Leben ohne Deo – so geht’s 4.4/5 (15)

Kein Deo verwenden und trotzdem nicht stinken - geht das überhaupt? Das Gut-Riechen gehört heutzutage zum guten Ton, wenn man nicht als Außenseiter gelten möchte.

Kein Deo verwenden und trotzdem nicht stinken – geht das überhaupt? Das Gut-Riechen gehört heutzutage zum guten Ton, wenn man nicht als Außenseiter gelten möchte. Dabei stellt sich jedoch kaum jemand die Frage: Warum riechen wir überhaupt? Zwar ist ein gewisser Körpergeruch ganz natürlich und evolutionsbedingt auch sinnvoll, jedoch ist stinkender Schweiß keineswegs ein notwendiges Übel, das mit Chemie bekämpft werden muss. Im Gegenteil: Viele unserer Verhaltensweisen sorgen überhaupt erst dafür, dass wir unangenehm zu riechen beginnen. Wer die Ursachen für Körpergerüche kennt, kann gezielt etwas dagegen tun und in vielen Fällen fast vollständig auf geruchs-übertönende Deos verzichten.

Dank sozio-kultureller Zwänge einerseits und Werbung andererseits lernen wir schon früh: Wer gut ankommen will, verwendet Deodorant. Körpergeruch ist ein No-Go, gilt als unnatürlich und abstoßend. Und so kommt es, dass jedes Jahr Millionen für Körperpflegeprodukte zum Zwecke des guten Geruchs ausgegeben werden.

Doch diese Flut von Chemikalien, Duftstoffen usw. hat auch ihre Schattenseiten. Aluminiumverbindungen verstopfen unsere Poren und stehen im Verdacht, Alzheimer und andere Nervenkrankheiten zu verursachen. Chemische Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Konsistenzgeber und mehr auf Erdöl-Basis können vielfach zu Unverträglichkeiten, Hautreizungen bis hin zu Allergien führen. Wäre es nicht klasse, einfach ganz darauf verzichten zu können? Von Natur aus riechen wir gut und selbst frischer Schweiß ist vollkommen geruchlos. Erst durch einige Verhaltensweisen und schlechte Angewohnheiten entsteht überhaupt der Mief. Worauf es ankommt und was du dagegen tun kannst, erfährst du in diesem Beitrag.

1. Die Ernährung macht den Unterschied

So wie du isst, riechst du auch – könnte man sprichwörtlich sagen. Das liegt daran, weil die Haut unser größtes Entgiftungsorgan ist, über das sich unser Körper vieler giftiger Stoffwechselprodukte entledigt. So kommt es, dass Zusammensetzung und Geruch des Schweißes maßgeblich von dem bestimmt werden, was wir tagtäglich zu uns nehmen. Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, “müffelt” automatisch weniger.

Kaffee, schwarzer Tee und auch Alkohol wirken sich auf den Körpergeruch aus und sorgen dafür, dass Schweiß unangenehm riecht. Ebenso sind besonders fettige, würzige sowie scharfe Speisen für spätere unangenehme Ausdünstungen verantwortlich. Wenn du künftig vielleicht sogar ganz auf Deo verzichten möchtest, solltest du bestimmte Kräuter und Gewürze ebenfalls meiden, dazu gehören Chili, Pfeffer, Knoblauch, Zwiebeln, Lauch aber auch Rettich und Kohl.

Wer seinen Konsum an Fleisch, Milch, Käse und anderen Milchprodukten einschränkt, wird mittelfristig ebenfalls die Zusammensetzung des Schweißes positiv beeinflussen und seinen Körpergeruch reduzieren.

Generell kann vor allem Rohkost viel besser und einfacher vom Körper verstoffwechselt werden als verarbeitete und gekochte Lebensmittel. Einfach gesagt entstehen weniger “Abfallprodukte”, die über die Haut abtransportiert werden müssen.

2. Ausreichend trinken

Fast alle Prozesse im Organismus sind auf eine ausreichende Wasserversorgung angewiesen. Wenn wir zu wenig trinken, laufen Stoffwechselvorgänge weniger optimal ab. Der Abtransport von Stoffwechselprodukten über Darm und Nieren funktioniert weniger gut, so dass die Haut entsprechend mehr leisten muss. Mit mindestens zwei bis drei Litern Wasser am Tag hältst du deinen Wasserhaushalt im Gleichgewicht, bei körperlicher Belastung entsprechend mehr.

3. Nichtraucher riechen besser

Rauchen führt ebenfalls zu unangenehmem Körpergeruch. In Zigaretten sind über 7.000 Substanzen und Schadstoffe enthalten, von denen viele nach ihrem Weg durch unseren Körper über die Haut wieder ausgeschieden werden und den Schweißgeruch beeinflussen.

Endlich Nichtraucher! Der einfache Weg, mit dem Rauchen Schluss zu machen
für Tolino:
als Audio-Buch:
 iTunes oder Audible

4. Richtige Kleidung – die Haut braucht Luft

Je weniger wir schwitzen, desto weniger Schweißgeruch kann überhaupt erst entstehen. Problematisch sind häufig vor allem besonders enge Kleidungsstücke wie Hosen, Oberteile sowie schlecht atmende Schuhe, die oft den ganzen Tag lang getragen werden. Gerade dieses feuchte, sauerstoffarme Klima in Schuhen, unter den Achseln oder im Lendenbereich ist es aber, das geruchsverursachende Bakterien regelrecht florieren lässt. Sie wandeln Haut-Ausscheidungen wie Eiweiße, Fette und Zucker um und produzieren daraus übel riechende Verbindungen.

Synthetikfasern nehmen diese Gerüche meist stärker an als Naturfasern, bzw. verstärken die unangenehme Wirkung des Geruchs noch. Greife deshalb lieber auf Baumwolle und andere Naturmaterialien zurück und bevorzuge luftige, komfortable Kleidung gegenüber hautenger Trendmode.

Häufig sind es aber auch die Kleidungsstücke selbst, die Gerüche überhaupt erst verursachen bzw. verstärken. Vor allem im Achselbereich von T-Shirts können sich mit der Zeit erhebliche Mengen Bakterien ansammeln, die auch durch Waschen bei 40 °C nicht entfernt werden. Um diesen stechenden Schweißgeruch loszuwerden, der meist selbst nach dem Waschen beim ersten Tragen sofort wieder wahrnehmbar wird, solltest du diesen Trick anwenden.

Genauso sind gelbe Verfärbungen im Achselbereich ein Anzeichen für fortschreitenden Bakterienbefall. Wie du solche Flecken und damit die Quelle für Gerüche entfernst, erfährst du in diesem Beitrag.

5. Stress

Negativer Stress belastet unsere Psyche, der Körper reagiert sofort und produziert vermehrt Schweiß und andere Ausscheidungen, die schlechte Gerüche verursachen. Überhaupt ist Stress einer der Hauptfaktoren beim Entstehen vieler Zivilisationskrankheiten. Es lohnt sich deshalb für jeden von uns, über ausgleichende Maßnahmen wie mehr Bewegung an frischer Luft, Entspannnungsübungen oder ggf. auch notwendige Entscheidungen wie einen Jobwechsel oder Umstellung anderer, Stress verursachender Lebensumstände nachzudenken.

6. Bewegungsmangel

Unser Stoffwechsel sowie die natürliche Entgiftung über Haut und andere Ausscheidungsorgane laufen schneller und besser ab, je mehr wir uns bewegen. Eine Stunde Ausdauertraining wirkt somit nicht nur reinigend für die Seele und hilft, Stress und negative Emotionen abzubauen. Durch vermehrtes Schwitzen kurbelt Sport auch das gezielte Abführen der Stoffwechselprodukte an und verbessert somit den allgemeinen Körpergeruch.

7. Körperpflege und Kosmetik

Natürlich bildet auch eine angemessene Körperpflege die Grundlage, damit Gerüche gar nicht erst entstehen. Sich täglich unter den Achseln ausgiebig mit Seife zu waschen kann so manche Deo-Anwendung überflüssig machen.

Weil bei manchen Menschen besonders die Achselhaare viel Oberfläche für Bakterien bieten, den Geruch annehmen und sogar noch verstärken, kann eine Achselrasur ebenfalls helfen. Diese Maßnahme bringt oft einen sofort spürbaren Unterschied und auch ohne Deo werden Gerüche erst viel später wahrnehmbar als mit behaarten Achseln.

Manche Kosmetikprodukte wirken aber auch selbst verstärkend auf schlechten Körpergeruch, weil ihre Inhaltsstoffe Nahrung für Bakterien bieten.

Wie entsteht Körpergeruch und kann man ohne Deodorant leben?
von Nicolas Calderon [CC-BY-SA-2.0]

Leben ohne Deo

Probiere es doch einfach mal aus: Wenn du viele dieser Tipps beherzigst, kannst du möglicherweise oft oder sogar ganz auf die Anwendung von Deo und Parfum verzichten, und dein Körpergeruch wird trotzdem als angenehm oder nicht wahrnehmbar empfunden.

Vielleicht gehörst du aber auch zu den Menschen, die vermehrt schwitzen und bei denen ein gewisser Körpergeruch unvermeidlich ist. Wenn er dich stört, gibt es trotzdem eine ganze Reihe natürlicher Alternativen zu industriellen Deodorants. Im einfachsten Fall reicht bereits etwas Kokosöl, das sanft unter den Achseln einmassiert wird und die Haut angenehm pflegt. Oder aber du probierst es mit einer Puderung mit feinem Natron, mit dem viele Menschen erfolgreich das Deo überflüssig machen.

Darüber hinaus haben wir schon viele Deo-Rezepte zum Selbermachen aus natürlichen Zutaten getestet. Egal ob Deo-Roller, Spray oder Creme – bestimmt ist für dich ein passendes Rezept für hausgemachtes Deodorant dabei!

Wie sind deine Erfahrungen? Hast du Körpergerüche durch Lebensumstellung wie Aufgabe des Rauchens, Ernährungsumstellung oder Umstieg auf natürliche Alternativen zu Deo in den Griff bekommen? Hinterlasse deine Anmerkungen und Ergänzungen in den Kommentaren!

Vielleicht interessieren dich auch diese Themen:

Bewerte diesen Beitrag

  • http://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com Maria Widerstand

    Hallo!

    Ich habe vor einiger Zeit einen Beitag veröffentlich, wo der Ausgangspunkt das Aluminium im Deo war, aber ich direkt auch auf meinen Weg zu „kein Deo“ eingegangen bin. Daraus ist eine sehr ausführliche Diskussion entstanden, wo meine Beobachtungen an mir selbst auch bestätigt wurden.

    Es braucht einige Zeit, bis man ohne Deo leben kann, vor allem, wenn man vorher ein Deo mit Aluminium verwendet hat. Die Übergangsphase ist schwierig, zugegeben. Aber danach ist man wieder frei.

    Ich verwende jetzt seit fast 2 Jahren nur noch in großen Ausnahmefällen ein Deo und selbst in sehr stressigen Situationen stinke ich nicht (mehr).

    lg
    Maria

    PS: Wer Lust hat in die Diskussion reinzulesen
    https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2015/02/20/wie-gefahrlich-ist-aluminium-wirklich-fur-uns/

    • Maximilian Knap

      Liest sich sehr schön, vor allem der Hinweis zum Duschgel ist interessant! Ich habe ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass bloße Kernseife ein viel natürlicheres Hautgefühl und natürlichen Duft „nach nichts“ zurück lässt. Von konventionellen Duschgels sollte man wohl besser die Finger lassen. Liebe Grüße!

  • Axel

    In meinem Rasierschrank steht kein Deo. Das einzige ‚Mittelchen‘ das ich täglich verwende ist mein Rasierwasser. Denn mein Bart wächst auf ungutem Acker…
    Ausserdem wasche ich meine Füsse täglich. Sie haben mich inzwischen mehr als 18500 Tage durchs Leben ‚getragen‘.
    Mein Schweiss tritt nicht sehr oft unangenehm in Erscheinung. Dann vor allem in Verbindung mit synthetischer Kleidung. Im Sommer je nach Hitzewelle. Der See ist allerdings nicht weit entfernt.
    Man muss dem Körper auch Zeit für die natürliche ‚Balsamierung‘ lassen.
    Das ergibt dann eine erträgliche Duftnote.

  • Melanie Fehn

    Hallo,
    Sehr interessant! Besonders gut finde ich den Hinweis mit dem Wäsche waschen, das ist mir auch aufgefallen und werde ich auf alle Fälle ausprobieren!
    Eine Anmerkung zur Ernährung: Es stimmt das der Stoffwechsel bei Rohkost angekurbelt wird, genauso wie die Damrtätigkeit, aber der Körper kann nur ein Bruchteil der gesunden Inhaltsstoffe aufnehmen. Denn Magen und Darm können die Zellen der Rohkost nicht aufbrechen, lediglich die beim kauen zerstörten Zellen können verwertet werden. Daher kochen und dünsten wir, um die Zellen zu zerstören, dann kann unser Verdauungssystem die Vitamine etc. aufnehmen.

    • Maximilian Knap

      Hallo Melanie, vielen Dank für deine Rückmeldung! Dass Kochen diesen Zweck erfüllt, war uns noch gar nicht so bewusst, guter Hinweis. Die Alternative für Menschen, die sich vermehrt mit Rohkost ernähren, ist ein leistungsstarker Smoothie-Mixer. Darin werden zumindest zu einem Gewissen Grad auch die Zellen aufgebrochen und so Nährstoffe zugänglich gemacht, die vom Organismus sonst schwerer oder gar nicht aufgenommen werden könnten. Die Schlussfolgerung wäre also: Gut kauen, mixen oder eben kochen :-) Liebe Grüße!

    • Lovis Lehmann

      Nun ja, ich kaue mein Gemüse immer, also kann ich auch alles verwerten, so what?

  • Ruth Herz Licht

    Danke für den Beitrag… Ich verwende schon seit Jahren kein Deo mehr und rieche nicht.. :-) Es fehlt mir überhaupt nicht. Im Gegenteil, es stört mich regelrecht, wenn Menschen so „eingedüftelt“ sind, da ich auch kein Parfum mehr verwende… Ich mag nichts künstliches mehr riechen…

    • Maximilian Knap

      Stimmt, wenn man eine Zeit lang auf künstliche Düfte verzichtet, fällt einem dies erst so richtig (teilweise negativ) bei anderen auf. Verwendest du denn gar nichts als Deo, nicht mal Natron oder Kokosöl? Liebe Grüße!

  • Meg

    Hallo,
    zum Thema „Rohkost und Verwertbarkeit“ hat ja schon Melanie Fehn geantwortet, von daher gehe ich hier nicht mehr darauf ein ;)

    Was den Geruch angeht:
    Bei mir ist es sehr unterschiedlich. Es gibt Tage, an denen ich kaum rieche und Tage, an denen ich durchaus rieche. Und ich habe einige T-Shirts, die auch nach dem Waschen unangenehm riechen (ich werde gleich die Tipps für stinkende T-Shirts durchlesen). Ab und an weiche ich die T-Shirts in Apfelessig ein, was einige Zeit gegen den Geruch hilft.
    Interessanter Weise ist es so, dass ich gerade in weiten Baumwoll T-Shirts das Gefühl habe, stärker zu riechen als in eng anliegender Kleidung. Warum das so ist, weiß ich allerdings nicht.

    Prinzipiell genieße ich es, wenn ich kein Deo benötige und dennoch nicht oder kaum rieche. Allerdings verzichte ich nicht fanatisch darauf, da es durchaus einige Düfte gibt (sehr dezente!), die ich einfach gerne mag und auf die ich ab und an Lust habe. Und dann nutze ich sie auch. Und gegen ein angenehmes Männer-Aftershave habe ich auch nichts ;)

    Lieben Gruß

  • Lovis Lehmann

    Schwitzen tut man vor allem nicht trotz Deo, sondern WEGEN Deo. Seit ich keines mehr verwende schwitze ich kauzm noch.

  • Mine

    ich lebe allergiebedingt seit 30 Jahren ohne Deo und habe es keinesfalls genossen. Seit ich hier lese, benutze ich Natron in Wasser aufgelöst aus einer Sprühflasche. Das vertrage ich wunderbar und stinke überhaupt nicht mehr

Die besten Tipps kostenlos per E-Mail Mach es wie 16.000 andere Leser und erhalte die besten Tipps und Tricks per Mail!
Wir senden niemals Spam und geben deine Daten niemals weiter. Du kannst dich jederzeit abmelden.