Myrrhe-Tinktur selber machen: Natürliche Hilfe bei Entzündungen
Egal ob Zahnfleischbluten, hartnäckige Aphthen oder kleine Hautentzündungen, eine Myrrhe-Tinktur gehört zu den wirkungsvollsten Mitteln, die uns die Naturheilkunde für die Pflege der Schleimhäute bietet. Denn das Harz des Myrrhestrauchs (Commiphora myrrha) wirkt stark zusammenziehend (adstringierend), entzündungshemmend und desinfizierend.1 Anstatt zur fertigen Lösung aus der Apotheke zu greifen, kannst du die Tinktur selber machen – mit nur zwei Zutaten.
Myrrhe-Tinktur selber machen
Da sich die wertvollen Harzsäuren und ätherischen Öle der Myrrhe kaum in Wasser, aber hervorragend in Alkohol lösen, ist ein alkoholischer Auszug die effektivste Methode, um die Wirkstoffe zu konservieren.
Was du brauchst:
- 20 g Myrrhe-Harz: Erhältlich in der Apotheke, im Kräuterfachhandel oder im gut sortierten Bioladen. Achte auf Arzneibuchqualität.
- 100 ml hochprozentiger Alkohol: Mindestens 70 % Vol. (z. B. Weingeist, Primasprit oder ein hochprozentiger klarer Schnaps).
- Zubehör: Mörser, ein sauberes Schraubglas, ein feiner Filter (Kaffeefilter oder feines Tuch) und eine dunkle Tropfflasche zur Aufbewahrung.
Benötigte Zeit: 21 Tage und 10 Minuten
Um eine Myrrhe-Tinktur herzustellen, braucht es vor allem Zeit. Damit die Herstellung gelingt, empfiehlt es sich, das Harz sehr fein zu zerkleinern. Wenn es klebrig ist, lege es vorher für eine Stunde in den Gefrierschrank – dann lässt es sich leichter pulverisieren.
- Harz zerkleinern
Myrrhestücke in einem Mörser so fein wie möglich zerkleinern.
- Tinktur ansetzen
Das zerkleinerte Harz in das Schraubglas geben und mit den abgemessenen 100 ml Alkohol auffüllen. Fest verschließen und bei Zimmertemperatur ziehen lassen. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, um die Wirkstoffe zu schützen.
- Täglich aufschütteln
Das Glas einmal täglich sanft aufschütteln, damit sich die Wirkstoffe optimal lösen. Der Alkohol wird sich mit der Zeit rötlich bis braun verfärben.
- Myrrhe-Tinktur filtern
Die fertige Tinktur durch einen Kaffeefilter oder ein feines Tuch abgießen, um die Harzrückstände zu entfernen. Hinweis: Die Tinktur färbt stark! Achte beim Filtern und bei der Anwendung darauf, dass keine Tropfen auf Kleidung oder empfindliche Oberflächen gelangen.
- Fertige Tinktur abfüllen
Die Myrrhe-Tinktur abfüllen und mit Namen und Datum beschriften.
Anwendung in der Hausapotheke
Die Myrrhe-Tinktur ist ein Konzentrat und sollte immer verdünnt angewendet werden – mit wenigen Ausnahmen.
Für Mund und Rachen
Bei Zahnfleischentzündungen, Druckstellen durch Prothesen oder Halsschmerzen werden in der Volksmedizin 5 bis 10 Tropfen auf ein halbes Glas lauwarmes Wasser gegeben. Damit ein- bis zweimal täglich gurgeln oder den Mund spülen. Es festigt das Gewebe und lindert den Schmerz.

Akut-Hilfe bei Aphthen
In diesem Fall kann die Tinktur als traditionelle Anwendung pur aufgetragen werden. Tupfe sie punktuell auf die Aphthe auf. Da 70%iger Alkohol die Schleimhaut reizen kann, sollte dies aber nur kleinflächig geschehen. Im Zweifelsfall auch hier leicht verdünnt anwenden. Es brennt kurzzeitig, bildet aber einen schützenden Film und beschleunigt die Heilung.
Tipp: Hier findest du weitere Hausmittel bei Aphthen.

Gegen Pickel und Hautunreinheiten
Aufgrund der desinfizierenden Wirkung kannst du die Tinktur auch punktuell mit einem Wattestäbchen auf Pickel tupfen. Vorsicht: Der hohe Alkoholgehalt kann die Haut stark austrocknen, nicht großflächig anwenden.
Haltbarkeit und Gegenanzeigen
An einem kühlen, dunklen Ort ist die Tinktur mindestens ein bis zwei Jahre haltbar. Wichtig: Als Naturheilmittel ist sie für eine Kurzzeitanwendung gedacht. Bei chronischen Beschwerden sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.
In folgenden Situationen ist die Anwendung einer Myrrhe-Tinktur nicht zu empfehlen:
- Schwangerschaft & Stillzeit: Vor allem innerlich, da sie traditionell überliefert die Gebärmutter stimulieren kann.
- Kinder: Aufgrund des hohen Alkoholgehalts ist die Tinktur nicht für Kinder geeignet.
- Nierenerkrankungen: Bei akuten Nierenentzündungen sollte auf Myrrhe verzichtet werden.
- Allergien & Unverträglichkeiten: Teste die Tinktur vor der ersten großflächigen Anwendung an einer kleinen Hautstelle, um allergische Reaktionen auszuschließen.
Regionales Harz als nachhaltige Alternative
Myrrhe ist ein wertvolles Importgut aus den Wüstenregionen Nordost-Afrikas und der Arabischen Halbinsel. Als regionale Alternative für die äußerliche Anwendung auf der Haut (z.B. in Salben) eignet sich Fichtenharz. Dieses dient zum Beispiel oft als Basis für die traditionelle Pechsalbe, die bei Wunden und rissiger Haut hervorragende Dienste leistet. Für die Mundpflege bleibt Myrrhe jedoch unerreicht.

In unserem Buch findest du viele weitere Naturheilmittel, die direkt vor deiner Haustür wachsen:
Hast du schon einmal mit Harzen experimentiert? Schreib uns deine Erfahrungen in die Kommentare!
Diese Themen könnten dir auch gefallen:
- Gänseblümchen-Tinktur mit Natron selber machen – ohne Alkohol
- Alkoholfreie Tinkturen aus Heilkräutern selber machen – mit Essig
- Rosmarinwasser selber machen nach traditioneller Rezeptur
- Backmischungen im Glas: Vom Lieblingsrezept zum DIY-Geschenk

- Weber, L., Kuck, K., Jürgenliemk, G., Heilmann, J., Lipowicz, B. & Vissiennon, C. (2020). Anti-Inflammatory and Barrier-Stabilising Effects of Myrrh, Coffee Charcoal and Chamomile Flower Extract in a Co-Culture Cell Model of the Intestinal Mucosa. Biomolecules, 10(7), 1033. ↩︎
