Kauft keinen Müll – Diese Produkte sind entwickelt für Wiederverwertung

Abfälle wiederverwenden ist oft einfacher gesagt als getan. Ein Lösungsansatz ist, schon bei der Produktentwicklung über die Weiternutzung nachzudenken!von Zhiying.lim [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Wir haben uns schon oft mit den Themen Abfallvermeidung (Plastik, Nahrungsmittel, Upcycling und Weiterverwendung von wertvollen Rohstoffen) beschäftigt.

Wäre es aber nicht toll, wenn Produkte von vorneherein so entwickelt würden, dass sie keinen Abfall verursachen? Was wäre, wenn schon bei der Herstellung eines Produkts feststehen würde, wie man die Rohstoffe weiterverwenden kann? Ist das nur Wunschdenken und reine Utopie oder doch praktisch realisierbar?

Die Initiative Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) hat sich genau dieses Ziel auf die Fahnen geschrieben.

Unsere heutige Wirtschaftsweise läuft von der „Wiege zur Bahre“, also nach dem Prinzip: Wir nehmen, produzieren und verschwenden. So entstehen massenweise unnötiger Abfalldeponien, die unseren Kindern ein schweres, teilweise sogar toxisches Erbe hinterlassen.

Unser so genanntes Recyclingsystem entpuppt sich eher als Downcycling, da „recycelte“ Produkte meist einen immensen Qualitätsverlust hinnehmen müssen. Geschweige denn, dass die meisten Kunststoffe, die im Gelben Sack landen, gar nicht recycelt werden können aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Kunststoffen. Oder hast du schon einmal eine Plastikflasche aus recycelten Stoffen gesehen? Stattdessen werden sie in Müllheizkraftwerken verbrannt, um wenigstens noch etwas Energie daraus gewinnen zu können.

Auf der Kehrseite stehen zunehmenden Rohstoffknappheit, Umweltvergiftung, Abfalldeponien, mit Plastik überschwemmte Weltmeere und versteckte Schadstoffe in fast allen Produktbereichen.

Ein Lösungsansatz ist es, den eigenen Konsum kritisch zu hinterfragen und bewusster und intelligenter zu konsumieren! Mit unserem Konsumverhalten und Produktentscheidungen wählen wir auch, in welcher Welt wir leben wollen. Es gibt schon einige interessante Werkzeuge, mit denen wir unsere täglichen Einkaufsentscheidungen bewusster steuern können.

Cradle to Cradle – von der Wiege zur Wiege beschäftigt sich mit der hundertprozentigen Kreislaufführung. Das Ziel ist eine umfassende Produktqualität und Nützlichkeit. Es geht primär um Effektivität, anstatt um Effizienz – erst einmal das Richtige tun, bevor es optimiert werden kann.

Cradle to Cradle setzt bereits bei der Konzipierung der Produkte an, d.h. die C2C-Produkte bzw. deren Bestandteile werden sortenrein trennbar entwickelt, sodass sie entweder biologisch abbaubar sind oder in einen technischen Kreislauf zurückgeführt werden können. Gleich dem System der Natur entsteht somit kein Abfall, sondern in Kreisläufen zirkulierende Rohstoffe.

Bekanntestes Beispiel im deutschsprachigen Raum ist wohl der Frosch Citrus Dusche und Badreiniger. Nicht nur entspricht der Inhalt dem C2C Prinzip. Sogar die Flasche besteht aus über 80 % recyceltem Kunststoff.

Um ein Höchstmaß an Produktinnovation, -qualität und Verbraucherschutz zu gewährleisten, durchlaufen alle zwei Jahre sämtliche Cradle to Cradle zertifizierten Produkte den Zertifizierungsprozess von Neuem. Die Cradle to Cradle Zertifizierung umfasst die folgenden fünf Bewertungskriterien und ist weltweit eines der am strengsten überwachten Labels.

Materialbewertung:

Dabei werden alle Inhaltsstoffe identifiziert und auf ihre toxikologischen wie auch ökotoxikologischen Eigenschaften hin bewertet. C2C zertifizierte Produkte stellen somit kein Gesundheits- und Umweltrisiko dar.

Materialkreislauffähigkeit:

Jedes Produkt wird in biologischen oder technischen Kreisläufen geführt. Dazu wird ein Plan zur Realisierung abhängig von der Zertifizierungsstufe definiert. Die Rohstoffe des Produkts werden anhand eines so genannten „Kreislauffähigkeitsindex“ bewertet. Somit werden C2C zertifizierte Produkte und ihre Materialien zum problemlosen Wiederverwerten entworfen, was eine effektive Nutzung endlicher Ressourcen sicherstellt.

Energienutzung:

Zum Einen werden der Energieverbrauch sowie der Anteil an erneuerbaren Energien innerhalb des Produktionsprozesses erfasst. Das Ziel ist eine Nutzung von 100 % erneuerbaren Energien, was vor allem Energiesicherheit und -unabhängigkeit bedeutet.

Wassernutzung:

Die Herstellerunternehmen von Cradle to Cradle zertifizierten Produkten verpflichten sich zu Grundsätzen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, die auf ein Wassermanagement und Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität abzielen.

Soziale Verantwortung:

Die Produktionsunternehmen verpflichten sich zu sozialen Grundsätzen und fördern damit soziale Gerechtigkeit und Menschenwürde.

Wenn du mehr über C2C erfahren möchtest, oder gar aktiv an der Ausgestaltung und Verbreitung dieser Idee arbeiten möchtest, ist der Cradle to Cradle e.V. die richtige Anlaufstelle.

Im Buch Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren erfährst du mehr über Hintergründe und Umsetzungsmöglichkeiten von C2C.

Produkte zu finden, die schon C2C Zertifiziert sind, ist gar nicht so leicht.

Ein spezialisierter C2C-Onlineshop entsteht auf cradlelution.de. Schon heute kannst du dort C2C zertifizierte Kleidungsstücke erwerben.

Eine Übersicht aller zerifizierten Produkte in den verschiedenen Levels findest du auf c2ccertified.org.

Was hältst du von diesem Ansatz? Hast du schon einmal – bewusst oder unbewusst – C2C gekauft?

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10 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Lieber Cl Lu,
    es ist klar, dass wir unsere Welt nicht von heute auf morgen umkrempeln können. Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut. Es ist ein Prozess und irgendwo und irgendwann müssen wir anfangen. Ich sehe C2C als guten Lösungsansatz, der schon mal in die richtige Richtung geht und zumindest mal die Produktwelt abdecken könnte. Mit C2C allein können wir nicht die Welt retten, das sollte klar sein – dafür sind unsere aktuellen Herausforderungen (Klimawandel, Umweltvergiftung, soziale und ökologische Ausbeutung, Abfallproblematik, Rohstoffknappheit, Hungersnot, Kinderarbeit, etc.) zu komplex und auch immens groß! Dafür brauchen wir mehrere Lösungen, die wir miteinander vereinbaren. Auf globaler Ebene ist dies aus politischen und wirtschaftlichen Aspekten sehr schwierig und träge, aufgrund extrem starker Beharrungskräfte, die am alten konventionellen System festhalten, um den größtmöglichen Profit daraus zu ziehen! Ich finde bei allen schlechten Nachrichten und pessimistischen Einstellungen, dass wir am besten gar nicht auf der Welt sein sollten und durch die Überbevölkerung jedes neugeborene Kind eins zu viel wäre, unglaublich borniert! Da ist C2C ein erfrischen positiver Lösungsansatz! Es geht darum, die Dinge intelligent anzupacken, sodass sie positiv und nützlich für uns und unsere Umwelt sind! C2C ist schon fast eine Attitude kann man sagen. Dass wir alle NICHT PERFEKT sind, weiß ja wohl jeder und dass wir nicht ALLES SOFORT umstellen können auch! Für einen nachhaltigen Bewusstseinswandel braucht es Geduld und Ausdauer! Natürlich ist es wichtig, den Status quo kritisch zu hinterfragen und somit Verbesserungen zu initiieren. Aber Verbesserungen brauchen Zeit! ;)

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  2. Noch was: “ Produkte stellen somit kein Gesundheits- und Umweltrisiko dar….“ kann man so nicht sagen. Denn wenn das Plastik nicht in den recycling Kreislauf wandert, verrottet es ebenso schlecht wie anderes Plastik ( ich denke es handelt sich hier auch nicht um Bioplastik) Mikro-und Nanoplastik ist da nicht auszuschließen. Auch für Tiere, die dieses rumliegende Plastik finden haben damit Ihre Probleme. Unabhängig ob es toxikologische Bestandteile hat oder nicht. BTW Bioplastik wird in Deutschland verbrannt und wird in Industriekompostieranlagen aussortiert und der Verbrennung zugeführt. Auf privaten Komposten kann Bioplastik nur in ganz seltenen Fällen verrotten. Bioplastik was Hitze, Säure und Laugen beständig ist, ist kein wirklich gesundes Bioplastik. Weiterhin gibt es Bioplastik was nicht abbaubar ist. Abbaubarre Bioplastik muss nicht zwangsläufig Schwermetall- / Mineralölfrei sein. Auch weist das UBA daraufhin, dass Firmen nicht für Bioplastik werben sollen, solange die Kompostierung und der hohe Ressourcenanteil an Nahrungsmitteln sowie der Anbaubedingungen nicht optimal geklärt ist. Das nur in Kürze. Wer mehr wissen will Hier ein Link zu Bioplastik und seine Zusammensetzungen bzw. Beurteilung auf Kompostierbarkeit. http://findingsustainia.org/de/meyerameyer/bioplastik/

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  3. C2C in Deutschland bei Puma ( , Schwan Stabilo (Green point)und Trigema (Trigema Chance)

    TRIGEMA verkauft diese Artikel nur im Onlineshop und in einem Outlet store.
    Auf der Hauptseite wird man so nicht fündig, man muss schon wissen, dass sie C2C Produkte führen. Hierbei handelt es sich um Biobaumwolle Produkte ohne Knöpfe und ohne Reißverschlüssen: Onlineshop: http://www.trigema.de/TRIGEMA-Change/TRIGEMA-Change-Kollektion/?redirected=1
    Ihr Werbevideo dazu: https://www.youtube.com/watch?v=fPEdlDGS9Us

    SCHWAN STABILO: man wird auch so auf der Seite nicht fündig. Das C2C Produkt heisst hier: Green point Produkt Info: http://www.stabilo-promotion.com/hp2675/GREENpoint-150-6088.htm)

    PUMA: Auf deren Deutscher Internetseite findet man weder unter dem Begriff C2C bzw. InCycle einen Treffer. Mich wundert dies nicht, denn ich hab e noch nirgends in einem Schuhgeschäft diese Puma RecycleTonnen gesehen. Auch wenn es irgendwie anderes umgesetzt wird, es gibt keinen Info dazu.
    Werbespot: https://www.youtube.com/watch?v=j9zfkYHtuMc

    Deuter Rucksäcke haben ihre Bestrebungen wieder eingestellt, da eine Umsetzung unter den momentanen Qualitätsansprüchen nicht realisiert werden kann.

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    • Und einen Möbelhersteller in Süd-Bayern gibt es noch, Name ist mir leider entfallen. des Weiteren gibt es Springbettmatratzen von der Niederländischen Firma Auping, die in einigen deutschen Städten vertrieben werden.

  4. und noch was, was an diesem System noch etwas unschön ist: Zertifizierungen kommen von Cradle to Cradle Products Innovation Institute (C2CPII), die Gründer waren William McDonough and Prof. Dr. Michael Braungart. Es gibt Zweigstellen in San Francisco, CA und Venlo, Niederlande.

    Dann gibt es noch diese Firma McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC), die ihren Sitz in Charlottesville, VA hat und ebenso beratend tätig ist. Wie der Name schon sagt, beide sind hier Mitbegründer.

    Die deutsche Beratungsfirma nennt sich EPEA Internationale Umweltforschung GmbH und sitzt z.B. in Hamburg und CEO und Gründer ist Prof. Dr. Michael Braungart.

    Auch wenn diese C2CPII non profit ist, es sagt so alleine nichts aus. Man findet nicht wirklich Informationen, wie diese C2CPII mit EPEA und MBDC verbunden sind.

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    • Und einen Möbelhersteller in Süd-Bayern gibt es noch, Name ist mir leider entfallen. des Weiteren gibt es Springbettmatratzen von der Niederländischen Firma Auping, die in einigen deutschen Städten vertrieben werden.

  5. Es gibt Plastikflaschen aus teilweise recycelten C2C Plastik. Firma Erdal / Frosch macht es vor. Der Anteil ist allerdings noch keine 100% Und es handelt sich hier auch um Putzmittel, einem Wegwerfartikel. Ich habe noch kein Unternehmen gefunden, dass in der Nahrungsmittelverpackung Recycling Plastik-Pellets verwendet. Mich wundert es nicht. Hat doch jeder Hersteller seine Geheimrezepturen für ein und die selbe Plastikart z.B. PP. Wenn er nun diesen recycelten Einheitsbrei von mehreren Fremdprodukten für sein Nahrungsmittel verwendet, muss er garantieren, dass das Nahrungsmittel einwandfrei ist. Kann er aber bei diesem Mischplastik nicht. Dies gilt ebenso für Plastik bei Gebrauchsgegenständen. Wenn der Hersteller die ständig schwankenden Zusammensetzungen des Rcyclingplastik nicht kennt, will und kann er auch nicht garantieren, dass es 2 oder gar mehr Jahre hält. Man besorgt sich also wieder das reine und ursprüngliche Plastik vom Zulieferer seines Vertrauens mit den Inhaltsstoffen, die immer identisch sind.

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  6. Teils teils. Ich war vor einigen Jahren total begeistert von dieser Idee. Mit der Auseinandersetzung des Problems Plastik (gesundheitliche Implikationen und derUmweltgedanke) sehe ich dies nicht mehr wirklich als Fortschritt. Von der Idee nicht schlecht, doch unser deutsches Kompostierungssystem verbrennt alles was da an „Plastik / Bioplastik“ ankommt. Ausserdem ist der technische Part nicht wirklich als Retoure zum Hersteller geplant. Wäre der Hersteller verpflichtet die technischen Teile auch wieder in seine neue Produkte mit einfließen zu lassen, dann hätte es zumindest einen echten UP-Recycling-Wert. Beispiel: Puma nimmt seine Schuhe zwar zurück, lässt aber Aschenbahnen daraus machen = downcyceling. Da ist nicht viel gewonnen. Wie viele Aschenbahnen braucht der Mensch eigentlich? Und Mikro- und Nanoplastik kann durch diese Plastikteile ebenso entstehen.

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  7. Genau solche positiven Lösungen brauchen wir! Damit können wir Schritt für Schritt unsere Welt besser gestalten!

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  8. Wow, coole Sache!

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