Was genau bedeutet eigentlich Rohkost?

Unter “Rohkost” versteht man eine Ernährungsweise, die möglichst rohe und unbehandelte Zutaten verwendet. Welche Rohkost-Richtungen es gibt, erfährst du hier.

Rohkost ist eben Rohkost? Weit gefehlt! Rohkost ist ein Begriff, der völlig unterschiedlich verstanden werden kann und viele inhaltliche Ausrichtungen umfasst, die auf verschiedenen Überlegungen (medizinisch, gesellschaftspolitisch, esoterisch) basieren. Dementsprechend umfassen sie auch jeweils sehr unterschiedliche erlaubte Nahrungsmittel.

Gemein ist allen Rohkost-Konzepten, dass Nahrung nicht höher als 42 bis 45 °C erhitzt werden sollte, um möglichst wenige Nährstoffe zu zerstören. Rohkost kann darüber hinaus vegetarisch sein oder vegan, kann Fisch beinhalten oder nicht. Einige Rohkost-Richtungen umfassen Getreide und Hülsenfrüchte, andere lehnen diese ab. Die Wichtigkeit und Beschaffenheit von Getränken wird auch sehr unterschiedlich bewertet. Viele der Richtungen beinhalten auch esoterische Elemente, deren Bedeutung jeder für sich selbst beurteilen mag.

Welche die bekanntesten Rohkost-Richtungen sind und was sie unterscheidet, erfährst du in diesem Beitrag.

Welche Rohkost-Richtungen gibt es?

Aus der großen Auswahl verschiedener Rohkost-Konzepte und -Lehren heraus folgt hier eine Übersicht der wichtigsten Richtungen, die hierzulande am ehesten umzusetzen sind.

Bircher-Benner-Kost nach Dr. Maximilian Oskar Bircher-Benner

Dieses Ernährungskonzept geht davon aus, dass stark verarbeitete Nahrungsmittel ernährungsphysiologisch weniger wertvoll sind als unverarbeitete Pflanzen, die dem menschlichen Organismus gebundene Sonnenenergie spenden (“Sonnenlichtnahrung”).

Daher gelten rohes Obst, Salat und Gemüse als wertvolle Nahrungsmittel, während – abgesehen von schonend gegartem Gemüse und Getreide – alle weitere verarbeitete Nahrung gemieden wird. Milchprodukte und Eier aus biologischem Anbau sind in Maßen erlaubt. Das berühmte Bircher-Müsli hielt der Gründer der Ernährungslehre für die ideale Mahlzeit.

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Natürliche Gesundheitslehre (Natural Hygiene)

Die Natural-Hygiene-Bewegung betrachtet die Ernährung als einen Grundpfeiler einer insgesamt gesunden Lebensweise. Andere Aspekte sind unter anderem frische Luft, viel Bewegung und Ruhephasen im Alltag. Vorbild für die Ernährung sind die Ernährungsgewohnheiten unserer Vorfahren, weshalb der Anteil an rohen, unverarbeiteten Nahrungsmitteln hoch ist. Die Lehre bleibt dabei einigermaßen flexibel, weil sie neben der paläolithischen Diät auch die instinktive Ernährung und die Ovo-lacto-vegetarische Ernährung zulässt.

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Fit for life nach Harvey und Marilyn Diamond

Von der Natural-Hygiene-Bewegung inspiriert, sind bei dieser Herangehensweise neben Obst, Salat und Gemüse, die roh etwa 70 Prozent der Ernährung ausmachen sollen, gekochtes Fleisch und Getreide sowie Brot erlaubt. Getrunken werden dürfen frisch gepresste Obstsäfte und destilliertes Wasser.

Die Theorie besagt, dass der Körper jeden Tag verschiedene Phasen der Nahrungsverwertung durchläuft. Das schlägt sich in einem Ernährungsplan nieder, der vorgibt, zu welcher Tageszeit welche Speisen eingenommen werden sollen.

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Vitalstoffreiche Vollwertkost nach Dr. Max Otto Bruker

Max Otto Bruker wurde 1958 durch seine Warnungen vor dem Konsum zu viel raffinierten Zuckers (“Fabrikzucker”) bekannt. Er ging – ähnlich wie Maximilian Bircher-Benner und andere – davon aus, dass der übermäßige Konsum stark verarbeiteter Nahrungsmittel zum Ansteigen von sogenannten Zivilisationskrankheiten führt.

Der Grund liegt Bruker zufolge im Fehlen von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Enzymen, ungesättigten Fettsäuren, Aromastoffen und Ballaststoffen, die er unter dem Begriff “Vitalstoffe” zusammenfasste. Eine vitalstoffreiche Ernährung umfasst seiner Lehre nach möglichst unverarbeitetes Obst, Gemüse und Salat, aber auch Vollkornprodukte, Butter, Sahne und kaltgepresste Öle. Auf den Konsum von Auszugsmehl und raffinierten Fetten soll genauso verzichtet werden wie auf Fleisch, Fisch und Eier.

Tipp: Zu den bekanntesten Gerichten nach Bruker gehört die Zubereitung von Frischkornbrei. Er besteht aus grob geschrotetem Getreide, das über Nacht in Wasser eingeweicht und mit frischem Obst verzehrt wird.

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Schnitzer-Normalkost nach Johann Georg Schnitzer

Johann Georg Schnitzer war Zahnarzt und führte Karies, Zahnstein und Zahnfleischprobleme auf eine unausgewogene Ernährung zurück. Diese Zahnkrankheiten wiederum können nach seinen Vorstellungen Vorboten noch ernsterer Krankheiten sein. Die Schnitzer-Normalkost sieht sich deshalb eher im Bereich der Naturheilkunde, weil sie ihrer Theorie nach dazu beitragen kann, unter anderem Infektionen, Stoffwechselstörungen, Übergewicht, Knochen- und Gelenksleiden vorzubeugen oder gar zu heilen.

Erlaubt sind jede Art von Vollkorngerichten, Rohkost- und grüne Salate, kaltgepresste Öle und Nüsse. Obst dient dabei eher dem Geschmack als der Gesundheit. Auf Milch und Milchprodukte, Fleisch, Fisch, raffinierte Fette, raffinierten Zucker und Auszugsmehle soll man verzichten.

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Vollwerternährung nach der Gießener Formel

Die Gießener Formel bevorzugt pflanzliche Lebensmittel, die gar nicht oder nur gering verarbeitet sind. Etwa 50 Prozent der Nahrung soll aus frischem Obst, Salat und Gemüse bestehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten, während Milch und Milchprodukte sowie Fleisch und Fisch lediglich in geringer Menge erlaubt sind.

Neben den ernährungsphysiologischen Aspekten legen die Begründer der Gießener Formel Wert auf die Regionalität und die ökologische Erzeugung der Nahrung sowie auf fairen Handel. Ziel sind bekömmliche und genussvolle Speisen, die gesundheitlich wertvoll sind.

Wie schaffe ich es, mehr Rohkost zu essen?

Es ist sicher sinnvoll, sich mit den verschiedenen Theorien und Hintergründen der unterschiedlichen Rohkost-Richtungen näher auseinanderzusetzen, um eine Umgangsweise mit Rohkost zu finden, die den eigenen Bedürfnissen und körperlichen Gegebenheiten am besten entspricht. Wie mit jedem Konzept und jeder Theorie bleibt es jedem von uns selbst überlassen, wie weit wir einer bestimmten Richtung folgen möchten und ab wann wir selbst kreativ werden.

Auch wenn du nicht vorhast, dich gänzlich von Rohkost zu ernähren, findest du in einem gesonderten Beitrag Tipps und Ideen, wie du mehr Rohkost in deine Ernährung integrieren kannst.

Weitere interessante Ideen zum Thema Rohkost gibt es in unserem Buchtipp:

Ernährst du dich ganz oder teilweise von Rohkost und hast Ideen und Tipps, die du mit uns und den anderen Leserinnen und Lesern teilen möchtest? Dann freuen wir uns auf deinen Kommentar!

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  1. Walter gröger

    Rohkost ist seinen Körper kreativ zu verstehen. Oder weniger ist besser in Verbindung mit natürlicher Energie.

    Allerdings gibt es so gut wie keine lobby die sich auch wissenschaftlich mit den positiven und negativen Effekten auseinander setzt.

    Viel Erfolg und gute Blutwerte im Auge haben.

    Antworten

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