Besen selber binden: plastikfrei aus Naturmaterialien

Einen selbsthergestellen Besen kann man nicht nur zum Karneval und Halloween gebrauchen, er fegt auch tatsächlich! So stellst du einen eigenen Besen her!

Über Jahrhunderte wurden Besen vollkommen ökologisch aus natürlichen Rohstoffen hergestellt. Erst mit Beginn des Erdölzeitalters ging man dazu über, wenig umweltfreundliche Produkte durch Massenproduktion mit chemischen Substanzen herzustellen. Die meisten Besen haben seitdem Plastikborsten, die über die Nutzungszeit durch UV-Strahlung und Beanspruchung porös werden und abbrechen. Wenn diese bunten Kleinstteile mit dem zusammengekehrten Abfall im Biomüll oder Kompost landen, überdauern ihre ungesunden Inhaltsstoffe viele Jahre. Irgendwann steht allerdings auch die Entsorgung dieses Plastikbesens an und spätestens jetzt wird klar, dass das vorhandene Material eigentlich getrennt werden müsste. Meist nimmt es jedoch den einfacheren Weg zum Wertstoffhof beziehungsweise zur Restmülltonne und wird letztendlich verbrannt.

Eine Alternative sind Stroh- und Reisigbesen, die vor Einzug der Plastikartikel im Garten und Hofbereich seit Generationen genutzt wurden. Reisstrohbesen findet man noch in Heim- und Gartencentern, allerdings sind auch sie mit Plastikschnüren gebunden und die Reisigbesen sind fast ausgestorben. Nur vereinzelt findet man sie noch im Herbst als Dekoration für Halloween bei Korbflechtern, oder online. Und wenn du Glück hast, sogar ohne Plastik.

Solche natürlichen Raritäten sind im Vergleich zu einem Plastikbesen schneller abgenutzt, weshalb das Selbermachen aus kostenlosen Materialien durchaus einen Sinn ergibt. Auch sind der Spaß und die Achtsamkeit beim Binden, sowie der Stolz über einen individuellen Hexenbesen nicht zu unterschätzen.

In diesem Beitrag findest du alles, was du zur Herstellung deines persönlichen Nimbus 2016 brauchst. Dann mal los!

1. Geeignetes Material suchen

Am besten eignen sich die biegsamen, dünnen, einjährigen Birkenzweige, die noch eine dunkle Rinde haben. Aber auch Weidenzweige und ein paar Heidelbeerzweige dienen als Material für Reisigbesen. Im Herbst bis in den frühen Frühling, wenn die Zweige keine Blätter tragen und noch Minusgrade herrschen, ist der optimale Zeitpunkt, um sie zu schneiden. So sparst du dir den zusätzlichen Handgriff, alle Blätter zu entfernen. Wähle nach Möglichkeit Zweige von verschiedenen Birkenbäumen, um nicht einen einzigen zu sehr in seinem Wachstum zu stören.

2. Birkenzweige vorbereiten

Damit die Zweige später leichter verarbeitet werden können, solltest du die Ruten auf eine Länge von zirka 50 bis 60 Zentimetern abschneiden. Wenn sie arg widerspenstig sind, kannst du sie durch Verdrillen in Form bringen. Dabei spalten sich die Fasern und die Äste verlieren ihre Spannung. Dazu ein handliches Büschel mit einer Hand am stabileren Ende festhalten und mit der anderen Hand auf ganzer Länge bis zu den Spitzen in einer Richtung seitwärts verdrehen. Gegebenenfalls wiederholen.

3. Naturschnüre aus langen Zweigen herstellen

Falls dein neuer Besen nur aus selbstgemachtem Naturmaterial bestehen soll, kannst du frische und lange Birkenzweige oder Weidenzweige zum Binden verwenden.

Birkenschnüre herstellen:

  1. Möglichst lange und dünne Birkenzweige aussuchen.
  2. Die ausgewählten Exemplare auf ganzer Länge wie die gekürzten Zweige verdrillen.

Einen selbsthergestellen Besen kann man nicht nur zum Karneval und Halloween gebrauchen, er fegt auch tatsächlich! So stellst du einen eigenen Besen her!

Weidenschnüre vorbereiten:

  1. Besonders lange und maximal einen Zentimeter dicke Weidenzweige mit einem scharfen Messer einmal über die gesamte Länge spalten.
  2. Das Mark wie bei einer Vanilleschote herauskratzen und die Hälften mit dem Messer glattstreichen.
  3. Vor dem Binden für zirka eine Stunde in Wasser einweichen.

4. Material trocknen als Option

Das vorbereitete Material kann sofort weiterverarbeitet oder auch ein bis zwei Wochen gerade ausgebreitet getrocknet werden. Als optimal hat sich das Bedecken mit einem Brett und Beschweren mit Steinen erwiesen, damit die Reiser beim Trocknen in Form bleiben.

5. Besen binden

Bevor du loslegst, ist es sinnvoll, sich alle benötigten Utensilien herzurichten.

Du benötigst dazu Folgendes:

  • vorbereitete, verdrillte Birken- oder Weidenzweige
  • einen dickeren, möglichst geraden Ast oder alten Besenstiel
  • eine Gartenschere und ein scharfes Schnitzmesser
  • stabiles Naturgarn oder Draht
  • alternativ: dünne, geschlitzte und eingeweichte Weidenzweige oder gedrillte Birkenzweige
  • optional: Nägel und Hammer
  • optional: Arbeitshandschuhe

Einen selbsthergestellen Besen kann man nicht nur zum Karneval und Halloween gebrauchen, er fegt auch tatsächlich! So stellst du einen eigenen Besen her!

Und so wird der Reisigbesen hergestellt:

  1. Mehrere Zweige werden zu drei bis maximal fünf Bündeln am dickeren Astende zweimal fest zusammengebunden. Setze die zweite Schnürung etwa 15-20 cm unterhalb der ersten an.
  2. Die gepackten Zweigbüschel zu einem dicken Bund doppelt zusammenbinden und dabei den gleichen Abstand einhalten. Der Anfang eines widerspenstigeren Naturfadens wird dazu zwischen zwei Bündel geklemmt oder einmal hindurchgezogen und das Fadenende nach drei Wicklungen mehrmals durch die eigenen Bahnen durchgefädelt, bis es von allein hält.
  3. Die offene Seite der Zweige etwas weiten und den Besenstiel am unteren Ende auf zirka 10 Zentimetern wie einen Bleistift anspitzen.
  4. Den Besenstiel mittig von oben in das Reisigbündel hineinrammen, mindestens bis zur zweiten Schnürung. So erhält das Paket aus Zweigen nochmals mehr Spannung.
  5. Die Besenborsten in Form schneiden und die Zweige am gebundenen Ende schräg nach unten kappen. So kann Regenwasser besser ablaufen und du bleibst nicht aus Versehen mit einem Zweigende hängen.

Fertig ist dein eigener Naturbesen für Kehrarbeiten, als Herbstdekoration, zur Ergänzung deines Karnevalkostüms oder auch für die ersten Flugübungen. ;-)

Einen selbsthergestellen Besen kann man nicht nur zum Karneval und Halloween gebrauchen, er fegt auch tatsächlich! So stellst du einen eigenen Besen her!

Dein handgemachter Besen hält, abhängig von der Häufigkeit des Einsatzes und der Festigkeit des Bindens, drei bis sechs Monate.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Tipps:

  • Für ein weicheres und feineres Kehrgefühl können noch ein paar junge Heidelbeerzweige dazugenommen werden.
  • Falls der Stiel nicht tief genug hineinzutreiben ist, um von allein zu halten, beginne entweder erneut mit einer Umwicklung und klopfe mit Nägeln den Stiel unterhalb der Schnürung fest, oder löse die Bündel aus dem Gesamtpaket noch einmal und binde sie einzeln an den Besenstiel. Bei sehr steifen Weidenschnüren ist das Festnageln empfehlenswert.
  • Stehen die Borsten noch etwas wild ab, kannst du sie mit einem durch Steine beschwerten Brett in die gewünschte Form pressen.

Hast du schon einmal einen Besen gebunden oder bei einem Besenbinder zugesehen? Dann würden wir uns über einen Erfahrungsaustausch in den Kommentaren freuen.

Diese Themen könnten dich auch noch interessieren:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Bisher 4.9 von 5 Punkten.
(35 Bewertungen)

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.