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Sebum only – die richtige Bürste für jeden Haartyp
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Spliss, Schuppen, fettige oder trockene Haare all das kannst du durch die richtige Bürste in den Griff bekommen - für natürlich schönes Haar ohne Chemie.

Wusstest du, dass die richtige Haarbürste auf dem Kopf weit mehr bewirken kann, als nur die Haare zu entwirren und zu stylen? Vor allem (aber nicht nur) für Menschen, die permanent mit geschädigtem oder extrem fettigem Haar, Spliss, Schuppen und sogar Haarausfall zu kämpfen haben, bietet sich die Haarbürste als alleiniges Werkzeug für eine Rundum-Pflege an. Die Haarwäsche ohne Wasser, nur durch Bürsten (= Sebum only) wird immer populärer, auch wenn es sich im ersten Moment paradox anhört, auf sämtliche gewohnten Pflegeprodukte zu verzichten.

Entscheidend für den erfolgreichen Umstieg auf diese Reinigungsmethoden ist auch die richtige Bürste! Denn nur mit einer auf die Bedürfnisse von Kopfhaut und Haaren ausgerichteten Haarbürste stellt sich der gewünschte zusätzliche Pflege- und Reinigungserfolg ein. Dagegen können billige Produkte mit Borsten aus Plastik oder Metall sogar mehr schaden als nützen.

Aber auch beim Waschen mit milden, natürlichen Mitteln wie Roggenmehl oder Lavaerde unterstützen intensive Bürstenstriche mit hochwertigen Naturhaarbürsten den erfolgreichen Umstieg.

Was leistet die richtige Haarbürste?

Bürste ist nicht gleich Bürste. Sowohl bei Material, Form als auch bei der Anordnung und der Gestalt der Borstenbüschel gibt es große Unterschiede, die alle für bestimmte Haartypen mehr oder weniger vorteilhaft sind. Alle Haarpflege-Bürsten haben jedoch eines gemeinsam: Sie bestehen aus Naturmaterialien und leisten weit mehr als nur das Entwirren und Styling der Haare. Das alles kann eine gute Haarpflege-Bürste:

  • Vorreinigung der Haare vor der Wäsche – sie entfernt Schuppen, Staub, Pollen und überschüssigen Talg, wodurch mildere Haarwaschmittel verwendet werden können
  • Kann die Haarreinigung sogar vollständig übernehmen (Haarwäsche nur durch Bürsten = Sebum only)
  • Intensive, natürliche Haarpflege durch Verteilung des Talgs bis in die Spitzen, hilft gegen Haarschäden und Spliss, macht die Haare auf Dauer natürlich schöner
  • Fördert die Durchblutung der Kopfhaut und führt damit zu einer verbesserten Nährstoffaufnahme in den Haarwurzeln für gesundes, kräftiges Haar
  • Stimuliert und kräftigt die Haarwurzeln – hilft gegen bestimmte Arten von Haarausfall

Um diese vielseitigen Aufgaben erfüllen zu können, benötigen Haarpflege-Bürsten besondere Eigenschaften. In diesem Beitrag erkläre ich, wie deine, dem Haartyp entsprechende Bürste aussieht und wie du Naturbürsten am besten reinigst, um lange Freude daran zu haben.

Spliss, Schuppen, fettige oder trockene Haare all das kannst du durch die richtige Bürste in den Griff bekommen - für natürlich schönes Haar ohne Chemie.

Eigenschaften guter Haarpflegebürsten

Um reichlich Talg aufzunehmen, sollte die Bürste aus saugfähigen Naturmaterialien bestehen. Kunststoff-, Metall- oder Holzbürsten sind dazu nicht geeignet, auch Kombibürsten funktionieren eher ungenügend. Die beliebten Tangle-Teaser haben bei Sebum only nur noch eine Entwirrungsfunktion, auch wenn sie bei Water only noch relativ gut bei der Unterwasser-Bürstenreinigung abschneiden.

Am besten geeignet sind Haarpflegebürsten aus Wildschweinborsten. Sie sind dem menschlichen Haar sehr ähnlich, bestehen aus Keratin und haben eine dem Haar optimal angepasste Aufnahme- sowie Abgabemöglichkeit für das Sebum, den körpereigenen Haartalg.

Die vegane Alternative Sisal ist ebenfalls verwendbar, wenn auch nicht ganz so gut geeignet wie Wildschweinborsten-Bürsten. Sisal-Bürsten bestehen aus pflanzlichen, eher starren Fasern. Bei Kostkamm findest du eine große Auswahl dieser veganen Frisierbürsten. Vegane Haarpflegebürsten sind eher selten zu finden und nur für wenige Haartypen überhaupt als solche verwendbar. Die verringerte Aufnahmefähigkeit von veganen Borsten kann man mit Papier vergleichen. Ein Blatt Papier ist zu hart und zu gepresst, um Öle schnell und ausreichend aufzunehmen. Im Vergleich kann ein lockeres und saugfähiges Küchenpapier die Leistung der tierischen Borsten verdeutlichen: Es saugt schneller Fette auf und kann sie auch wieder abgeben und verteilen.

Merkmale guter Haarbürsten

Je nach Haartyp eignen sich unterschiedliche Arten von Naturbürsten besser oder schlechter. Die folgenden Eigenschaften sind dafür von Bedeutung (weiter unten findest du eine Entscheidungshilfe für deinen Haartyp):

1. Borstenreihen:

Je mehr Borstenreihen hintereinander vorhanden sind, desto schwerer lässt sich das Haar damit vollständig durchstreichen. Bei kürzeren, dünneren und glatteren Haaren kann eine Bürste mit mehr Reihen verwendet werden, als bei voluminösen bzw. sehr dichten, langen oder welligen bis lockigen Haaren.

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2. Abstand der Borstenbündel:

Auch der Abstand der Borstenbüschel untereinander spielt eine Rolle. Durch einen erweiterten Abstand zwischen den einzelnen Büscheln wird das zügige Bürsten besonders bei langen, lockigen oder auch bei dicht wachsenden Haaren erleichtert. Härtere Borsten können wiederum dichter bestückt sein als weiche Borsten.

3. Evilierte Borsten:

Unter eviliert versteht man, dass jedes einzelne Bündel unterschiedliche Borstenlängen aufweist. Diese Eigenschaft erleichtert das Bürsten und schont die Kopfhaut. Den meisten Bürsten aus Drogeriemärkten oder Internetshops fehlt diese Eigenschaft. Bei den Pflegebürsten der Firmen Kostkamm, Dr. Dittmar und Mason Pearson ist die evilierte Form deutlich ausgeprägt.

4. Borstenverlauf:

Sieht man sich die Bürste in der Seitenansicht an, können die Borstenbündel unterschiedliche Höhen aufweisen. Diese reichen von nach außen gewölbt, über gerade bis nach innen gewölbt. Der Verlauf entscheidet über eine großflächige, druckentlastende, angenehme Massage und flächendeckende Reinigung der Kopfhaut.

Gerader Verlauf: Der Kontakt auf der gewölbten Schädelform ist eher gering. Instinktiv drückt man fester auf und kommt dem Wunsch nach mehr Kontakt zur Kopfhaut nicht näher, begünstigt aber durch zu intensiven Druck Haarwurzelentzündungen.

Konkaver Verlauf: Der Verlauf der Büschel ist durch kürzere Büschel in der Mitte optimal der Kopfhaut angepasst. Auch ohne Druck besteht flächiger und gleichmäßiger Kontakt zur Kopfhaut. Man findet solche Formen bei den Firmen Kostkamm und Dr. Dittmar.

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Konvexer Verlauf: Der höchste Punkt der Bürste befindet sich in der Mitte. Diese Form ist vor allem bei Bürsten mit pneumatischem Borstenkissen anzutreffen. Gibt das Polster (Pad) auf leichte Berührung nach, ist ein höherer, schonender Kopfhautkontakt möglich. Bei zu festem Druck wird jedoch die Kopfhaut stark strapaziert und die Kontaktfläche ist weiterhin zu gering, was leider bei den meisten Padbürsten der Fall ist. Die einzige Pneumatikbürste, die sich bei befragten Personen mit guten Ergebnissen bewährt hat und für die Kopfhaut angenehm ist, ist auch die teuerste Wildschweinborsten-Bürste der Luxusfirma Mason Pearson. Auch das Einklemmen von Haaren ist bei Padbürsten manchmal ein Problem.

5. Borstenhärte:

Die Härte bzw. Biegsamkeit der Borsten ist entscheidend für das zügige Durchbürsten bei dichten und dicken, sowie lockigen Haaren. Abhängig von der Schnitthöhe (1. oder 2. Schnitt) und der Körperregion, von der die Borsten stammen (Nacken/Rücken zu restlicher Behaarung) unterscheiden sich weiche, mittelharte, harte oder sehr harte Borsten. Zusätzlich ist die Wildschweinrasse ausschlaggebend. Zu den härtesten Borsten zählen die Haare des in China lebenden Chungking-Wildschweins, die nur von dem in Indien beheimateten Calcutta- („Himalaya-“) Wildschwein noch überboten werden. Letztere Borsten bieten noch eine weitere Steigerung durch extra lange Borsten des 1. Schnitts. Dadurch sind sie für lange, viele, dicke und lockige Haare besonders gut geeignet. Ihre extraharte Veranlagung verlangt jedoch einen manuellen Einzug. Weiche Bürsten zählen eher zu den Frisierbürsten, denn die Massage- und Reinigugswirkung ist aufgrund des mangelnden Durchzugs gering.

Die fünfreihige Himalayaborsten-Bürste von Dr.Dittmar oder die Calcuttaborsten von Kostkamm sind besonders hart und sind wegen weiteren Kriterien sogar für langes, dichtes und sehr lockiges Haar geeignet.

6. Borstenspitzen (Knubbeln)

Wenn die Borstenspitzen hellere Knubbel aufweisen, dann handelt es sich um verhornte Haarwurzeln des 1. Schnitts. Dieser ist besonders lang und kann wie bei Kostkamm und Dr. Dittmar unterschiedlich geknickt als doppelte Borste verarbeitet werden. So entsteht automatisch eine natürliche Evilierung, die aus 50 % verhornten Borstenspitzen besteht. Das weichere Haarwurzel-Ende wird als längste Borste im Büschel verarbeitet, wodurch die Kopfhaut auf natürliche Weise ähnlich wie die Kunststoffkügelchen auf Metallborsten bei zu viel Druck geschützt wird.

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Aber Vorsicht, es gibt Bürsten, die hellere Enden nur durch Bleichung bzw. Färbung imitieren. Auffällig ist diese Vortäuschung bei einer Padbürste von ebelin.

7. Holzgriff oder Kunststoffgriff

Gewachstes Hartholz besitzt eine höhere Qualität als weiche Holzarten, die bei Wasserkontakt durch das häufige Reinigen leichter aufquellen, Borsten verlieren oder sogar Risse im Holz bekommen.

Es existieren auch Wildschweinborsten-Bürsten aus thermobehandeltem Holz, welches sehr widerstandsfähig gegen Wasser ist. Bei Holzbürsten mit Pads kann sich der Holzrahmen schneller spalten, weil leichter Wasser eindringt. Dies ist ein Grund, warum die hochwertigen Pneumatikbürsten von Mason Pearson nicht aus Holz gefertigt sind.

Hochwertige Haarpflegebürsten findest du zum Beispiel bei Kostkamm, Dr.Dittmar und Mason Pearson.

Entscheidungshilfe: Welche Bürste für welchen Haartyp?

Die folgenden Empfehlungen resultieren aus ausführlichen Gesprächen mit den Bürsten-Herstellern (Kostkamm und Dr. Dittmar) einerseits sowie aus umfangreichen Erfahrungen von mir selbst als auch vielen befragten Anwendern. Beispielhaft beziehe ich mich direkt auf die Artikel bei Kostkamm mit Angabe der Artikelnummer, andere Bürsten mit vergleichbaren Eigenschaften sollten aber entsprechend geeignet sein.

1. Leicht welliges oder glattes, aber dichtes, Haar

Von glatt bis leicht wellige Haare, die einen dichten Haarwuchs aufweisen und noch dazu eine Haardicke von fein bis normal haben, kommen mit einer harten chinesischen Borste des 1. Schnitts gut aus. Mehr als fünf Reihen sollte die Bürste (4010) nicht haben, weil sonst das Durchkommen erschwert wird.

Je dichter und welliger das Haar umso geeigneter ist die Langhaar-Pflegebürste (4018) , mit extraharten und minimal längeren Borsten. (Hinweis: als dicht zählen auch lange Stirnhaare.)

Die teurere fünfreihige Bürste (4019) mit extra starken und langen Borsten ist ebenso geeignet.

2. Leicht welliges oder glattes, aber nicht dichtes Haar

Haare geringer bis mittlerer Dichte, die entweder leicht wellig (aber eher kurz) oder glatt sind, werden mit der harten chinesischen Borste (1. Schnitt) auch bis sieben Reihen noch gut gebürstet (4020 oder 4030).

Eine verbesserte Durchblutung und zügigeres Durchziehen ermöglicht für diesen Haartyp die extraharte Bürste mit sieben Reihen (4038) denn sie stößt erst bei dichtem Haarwuchs an ihre Grenzen. Bei vielen Haaren bietet sich das Scheiteln als Notlösung an, um mit ihr noch erfolgreich zu sein.

Es spricht auch nichts gegen die Verwendung der fünfreihigen 4010, die schon für das problematische dichte Haar geeignet war.

3. Welliges oder dickes, aber nicht dichtes Haar

Bei einer normale Haarmenge, die entweder wellig oder dick ist, bieten sich die extraharten Calcutta- oder Himalayaborsten mit maximal 7 Reihen an (4038).

Noch besser sind die teureren Handeinzugsbürsen mit den extraharten und langen Borsten (4019 oder 4029) geeignet.

4. Lockiges und zusätzlich dicke oder viele Haare

Dieser Haartyp braucht die besonderen Eigenschaften der extralangen und extrem harten Himalaya-/Calcuttaborsten des 1. Schnitts. In fünf Reihen gewährleisten sie ein optimales Durchziehen sogar bei vielen und langen Haaren. (Artikelnummer 4019)

Bei normaler Haarmenge mit identischen Eigenschaften sind auch sieben Reihen möglich (Artikelnummer 4029).

Da diese handgefertigten Bürsten die höchsten Anforderungen erfüllen, sind sie ebenso für feines, glattes oder welliges Haar geeignet.

5. Schütteres und feines, kurzes Haar

Dieser Haartyp in Verbindung mit empfindlicher Kopfhaut kommt mit den weicheren Borsten des 2. Schnitts der Chungkingborste gut zurecht (4025 und 4035).

6. Sisalborsten nur für feines Haar

Für feines Haar, aber für keinen der anderen Haartypen, eignet sich die vegane Haarpflegebürste aus Sisal. Aufgrund der notwendigen Büscheldichte ist sie für dichtere Haartypen weniger zu gebrauchen. Eine geringere Anzahl an Büscheln wäre nicht mehr stabil genug, um die Kriterien der Haarpflegebürste für andere Haartypen zu erfüllen. Auch ist eine solche Bürste nur trocken verwendbar, denn im feuchten Zustand verlieren die Sisalborsten schnell ihre Stabilität, knicken leicht und brechen ab. Eine vorsichtige Reinigung der Bürste mit Wasser ist jedoch möglich (Artikelnummer 4031).

Die Nummern (4010 usw.) beziehen sich auf die Modellnummern im Shop von Kostkamm.

Reinigung der Bürsten

Für alle Naturprodukte aus Holz gilt: So selten wie möglich und so kurz wie möglich der Feuchtigkeit aussetzen. Bezogen auf die Haarbürsten ist dies oft schwierig umzusetzen, besonders wenn man sich in der Umstellungsphase zu einem milderen Reinigungsmittel oder zu Methoden wie Water only oder Sebum only befindet. Denn hier wird der noch übermäßig produzierte Talg nur durch Wärme und Mechanik entfernt. Um übermäßiges Jucken und Schuppen in der Umstellung zu Sebum only zu verhindern, sollte die Bürste spätestens nach drei Tagen gereinigt werden. Im späteren Verlauf ist dies seltener notwendig und kann dann auf ein Minimum beschränkt werden.

Um die Bürste während der Reinigung möglichst wenig zu schädigen, wird wie folgt vorgegangen:

  1. Mit den Fingern möglichst alle Haare und anhaftende Staubflusen entfernen. Auf den gern genutzten Bürstenreinigungskamm solltest du besser verzichten, um Beschädigungen an den Borstenschuppen zu vermeiden.
  2. Fettige Rückstände nur kurz mit kaltem bis lauwarmem Wasser ausspülen. Im Regelfall braucht es keine hundertprozentig gesäuberte Bürste, denn ihr Plus ist die Verteilung des Talgs in die trockenen Haarlängen. Bei starken Talgansammlungen aus Umstellungsphasen kannst du auch etwas Bio-Kernseife oder Alepposeife nutzen, um sogar bei kaltem Wasser fettfreie Bürsten zu erhalten. Stärkere basische Mittel wie Natron wären übertrieben. Bei hartem Wasser sind ebenso fettfreie Reinigungsmittel von Vorteil, da sonst wachsige Rückstände in der Bürste zurückbleiben und ins Haar eingebürstet werden.
  3. Reinigungsmittel möglichst kalt und zügig ausspülen.
  4. Nach der nassen Reinigung die Bürste gut ausschütteln und mit den Borsten nach unten zum Lufttrocknen auf eine Ablage legen. Wärmequellen wie die Heizung sollten während der Trocknung ebenso gemieden werden wie feuchte Badezimmerräume.

Ich hoffe, dass dir diese Ausführungen von Nutzen sind, damit du zukünftig besser, natürlicher und vielleicht sogar ganz ohne andere Reinigungsmittel deine Haare gesund, sauber und schön halten kannst.

Welche Haarpflege-Methode und welche Bürste bevorzugst du? Über deine Ergänzungen und Erfahrungen in einem Kommentar unter diesem Beitrag freuen wir uns!

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