hier.

Auch als Haarspülung ist Waldmeistertee geeignet und mindert Probleme mit Schuppen.

4. Aromazugabe in Speisen und Getränken

Für viele Süßspeisen wie Kuchen, Wackelpudding oder auch die Berliner Weiße benötigst du als natürliches Aroma einen Sirup. Wie du Sirup aus Waldmeister und anderen natürlichen Zutaten herstellen und lange aufbewahren kannst, erfährst du hier.

Aber auch ein Versuch mit Waldmeister-Essig und Waldmeisteröl hat mir gezeigt, dass man diese ebenso gut wie ein Kräuteröl oder Himbeeressig als Salatsoße verwenden kann. Die Kräuter sind allerdings nach 24 Stunden zu entfernen, sonst ist der Geschmack zu intensiv beziehungsweise zu bitter für den weiteren Einsatz.

Waldmeister kennen wir in Brause und der Götterspeise. Meist ist das aber synthetischer Geschmack. Dabei kannst du die Pflanze leicht und natürlich nutzen!

5. Maibowle aus Waldmeister

Zum ersten Mai wird gern Maibowle aus Waldmeister getrunken. Dieses spritzige Getränk kannst du auf zweierlei Arten genießen. Wenn du einen intensiven Geruch erzielen willst, ernte ihn noch vor der Blüte.

Für die alkoholische Variante werden benötigt:

  • 500 ml trockener Weißwein
  • 250 ml trockener Sekt
  • 2 EL Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 5 Stängel frischer Waldmeister (alternativ 3 getrocknete)
  • 1 Stängel Minze
  • 1 Stängel Zitronenmelisse
  • 2 Bio-Zitronen
  • Blätter der verwendeten Kräuter zur Dekoration

Und so gehst du vor:

  1. Sekt im Kühlschrank kühl stellen und dünne Zitronenscheiben einfrieren.
  2. Beide Zucker im Wein auflösen.
  3. Das Kräuterbündel so in den Wein hinein hängen, dass der Stängelanschnitt des Waldmeisters die Flüssigkeit nicht berührt. Er sondert sonst zu viele Bitterstoffe ab. Die Kräuter sollten 30 Minuten oder bis zu zwei
  4. Stunden einziehen. Nach dem Entfernen der Kräuter den Wein im Kühlschrank kühlen.
  5. Erst beim Servieren den kalten Sekt, die gefrorenen Zitronenscheiben und dekorative Blätter zugeben.

Ersetze für eine alkoholfreie Variante den Wein durch Apfel- oder Orangensaft und verwende anstelle des Sekts Mineralwasser. Für eine süßere Variante ist Zitronenlimonade eine Alternative, die du auch aus frischen Zitronen ansetzen kannst.

Anmerkung: Wenn du ein noch intensiveres Waldmeisteraroma bevorzugst, halbiere die Menge der Pfefferminze im Rezept.

Tipps zur Trocknung des Waldmeisters

Eine optimale Duftwirkung erzielst du, wenn der Waldmeister noch vor der Blüte geerntet und anschließend schnell getrocknet wird. Du kannst einige Stängel zu Sträußchen binden oder sie luftig auf einem Backblech ausbreiten. Nach ein bis zwei Tagen sind sie fertig zur Weiterverarbeitung oder Aufbewahrung in dunklen Gläsern, die einen luftdichten Deckel besitzen sollten.

Waldmeister kennen wir in Brause und der Götterspeise. Meist ist das aber synthetischer Geschmack. Dabei kannst du die Pflanze leicht und natürlich nutzen!

Standorte und Beschaffung

Das wohlriechende Heilkraut bevorzugt schattige, nicht zu trockene Plätze mit lehmhaltigem Boden unter Sträuchern und in Laub- und Mischwäldern. Da er winterhart ist, kannst du ihn auch im Garten oder auf dem Balkon anpflanzen. Er vermehrt sich wie ein Bodendecker sehr schnell. Während der Saison wird er alternativ auch auf Wochenmärkten angeboten.

Hinweise:

  • Zu beachten ist, dass er die Blutgerinnung verringert.
  • In der Schwangerschaft ist von einem Waldmeister-Verzehr wegen möglicher Fruchtschädigung abzuraten.
  • Waldmeister kann unter anderem Kopfschmerzen vertreiben, diese aber durch übermäßigen Verzehr auch begünstigen. Er enthält 1,5 Prozent Cumarin, das unter Verdacht steht, giftig bzw. gesundheitsschädlich zu sein. Beweise stehen allerdings noch aus. Es wird angeraten, nicht mehr als 50 mg Cumarin je kg Lebensmittel und Tag zu sich zu nehmen. Da er als Auszug und als Aroma in Speisen verwendet wird, ist eine Überschreitung des Grenzwertes im Normalfall nicht möglich. Weitere Informationen findest du hier.

Medizinisch und als natürliches Aroma hat der Waldmeister einiges zu bieten. Dieses Wissen zu erhalten und zu nutzen, kannst du durch eigene Verwendung unterstützen.

Mehr Infos

Viele Rezepte und Tipps erhältst du in unseren Buchtipps:

Geh raus! Deine Stadt ist essbar - 36 gesunde Pflanzen vor deiner Haustür und über 100 Rezepte, die Geld sparen und glücklich machen - ISBN 978-3-946658-06-1

Geh raus! Deine Stadt ist essbar

smarticular Verlag

Geh raus! Deine Stadt ist essbar: 36 gesunde Pflanzen vor deiner Haustür und über 100 Rezepte, die Geld sparen und glücklich machen Mehr Details zum Buch

Mehr Infos: smarticular Shopkindletolino

Vielleicht interessieren dich auch folgende Umsetzungen aus altem Wissen:

Hast du den natürlichen Waldmeister schon einmal verkostet oder ihn als Kissen oder Säckchen verwendet?

Vielleicht kennst du noch andere Einsatzgebiete, die wir hier noch nicht erwähnt haben. Wir sind gespannt auf deine Erfahrungen und beantworten auch gern Fragen zum Thema.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Bisher 5 von 5 Punkten.
(122 Bewertungen)

8 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Hallo, in vielen guten Büchern wird davon abgeraten blühenden Waldmeister für Tees, Sirup oder Bowle zu verarbeiten. Die konzentrierten Inhaltsstoffe in der Blüte schlagen schnell in ungewollte Reaktionen um, also nicht gegen Kopfschmerzen, sondern verursachen welche , wenn man zuviel nimmt. Aber was ist zuviel? Für den Laien kaum einschätzbar. Meine Kräuterhexe sagt: Finger weg…oder nur das blühende Kraut ins Kräuterkissen, da kann man das Kissen jederzeit beiseite legen, wenn die Wirkung umschlägt.

    Antworten
    • smarticular.net

      Hallo Momo,
      zwar kann Waldmeister bzw. das darin enthaltene Cumarin bestimmte Nebenwirkungen auslösen. Andererseits gilt es auch als heilsame Substanz, die unter anderem Kopfschmerzen und Migräne lindert. Vor der Blüte ist der Cumaringehalt geringer, danach steigt er an. Der preiswerte Cassia-Zimt enthält mehr als das Zehnfache an Cumarin verglichen mit Waldmeister.
      Wenn eine Dosierung von drei Gramm Waldmeisterkraut pro Liter Flüssigkeit in Rezepten nicht überschritten wird, gilt Waldmeister allgemein als sicher. In den hier beschriebenen Heilanwendungen kann es höher dosiert werden (zum Beispiel mit frischem Kraut), weil es sich insgesamt nur um eine kleine Menge Flüssigkeit und damit auch um eine geringe Menge Waldmeister handelt.
      Mehr Infos gibt es zum Beispiel hier: https://www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/waldmeister/
      Es ist empfehlenswert, nicht gleich große Mengen an Waldmeisterprodukten herzustellen, sondern zunächst zu probieren, wie gut man sie verträgt.
      Liebe Grüße

  2. Ich habe auch schon Waldmeisterlikör hergestellt. Nach dem Abfiltern der Blätter sollte er vor der Verkostung noch einige Wochen bis Monate in der Flasche reifen, um sein vollständiges Aroma zu genießen. Der Likör gibt Obstsalaten den richtigen Pfiff und schmeckt auch über Eis oder anderen Desserts

    Antworten
  3. Wer Waldmeister pflanzen will kann sich hier das kaufenhttp://www.blumensamen-shop.de/shop/BS-List-A-Z.htm

    Antworten
  4. Eileen Wylicil

    Ich habe einen Bekannten, der trocknet Kräuter hinterm Kühlschrank. :D

    Antworten
    • Wirklich clevere Idee! Ich befürchte aber, dass sie nicht ganz breitenfähig ist, so wie es hinter den meisten Kühlschränken aussieht :)

  5. Ich tue den frische geernteten Waldmeister in ein feinmaschiges
    Netzt und hänge es im Heizungskeller (bei mir Fernheizung) an, bzw. über die
    Warmen Rohre. Lasse sie ca. 1 Woche hängen und sie werden wunderbar trocken.

    Antworten
    • Maximilian Knap

      Das nenne ich mal effiziente Energieausnutzung, top :-)

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.