Anzüge in die chemische Reinigung? Nein, danke!

Anzüge, Jackets, Blazer und andere Kleidungsstücke müssen regelmäßig in die Reinigung. Gibt es eine Alternative? Eine smarticular-Leserin hat die Antwortvon Paul Inkles [CC-BY-2.0]

In vielen Berufen gehört es dazu, dass man einen Anzug oder Blazer trägt, oder zumindest eine Anzughose. Laut Etikett sollen die feinen Zwirne in die chemische Reinigung gegeben werden. Das wird auf die Dauer mühsam und teuer. Außerdem hat kaum jemand gern Chemie auf seiner Haut!

Was viele nicht wissen: Selbst komplette Anzüge lassen sich problemlos zu Hause waschen, wenn man es richtig macht. Unsere Leserin Stefanie hat hierfür diesen tollen Tipp für dich!

Anzüge selber waschen

Zum Waschen gehst du wie folgt vor:

  1. Befülle die Waschmaschine je nach Trommelgröße mit maximal 3-4 Teilen. Es sollten nicht mehr sein, damit die Wäschestücke nicht unnötig aneinander reiben. Auch eine gemischte Waschladung aus Wollpullovern und Anzügen ist möglich.
  2. Normales Waschmittel ist tabu, denn es enthält Enzyme, welche die empfindlichen Naturfasern aufquellen lassen. Verwende deshalb ausschließlich Wollwaschmittel, das frei von Enzymen ist.
  3. Gib 1 EL Wollwaschmittel ins Waschmittelfach und wasche mit dem Wollprogramm mit erhöhtem Wasserstand, bei maximal 30 Grad und OHNE Schleudern.
  4. Wenn du die Maschine nicht sofort nach dem Ende leerst, verwende die Funktion Spülstopp, damit die Wäsche im Wasser schwimmt und nicht knittert.

Die tropfnasse Wäsche kannst du auf Bügeln draußen oder in der Dusche/Badewanne zum Trocknen aufhängen. Selbst im Winter kann der Wäscheständer nach draußen (ggf. überdacht) und zumindest austropfen. Bei mir trocknen die Anzüge einfach in der Wohnung. Zum Schutz des Fußbodens vor herabtropfendem Wasser lege ich ein Stück Wachstuch sowie ein altes Handtuch unter.

Damit die Teile knitterfrei trocken, verwende am besten spezielle Bügel für jedes Stück:

  • Anzughosen sollten auf Hosenbügeln hängen
  • Anzugjacken können auf normale Kleiderbügel
  • Wollpullover und Strickjacken sollten ebenfalls tropfnass aus der Maschine kommen und liegend getrocknet werden, damit sie nicht ausleiern. Wenn sie angetrocknet sind, können sie auch auf einen Bügel gehängt werden.

Je nach Material kann es nach dem Trocknen sinnvoll sein, die Kleidungsstücke zu bügeln. Mischgewebe und Kunstfasern werden am besten mit Dampf geglättet. Baumwolle und Leinen benötigen hingegen das heiße Eisen.

Zwei Warnungen bevor du loslegst

  1. Führe vor dem Waschen an jedem Kleidungsstück einen Test durch um zu prüfen, ob das Material die Wäsche verträgt. Löse dazu etwas Wollwaschmittel in Wasser auf und träufele es auf einen verdeckten Bereich des Kleidungsstücks, zum Beispiel auf die Innenseite am Hosenbund oder Ärmel. Wasche die Stelle aus und lasse sie gut trocknen. Sollte ein Fleck zurück bleiben, dann ist das Kleidungsstück für die Wäsche daheim nicht geeignet und sollte besser in die Reinigung gegeben werden.
  2. Wer sich nicht sicher ist, ob das Material das Bügeln verträgt, der sollte lieber nicht selbst Hand anlegen, oder aber mit einem ausgemusterten Exemplar zunächst probieren. Wenn man auf die chemische Reinigung verzichten möchte, lohnt sich der Aufwand aber allemal.

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Reinigst du Anzüge selbst, oder lässt du reinigen? Wie immer freuen wir uns auf deine Erfahrungen und Anregungen in den Kommentaren!

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5 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Danke für diesen Tipp, ich habe so zwei Blazer gewaschen (einer aus Baumwolle mit Mischgewebe Futter, der laut Etikett nicht gewaschen werden darf und einer aus Kunstfaser, der laut Etikett bei 30 Grad gewaschen werden darf). Ich habe die Blazer direkt nach Ende der Wäsche auf Kleiderbügel gehängt, dabei darauf geachtet dass alles so sitzt wie es soll und sie etwas glattgestrichen. Ich musste allerdings ein paar unterschiedliche Kleiderbügel austesten, da einige zu breit waren und so evtl. Beulen oben in den Ärmeln entstanden wären. Die Blazer sind wunderbar glatt getrocknet, ich werde das jetzt immer so machen. Es spart Geld, ich weiß was in meinem Waschmittel drin ist und es ist für mich ein geringerer Aufwand. Bei sehr teuren Anzügen/Blazern wäre ich wohl noch etwas vorsichtiger, aber vielleicht könnte man da zuerst innen testen, ob sich das Material durch die Wäsche verändert.

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  2. und nach dem waschen schön 1h glatt bügeln, NEIN danke.

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  3. PetraPetra

    Anzughosen wasche ich auch genauso wie beschrieben. Bei Sakkos, die mit allen möglichen Spezialmaterialien versteift und zwischengefüttert sind, lasse ich es lieber bleiben.
    Es gibt auch maschinenwaschbare Anzüge, die ich mir als Mann kaufen würde.

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  4. „Außerdem hat kaum jemand gern Chemie auf seiner Haut!“
    Jedem der so denkt empfehle ich ab sofort keine Kleidung mehr zu tragen, auf der Straße zu leben (möglichst in der Luft schwebend) und nichts mehr zu essen. Blöd nur, wenn die Haut selbst auch Chemie ist, oder soziemlich alles was den Menschen umgibt. Kleidung ist Chemie, Essen ist Chemie, Unterkünfte sind Chemie – alles ist Chemie.
    Die Formulierung ist irreführend und unterstützt ein Feindbild das sich in seiner so groben wie falschen Form aus der Vergangenheit hält – in unserer Zeit praktisch nicht mehr angebracht und in unserer Zukunft schon gar nicht.
    Es sollte heißen „Kaum jemand fügt seinem Körper gerne bei Bewusstsein Schadstoffe hinzu!“
    Aber so weit denkt ja irgendwie niemand.

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    • Maximilian Knap

      Danke für die sinngemäße Ergänzung – natürlich sind synthetische Zusatzstoffe in den Produkten gemeint, mit denen unsere Haut täglich in Berührung kommt :-)

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