Wann ist eine Natron-Kur sinnvoll?

Falsche Lebensmittel, Stress und Bewegungsmangel führen zu einer Übersäuerung des Körpers. Kann die oft empfohlene Natron-Kur helfen?

Natron gehört zu den vielseitigsten Hausmitteln überhaupt und ist aus meinem Haushalt schon lange nicht mehr wegzudenken. Immer wieder glaube ich, jetzt aber alle Anwendungsmöglichkeiten für Natron zu kennen. Bis ich schließlich auf eine weitere Idee aufmerksam werde, wie es mir das Leben erleichtern kann.

Nachdem Natron einige Male mein gelegentliches Sodbrennen lindern konnte, stieß ich in jüngster Zeit mehrfach auf Veröffentlichungen, die zu einer Kur mit Natron raten, um den Säure-Basen-Haushalt des Körpers ins Gleichgewicht zu bringen.

Doch was ist dran und was sagen kritische Stimmen zur Natron-Kur? Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mich genauer damit beschäftigt, wann die Einnahme von Natron sinnvoll sein kann und welche anderen Wege es gibt, eine Übersäuerung des Körpers zu vermeiden.

Entstehung und Folgen einer Übersäuerung

Das ausgewogene Verhältnis zwischen Säuren und Basen bildet eine wichtige Grundlage für die Funktionsweise unseres Körpers. Viele Stoffwechselvorgänge laufen z.B. am effektivsten in einem neutralen bis leicht basischen Milieu ab. Um dieses aufrechtzuerhalten, müssen wir unseren Körper ausreichend mit basisch wirkenden Mineralstoffen versorgen, so sehen es zumindest zahlreiche Vertreter alternativmedizinischer Ansätze. Andere Prozesse wie z.B. die Verdauung im Magen benötigen ein saures Umfeld, weshalb man auch gar nicht pauschal sagen kann, der Körper sei sauer oder basisch.

Unstrittig ist, dass die heute weit verbreitete Ernährung auf Basis industriell verarbeiteter Nahrungsmittel und der damit einhergehende Mangel an Mineral- und anderen Vitalstoffen unseren Stoffwechsel negativ beeinflussen kann. Sodbrennen, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit, anhaltende Müdigkeit und mehr sind die möglichen Folgen. Auch die Entstehung verschiedener Zivilisationskrankheiten von Diabetes, über eine zunehmende Zahl von Allergien bis hin zu Krebs soll durch einen gestörten Säure-Basen-Haushalt begünstigt werden – wofür wissenschaftliche Belege allerdings teilweise fehlen.

Einige Heilpraktiker und andere Vertreter der Alternativmedizin raten Betroffenen zur Durchführung einer Natron-Kur, um das Verhältnis zwischen Säuren und Basen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Natron-Kur – so geht’s

Die üblicherweise empfohlene Anwendung ist einfach und lässt sich problemlos in den normalen Alltag integrieren. Du benötigst dafür lediglich Natron (erhältlich im stationären Handel und online) sowie frischen Zitronensaft.

Und so gehst du vor:

  1. Morgens nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen ½ – 1 TL Natron in eine Tasse geben und mit 250 ml warmen Wasser (nicht mehr als 50 Grad Celsius) übergießen und trinken.
  2. Nach 10 Minuten einige Tropfen Zitronensaft in ein Glas mit kaltem Wasser geben und ebenfalls trinken.

Falsche Lebensmittel, Stress und Bewegungsmangel führen zu einer Übersäuerung des Körpers. Kann die oft empfohlene Natron-Kur helfen?

Anschließend mindestens eine Stunde bis zur nächsten Mahlzeit warten. In manchen Publikationen wird eine durchgehende Einnahme über 30 Tage empfohlen, andere raten zu Intervallen von fünf Tagen, auf die fünf Tage Pause bis zur nächsten Anwendung folgen.

Wichtige Hinweise: Schwangeren und Kindern ist von einer Natron-Kur generell abzuraten. Menschen mit Herzproblemen und eingeschränkter Nierenfunktion sollten die Kur nur nach Absprache mit ihrem Arzt durchführen. Da Natron die Aufnahme anderer Stoffe beeinträchtigen kann, sollte man zudem Medikamente mindestens zwei Stunden vor oder nach Einnahme von Natron zu sich nehmen.

Zweifel, Kritik und Nebenwirkungen der Natron-Kur

Befürworter der Natron-Kur begründen ihre Wirksamkeit mit dem basischen Charakter des Minerals. Sie beschreiben die im Körper ablaufenden Prozesse wie folgt:

Nach der Einnahme reagiert das Natron mit der Magensäure, wodurch der ph-Wert im Magen steigt. Um diesen Anstieg auszugleichen, werden gespeicherte saure Stoffwechselprodukte aus anderen Bereichen des Körpers aktiviert und auf diese Weise neutralisiert. Auch das Zitronenwasser wirkt im Körper basisch und soll den Effekt noch verstärken.

Während sich der Abbau der im Körper abgelagerten Säuren schwer nachweisen und physiologisch kaum erklären lässt, sehen Mediziner eine länger andauernde Einnahme von Natron kritisch. Denn auch die Magenzellen reagieren auf den Eingriff ins Magenmilieu und steigern die Produktion der Magensäure (der sogenannte Rebound-Effekt), was wiederum zu einer starken Übersäuerung des Magens führen kann. Eine weitere Nebenwirkung bei der Einnahme von Natron ist zudem eine vermehrte Bildung von Kohlendioxid. Bauchschmerzen und Völlegefühl sowie damit einhergehend vermehrtes Aufstoßen und Blähungen können die unangenehmen Folgen sein. Darüber hinaus kann eine Überdosierung von Natron auch schwerwiegendere Erkrankungen nach sich ziehen.

Säure-Basen-Haushalt im Alltag ausgleichen

Ob die Durchführung einer Natron-Kur für dich in Frage kommt, musst du nach Abwägung der aufgeführten Informationen und Hintergründe selbst entscheiden. Grundsätzlich eignet sie sich aber meiner Meinung nach lediglich als temporäre Maßnahme, um die Selbstreinigungsprozesse des Körpers zu unterstützen. Sie beseitigt nicht die Ursachen für das entstandene Ungleichgewicht.

Sehr viel entscheidender für einen dauerhaft gesunden Säure-Basen-Haushalt ist deshalb

  • eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse und Salaten
  • ausreichend Bewegung an der frischen Luft (schon wenige Minuten Spazierengehen oder Fahrradfahren können viel bewirken)
  • die Vermeidung von übermäßigem Stress
  • die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit, bevorzugt in Form von stillem Wasser oder Kräutertees
  • die Vermeidung kohlensäurehaltiger Getränke sowie
  • ein weitestgehender Verzicht auf Genussmittel wie Zucker, Kaffee, Alkohol und Zigaretten

Falsche Lebensmittel, Stress und Bewegungsmangel führen zu einer Übersäuerung des Körpers. Kann die oft empfohlene Natron-Kur helfen?

Zudem kannst du dir die basische Wirkung von Natron zur Förderung der körpereigenen Entgiftung auf eine sehr viel sanftere Weise zu Nutze machen.

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Basenbad als Alternative

Die Haut gehört neben Lunge, Leber, Galle, Nieren und Darm zu den wichtigsten Entgiftungsorganen unseres Körpers. Ihre Fähigkeit, Gifte und nicht mehr benötigte Stoffwechselprodukte auszuscheiden, lässt sich mit Hilfe eines Basendbads stimulieren.

Mein Fazit: Ein Bad in alkalischem Wasser regt die Selbstreinigung des Körpers über die Haut an, ohne die bei der Natron-Kur aufgeführten Nebenwirkungen zu provozieren. Wenn du unsicher bist, lass dich vor einer Entscheidung für oder gegen die Natron-Kur von einem Arzt oder Heilpraktiker deines Vertrauens beraten.

Mehr Informationen, Tipps und Rezepte zum Wundermittel Natron findest du auch in unserem Buch:

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Hast du bereits Erfahrung mit der Natron-Kur gesammelt oder kennst du andere wirksame Tipps, um den Stoffwechsel positiv zu beeinflussen? Dann freuen wir uns auf deinen Erfahrungsbericht!

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2 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Die Verwendung von Natron ( Natriumhydrogencarbonat NaHCO3 ) ist zur
    Entsäuereung weit verbreitet. Leider wird da sehr viel Natrium in den Körper
    gebracht, viel sinnvoller ist Kalium.

    Daß in der Vergangenheit Natron verwendet wurde, liegt wohl an seiner etwas
    leichteren Verfügbarkeit.

    Natürlicherweise übernimmt nämlich Kalium die Basenfunktion im Körper.
    Schaut man sich die Zusammensetzung natürlicher Lebensmittel an, so enthalten sie meist etwa 6-7-mal soviel Kalium wie Natrium. Dabei ist das Kalium im Allgemeinen an organische Verbindungen gebunden, die letztlich zu CO2 und Wasser abgebaut werden. Dadurch wird das Kalium frei und ist nun in der Lage, die im Körper anfallenden Säuren ( dazu zählt z. Bsp. die Schwefelsäure aus schefelhaltigen Aminosäuren der Eiweiße ) zu binden.

    Kaliumhydrogencarbonat wäre also die bessere, weil natürlichere Alternative
    zum Natron.
    Noch besser sind jedoch organische Kaliumverbindungen wie z. Bsp.
    Kaliumcitrat, also das Kaliumsalz der Zitronensäure.
    Das Problem ist nämlich, daß sowohl Natron als auch Kaliumhydrogencarbonat relativ basisch reagieren und damit die Magensäure unter Bildung von CO2 neutralisieren. Das ist unerwünscht!
    Selbst Menschen, die unter Sodbrennen leiden, sollten es nicht nehmen. Es
    beseitigt zwar kurzfristig die Säure, die das Sodbrennen erzeugt. Doch gibt es
    inzwischen genügend Hinweise, daß Sodbrennen in den meisten Fällen nicht durch zuviel Magensäure entsteht, sondern durch zu wenig: und dadurch der Speisebrei länger im Magen verbleibt als nötig, weil er nicht schnell genug zerlegt wird.
    Details bitte googeln.

    Der Hinweis, nach der Natron-Einnahme noch Zitronensaft einzunehmen, geht in die richtige Richtung. Doch kann man beides auch schon vor der Einnahme mischen. Dabei soviel Zitronensaft zugeben, bis das Schäumen aufhört. Entspr. der Reaktion
    KHCO3 + Zitronensäure => Kaliumcitrat + CO2 + H2O
    schäumt es durch das entstehende CO2. Ist alles KHCO3 abreagiert, hört es auf zu schäumen und man hat eine etwa pH-neutrale Lösung, die nun getrunken werden kann.

    Genauso gut kann auch Essig verwendet werden, dann entsteht Kaliumacetat. Ist wahrscheinlich preiswerter.
    Oder: man kauft gleich Kaliumcitrat.

    Antworten
    • Einfach mal: „Vielen Dank Ernie!“
      Dein Kommentar ist sehr informativ. Ich denke, mit einem wöchentlichen Fußbad mit basisch-mineralischem Körperpflegesalz, sowie täglichem Apfelessig-Wasser und viel frischem Salat, sollte mein Säure-Basen Verhältnis ausgewogen sein.

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