Myrrhe – wertvoll für die Hausapotheke und zum Räuchern
Myrrhe ist neben Weihrauch eines der sagenumwobendsten Räucherharze der Weltgeschichte. Das aromatische Gummiharz wird aus dem dornigen Myrrhestrauch (Commiphora myrrha) gewonnen, der vor allem in den trockenen Regionen Nordostafrikas (wie Somalia und Äthiopien) sowie auf der arabischen Halbinsel heimisch ist. Seit Jahrtausenden wird es für seine desinfizierenden, beruhigenden und spirituellen Eigenschaften geschätzt.
Herkunft und Gewinnung
Die Gewinnung der Myrrhe ist ein traditionelles Handwerk. Das Harz tritt bei den Sträuchern oft ganz natürlich aus der Rinde aus, wenn diese durch Hitze oder Wachstum kleine Risse bekommt. Um die Ernte zu maximieren, werden die Stämme jedoch meist gezielt leicht eingeritzt. An der Luft trocknen die hellgelben, zähflüssigen Tropfen zu rotbraunen, glänzenden und unregelmäßig geformten “Tränen” aus. Diese harten Stücke werden nach der Ernte sortiert und je nach Reinheit für verschiedene Zwecke verwendet.
Wirkung und Duft
Im Gegensatz zum oft süßlich-hellen Weihrauch ist der Duft der Myrrhe deutlich erdiger, würziger und herber, mit einer leicht metallischen Note. In der spirituellen Praxis wird sie oft zur Erdung, Zentrierung und Reinigung von Räumen eingesetzt.
In der modernen Naturheilkunde ist Myrrhe vor allem für ihre starken entzündungshemmenden und zusammenziehenden (astringierenden) Eigenschaften bekannt. Sie wird häufig bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt, da sie die Wundheilung fördert und antibakteriell wirkt.1
Myrrhe in der Hausapotheke
Die Einsatzmöglichkeiten von Myrrhe sind bemerkenswert vielfältig:
Tinktur: Als Tinktur zur Pflege von Zahnfleisch und Schleimhäuten. Eine solche Myrrhentinktur lässt sich mit hochprozentigem Alkohol und Myrrheharz ganz einfach selbst ansetzen und vielseitig für die natürliche Mundhygiene nutzen.

Schwedenbitter: Myrrhe ist zudem ein fester Bestandteil des traditionellen Schwedenbitters. In dieser vielseitigen Kräutermischung unterstützt das Harz die wohltuenden Eigenschaften auf die Verdauung und das allgemeine Wohlbefinden. Hier erfährst du mehr darüber, wie man Schwedenbitter ansetzt, anwendet und warum er in jede Hausapotheke gehört.
Ätherisches Öl: Myrrhenöl wird durch Wasserdampfdestillation des Harzes gewonnen und ist ein wertvoller Helfer in der Aromatherapie und Hautpflege. Es soll stark erdend auf die Psyche wirken und unterstützt die Regeneration von spröder oder entzündeter Haut. Aufgrund seiner regenerierenden Eigenschaften kann es – nach einem erfolgreichen Patch-Test – verdünnt auf unempfindliche Hautstellen aufgetragen werden (ca. 1–2 Tropfen Myrrhenöl auf 10 ml Basisöl, wie Mandel- oder Jojobaöl). Es wird zudem unterstützend in der begleitenden Pflege bei Fußpilz eingesetzt, da die Inhaltsstoffe das Pilzwachstum hemmen sollen; ein hartnäckiger Befall sollte jedoch immer ärztlich abgeklärt werden.
Myrrhe als Duftnote
In der Parfümerie wird Myrrhe als charaktervolle Basisnote geschätzt, die anderen Düften Tiefe und Haltbarkeit verleiht. Ihr herbes, balsamisches Aroma dient oft als Fixateur und rundet komplexe Duftkompositionen harmonisch ab. Hier findest du eine Anleitung, wie du eigene Duftmischungen für Parfüm, Raum- oder Wäscheduft aus ätherischen Ölen kreierst.

Räuchern mit Myrrhe
Das Räuchern mit Myrrhe – entweder pur auf Kohle oder als Bestandteil von Mischungen – dient dazu, eine beruhigende und meditative Atmosphäre zu schaffen. Das Harz stabilisiert dabei den Verbrennungsvorgang beigemischter Kräuter und sorgt für eine langanhaltende, balsamische Note im Raum.
Wenn du das besondere Aroma nicht nur pur auf Kohle genießen möchtest, kannst du Myrrhe auch wunderbar in selbstgemachte Räucherstäbchen einarbeiten. Da es sich um ein Harz handelt, lässt es sich fein gemörserter hervorragend in eine natürliche Teigmischung aus Holzpulver und Bindemitteln integrieren, was eine sanftere und gleichmäßigere Duftabgabe ermöglicht als das direkte Räuchern auf Kohle.
Entdecke in eigenen ausführlichen Beiträgen, wie du Räucherkerzen und Räucherstäbchen selber machen kannst.
Sicherheitshinweise und Gegenanzeigen
Obwohl Myrrhe ein wertvolles Naturprodukt ist, sollten bei der Anwendung folgende Hinweise beachtet werden:
Schwangerschaft: Myrrhe gilt als Uterus-Stimulanz (Emmenagogum) und sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da sie Wehen auslösen könnte.
Diabetes: Da Myrrhe den Blutzuckerspiegel senken kann, sollten Diabetiker bei innerlicher Anwendung (z. B. Tinktur oder Schwedenbitter) vorsichtig sein und Rücksprache mit ihrem Arzt halten, um eine Unterzuckerung zu vermeiden.
Operationen: Aufgrund der Auswirkung auf den Blutzucker sollte die Anwendung von Myrrhe mindestens zwei Wochen vor einer geplanten Operation unterbrochen werden.
Hautempfindlichkeit: Ätherisches Myrrhenöl sollte niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Vor der großflächigen Anwendung empfiehlt sich ein Patch-Test in der Ellenbeuge, um allergische Reaktionen auszuschließen.
Nachhaltigkeit und heimische Alternativen
Beim Kauf von Myrrhe ist es wichtig, auf eine nachhaltige Wildsammlung zu achten. Da das Harz oft unter harten Bedingungen in ökologisch sensiblen Regionen gewonnen wird, sollten Produkte bevorzugt werden, die den Erhalt der Bestände sichern und faire Löhne für die Sammler vor Ort garantieren. Zertifizierungen wie FairWild oder Bio-Qualität geben Orientierung, um sicherzustellen, dass die kostbaren Sträucher nicht durch Überextraktion geschwächt werden.
Wer seinen ökologischen Fußabdruck weiter verringern möchte, kann auf heimische Baumharze zurückgreifen. Fichten-, Kiefern- oder Lärchenharz (oft als „Waldweihrauch“ bezeichnet) lassen sich sogar selbst im Wald sammeln.
Beim Räuchern: Hier sind heimische Harze ein wunderbarer Ersatz. Sie duften zwar weniger balsamisch-herb als Myrrhe, sondern eher waldig-frisch, wirken aber ebenso reinigend und klärend.
In der Heilpflege: Heimisches Harz ist die Basis für eine Salbe bei Hautproblemen und zur Unterstützung der Wundheilung, Diese sogenannte Pechsalbe kannst du ebenfalls selber machen.

Einschränkungen: Als direkter Ersatz für die Myrrhentinktur bei Entzündungen der Mundschleimhaut oder als fixierende Basisnote in der Parfümerie sind heimische Harze jedoch nur bedingt geeignet, da Myrrhe eine einzigartige astringierende Wirkung und eine sehr spezifische schwere Duftcharakteristik besitzt, die unsere Nadelhölzer nicht eins zu eins kopieren können.
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Hast du schon einmal Myrrhe genutzt? Dann freuen wir uns über deine Erfahrungen in einem Kommentar!
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- Dolara, P., et al. (2000). Local anaesthetic, antibacterial and antifungal properties of sesquiterpenes from myrrh. Planta Medica.
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Können Sie mir bitte mitteilen, wie man Myrrhe-Harz-Erbsen verwenden kann ?
Kann man Sie kauen, als Tee machen, in Alkohol einlegen oder sonstiges ?
Myrrhe kommt im Matthäus Evangelium vor. Mt 2,11. aber noch an vielen anderen Stellen der Bibel. Es ist ein Heilmittel der Hildegard von Bingen und wird symbolisch auf ihren Bildern dargestellt.
Ich arbeite als Biologin und Naturärztin in Tanzania, wo Myrrhe ursprünglich wild wuchs. Heute ist sie hier in der Bevölkerung nicht mehr bekannt.
Unsere heimischen Harze sind auch heilsam. Harz ist aber nicht gleich Harz, weil sie unterschiedlichen Bäumen entnommen werden. Für den täglichen Gebrauch spielt das keine Rolle, in der alternativen Medizin schon.
Die Myrrhe kommt nicht im Lukasevangelium vor. Im Lukasevangelium kommen die Hirten zum Kind in der Krippe.
Ich ziehe Myrrhe auf meinem Balkon selbst. Im Winter stelle ich sie ins Wohnzimmer und habe seitdem ein gutes Raumklima und keine Schädlinge mehr in der Wohnung.
Ich vertrete die Meinung, dass die Lösung für alle Probleme immer an dem Ort liegt, an dem das Problem auftritt. Warum muss es Myrrhe aus dem orient sein? In unseren heimischen Wäldern gibt es auch Baumharze. Ich putze mir schon seit Jahren die Zähne mit einer selbstgemachten Paste aus verschiedenen Baumharzen – kein Zahnstein mehr und keine Entzündungen geschweige denn Löcher. Das gilt übrigend für alles, für die heimischen Kräuter, die ihr hier gerne immer wieder anpreist. Großartig! Aber auch zum Beispiel für den Honig. Honig aus dem eigenen Umland ist viel besser für das Immunsystem als ausländischer, weil er genau die immunwirkenden Substanzen enthält, die wir in unserem Umfeld brauchen…..
Wir brauchen auch keine Gojibeeren, wenn wir Heidelbeeren und Brombeeren haben. Es ist immer nur die Industrie, die uns das Gegenteil verkaufen will. Die Natur hat alles was wir brauchen in unserem direkten Umfeld bereitgestellt. Man muss nur die Augen öffnen……
Hallo Susanne, damit hast du natürlich Recht, weshalb wir auch in sehr vielen Rezepten regionale Zutaten verwenden, die auch einen kürzeren Transportweg hinter sich haben. Dennoch macht es immer wieder Spaß, über den Tellerrand zu schauen und zu sehen, welchen Reichtum andere Kulturen und Regionen bieten. Beispielsweise ist der Ingwer eines unserer liebsten Erkältungsmittel, obwohl wir natürlich auch sehr gern Blüten von Holunder, Linde und Mädesüß für eine heilsame Erkältungsteemischung verwenden. Liebe Grüße
Hallo Susanne,
ich finde es toll, dass Du Zahnpasta selber aus verschiedenen Baumharzen herstellst. Ich würde Dich herzlich bitten, mir das Rezept zu schicken, wie man
die selber machen kann.
Grüße und Dank
Gerlinde Bach
Hallo Susanne, wärst du bereit uns hier deine Zahnpaste rezept zu verraten? Ich sammle auch das Harz unserer Bäume ab, sobald ich welches sehe. Das würde mich wirklich sehr interessieren.
Danke schon mal. LG Moni
Vielen Dank für diesen Bericht. Ich habe mir zufälligerweise Mürrhe Harz aus dem Urlaub mitgebracht… jetzt weiß ich endlich, was ich damit machen kann. Morgen zu Drei König werde ich erst mal die Wohnung damit ausräuchern und dann werde ich mir die Tinktur ansetzen.
Genau diese Frage stellte unsere 7-jähriger kurz vor Weihnachten und wir mussten passen. Gold, Weihrauch ja, aber Myrrhe? Die genaue Bedeutung mussten wir erst nachschlagen, um den Wissensdurst zu stillen!