Rumtopf ansetzen – Obst haltbar machen nach Omas Art
Sommerzeit ist Erntezeit! Ob reiche Ausbeute aus dem eigenen Garten oder gerettetes Obst vom Foodsharing – oft sammeln sich mehr reife Früchte an, als sich kurzfristig verbrauchen lassen. Um diesen Überschuss haltbar zu machen, gibt es zahlreiche bewährte Konservierungsmethoden. Eine besonders originelle und weitgehend in Vergessenheit geratene Methode: Einen Rumtopf ansetzen!
Dieses Rezept aus Omas Zeiten mag etwas aus der klassischen Vorratshaltung herausfallen, erweist sich jedoch als überaus praktische Zero-Waste-Lösung. Denn auf diese Weise lassen sich über den gesamten Sommer hinweg immer wieder kleinere Mengen übrig gebliebener Früchte verwerten. Schicht für Schicht entsteht ein aromatischer Genuss, der besonders in den Wintermonaten seinen Reiz entfaltet. Wie einfach das funktioniert und worauf du achten solltest, erfährst du hier.
Rumtopf ansetzen – Schritt für Schritt
Schwierigkeit: EinfachDas Rezept ist einfach umzusetzen, erfordert aber ein wenig Geduld. Neben den Zutaten werden ein paar Utensilien benötigt: ein hohes, verschließbares Gefäß mit mindestens drei bis vier Litern Fassungsvermögen (z.B. ein klassischer Steinguttopf oder ein großes Einmachglas), so wie ein kleiner Teller zum Beschweren der Früchte.
Traditionell wird der Rumtopf im Juni mit den ersten Erdbeeren begonnen. Danach kommen über den Sommer hinweg immer wieder neue saisonale Früchte hinzu, bis der Topf im Spätherbst ruht. Du kannst die Früchte aber natürlich nach Geschmack und Verfügbarkeit auswählen.
Wichtig: Achte auf den Alkoholgehalt des Rums. Handelsüblicher Rum mit 38 % oder 40 % reicht nicht aus, da die Früchte sonst gären!
Zutaten
Frisches Obst
Haushaltszucker oder feiner Rohrohrzucker
Rum mit mindestens 54 % Alkoholgehalt
Zubereitung
- Früchte waschen, sorgfältig abtrocknen, putzen, (falls nötig) entkernen und in mundgerechte Stücke schneiden.
- Das Obst in einer Schüssel mit Zucker mischen und 1 bis 2 Stunden ziehen lassen. Die Zucker-Regel: Für die erste Schicht verwendest du ein Gewichtsverhältnis von 1:1 (z. B. 500 g Erdbeeren und 500 g Zucker). Für alle folgenden Schichten reicht in der Regel die Hälfte des Fruchtgewichts an Zucker aus (Verhältnis 2:1, also z. B. 500 g Obst und 250 g Zucker).
- Das gezuckerte Obst in ein sterilisiertes (z. B. mit kochendem Wasser ausgespültes) Gefäß füllen.
- So viel hochprozentigen Rum (54 %) darübergießen, bis alle Früchte etwa 2 cm hoch mit Flüssigkeit bedeckt sind.
- Schwimmen die Früchte oben, beschwere sie mit einem kleinen, sauberen Teller. Verschließe den Topf und stelle ihn an einen kühlen, dunklen Ort.
- Sobald du neues Obst hast, mischst du dieses mit der halben Menge Zucker, gibst es in den Topf und füllst wieder so viel 54-prozentigen Rum nach, bis auch die neue Schicht wieder 2 cm hoch bedeckt ist. Verwende zum Einfüllen, Umrühren oder Probieren immer einen frisch gespülten Löffel, um keine Keime in den Topf zu bringen.
Die wichtigsten Tipps für den perfekten Rumtopf
Damit es nicht zu unangenehmen Überraschungen kommt und dein Obst haltbar bleibt, beachte diese Kleinigkeiten:
- Vollständig bedeckt: Um zu verhindern, dass das Obst anfängt zu gären oder gar schimmelt, muss es immer komplett mit Rum bedeckt sein.
- Dunkel und kühl: Licht und Wärme schaden dem Reifeprozess. Ein Keller oder eine kühle Speisekammer sind ideal.
Welches Obst eignet sich für den Rumtopf?
Du kannst fast jedes heimische Obst in den Rumtopf geben. Besonders gut eignen sich Beerenfrüchte (Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren), Kirschen, Pfirsiche, Pflaumen und Birnen.
Ausnahmen – Dieses Obst gehört nicht in den Rumtopf:
- Zitronen und Orangen (machen ihn bitter)
- Bananen (werden matschig)
- Melonen (enthalten zu viel Wasser und verwässern den Alkohol)
Wichtig: Verwende niemals matschiges, fauliges oder schimmeliges Obst!
Wann ist der Rumtopf fertig?
Ein traditioneller Rumtopf ist ein echtes Slow-Food-Projekt und verlangt ein wenig Geduld. Da er im Idealfall über den ganzen Sommer hinweg immer wieder mit neuen Schichten aus gerettetem Obst gefüttert wird, wächst er über mehrere Monate heran.
Als Faustregel gilt: Nachdem du im Spätherbst (meist im Oktober oder November) die letzte Schicht Obst hinzugefügt hast, braucht der Topf noch einmal vier bis sechs Wochen ungestörte Ruhezeit an einem kühlen, dunklen Ort. In dieser Zeit verbinden sich die Aromen der verschiedenen Früchte, der Zucker und der Rum zu einer harmonischen Einheit.
Traditioneller “Anstich” für den fertigen Rumtopf ist dann pünktlich zum ersten Advent. So hast du direkt zum Start der kalten Jahreszeit eine hausgemachte, wärmende Köstlichkeit für gemütliche Winterabende oder ein wunderbares DIY-Geschenk aus der Küche parat.
Das Ergebnis ist ein herrlich wärmendes Getränk und fantastisches Obst, das perfekt zu Vanilleeis, Waffeln oder einfach für gemütliche Herbst- und Winterabende geeignet ist.
Wie hoch ist der Alkoholgehalt im fertigen Rumtopf?
Wer zum ersten Mal einen Rumtopf ansetzt, schreckt oft vor dem hochprozentigen Rum (54 %) zurück. Aber keine Sorge: Das fertige Endprodukt ist weit weniger stark, als es am Anfang den Anschein macht.
Während der monatelangen Reifezeit findet ein physikalischer Prozess statt: Durch Osmose entzieht der hochprozentige Rum den Früchten ihren Saft, während der Alkohol in die Früchte eindringt. Durch diese gegenseitige Durchdringung sinkt der Alkoholgehalt der Flüssigkeit auf etwa 18 bis 25 % ab.
Aber Vorsicht: Die süße Flüssigkeit schmeckt gefährlich mild, und die Früchte selbst saugen sich während der Ruhezeit wie kleine Schwämme mit dem Alkohol voll. Die “beschwipsten” Beeren und Kirschen haben es also im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Damit ist ein Rumtopf definitiv nur ein Genuss für Erwachsene!
Tipp zum Verschenken: Rumtopf eignet sich wunderbar als Geschenk aus der Küche! Fülle dafür im Herbst einfach kleinere Portionen aus dem großen Topf in hübsche Einmachgläser um und verschenke sie an Freunde und Familie.
Wie sich Lebensmittel ausgesprochen köstlich und abwechslungsreich haltbar machen, kannst du in unserem Buch entdecken:
Was machst du mit überschüssigem Obst? Bringe deine Ideen hier mit ein!
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Hallo ihr Lieben,
das ist eine schöne Erinnerung an Omas Küche, sie hat das auch jedes Jahr so gemacht! Ich gebe immer noch eine aufgeschlitzte Vanilleschote mit in den Topf, das gibt den Früchten über die Monate ein ganz besonders feines Aroma.
Viele Grüße
Hallo alle
Kann ich in de Rumtopf auch getroknete Feigen ,Datteln und pekanussnüsse geben ?
Lieber Andreas, bei Trockenfrüchten wie Feigen und Datteln solltest du vorsichtig sein, da sie viel Flüssigkeit aufsaugen und den Topf austrocknen können. Von Nüssen raten wir eher ab, da die enthaltenen Fette im Rumtopf ranzig werden können. Traditionell eignet sich frisches, wasserreiches Obst am besten.
Ich versuche mich in diesem Jahr das erste Mal an einem Rumtopf. Meine Frage dazu: Wie groß sollten Frühstücke sein? Ehr klein geschnitten?
Kurze Frage. Ich hatte euer Rezept für den Rum Topf erst zu spät gefunden. Die Früchte hatten mit sehr viele weniger Zucker für eine Stunde gezogen und bereits im Rum Töpfle. Sollte doch ok sein oder?
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Das wird sicher gehen, und die Süße hängt ja auch vom Geschmack ab. Solange der Alkoholgehalt passt, wird es auch sicher nicht verderben.
Berichte doch gern, wie es geworden ist bzw. sich weiter entwickelt 🙂💚
Liebe Grüße
Vorschlag für supereinfaches, rohes Apfelmus:
Äpfel (möglichst bio) waschen und entkernen, in Stücke schneiden, optional Zimt nach Geschmack dazugeben, jedoch keinen Zucker. In Mixer oder Küchenmaschine fein pürieren, inklusive Schale. In saubere Gläser füllen und in der Gefriertruhe lagern. Bei Bedarf ein Glas über Nacht im Kühlschrank auftauen lassen. Das Apfelmus hält sich dann im Kühlschrank 2 Wochen oder länger.
Auch saure Äpfel eignen sich sehr gut, denn das im rohen Muss enthaltene Enzym Amylase, das im Apfel für den Umbau von Stärke zu Zucker verantwortlich ist, wandelt beim Auftauen blitzschnell einen Teil der verbliebenen Stärke in Zucker um, so dass das Apfelmus beim Verzehr süsser als beim Abfüllen ist. Faszinierend!
Zimt im Muss schmeckt hervorragend.
Dieses besonders gesunde Apfelmuss kann man dann mit Vanilleeis geniessen, ins Müssli geben, mit einigen Löffeln einen Salat aufpeppen, Kartoffelpuffer damit bestreichen, als Kleinkindnahrung verwenden, leckeren Fruchtquark damit anrühren, als Zutat für Smoothies verwenden… die Kreationsmöglichkeiten sind endlos.
Liebe Sabine,
vielen Dank für diese wunderbare Idee, die wir unbedingt ausprobieren werden.
Liebe Grüße