Wie in Indien: Echter Gewürz-Chai nach Varanasi-Rezept 4.71/5 (17)

Dieser indische Gewürz-Chai aus Zimt, Ingwer, Kardamom und Nelke wärmt dich im Winter und gibt dir Kraft für den Alltag.

Auf meinen Reisen in Nordindien hat mir der gute alte Chai mit viel Zucker und traditionellen Gewürzen schon unzählige Male (zumindest gefühlt) das Leben gerettet. Es gibt nichts besseres, wenn man vom langen Weg erschöpft ist, als sich für einen Moment hinzusetzen, einen frischen Chai zu genießen und vielleicht ein freundliches Gespräch mit der Chai-Walli (Chai-Frau) zu führen.

Das aromatische Heißgetränk hat auf dem Subkontinent eine lange Tradition und einen hohen Stellenwert. Viele Familien geben ihre geheimen Gewürz-Rezepturen von Generation zu Generation weiter. Aus dem alltäglichen Leben ist der Chai nicht wegzudenken. Gehst du in ein Geschäft, um zum Beispiel einen Sari zu kaufen, wird zuerst einmal Chai getrunken. Klopft Besuch an die Tür, wird Chai aufgesetzt. Vor allen wichtigen Entscheidungen, die Geschäfte oder die Familie betreffen, gibt es Chai.

Durch die vielen Asienreisenden aus dem Westen und die Verbreitung indischer Restaurants ist Chai, hier oft Yogi-Tee genannt, inzwischen auch in Europa bekannt und beliebt. Und man kann mittlerweile sogar Fertigpulver kaufen, aus dem man sich angeblich mit Milch oder Wasser einen Chai anrühren kann. Dieses Fertiggetränk hat mit dem Original aber nicht viel gemeinsam. Zum einen ist das Pulver unverschämt teuer, zum anderen enthält es häufig Aromastoffe, Emulgatoren und andere Zusätze, die ganz bestimmt nichts in einem indischen Chai zu suchen haben.

Ich verrate dir hier ein Rezept, das ich von Freunden aus der wunderschönen Stadt am Ganges Varanasi bekommen habe. Mir schmeckt der Chai so ganz hervorragend, du kannst die Gewürzzutaten aber ganz nach deinem Geschmack variieren.

Die Masala: Welche Gewürze braucht der Chai?

Ob nun fünf, sechs oder sieben Gewürze (Masala) in den echten Chai gehören, wird sich wahrscheinlich niemals endgültig klären lassen. Auf jeden Fall müssen für ein rundes Geschmackserlebnis die folgenden fünf Zutaten enthalten sein:

Wer seinen Tee gerne etwas schärfer mag, kann zusätzlich noch schwarzen Pfeffer dazugeben.

Wie alles andere auch ist der Sternanis reine Geschmackssache. Ich persönlich habe noch nie gesehen, dass er von meinen Freunden verwendet wurde, aber manch ein Chai-Experte schwört darauf.

Dieser indische Gewürz-Chai aus Zimt, Ingwer, Kardamom und Nelke wärmt dich im Winter und gibt dir Kraft für den Alltag.
von Nico Crisafulli (CC-BY-2.0)

Zubereitung des indischen Lebenselixiers

Um einen Gewürztee zu kochen, der dem Original möglichst nahe kommt, braucht es keinen mit getrockneten Kuhfladen beheizten Lehmofen wie in Indien. Du kannst ihn auch ganz einfach zu Hause am Herd zubereiten.

Dafür benötigst du:

  • 500 ml Wasser
  • 500 ml möglichst gute, naturbelassene Bio-Milch (ich habe es auch schon oft mit Hafer-, Soja-, Dinkelmilch gemacht, kommt geschmacklich aber nicht ans Original heran)
  • 1 gehäuften EL Schwarztee-Blätter, am besten einen kräftigen Assam
  • 2 EL Jaggery (indischer Rohrzucker) oder anderen braunen Rohrzucker
  • 1,5 cm Ingwer, gerieben
  • 5 cm Zimtstange
  • 3 grüne Kardamomkapseln
  • 3 bis 5 Gewürznelken
  • 1 kleines Stück Macis (Vorsicht bei der Dosierung, die Muskatblüte schmeckt sonst zu stark heraus)
  • optional: 3 bis 5 schwarze Pfefferkörner
  • optional: ein halbes Stück Sternanis

Und so geht’s:

  1. Alle Gewürze in einem Mörser zerstoßen und vorsichtig im Topf erhitzen.
  2. Wenn der Gewürzduft aufsteigt, das kalte Wasser und die Milch angießen.
  3. Bei mittlerer Hitze aufkochen.
  4. Wenn die Milch-Gewürz-Mischung sprudelnd kocht, den Schwarztee einstreuen.
  5. Nach Geschmack süßen. Süß oder sehr süß. Ohne Zucker geht es nicht, denn indischer Chai MUSS süß sein.
  6. Nach wenigen Minuten Ziehzeit den fertigen Chai durch ein Sieb gießen und genießen.

Wie beschrieben sind die Gewürze und Mengenverhältnisse beim Chai Tee nicht in Stein gemeißelt. Du kannst ausprobieren, was dir schmeckt. Willst du eine vegane Variante kochen, schau am besten, welche Milch-Alternative dir am meisten zusagt. Willst du den Zucker durch Honig ersetzen? Nur zu! Was beliebt, ist auch erlaubt. Oder wie der Inder sagt “sabkuch milega!” (sprich: sabkutsch mileega) – Alles ist möglich!

Hat dir dein selbstgemachter Chai geschmeckt? Welche Geheimzutat empfiehlst du? Hinterlasse uns deine Tipps in den Kommentaren!

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  • Astrid

    Zum Einen gefällt es mir sehr, dass hier für Gewürzmischung „Masala“ steht, denn so heißt ja auch das tolle Gewürzpulver, das fälschlicherweise als „Curry“ bezeichnet wird – Curry ist z.B. das Gemüse, das mit dieser Mischung bereitet wird. Zum Zweiten fällt mir ein: so habe ich den Tee schon 1989 in meinem ehemaligen veg. Restaurant zubereitet und wenn meine Bedienung diesen zu einem Gast brachte konnte ich in der Küche 100%ig damit rechnen, das weitere Bestellungen kommen – so köstlich riecht der Chai und ihn lieben auch die, die nie in Indien waren – also danke für die Anregung! Ich habe das ganze noch mit einem Sahnehäubchen gekrönt, mit etwas Zimtpulver bestreut…

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